Landwirtschaft

Unsere Landwirtschaft bestimmt maßgeblich, wie es unseren Böden geht, wie sauber unser Wasser ist, welche Nahrungsmittel wir konsumieren können, in welchem Landschaftsbild wir uns erholen, Sport treiben, leben. Sie bestimmt mit wie viele und welche Vögel wir beim Spaziergang sehen und wirkt sich z.B. über Antibiotikaresistenzen auf unsere Gesundheit aus. GLOBAL 2000 kämpft für eine echte Agrarwende hin zu einer nachhaltigen, gesunden, möglichst biologischen Landwirtschaft.

Ökologische Landwirtschaft

Landwirtschaft betrifft nicht nur die landwirtschaftlichen Betriebe, sondern die gesamte Gesellschaft, uns alle. Wir müssen darüber reden, welche Art der Landwirtschaft wir wollen, welche landwirtschaftlichen Leistungen öffentlich gefördert werden sollen und welche Folgekosten landwirtschaftlicher Nutzung wir nicht länger in Kauf nehmen möchten. Unsere Bauern und Bäuerinnen müssen von ihrer Arbeit auch leben können. Für all das braucht es richtige politische Rahmenbedingungen.

    Konventionelle Landwirtschaft trägt zum Artenverlust bei

    Obwohl sich die konventionelle Landwirtschaft in Europa teilweise gegenüber ihren Anfängen und anderen Kontinenten teilweise zum Besseren weiterentwickelt hat, bleiben viele klassische Probleme bestehen.

    • Die Landwirtschaft erhält zwar einerseits das agrarische Landschaftsbild, trägt aber andererseits maßgeblich zum Schwinden der Arten- und Biotopvielfalt bei. Auch in Österreich nimmt die Artenvielfalt durch Monokulturen, starke Düngung und Pestizide weiter ab. Der Druck der intensiven Landwirtschaft lässt nicht nach und ist auch größer als die Erfolge von Umweltmaßnahmen.
    • Pestizide sind eine große Gefahr für die Natur. Insekten-, Vögel- und Kleintierbestände gehen seit Jahren zurück, weil sie durch Pestizide direkt geschädigt werden oder die Nahrungskette unterbrochen wird. Einige Bestände haben sich seit kurzem stabilisiert – aber auf sehr niedrigem Niveau, und ein Aufwärtstrend ist noch nicht absehbar.
    • Die Nitrat- und Nährstoffbelastung des Wassers durch Dünger aus der Landwirtschaft zerstört Ökosysteme in Seen und Fließgewässern und beeinträchtigt die biologische Vielfalt der Wassersysteme.
    • Auch in der landwirtschaftlichen Produktion selbst schwindet die Vielfalt. Es gibt heute nur noch eine begrenzte Anzahl an Pflanzensorten und Tierrassen: 1.000 der 6.400 Nutztierrassen sind bereits ausgestorben. Betriebe setzen auf wenige, ertragreiche Nutztierrassen bzw. -pflanzen. Denn die Rahmenbedingungen sind so gestaltet, dass es wirtschaftlich oft mehr Sinn ergibt, auf wenige anfällige Hochleistungstiere und -pflanzen zu bauen, als auf resiliente, vielfältige agrarökologische Systeme und ihre Rassen und Sorten. Das trägt zum Medikamenten- und Pestizideinsatz in der konventionellen Landwirtschaft bei, der wiederum hohe Folgekosten für uns alle mit sich bringt.
    • Schlussendlich ist die konventionelle Landwirtschaft sehr ressourcenintensiv. Eine nachhaltige Lösung, die sich auf die Welt ausweiten lässt, ist diese Art der Landwirtschaft schon alleine deswegen nicht.

    Falsche Rahmenbedingungen

    Folgekosten wie beispielsweise die Klärung von verschmutztem Wasser oder Gesundheitskosten durch Antibiotikaresistenzen oder Erkrankungen durch Pestizide werden großteils von der Gesellschaft getragen. Engagierten Bäuerinnen und Bauern wird ihr Einsatz für das Vermeiden derartiger Probleme oft nicht abgegolten.

    Dazu kommt, dass das es vielen landwirtschaftlichen Betrieben im derzeitigen System nicht einmal selbst gut geht. Immer noch geben viele Höfe auf und werden die verbliebenen Höfe größer – aber auch das Motto „Wachsen statt Weichen“ wird allzuoft zu „Wachsen und Weichen“ (mit Schuldenberg). Auch in Österreich haben seit 2010 19.000 Betriebe aufgegeben, das sind sieben Bauernhöfe pro Tag, die ihren Betrieb eingestellt haben.

    Viele dieser Probleme sind den gegenwärtigen Rahmenbedingungen geschuldet. Denn sie begünstigen eine Landwirtschaft mit zu vielen unerwünschten Folgen für uns alle, oft inklusive den landwirtschaftlichen Betrieben – und das, obwohl ein anderer Weg möglich wäre.

    GLOBAL 2000 kämpft für eine echte Agrarwende hin zu einer ökologischen Landwirtschaft, die sozial verträglich und wirtschaftlich nachhaltig für uns alle ist.

    Ökologischer Landbau als Lösung

    Wir brauchen eine andere Art von Landwirtschaft, und wir brauchen andere Rahmenbedingungen für die Betriebe. Wir brauchen eine Agrar-Wende. Und zwar jetzt, denn wir stehen mitten in einer Klima- und Biodiversitätskrise.

    Der agrarökologische Landbau (biologischer, ökologischer Landbau) ist eine besonders ressourcenschonende und umweltverträgliche Form der Landwirtschaft. Er wirtschaftet im Einklang mit der Natur. Ökologisch wirtschaftende Betriebe zielen darauf ab, einen möglichst geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislauf zu erreichen. Sie erhalten die Bodenfruchtbarkeit und die Tiere werden besonders artgemäß gehalten. Durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und das niedrige Düngeniveau wird die Biodiversität gefördert.

    Organisch gebundener Stickstoff wird meist in Form von Mist oder Mistkompost, Gründüngung durch Stickstoff sammelnde Pflanzen (Leguminosen) ausgebracht. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch ausgeprägte Humuswirtschaft gepflegt.

    Biologische Landwirtschaft belastet das Grund- und Oberflächenwasser weniger mit Nährstoffen, wie zum Beispiel Nitrat, als der konventionelle Landbau. Weil die Viehhaltung an die Fläche gebunden ist, fallen meist nicht mehr Nährstoffe durch Mist und Gülle an, als den Pflanzen auf den hofeigenen Flächen problemlos zugeführt werden können.

    Die Fütterung der Tiere erfolgt möglichst mit hofeigenem Futter – es wird nur wenig Futter zugekauft. Auf Antibiotika wird weitgehend verzichtet. Den Tieren wird mehr Auslauf gewährt. Außerdem werden die Haltungsbedingungen regelmäßig überprüft.

    Die biologische Landwirtschaft erhält und schont die natürlichen Ressourcen und hat vielfältige positive Auswirkungen auf die Umwelt, zum Beispiel: Ökologische Landbaumethoden sind am besten an den Klimawandel angepasst und reduzieren die Klimaemissionen, schützen den Boden und fördern die Humusbildung und das Bodenleben. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit steigt an.

    Biologische Landwirtschaft produziert Lebensmittel, fördert Umweltschutz und Landschaftspflege. Umgekehrt ist bei der Industrialisierung der Landwirtschaft dieser gesamtheitliche Anspruch häufig verloren gegangen.

    Voraussetzung damit eine Agrarwende gelingen kann sind politische Rahmenbedingungen. Anstatt die Folgekosten der Landwirtschaft weiter in Kauf zu nehmen muss die Agrarpolitik die anstehende Reformchance nutzen und Agrarsubventionen konsequent an Umweltziele binden. Die Mittelverwendung des Budgets für die Gemeinsame Agrarpolitik zwischen 2021 bis 2027 wird im Jahr 2019 beschlossen.

    Was kann ich tun?

    • Es klingt banal, aber: Reden Sie darüber, warum Landwirtschaft auch für Nicht-LandwirtInnen wichtig ist. Machen wir das Thema zu einem gesellschaftlichen Thema. Vielen Menschen denken, eine andere Art von Landwirtschaft wäre nicht möglich - erzählen Sie dass es doch geht. Entkräften Sie Gegenargumente und Mythen rund um die Landwirtschaft. Argumente finden Sie in unserem Agrar-Atlas
    • Saisonal, regional und biologisch Einkaufen, ist ein erster Schritt hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft. 
    • Weniger Fleisch essen, es gibt so viele gute vegetarische Gerichte. Und mit dem ersparten Geld kann man sich wenn es dann doch mal Fleisch sein soll, welches aus ökologischer Viehzucht leisten.
    • Für Fortgeschrittenen haben wir noch einen besonderen Tipp: Nehmen Sie doch über einen Ernteanteil an einer Solidarischen Landwirtschaft teil. Damit holen Sie Ihre Lebensmittel nicht nur direkt von einem Hof ab, sondern können auch mitreden, welche Art Landwirtschaft dort betrieben wird. Im Gegenzug beziehen Sie einen Anteil der Ernte, statt einer fixen Mengen an Kilogramm – so wird das Wetter- und Bewirtschaftungsrisiko von ProduzentInnen und KonsumentInnen solidarisch getragen.