Publikation, 25.11.2020

Stromanbieter-Check

Unser Stromanbieter-Vergleich gibt Hilfe bei der Suche nach sauberem Grünstrom, der auch einen Beitrag zur Energiewende und zum Umweltschutz leistet – und natürlich nicht „verfilzt“ ist mit Atomkraft- oder Kohlekraftwerks-Betreibern.

Der Stromkennzeichnungsbericht der E-Control listet 131 Anbieter, die in Österreich „100 Prozent Grünstrom“ anbieten, einer billiger als der anderer, mit kreativer Werbung und phantasievollen Namen. Aber: Was steckt dahinter? Leistet man mit seinem Geld für den Strombezug von diesen Anbietern einen Beitrag zur notwendigen Energiewende oder landet das Geld auf der Bank eines Atomkraftwerks-Betreibers? Kann man den Versprechungen dieser Stromhändler trauen, die man oft noch nicht einmal anrufen kann (weil sie keine österreichische Niederlassung haben), geschweige denn ein einziges Windrad, Sonnen- oder Kleinwasserkraftwerk betreiben?

Der Stromanbieter-Check 2020 in Kooperation mit dem WWF zeigt, welche Stromanbieter Klimaschutz und Naturschutz ernst nehmen und tatsächlich das beste Angebot für klimabewusste StromkundInnen liefern und bewertet erstmals alle Anbieter auf dem österreichischen Strom-Markt..

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Wir haben nachgefragt:

  • Welchen Strom verkaufen die Anbieter und woher kommt dieser?
  • Wie hoch ist der Grünstromanteil und werden Nachweise zugekauft?
  • Wie steht es um die Naturverträglichkeit der erneuerbaren Kraftwerke des Anbieters?
  • Beteiligt sich der Anbieter am Betrieb von Kohle- oder Gaskraftwerken?
  • Wird auch fossiles Gas und Öl verkauft?
  • Welche Strategie hat der Anbieter, um rasch die Verwendung und dem Verkauf von fossilem Gas zu beenden und sich im Sinne des Pariser Klima-Abkommens aufzustellen?
  • Wieviel wird in Erneuerbare Energien investiert?

In unserer umfassenden Analyse haben wir Stromanbieter unter die Lupe genommen und kontaktiert, mit denen 57 Prozent des österreichischen Endverbrauchs an Strom abgedeckt werden. Dabei haben wir zwei besondere Probleme aufgedeckt:

1) Briefkasten-Firmen

Viele der von uns angeschriebenen Anbieter haben überhaupt nicht geantwortet. Wir haben nochmals geschrieben und angerufen. Doch das war nicht immer möglich: Eine Briefkasten-Adresse im 1. Bezirk, der Firmensitz in Slowenien oder Bayern, ein Anrufbeantworter oder Call Center, nach vielen Anfragen die Aussage „Wir haben kein Interesse mit Ihnen zu sprechen“. Wie es wohl den KundInnen geht, die von diesem Anbieter mit „100 % Grünstrom“ eine Auskunft über die Stromherkunft bekommen wollen?

Im Check 2020 haben wir daher zunächst allen Anbietern eine Vorbewertung zugeschickt, die auf den öffentlich verfügbaren Daten beruhte. Kriterien, die „von außen“ nicht bewertet werden konnten, wurden vorsichtshalber und aus Gründen der Fairness den anderen Stromanbietern gegenüber negativ beurteilt. Die Stromanbieter konnten sich durch eigene Angaben entsprechend in der Punktewertung verbessern. Weitere Datengrundlagen waren der „Stromkennzeichnungsbericht 2020“ der E-Control, die Geschäftsberichte der Unternehmen und weitere öffentlich zugängliche Quellen.

2) Verbandelt – Verfilzt mit Atom- und Kohle-Strom

Viele der in Österreich aktiven Stromanbieter sind über Finanzbeteiligungen miteinander eng verwoben. Einerseits sind die Gesellschaften und Unternehmensgruppen historisch gewachsen, andererseits werden einzelne Geschäftsbereiche bewusst ausgelagert, um diese als reine Grünstromanbieter am Markt zu positionieren. Einige deutsche Atomkraftkonzerne haben dies genutzt, um sich in bestehende österreichische Energieversorger einzukaufen oder direkt eigene ‚grüne‘ Ableger in Österreich zu betreiben. Auch ein schweizerischer, ein slowenischer, ein finnischer und ein französischer Atomkraftkonzern sind direkt oder indirekt auf dem österreichischen Markt vertreten – teilweise als „Grünstrom“-Anbieter. Die Profite fließen immer noch in die Mutterkonzerne zurück. Das heißt: Atomstrom-Finanzierung mit dem Geld der Grünstromkundinnen und -kunden. Hier finden Sie mehr zum Strom-Filz in Österreich.

Unser Stromanbieter-Vergleich

Der Stromanbieter-Check zeigt, dass auf dem Weg zu einer naturverträglichen Energiewende noch große Herausforderungen vor uns liegen. Noch immer stammen 16 Prozent der Stromerzeugung in Österreich aus fossilen Energieträgern. Darüber hinaus ist die große Mehrheit der so genannten Grünstromanbieter nicht so sauber, wie sie gerne vorgeben. Es gibt einen Unterschied zwischen echtem Engagement für die Umwelt und werbetauglicher Inszenierung. Privathaushalte haben ein Recht darauf zu erfahren, wo ihr Strom wirklich herkommt.

Stromanbieter-Check 2020

Mit 55 Prozent wird mehr als die Hälfte des in Österreich verkauften Stroms mit zugekauften Nachweisen um-etikettiert und „grün gewaschen“. Nur fünf der 148 bewerteten Stromanbieter erreichen die Top-Bewertung „Treiber der Stromzukunft“. Auf gutem Kurs für die Erfüllung der Pariser Klimaschutzziele sind nur zehn Prozent des heimischen Strommarkts.

 

Das Ranking ergibt ein differenziertes Bild über die österreichischen Stromanbieter: Einige sind ganz vorne in ihren Bestrebungen, 100 Prozent Grünstrom mit österreichischen Nachweisen und den vollständigen Verzicht auf fossile Energien wie Erdgas und Kohle voranzutreiben. Darunter sind Familienbetriebe, private Gesellschaften und Stadtwerke, die die Herausforderungen der Klimakrise erkannt haben und sich klar ausrichten auf eine naturverträgliche und klimagerechte Energiewende. Einige sind auf gutem Weg zum Ausstieg aus fossilen und zur Umstellung auch großer Gemeinden und Städte auf Erneuerbare Energien im Sinne einer „Future Fitness“. Und einige haben noch viel zu tun beim Kohle- und Gasausstieg oder sind eben immer noch verbandelt mit AKW-Betreibern. Wer jetzt ein Zeichen für die Energiewende setzen will, kann zu einem Versorger wechseln, der jetzt schon auf dem richtigen Weg ist.

„Grünstrom“ ist nicht gleich Grünstrom

Durch den zähen Kampf von GLOBAL 2000 und anderen MitstreiterInnen muss Strom in Österreich zwar ein „Mascherl“ haben, also Strom mit Nachweis gekennzeichnet werden. Der Begriff „Grünstrom“ stammt aus dieser gesetzlich geregelten Stromkennzeichnung. Dabei kann es sich tatsächlich um Strom aus erneuerbaren Quellen („Ökostrom“) handeln oder um Strom aus anderen Quellen, für den ein Stromnachweis aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt wird. Dennoch können Strom und Nachweise getrennt voneinander gehandelt werden. Diese Art von Umetikettierung macht es etwa möglich, Kohlestrom einzukaufen und diesen beispielsweise mit einem Wasserkraft-Nachweis als Grünstrom zu deklarieren. „Kreative“ Unternehmen gründen einfach eine (Österreich-)Tochter – und die kauft Strom von der Börse mit Nachweis dazu und betreibt nie direkt ein (erneuerbares) Kraftwerk: Der Grünstrom-Vertrag freut also den Herrn Generaldirektor und dessen Aktionäre, aber leistet keinen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende wie bei den vielen kleinen und großen engagierten Anbietern. Aus Kundensicht ist eine Rückverfolgung kaum möglich. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, die Menge an gekoppelt gehandeltem Strom und Nachweisen auszuweisen.

GLOBAL 2000 und der WWF geben Kundinnen und Kunden mit dem Stromanbieter-Check eine fundierte Orientierungshilfe zur Hand. Zugleich wird die Bundesregierung aufgefordert, ein effektives Anreizsystem für eine naturverträgliche Energiewende zu schaffen. Die ausführliche Analyse aller Stromanbieter finden Sie im Bericht "Stromanbieter Check 2020" unten im Downloadbereich

Weitere Infos zu Österreichs Stromanbietern finden Sie in unserem Strom-Filz