Stromanbieter-Check 2017

Der Stromkennzeichnungsbericht der E-Control listet 125 Anbieter, die in Österreich „100 % Grünstrom“ anbieten, einer billiger als der anderer, mit kreativer Werbung und phantasievollen Namen. Aber: Was steckt dahinter? Leistet man mit seinem Geld für den Strombezug von diesen Anbietern einen Beitrag zur notwendigen Energiewende, oder landet das Geld auf der Bank eines Atomkraftwerks-Betreibers? Kann man den Versprechungen dieser Stromhändler trauen, die man oft noch nicht einmal anrufen kann (weil sie keine österreichische Niederlassung haben), geschweige denn ein einziges Windrad, Sonnen- oder Kleinwasserkraftwerk betreiben?

Wir haben nachgefragt:

  • Welchen Strom verkaufen die Anbieter?
  • Wo kommt der Strom her?
  • Beteiligt sich der Anbieter am Betrieb von Kohle- oder Gaskraftwerken?
  • Wer ist die Konzernmutter?
  • Wird auch fossiles Gas und Öl verkauft?
  • Wie viel wird in die Energien der Zukunft, in Erneuerbare Energien investiert?

In unserer umfassenden Analyse haben wir 130 Stromanbieter unter die Lupe genommen und kontaktiert, mit denen über 80 % der österreichischen Stromabgaben an EndkundInnen abgedeckt werden. Geantwortet haben jedoch nur 38 Stromanbieter – viele der Firmen mit Sitz im Ausland waren trotz Nachfrage nicht bereit, sich an der Evaluierung anhand transparenter und öffentlich nachvollziehbarer Daten zu beteiligen. Dabei haben wir zwei besondere Probleme aufgedeckt:

1) Briefkasten-Firmen

Viele der von uns angeschriebenen Anbieter haben überhaupt nicht geantwortet. Wir haben nochmals geschrieben und angerufen. Doch das war nicht immer möglich: Eine Briefkasten-Adresse im 1. Bezirk, der Firmensitz in Slowenien oder Bayern, ein Anrufbeantworter oder Call Center, nach vielen Anfragen die Aussage „Wir haben kein Interesse mit Ihnen zu sprechen“. Wie es wohl den KundInnen geht, die von diesem Anbieter mit „100 % Grünstrom“ eine Auskunft über die Stromherkunft bekommen wollen?

2) Verbandelt – Verfilzt mit Atom- und Kohle-Strom

Bei unseren Recherchen sind wir auch auf einen Grünstrom-Anbieter gestoßen, der eine Tochtergesellschaft des Betreibers des slowenischen AKW Krsko ist. Ein weiterer Grünstrom-Anbieter ist die Tochter des bayrischen Atom-Konzerns E.ON, der 2017 einen Rechtsstreit gegen den deutschen Staat gewonnen und die Steuer auf Atom-Brennelemente zurückerkämpft hat –2,8 Milliarden Euro, die die deutschen SteuerzahlerInnen als Zuckerl für den AKW-Konzern berappen müssen. Ein weiterer Anbieter von Grünstrom ist die Tochtergesellschaft eines bayrischen Mineralöl-Konzerns. Und hier, in der österreichischen Tochtergesellschaft, ist alles sauber?

Stromanbieter Check

Unser Stromanbieter-Vergleich

Das Ranking ergibt ein differenziertes Bild über die österreichischen Stromanbieter: Einige sind ganz vorne in ihren Bestrebungen, 100 % Grünstrom mit österreichischen Nachweisen und den vollständigen Verzicht auf fossile Energien wie Erdgas und Kohle voranzutreiben. Einige sind auf gutem Weg zum Ausstieg aus fossilen und zur Umstellung auch großer Gemeinden und Städte auf Erneuerbare Energien im Sinne einer „Future Fitness“. Und einige haben noch viel zu tun beim Kohle- und Gasausstieg oder sind eben immer noch verbandelt mit AKW-Betreibern. Wer jetzt ein Zeichen setzen will für die Energiewende kann zu einem Versorger wechseln, der jetzt schon auf dem richtigen Weg ist.

Stromanbieter Check

„Grünstrom“ ist nicht gleich Grünstrom

Wie kann das gehen? Durch den zähen Kampf von GLOBAL 2000 und anderen MitstreiterInnen muss Strom in Österreich zwar ein „Mascherl“ haben, also Strom mit Nachweis gekennzeichnet werden und diese Kennzeichnung auch auf Homepage, Werbematerial, Rechnung und im Kennzeichnungsbericht offengelegt werden. „Kreative“ Unternehmen gründen aber einfach eine (Österreich-)Tochter – und die kauft Strom von der Börse mit Nachweis dazu und betreibt nie direkt ein (erneuerbares) Kraftwerk: Der Grünstrom-Vertrag freut also den Herrn Generaldirektor und dessen Aktionäre, aber leistet keinen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende wie bei den vielen kleinen und großen engagierten Anbietern.

 

Die ausführliche Analyse aller Stromanbieter finden Sie im Bericht "Stromanbieter Check 2017" unten im Downloadbereich.