PRP Grenzwerte

Für das PestizidReduktionsProgramm hat GLOBAL 2000 sogenannte PRP-Obergrenzen festgelegt. Diese beruhen auf dem Vorsorgeprinzip und werden aus den ADI-Werten errechnet, die von international anerkannten Gremien für jedes Pestizid festgelegt werden und ein Maß für die chronische Gesundheitsgefährdung darstellen. Da Obst und Gemüse sehr oft mit mehr als einem Wirkstoff belastet ist, wurde auch eine maximale Summenbelastungsobergrenze eingeführt.

Weiters werden im PRP der gesetzliche Höchstwert und die akute Referenzdosis (ARfD) zur Beurteilung der Proben herangezogen. Die gesetzlichen Höchstwerte sind meist deutlich höher als die PRP-Obergrenzen von GLOBAL 2000. Grund dafür ist, dass bei den gesetzlichen Höchstwerten sehr stark die Notwendigkeit eines Wirkstoffes für die landwirtschaftlichen Praxis mitberücksichtigt wird. Die akute Referenzdosis (ARfD) ist das Maß für die akute Giftigkeit eines Stoffes – also für die Gesundheitsgefährdung bei einmaligem Verzehr – und wird wie die ADI-Werte von international anerkannten Gremien festgelegt.

PRP-Obergrenzen von GLOBAL 2000

Die PRP-Werte sind die von GLOBAL 2000 festgelegten Maximalwerte für Pestizidrückstände. Als Grundlage für die Berechnung dieser PRP-Obergrenzen und der Summenbelastung dienen die jeweils aktuellen ADI-Werte. Der ADI-Wert (Acceptable Daily Intake = duldbare tägliche Aufnahmemenge bei langfristigem Verzehr) beurteilt die Gesundheitsgefahr, die von der Langzeitaufnahme eines Wirkstoffes ausgeht. Er ist als jene Substanzmenge definiert, die ein Mensch in Abhängigkeit von seinem Körpergewicht täglich und lebenslang ohne erkennbares Risiko für die Gesundheit aufnehmen kann. Der ADI-Wert wird für jeden Wirkstoff von internationalen Gremien (EFSA, WHO, FAO) festgelegt und in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg KG) angegeben. Die jeweils aktuellen ADI-Werte entnehmen wir der EU-Pestiziddatenbank.

Die PRP-Werte wurden stufenweise abgesenkt: Beim Start des Programms im April 2003 wurde als Basis folgender Ansatz gewählt: Die Einhaltung der PRP-Werte sollte einen theoretischen unbedenklichen täglichen Verzehr von 0,5 kg Obst oder Gemüse für ein 13,5 kg schweres Kind gewährleisten. Dieses Körpergewicht wurde stellvertretend für Risikogruppen wie Kleinkinder, Schwangere, ältere und kranke Menschen gewählt. Im Mai 2004 trat die zweite Stufe des PRP in Kraft. Die tägliche Verzehrsmenge von Obst und/oder Gemüse wurde auf ein Kilogramm pro Tag angehoben, wodurch sich die PRP-Werte halbierten. Im Jahr 2008 wurde als dritte Stufe eine Obergrenze für die Summenbelastung (SB) eingeführt.

Auch wenn die ADI-Werte nach dem derzeit aktuellen Wissensstand als sicher gelten, können bisher unbekannte Auswirkungen nicht gänzlich ausgeschlossen werden.Nur Lebensmittel aus biologischer Produktion sind garantiert frei von Pestizidrückständen. 

GLOBAL 2000-Obergrenze Summenbelastung

Oft sind Produkte mit mehr als einem Pestizid belastet. Das von den einzelnen Wirkstoffen ausgehende Gefährdungspotenzial kann sich in solchen Fällen verstärken („Cocktaileffekt“ oder „Mixture Toxicity“). Es gibt derzeit keine Studien, die eine einheitliche Bewertung der Cocktaileffekte zulassen. Daher hat GLOBAL 2000 folgendes Bewertungsschema entwickelt: die Auslastung des PRP-Wertes der einzelnen Pestizide (in Prozent) auf einem Produkt wird zu einer Gesamtbelastung, der so genannten Summenbelastung (SB), addiert. Die Summe der Auslastung der einzelnen Wirkstoffe darf maximal 200 Prozent betragen.

ARfD-Obergrenzen

Die akute Referenzdosis (ARfD = Acute Reference Dose) ist jene Menge eines Wirkstoffs, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit maximal aufgenommen werden kann, ohne dass daraus erkennbare gesundheitliche Schäden entstehen. Wird die ARfD eines Pestizids überschritten, kann schon beim Verzehr einer Portion Obst oder Gemüse eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden. Das betreffende Produkt ist laut Gesetz (LMSVG, BGBI NR.13/2006, vom 20.01.2006) nicht verkehrsfähig.

Aus dem ARfD-Basiswert wird unter Berücksichtigung der Verzehrsmenge für ein bestimmtes Produkt und weiteren produktspezifischen Faktoren die ARfD-Obgergrenze für ein Kleinkind berechnet. Wir verwenden dazu das ARfD-Berechnungsmodell vom deutschen Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) .

Die für die Berechnung notwendigen ARfD-Basiswerte der verschiedenen Wirkstoffe entnehmen wir der EU-Pestiziddatenbank.

Gesetzlicher Höchstwert laut EU-Pestiziddatenbank

Die gesetzlichen Höchstwerte regeln die zulässigen Rückstandsmengen der jeweiligen Wirkstoffe auf den einzelnen Produkten. Bei der Festlegung der gesetzlichen Höchstwerte werden neben der Exposition und den toxikologischen Langzeitfolgen für Lebewesen (= chronische Giftigkeit) auch die landwirtschaftlichen Interessen berücksichtigt. Dies führt dazu, dass die gesetzlichen Höchstwerte oft höher sind als die ausschließlich nach gesundheitlichen Gesichtspunkten beurteilten PRP-Werte. Bei der Festlegung der gesetzlichen Höchstwerte wird auch nicht auf die besonders hohe Empfindlichkeit von Kindern gegenüber chemischen Substanzen eingegangen.

Seit 1. September 2008 sind die Verordnung (EG) Nr. 396/2005 und deren Änderung (EG) Nr. 839/2008 des Europäische Parlaments in Kraft. Seither gelten für alle Mitgliedsländer der Europäischen Union einheitliche Höchstwerte (HW oder MRL).

Die aktuellen EU-weit gültigen MRL (Maximum Residue Level) sind in der EU-Pestiziddatenbank für die einzelnen Wirkstoffe bzw. Produkte zu finden. Für das PRP haben die gesetzlichen Höchstwerte in jedem Fall Gültigkeit, auch in den seltenen Fällen, wo die PRP-Obergrenze über dem gesetzlichen Höchstwert liegt. Dies ist manchmal bei Wirkstoffen der Fall, die in der EU oder einer bestimmten Kultur nicht zugelassen sind.