Pestizid-Einsatz steigt: Fakten sind nicht verhandelbar

Wir wehren uns vor Gericht gegen eine gezielte Gegenkampagne und ­falsche Behauptungen der Pestizidlobby.

GLOBAL 2000 tritt seit vielen Jahren für Pesti­z­id­reduktion und das Verbot von besonders gefähr­lichen Pestiziden ein. Obwohl Gesundheit und Artenvielfalt auf dem Spiel stehen, steigt der Ein­satz gefährlicher Ackergifte, gemessen an der mit Pestiziden behandelten Fläche, weiter an. Statt darüber zu sprechen, werden Fakten verdreht und durch Falschinformationen ersetzt. Fakten müssen aber die Basis für politisches Handeln bleiben. Dafür stehen wir ein. Wenn es sein muss auch vor Gericht. Denn wer die Fakten angreift, greift uns alle an.

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Am 5. Dezember 2025 hatten zahlreiche Medien über einen starken Anstieg beim Einsatz besonders problematischer Pestizide in Österreich berichtet. GLOBAL 2000 hatte offizielle Verkaufsmengen des Landwirtschaftsministeriums mit einer wissenschaftlich anerkannten Berechnungsmethode ausgewertet. Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP), die in Österreich die Interessen von Pestizidherstellern wie Bayer/Monsanto, BASF, Syngenta vertritt, behauptete kurz darauf in einer Presseaussendung, der von GLOBAL 2000 dargestellte Pestizidanstieg sei die Folge eines Berechnungsfehlers: Man habe fälschlicherweise das Lagergas CO₂ in die Pestizidauswertung eingerechnet. Ab Mittag wurde auch Bauernbund-Direktor Bernd Brodtrager in zehn Nachrichtenbeiträgen auf vier Privatradiosendern namentlich mit der Behauptung zitiert, der von GLOBAL 2000 aufgezeigte Pestizidanstieg sei auf Lagergase zurückzuführen. Vier Beiträge enthielten seinen Originalton. Dabei hatten APA, ORF und GLOBAL 2000 die Berechnungsmethode bereits am Vormittag erläutert. Am Nachmittag stellte die APA zudem ausdrücklich klar, dass das Lagergas CO₂ nicht eingerechnet worden war.

Vier Tage später, am 9. Dezember, veröffentlichte der Steirische Bauernbund seinen als Faktencheck bezeichneten Artikel – mit derselben falschen Behauptung und dem Vorwurf absichtlicher Falschinterpretation. Der Artikel erschien auch in der Bauernbund-Zeitung „Neues Land“, auf Facebook sprach der Bauernbund von „Desinformation von NGOs und Grüne“. Bereits am selben Tag hatte GLOBAL 2000 dem Steirischen Bauernbund per E-Mail erläutert, dass weder CO₂ noch andere Lagergase in die Auswertung eingeflossen waren, und eine öffentliche Richtigstellung verlangt. Eine Antwort blieb aus.

In einem Verfahren gegen die IndustrieGruppe Pflanzenschutz hat das Handelsgericht Wien mit inzwischen rechtskräftigem Urteil vom 1. September 2026 die Behauptung, GLOBAL 2000 habe CO₂ beziehungsweise Lagergase eingerechnet, als unwahr festgestellt und die IGP zu Unterlassung und Widerruf verurteilt. GLOBAL 2000 informierte den Steirischen Bauernbund und seinen Direktor Bernd Brodtrager über dieses Urteil und bemühte sich im September erneut mehrfach um ein Gespräch über Art, Inhalt und Form einer öffentlichen Richtigstellung.

Diese Bemühungen blieben erfolglos. Eine Richtigstellung blieb aus.