02
Okt.
Wien

Symposium „Städte. Gärten. Vielfalt“

Das Symposium „Städte. Gärten. Vielfalt“ bildet den Höhepunkt des EU-Interreg-Projekts: Drei Jahre lang arbeiteten Partner:innen aus Wien und Bratislava gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung an Lösungen für mehr Biodiversität und klimaresiliente Grünräume in der Stadt. Das Symposium präsentiert die Projektergebnisse und lädt zum Austausch über die Zukunft nachhaltiger Stadtentwicklung ein.

Städte: Betonwüsten oder naturnaher Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen?

Es ist keine Neuigkeit: Schon ein Blick ins Grüne reduziert den Stress von Stadtbewohner:innen. Biodiversitätsinseln tun Bienen und Menschen gut! Grüne Frischluftschneisen befördern kühle Luft in heißen Sommernächten. Wie können Städte bessere Lebensbedingungen für alle Lebewesen bieten?

Wien und Bratislava, nur etwa 50 km voneinander entfernt, haben im Rahmen eines Interreg-Projektes gemeinsam nach Lösungen für die Herausforderungen der Klima- und Biodiversitätskrise gesucht. Denn Wien und Bratislava verbindet neben einer gemeinsamen Geschichte auch eine ähnliche naturräumliche Charakteristik. Österreichische und slowakische Stadtverwaltungen, Kultur- und Umweltorganisationen haben drei Jahre lang mit der lokalen Bevölkerung an der Gestaltung städtischer Grünräume gearbeitet. Beispielsflächen wurden im Rahmen des von der EU geförderten Projektes zum Blühen gebracht. Das Symposium reflektiert diesen Erfahrungsprozess, der unter Beteiligung vieler Bürger:innen zur Weichenstellung für die Zukunft werden kann.

Die Veranstaltung findet in deutscher und slowakischer Sprache statt, die einzelnen Beiträge werden simultan gedolmetscht. / Podujatie sa koná v nemeckom a slovenskom jazyku, jednotlivé príspevky budú simultánne tlmočené.

Moderation:

Andrea Heistinger, Moderatorin und Gartenbuchautorin. Die Argrarwissenschaftlerin und Unternehmensberaterin ist Expertin für Bio-Gartenbau, Sortenvielfalt und Selbstversorgung.

BEGRÜSSUNG 9.00 – 9.30

Bettina Leidl, MQ-Direktorin

Eva Gänsdorfer und Ghali Egger, GLOBAL 2000 Vorstellung des Interreg-Projektes Städte.Gärten.Vielfalt – Bratislava und Wien blühen gemeinsam auf

VORTRÄGE

9.30 Marek Semelbauer - To mow or not to mow? Das ist die Frage

10.00 Dominique Zimmermann - Zwischen Beton und Blüten: Wildbienen

10.30 Alena Pavlíková - Stress in the City

11.00 Kaffeepause

11.30 Magdalena Sorger - Böse Ameisen?

12.00 Michaela Kubíková – Pflege historischer Gärten in der Slowakei

12.30 Christine Sheppard – Schöne Pflanzen am falschen Ort?

13.00 Mittagspause. Anschließend moderierte Vernetzung: Wie finde ich Gesinnungsgenoss:innen?

PANEL

14.30 Podiumsdiskussion – „Grünraum in der Stadt für alle!“

WORKSHOPS

16.00 Workshops Innovative Methoden der Stadtbegrünung

Wie gründe ich einen Gemeinschaftsgarten?

Wie ermögliche ich einen Dschungel auf dem Gehsteig vor dem Haus?

17.00 Workshops Insektenkundlicher Spaziergang in Wien

Erfolgsrezepte für die Öffentlichkeitsarbeit von Bürgerinitiativen

GET TOGETHER

18.00 Open Space und Networking

Infos zu den einzelnen Programmpunkten

Lassen Sie sich von den verschiedenen Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden inspirieren! Sichern Sie sich Ihren Platz mit Ihrer Anmeldung.

MAREK SEMELBAUER. Akademie der Wissenschaften Slowakei

Wie können wir in Städten Grünräume schaffen, in denen die Biodiversität gedeiht? Marek Semelbauer berichtet von den Ergebnissen aus dem Interreg-Projekt in Wien und Bratislava. In beiden Städten wurden Flächen eingerichtet, auf denen der Biologe die Häufigkeit und Artenzusammensetzung von Bestäubern erfasste: von Schmetterlingen, Schwebfliegen und Bienen. Die Klimaerwärmung bewirkt, dass die Artenvielfalt in niedrigen Lagen durch Einwanderung sogar zunehmen kann, andererseits finden Arten, die in kühleren Regionen leben, keinen Ausweg. Welche invasiven Arten gibt es in Wien und Bratislava?

Marek Semelbauer arbeitet als leitender Entomologe am Institut für Zoologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften.

DOMINIQUE ZIMMERMANN. Entomologin und Kuratorin am NHM in Wien

Städte gelten oft als Betonwüsten. Doch die urbane Artenvielfalt überrascht: in Wien wurden über 500 Wildbienenarten nachgewiesen. Dominique Zimmermann gibt Einblicke in ihre Forschung zu Wildbienen in Wien, u.a. im Lainzer Tiergarten und im Donaupark. In ihrer Arbeit zum Thema Artenrückgang und dessen Ursachen zeigt sie, warum gerade Städte vielfältige Lebensräume bieten. Sie erzählt, welche überraschenden Entdeckungen sie bereits gemacht hat und welche Strukturen die Artenvielfalt fördern.

Dominique Zimmerman ist Entomologin und Kuratorin im Naturhistorischen Museum in Wien. Im Fokus ihrer Forschung stehen Wildbienen und andere Stechimmen. Darüber hinaus unterrichtet sie an der Universität Wien. Im Frühjahr 2026 erschien ihr zweites Buch „50 Wiener Insekten. Ein Querschnitt durch die Vielfalt der Stadt“ im Falter Verlag.

ALENA PAVLIKOVA. Naturschutzverein BROZ, Bratislava

In Städten sind Tiere und Pflanzen konfrontiert mit veränderten Klimabedingungen, mit Lärm, Umwelt- und Lichtverschmutzung. Dieser Vortrag zeigt, wie die rasanten Umweltveränderungen als starke Triebkräfte für Mikroevolution, Verhaltensänderungen und kognitive Innovation bei Organismen wirken. Anhand verschiedener Beispiele veranschaulicht Alena Pavlíková die komplexen Reaktionen der Natur auf den urbanen Dschungel. Abschließend skizziert sie Maßnahmen zur Förderung und zum Erhalt der Biodiversität in diesen sich schnell entwickelnden Ökosystemen.

Die Entomologin Alena Pavlíková studierte an der Comenius-Universität in Bratislava und arbeitet beim Naturschutzverein BROZ als Koordinatorin für Biodiversitätsmaßnahmen in urbanen Gebieten im Rahmen von LIFE- und Interreg-Projekten.

MAGDALENA SORGER. Assoziierte Wissenschaftlerin am NHM

In die faszinierende Welt der geheimen Herrscherinnen der Welt entführt uns die Ameisenexpertin Magdalena Sorger. Ohne die Schwarmintelligenz der kleinen Insekten, die vor allem über Gerüche kommunizieren und in hochkomplex organisierten Kolonien leben, würden ganze Ökosysteme zusammenbrechen. Sie sind Meisterinnen der Kommunikation und Staatenbildung. Als Überlebenskünstler:innen unseres Planeten passen sie sich seit fast 150 Millionen Jahren an nahezu jeden Ort der Welt an. Wie kann man in Städten durch Biotopschutzmaßnahmen gefährdete Ameisen fördern?

Die Evolutionsökologin und Ameisenforscherin Magdalena Sorger machte an der North Carolina State University ihr Zoologie-Doktorat zum Thema Ameisen, sie forschte und unterrichtete an US-amerikanischen Universitäten. Einige ihrer Forschungsergebnisse wurden in der New York Times publik gemacht. Magdalena Sorger widmet sich mit ihrem Unternehmen DiscoverAnts.com der Wissenschaftsvermittlung.

 

MICHAELA KUBIKOVA. Direktorin des National Trust der Slowakei

Welche Aktivitäten werden in historischen Gärten und Parkanlagen in der Slowakei gesetzt, um das öffentliche Bewusstsein für Biodiversität zu heben? Welche Erfahrungen gibt es mit Volontär:innen in der Pflege historischer Gärten? Beispiele sind die Restaurierung des Ende Mai wiedereröffneten Koch-Gartens aus den 1930er Jahren und des Prüger-Wallner-Gartens mit einem eher natürlichen Landschaftscharakter. Letzterer beherbergt auch einen Gemeinschaftsgarten, in dem Obst und Gemüse ohne chemische Dünger oder Pestizide angebaut werden.

Michaela Kubíková betreut als Direktorin des National Trust der Slowakei historische Gärten und Parkanlagen.

 

CHRISTINE SHEPPARD. BOKU Wien

Christine Sheppards Forschungsschwerpunkt sind Pflanzeninvasionen und die daraus resultierenden Wechselwirkungen mit anderen Arten, wie mit heimischen Pflanzen und Bestäubern. Besonderes Augenmerk widmet sie der Frage, wie einheimische Gemeinschaften auf die Ankunft dieser Neophyten reagieren. Generell forscht sie zu folgenden Themen: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Pflanzendiversität aus? Wann ist eine Art nur „gebietsfremd“, wo beginnt die Invasion? Wie können Invasionen mithilfe kontrollierter Experimente erforscht werden, um daraus wirksame Naturschutzmaßnahmen abzuleiten? Welcher Nutzen und welche Kosten entstehen daraus?

Christine Sheppard leitet seit 1. Jänner 2026 das Institut für Botanik an der BOKU Wien. Die gebürtige Schweizerin studierte Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich und in Auckland, Neuseeland.

Teilnehmer:innen an der Podiumsdiskussion:

Jürgen Czernohorszky, Amtsführender Stadtrat für Klima, Umwelt, Demokratie und Personal

Im Ressort von Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky werden bis Mitte 2027 über 200.000 Quadratmeter Parkanlagen neu- oder umgestaltet. Ein Großprojekt ist die Renaturierung des ehemaligen Verschiebebahnhofs in Breitenlee, der zum Naturraum für geschützte Arten weiterentwickelt wird. Mit dem heuer beschlossenen Klimagesetz verpflichtet sich die Stadt Wien zu Klimaschutz und Klimaanpassung.

Roman Havlíček, Leiter der Abteilung für Umwelt und Klima beim Magistrat der Hauptstadt Bratislava

Roman Havlíček engagierte sich unter anderem als Umweltaktivist und Kampagnenleiter bei der Organisation Priatelia Zeme – CEPA (Freunde der Erde) sowie beim Slatinka Association in Zvolen. Von 2020 – 2023 war er Generaldirektor im slowakischen Umweltministerium.

Michaela Kubíková, Direktorin des National Trust der Slowakei

Michaela Kubíková betreut als Direktorin des National Trust der Slowakei historische Gärten und Parkanlagen unter Einbindung von Volontär:innen.

Peter Sandbichler, Bildhauer und Aktivist der Initiative „Westbahnpark“

Peter Sandbichler ist ein Verfechter des klimagerechten, sozial verträglichen Stadtraumes und setzt sich im Rahmen der Initiative WESTBAHNPARK für einen 1,2km langen, erdgebundenen Landschaftspark am Wiener Westbahnhof ein.

Katja Schechtner, Stadtplanerin

Katja Schechtner arbeitete an führenden Forschungsinstitutionen wie dem MIT, der OECD und dem AIT. Sie baut und berät global Städte im Sinne nachhaltiger Wirtschaft und Innovation. Publikationen u.a. zu „Frauen bauen Stadt“ und „Stadt. Natur. Rechte“.

Alexandra Strickner, politische Geschäftsführerin GLOBAL 2000

Seit März 2025 ist Alexandra Strickner Geschäftsführerin bei GLOBAL 2000. Als Mitgründerin und langjährige Obfrau von Attac Österreich hat sie gezeigt, wie Veränderung möglich ist. Strickner möchte gemeinsam mit Menschen, denen Umweltschutz wichtig ist, notwendige Klimaschutz-Maßnahmen in die Wege leiten.

1) Innovative Methoden der Stadtbegrünung. Bettina Leidl, Direktorin des MQ Wien.

Bettina Leidl berichtet über die von ihr 2022 gestartete Initiative „MQ goes green“. In einer Führung präsentiert sie die mobilen TreePods im Haupthof des MQ, sowie die Pflanzinseln, die im Frühjahr 2026 in die Erde gesetzt wurden. Die Hofbegrünungen im MQ sind nur ein Aspekt des Engagements für den Umweltschutz von Bettina Leidl, die bereits als Direktorin des Kunsthauses Wien zusammen mit dem Umweltministerium das Label „Green Museum“ entwickelt hat.

2) Wie gründe ich einen Gemeinschaftsgarten? Jan Peter Maria Pech, Gründer des Startups „Die Ackerhelden“

„Die Ackerhelden“ bieten in Wien Floridsdorf und Simmering biozertifizierte kleine Ackerstücke zum Gemüseanbau an.Wie organisiere ich einen Gemeinschaftsgarten in Wien? Wo werden Flächen zur Verfügung gestellt? Muss ich einen Verein gründen? Wer darf mitmachen? Welche Regeln gelten untereinander? Wie werden die Kosten aufgeteilt? Werden die Beete durch Los vergeben? Was tun im Falle von Vandalismus?

3) Wie ermögliche ich einen grünen Dschungel auf dem Gehsteig vor dem Haus? Massi Baumgartner, Architekt

Der ArchitektMassi Baumgartner hat in jahrzehntelangen Bemühungen einen grünen Dschungel auf dem Gehsteig vor seinem Haus im 9. Bezirk verwirklicht. Unter anderem hat er im Rahmen einer Baumscheiben-Patenschaft eine 13 Meter hohe Platane großgezogen. Ein Lokalaugenschein.

4) Insektenkundlicher Spaziergang in Wien Alena Pavlíková und Marek Semelbauer, Entomologen Die Entomolog:innen Alena Pavlíková und Marek Semelbauer führen zu dem Kunstprojekt von Anita Fuchs vor dem MQ und in nahegelegene Parks. Sie erklären, wie auch mit ganz kleinen Interventionen die Biodiversität in der Stadt gefördert werden kann. Die beiden Entomolog:innen geben einen Crashkurs in Insektenkunde.

5) Erfolgsrezepte für die Öffentlichkeitsarbeit von Bürger:innen-Initiativen. Sabine Oppolzer, Journalistin, Initiatorin und Sprecherin der Bürger:innen-Initiative „Die Gärten der Mühlgasse“

Sabine Oppolzer hat 2020 eine Bürger:innen-Initiative gestartet, um die die Mühlgasse im 4. Bezirk in eine Fußgängerzone mit Gemeinschaftsbeeten zu verwandeln. Eine Befragung im September 2024 unter den Anrainer:innen ergab eine Zustimmung von 61 Prozent. Eines der Erfolgsrezepte: punktgenaue Pressearbeit! Baubeginn ist im Oktober 2026.

Wann:
02.10.2026, 09:00 - 18:00
Wo:

Museumsquartier Wien, Libelle

Museumsplatz 1

1070

Wien

Österreich