Ein vollständiger Umstieg auf 100 % erneuerbare Energie ist möglich: Zahlreiche Machbarkeitsstudien zeigen, dass es möglich ist, Österreich zu 100 % mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Wir müssen dafür viel effizienter und sparsamer mit Energie umgehen und wir müssen die Möglichkeiten die uns Wind, Wasser und Sonne bieten auch konsequent und unter Einhaltung von Naturschutz nutzen. Es ist wichtig, diese Entscheidung jetzt zu treffen, damit die Weichen rechtzeitig für die notwendigen politischen Rahmenbedingungen gestellt werden.

Vom Umstieg auf 100 % erneuerbare Energie profitieren die ÖsterreicherInnen: Die Umsetzung von Klimaschutz wird viele positive Auswirkungen mit sich bringen: Neue Branchen entstehen und bieten Arbeitsplätze, neue Technologien wie bessere Gebäudekonzepte werden umgesetzt und sanfte Mobilitätsformen werden forciert. Es bedeutet ein Leben in einer gesünderen Gesellschaft, mit sauberer Luft und weniger Umweltverschmutzung.

Erneuerbare Energien in Österreich

In Österreich belegen wir mit unseren Anteil an erneuerbaren Energien – 33,5 % - Platz 4 im der EU. In absoluten Zahlen sind das 112.260 GWh oder 404 PJ. Spitzenreiter ist Schweden mit 53,8 %, vor Finnland (38,7 %) und Lettland (37,2 %). Schlusslicht ist Luxemburg mit nur 5,4 Prozent. Zum Vergleich: der Anteil an erneuerbarer Energie am Bruttoendenergieverbrauch beträgt im EU-Durchschnitt rund 17 %. (Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2016 von Eurostat)

Durch den Einsatz erneuerbarer Energie konnten in Österreich im Jahr 2016 Treibhausgasemissionen im Umfang von rund 30,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent vermieden werden. (Quelle: BMNT)

Strom in Österreich

Woher kommt der Strom in Österreich und wie wird er produziert? Wir haben genauer hingesehen und für Sie recherchiert.

Österreich einer der Top-Strom-Verbraucher in der EU

Beim Stromverbrauch sieht es düster aus: Österreich ist einer der stromintensivsten Staaten in Europa. Beim gesamten Pro-Kopf-Stromverbrauch lag Österreich (> 8.000 kWh) in der EU an sechster Position (2014). Lediglich Island, Norwegen, Finnland, Luxemburg und Schweden haben einen höheren Stromverbrauch pro Kopf als Österreich.

Stromaufbringung 2016Der Energiebedarf in Österreich steigt und steigt: Seit 1970 hat er sich nahezu verdoppelt. Ab dem Jahr 2000 hat sich das Energieverbrauchswachstum sogar noch beschleunigt. 2016 betrug der Energiebedarf in Österreich 1435 Petajoule. Im Jahr 2016 wurden in Österreich 94.248 GWh Strom verbraucht. Fast die Hälfte davon stammt aus Wasserkraft, aber etwa ein Drittel (28 %) wird aus dem Ausland importiert. 14,3 % des österreichischen Stroms kommt aus der Verbrennung fossiler Energieträger – bis weit in die 2020er-Jahre sollen nach Willen der Energieversorger Kohlekraftwerke in Österreich laufen, die klimaschädlichste Form der Stromerzeugung.

 

GWh

%

Wasserkraft

42.906

45,5

Fossile Wärmekraft

13.486

14,3

Windkraft/PV/Geothermie

10.466

11,1

Import

26.366

28

Sonstige

1.023

1,1

Verwendung gesamt

94.248

100

Grünstrom: Alles öko oder was?

Strom aus erneuerbaren Energiequellen wird in Österreich in beachtlich großer Menge produziert und verkauft. Aber: Grünstrombezug fördert nicht automatisch die Energiewende. „Grünstrom“-produkte, die einfach nur auf alter Wasserkraft oder auf dem Handel mit Stromnachweisen beruhen, bringen weder die Energiewende voran, noch leisten sie einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz. Der Wechsel zu einem Grünstrom-Anbieter bewirkt nur dann einen zusätzlichen Umweltnutzen, wenn dadurch neue regenerative Stromerzeugungsanlagen entstehen, die sonst nicht gebaut werden würden. Lesen Sie mehr dazu in unserem Stromanbieter-Check

Österreichisches Umweltzeichen-Strom

Das Österreichische Umweltzeichen UZ46 „Grüner Strom“ lässt nur Stromhändler zu, die selbst weder Atomstrom noch Strom aus fossilen Quellen verkaufen oder mit diesem handeln. Das Umweltzeichen schreibt auch vor, dass mindesten 1 % der Strommenge aus Photovoltaik stammen muss und dass höchsten 79 % des Stroms aus Wasserkraft erzeugt werden darf. Umweltzeichen-Strom gewährleistet also eine Förderung der Energiewende – es kann aber auch an die Tochterfirmen von konventionellen Konzernen verliehen werden, die über diese Schiene den Strom teurer vermarkten, der aus neu gebauten Anlagen stammt: Viele Grünstrom-Anbieter sind Tochterfirmen von konventionellen Anbietern (oder „grüne“ Konzerne mit „Strom aus Wasserkraft“ haben Tochterfirmen, die konventionellen „Dreckstrom“ vertreiben): Die Grünstrom-Sparten dienen der Profitmaximierung der Stromkonzerne und führen StromkundInnen dann in die Irre, wenn diese glauben, dass sie mit ihrem Strombezug zum Ausbau von erneuerbaren Energieträgern beitragen – der Profit aber an den konventionellen Konzern abgeliefert wird.

Unser Strom-Filz zeigt Ihnen, wie die Stromanbieter in Österreich untereinander "verbandelt" sind - und wo Atomstrom-Konzerne in Österreich ihre Finger im Spiel haben.

Der Stromfilz Österreich Oktober 2017
Zur größeren Ansicht: Download PDF

Grünstrom ist also nicht gleich Grünstrom! Wir empfehlen daher nur Stromanbieter, die nur Strom aus erneuerbaren Quellen anbieten (und 100 % ihrer Nachweise aus Österreich stammen) keine direkten oder indirekten Tochterunternehmen von „konventionellen“ Anbietern sind und nicht mit fossilen Energieträgern handeln und die einen Beitrag zur Energiewende leisten, sei es durch den Ausbau von neuen erneuerbaren Anlagen oder durch die Revitalisierung von alten Anlagen.

Welche das in Österreich sind, können Sie in unserem Stromanbieter-Check nachlesen.

Lückenlose Kennzeichnung seit 2015

2012 wurde auf Druck von GLOBAL 2000 und Greenpeace eine lückenlose Kennzeichnung der Stromherkunft per Gesetz – das gesetzliche Ende von „Strom unbekannter Herkunft“ oder „Graustrom“ per 2015 – und eine Selbstverpflichtung der Energieversorger beschlossen, keinen Atomstrom zu importieren – ein Meilenstein, an dem wir lange gearbeitet haben. Darüber hinaus fordern wir die österreichische Bundesregierung auf, sich für eine zügige und strikte Umsetzung einer nach obigen Kriterien wahrheitsgemäßen und vollständigen Stromkennzeichnung auf EU-Ebene einzusetzen.