Derzeit laufen weltweit ungefähr 450 Atomreaktoren – die Zahl der Reaktoren stagniert seit Jahren, wobei nach den großen Atomkatastrophen (Tschernobyl, Fukushima) jeweils viele Reaktoren endgültig stillgelegt wurden und ganze Länder den Atomausstieg beschlossen haben (Italien nach Tschernobyl, Deutschland und die Schweiz nach Fukushima). Die weltweite Reaktorflotte wird immer älter – es werden außer in China kaum noch neue AKWs gebaut, da sie einfach nicht wettbewerbsfähig sind mit den immer billiger werdenden Erneuerbaren, die noch dazu viel sicherer sind (und eine bessere Klimabilanz haben). Zunehmend werden bereits bestehende Reaktoren stillgelegt, weil sie nicht mehr auf dem freien Markt konkurrenzieren können – besonders in den USA ist dies der Fall.

Was ist das Problem?

Atomkraft macht krank. Schon im Normalbetrieb eines Atomkraftwerks werden radioaktive Stoffe an die Umwelt abgegeben. Besonders beim Austausch der Brennelemente kommt es zur Freisetzung von radioaktiven Spaltprodukten – das geschieht (mindestens) einmal im Jahr. Dabei wird radioaktives Material an die Umwelt abgegeben, findet sich in der Luft und im Wasserdampf, lagert sich auf den Oberflächen (Boden, Hauser, …) ab und wird von Tieren und Pflanzen aufgenommen und in deren Gewebe eingelagert. Dann kann radioaktives Material über die Atmung, die Haut und Nahrung auch in den menschlichen Organismus gelangen und Veränderungen auf der Zellebene, insbesondere an der DNA, bewirken. Krebs kann eine Folge sein. Noch schlimmer ist es, wenn aufgrund von Störfällen und Unfällen große Mengen von radioaktiven Stoffen freigesetzt werden. Besonders problematisch sind die hochradioaktiven Abfälle, die beim Betrieb der Atomkraftwerke entstehen – einige dieser Abfälle strahlen für hunderttausende Jahre. Besonders die Lagerung dieser Abfälle gestaltet sich als problematisch - Plutonium mit einer Halbwertszeit von 24.100 Jahren ist extremst krebserregend, für 10 Halbwertszeiten oder 241.000 Jahre muss es gesichert werden (zum Vergleich: die Steinzeit ist erst ca. 100.000 Jahre her, Pyramiden entstanden vor 4.500 Jahren) - in diesen Zeiträumen sind aber Eiszeiten, geologische Verschiebungen und Vulkanismus möglich, Wasser kann eintreten und belastet werden. Die dauerhafte Überwachung und notfalls Rückholung des Mülls wird notwendig sein.

Atomkraft ist kein Klimaretter: Die Uran-Abbau-Kette und der Bau und Betrieb von AKWs verursacht weit mehr Treibhausgas-Emissionen als Erneuerbare Energien, ungefähr 88- 146g CO2 pro Kilowattstunde.

Was ist die Lösung?

Bisher haben wir schon einiges geschafft: Vor knapp vierzig Jahren beschlossen die ÖsterreicherInnen in einer Volksabstimmung, dass das fertige und betriebsbereite Atomkraftwerk Zwentendorf nicht in Betrieb gehen soll – heute hat Österreich mit dem „Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich“ als einziges Land der Welt ein Verfassungsgesetz, das nicht nur den Betrieb von kommerziellen AKWs, sondern auch den Transport von „spaltbarem Material“ (Brennstoff) ist untersagt. Atomstrom darf sich in Österreich nicht mehr hinter Bezeichnungen wie „Graustrom“ oder „Strom unbekannter Herkunft“ verstecken, der gesamte an KundInnen verkaufte Strom muss transparent ausgewiesen werden.

Aber es kann noch mehr passieren: Neubauten von Atomkraftwerken sind nicht wettbewerbsfähig - deswegen versuchen einige Länder, mit großen Mengen Steuergeld ihre gescheiterte Atom-Industrie künstlich am Leben zu halten. Die Republik Österreich klagt gegen das britische Projekt Hinkley Point C und das ungarische Neubau-Porjekt Paks II und muss dies konsequent auch bei anderen Projekten machen.

Alte Atom-Anlagen sind noch gefährlicher als neue Reaktoren - sie gehören abgeschaltet und ihre Laufzeit nicht verlängert. Umweltverträglichkeitsprüfungen für alte Reaktoren sind international vorgeschrieben. Österreichs Politiker müssen genauso wie wir für unser Recht auf Sicherheit und gegen Laufzeitverlängerungen kämpfen. Wenn Förderungen für fossile und nukleare Stromerzeugung abgeschafft und alle Folgekosten dieser schmutzigen Energien eingerechnet werden, sind sie längst nicht mehr wettbewerbsfähig gegen saubere Energien - dann schaffen wir rasch den Umstieg auf 100 % Erneuerbare Energie.

Was kann ich tun?

  • Atomausstieg selber machen - steigen Sie einfach auf Strom aus Erneuerbaren Energien um, von einem unabhängigen Anbieter, der sich an der Energiewende beteiligt
  • Investieren Sie in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (auf dem eigenen Dach, auf dem eigenen Balkon mit Sonnenstrom und Solarwärme, durch effiziente Geräte und konsequentes Abschalten von unbenötigten Stromfressern)
  • Unterzeichnen Sie unsere Petitionen und üben Sie somit Druck auf die PolitikerInnen aus, um AKW-Neubauten oder Laufzeit-Verlängerungen zu verhindern
  • Unterstützen Sie unsere Arbeit für die Opfer der Atom-Katastrophe von Tschernobyl in der Ukraine