Schwarze Soldatenfliegen-Larven

Abfälle der Landwirtschaft sinnvoll verwerten

In unserem neuen Forschungsprojekt „FLOY“ untersuchen wir ob sich die Larven der schwarzen Soldatenfliege als regionales Futtermittel für Hühner, Schweine und Fische eignen. Ziel des Projekts ist es, im Sinne der Kreislaufwirtschaft ein nachhaltiges Eiweiß-Futtermittel in Österreich zu produzieren.

Rest- und Nebenstoffe aus der landwirtschaftlichen Produktionskette, so wie industrielle Karotten- und Erdäpfelschälreste, Safttrester und Triticale-Ausputz (Getreidereste), können von Nutztieren wie Kühen, Schweinen oder Hühnern nur sehr schlecht verwertet werden. Für Insektenlarven passen diese “Abfälle“ als Nahrung hingegen sehr gut. Die damit gefütterten Larven eignen sich wiederum sehr gut als Futtermittel für Nutztiere, die auch in freier Wildbahn Insekten fressen, nämlich Hühner, räuberische Fische und Schweine.

Die Larve „veredelt“ sozusagen Rest- und Nebenstoffe und trägt damit zur Kreislaufwirtschaft und zur wirtschaftlichen Wertschöpfung in der Region bei. Voraussetzung dafür ist allerdings eine dezentrale und regionale Larvenmast anstatt zentraler Mastfabriken. Und die durchgehende Fütterung mit Reststoffen, auch wenn deren Verfügbarkeit während dem Jahr und je nach Region schwankt. Dadurch kommt es über Jahr auch zu unterschiedlichen Futterzusammensetzungen für die Larven.

FLOY - Infografik

Insekten als Futtermittel - Herausforderungen und Vorgangsweise

Bei fortlaufenden Fütterungsversuchen wird die Prozesstechnik verfeinert und wir prüfen mit welchen unterschiedlichen Zusammensetzungen sich eine ausreichende Qualität und genügend Zuwachs der Larven erzielen lässt.

Wir untersuchen, wie die Insekten verarbeitet werden müssen, damit sie auch als haltbargemachtes Futtermittel ihre guten Inhaltsstoffe behalten.

Das Futtelmittel muss außerdem den Ansprüchen der jeweiligen Nutztiere entsprechen. Zum Beispiel muss das fertig gespresste Fischfuttermittel gewisse Sink-Eigenschaften aufweisen, damit die Fische darauf ansprechen. Dazu gibt es Versuche in der Futtermittelherstellung.

Und natürlich führen wir sowohl bei Fischen als auch bei Hühnern Fütterungsversuche durch.

Fütterungsversuche anderer Art führen wir auch mit Schweinen durch. Eine unserer Annahmen ist, dass die Ausscheidungen der Larven mit gewissen Enzymen angereichert sind, die gemischt mit den übrigen Reststoffen des Larvenfutters als Zusatz im Schweinefutter bei der Nährstoffaufspaltung helfen können. Das Schweinefutter kann somit „effizienter“ genutzt werden.

Und damit wir nachweisen können, ob dieses neue Futtermittel ökologischer ist als einige der gängigen Eiweiß-Futtermittel wie z.B. Import-Soja und Fischmehl, wird am Ende eine Lebenszyklusanalyse gemacht. Dafür werden sowohl die Inhaltsstoffe des Ausgangssubstrats, der Larven und der Restsubstrate analysiert, als auch Treibhausgas-Messungen bei der Larvenzucht und bei den mit Larven gefütterten Hühnern durchgeführt. Eine ökonomische Analyse rundet das Ganze ab, denn schließlich ist auch wichtig ob Larven ein wirtschaftliches rentables Futtermittel sind.

Erste Ergebnisse

In der Anfangsphase des Projekts haben wir bereits untersucht, welche Rest- und Nebenstoffe in Österreich aus ökologischer, ökonomischer und kalorischer Sicht besonders vielversprechend sind und wann diese im Jahr anfallen. Die erste Versuchsrunde der Larvenfütterung lief mit Weizenkleie, Trockenschlempe und Altbrot gemischt mit Sortierkartoffeln, Rapsextraktionsschrot, Maisschrot und Malzkeimen.

Diese erste Runde wurde bereits von einigen Untersuchungen begleitet (Analyse der Mischungen, die verfüttert warden, der entsprechenden Larven, und des Rest-Sustrats nach Verfütterung). Deren Ergebnisse fließen, wie auch die hands-on-Erfahrungen aus der ersten Runde, in die Auswahl der Substrate für die zweite Versuchsrunde ein, die im 2. Halbjahr 2019 startet. Auch die Versuche zur Haltbarmachung des Larvenproteins durch Silierung (ein Ansatz, der aus der Konservierung des Futtermittels Gras übernommen wurde) ist nun bereits fast abgeschlossen. Momentan wird bereits gleichzeitig intensive an der Technik der Futtermittelherstellung gearbeitet und werden mit den Ergebnissen dann auch schon im 2. Halbjahr 2019 die Fütterungsversuche mit Geflügel und Fischen gestartet.

Weiter Ergebnisse darüber wie gut sich mit Abfällen gezüchtete Insekten als Futtermittel eignen, werden halbjährlich hier veröffentlicht.

Details zum Forschungsprojekt

Das Projekt läuft seit Mai 2018 für drei Jahre und wird im April 2021 abgeschlossen. Folgende Partner sind an dem Projekt beteiligt und arbeiten auch an Folgeschritten bis die Larven als Eiweiß-Futtermittel ‚made in Austria‘ eingesetzt werden können: GLOBAL 2000, Landwirt Michael Forster und Mit-Initiator Simon Weinberger, Bioforschung Austria, das landwirtschaftliche Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein, die Teichwirtschaft Hartl, die Bundesanstalt für Wasserwirtschaft und die Universität für Bodenkultur.

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Logo des BMNT landwirtschaftliches Forschungszentrum Raumberg Gumpenstein Logo der Bioforschung Austria

Die Projektpartnerschaft ist möglich durch eine Förderung der Europäischen Innovationspartnerschaft Landwirtschaft (EIP Agri), die aus EU-, nationalen und Länder-Mitteln finanziert wird.

Logo der Fördergeber Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, LE 14-20 und die Europäische Innovationspartnerschaft Landwirtschaft - EIP Agri