Der Oktober entscheidet. Wie wird unser Essen in Zukunft aussehen? Voller gefährlicher Chemikalien?

Was die EU-Kommission derzeit auf Druck der Pestizid-Industrie plant, ist gefährlich – für unsere Gesundheit und die Umwelt: In einem umfassenden Gesetzes-Paket, genannt "Pestizid-Omnibus", soll der Schutz vor Pestiziden aufgeweicht werden. Was bedeutet das für uns? Gesundheitsschädliche Pestizide könnten leichter auf unseren Tellern landen – und länger dort bleiben, auch wenn deren schädigende Wirkung in Studien belegt werden würde. Konkret heißt das:

  1. Regelmäßige Wiederzulassungen für einen Großteil der Pestizide fallen weg: 90 % der Wirkstoffe könnten unbegrenzt zugelassen werden
  2. Schlupflöcher für hormonell wirksame Wirkstoffe: Gefährliche Pestizide würden durch die Hintertür wieder auf unseren Feldern landen
  3. Verlängerung der Verbrauchsfristen von bereits verbotenen Substanzen: Bereits verbotene Substanzen dürfen noch doppelt so lange verwendet werden als bisher

Noch können wir das verhindern! Denn JETZT GERADE verhandeln die zuständigen Agrar- und Umweltausschüsse im EU-Parlament ihre Position.

Fordern wir Österreichs Regierung und EU‑Abgeordnete auf, diese gefährliche Entwicklung sofort zu stoppen. Sie dürfen nicht die Kellner:innen der Pestizid-Lobby sein – keine Profite auf Kosten unserer Gesundheit! Helfen Sie mit – es dauert nur 2 Minuten:

Möchten Sie das Pestizid-Menü der Konzernlobby essen?

Wenn das Gesetzes-Paket verabschiedet wird und der Pestizid-Cocktail auf unseren Tellern landet, könnte das Menü so aussehen:

  • Zwei Personen in Schutzanzügen und Atemschutzmasken sprühen auf einen Teller mit Salat, Gurke, Tomate und Zitronenscheiben, auf dem drei gelbe Warnschilder mit dem Strahlensymbol liegen

    GLOBAL 2000

    Erster Gang: Glyphosat. Jeder Löffel birgt ein Risiko: Die WHO hat Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Durch die Änderungen könnte Glyphosat unbegrenzt zugelassen werden!

  • Zweiter Gang: Acetamiprid. Ein Neonicotinoid, mit einem potenziellen Risiko für entwicklungsneurotoxische Wirkstoffe, die das menschliche Nervensystem schädigen können. Gefährlich für Bienen und auch im Honig nachweisbar. 

  • Hauptgang: PFAS-PestizideSie können als Abbauprodukt TFA freisetzen – und TFA hat es in sich. Von der zuständigen Behörde ECHA wurde es u. a. als wahrscheinlich fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Dänemark hat zum Schutz seines Grundwassers viele PFAS-Pestizide verboten – die neuen Regeln würden solche Verbote erschweren.

  • Dessert: FlufenacetEin süßer Abschluss mit bitteren Folgen: Hormonell wirksam und sehr giftig für Wasserorganismen. Zum Glück wurde es nicht wiederzugelassen – und darf nun bis Ende des Jahres aufgebraucht werden. Durch das Aufweichen der Schutzstandards könnten diese Verbrauchsfristen bis zu doppelt so lang sein!

  • Digestif: S-Metolachlor. Für Säugetiere besteht ein großes Risiko von Sekundärvergiftungen. Dank der regelmäßigen Wiederzulassung ist es in der EU nicht mehr erlaubt – doch diese Wiederzulassungsprozesse sollen nun fallen! Das bedeutet für Konzerne weniger Gründe, Studien zu den Nebenwirkungen durchzuführen.

Das wollen wir nicht essen! 

Protestieren Sie jetzt und fordern Sie: "Stoppen Sie das Pestizid-Paket. Verteidigen Sie den Schutz von Mensch und Umwelt!"

Vielleicht kennen Sie nicht alle Namen – Günther Sidl, Thomas Waitz, Anna Stürgkh, Alexander Bernhuber und Roman Haider sind österreichische Mitglieder im EU-Parlament. Sie wurden bei der letzten EU-Wahl gewählt und stimmen als Mitglieder vom Umwelt- oder Agrarausschuss des EU-Parlaments über den Text und Änderungen des Pestizid-Paketes ab.

Herbert Dorfmann ist der zuständige Berichterstatter im AGRI Ausschuss. Das bedeutet, dass er für die Kompromissfindung im EU-Parlament verantwortlich ist. Mit Michele Picaro gibt es noch einen zweiten Rapporteur im Umweltausschuss. Unser E-Mail Protest richtet sich an Dorfmann, weil dieser als Südtiroler Deutsch spricht. 

Als Bundesminister beschäftigt sich Norbert Totschnig ebenfalls mit dem Gesetzespaket, allerdings nicht im EU-Parlament, sondern im Ministerrat. Dort verhandeln die Minister der Mitgliedsstaaten einen eigenen Textvorschlag.

Die EU-Kommission sagt, dass es das Pestizid-Paket braucht, um die Rechtsvorschriften im Lebensmittel- und Futtermittelbereich zu straffen und zu vereinheitlichen. Es sollte auch lange Verfahrensdauern bei der zuständigen EU Behörde EFSA reduzieren und dafür sorgen, dass nachhaltige Pestizide schneller auf den Markt kommen. Viele Expert:innen zweifeln allerdings daran, dass diese Ziele erreicht werden können. Es gibt viele Unklarheiten, wie die neuen Prozesse überhaupt ablaufen würden. Nur eines scheint derzeit klar zu sein: Die Kosten tragen Menschen und Umwelt, deren Schutz mit den derzeitigen Vorschlägen geschwächt wird. Mehr erfahren!

Nach der Abstimmung in den Ausschüssen beschließt das gesamte EU-Parlament seine Position, und auch die Minister im Rat müssen sich einigen. Danach verhandeln die EU-Kommission, das EU-Parlament und der Ministerrat gemeinsam und einigen sich auf den finalen Gesetzestext.

Viele Wissenschaftler:innen und Expert:innen sind extrem besorgt. Erst im September haben 573 von Ihnen einen Offenen Brief unterschrieben, in dem sie eine Folgenabschätzung verlangen. Es wurden auch schon mehrere Texte in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht, in denen Gruppen von Forscher:innen vor den Folgen des Pestizid-Omnibus warnen. 

Übrigens: das Niederländische Parlament hat eine eigene Folgenabschätzung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis ist klar: Dieses Gesetzespaket verringert den Schutz von Menschen und Umwelt, ohne die Probleme zu lösen. Eine Einschätzung, die auch Rechtsexpert:innen teilen – ein Rechtsgutachten von vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen kommt zum selben Schluss. 

Offener Brief

Wissenschaftliche Publikationen

Mehr über den Pestizid-Omnibus erfahren