Klimawandel und Klimakrise

Geschwindigkeit und Ausmaß der aktuellen Erderhitzung sind höher denn je. Die Ursache ist der Mensch, der das Klima der Welt in den letzten 100 Jahren massiv beeinflusst hat. Klimaschutz ist zu einer Überlebensfrage für die Menschheit und unseren Planeten geworden. Ob aus der Klimakrise eine Klimakatastrophe wird, entscheidet sich heute. Doch was ist Klimawandel, warum gibt es die globale Erderhitzung und wie macht sich der menschengemachte Klimawandel bereits jetzt bemerkbar?

Der Klimawandel stellt für uns alle eine existentielle Bedrohung dar und seine Auswirkungen sind bereits weltweit zu spüren, auch bei uns in Österreich. Handeln wir nicht, kann aus der Klimakrise eine Klimakatastrophe werden. Das Risiko besteht, dass tragende Säulen des Klimasystems kollabieren. Der Zusammenbruch ganzer Ökosysteme, Extremwetterereignisse, massives Artensterben, Dürren, Überschwemmungen und hunderte Millionen Menschen auf der Flucht sind dann die Folgen. Auch Österreich wird hart vom Klimawandel getroffen: Auf bis zu 8,8 Mrd. Euro pro Jahr werden die Schäden durch zunehmende Extremereignisse, Dürren, Hitzewellen, Hochwasser oder Einbrüchen im Wintertourismus allein in Österreich geschätzt, wenn wir nicht rasch gegensteuern. Wir sind die letzte Generation, die das Problem noch in den Griff bekommen kann. Handeln wir jetzt!

Der Klimawandel führt öfter zu Hochwasser

Klimawandel - was ist das?

Vom natürlichen Treibhauseffekt zum Klimawandel

Die Temperatur der Erde wird beeinflusst durch die kurzwellige Strahlung der Sonne, die fast ungehindert durch die Lufthülle/Atmosphäre der Erde dringt. Andererseits strahlt die Erde langwellige Infrarotstrahlung ab. Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Methan (CH4) greifen in die Strahlungsbilanz ein, indem sie zwar die ankommende Sonnenstrahlung passieren lassen, jedoch nicht die von der Erdoberfläche abgestrahlte langwellige Wärmestrahlung. Es kommt zu einer Art „Wärmestau“. Das sorgt für eine höhere Durchschnittstemperatur auf unserem Planeten. Ohne diesen natürlichen Treibhauseffekt wäre die Erde für die meisten Lebewesen unbewohnbar und um 33 Grad kälter.

Ursachen des Klimawandels

Seit Beginn der Industrialisierung ist die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre drastisch gestiegen, seit der Mensch überall auf der Welt massiv fossile Rohstoffe wie Kohle, Gas und Erdöl verbrennt. Dadurch wird der natürliche Treibhauseffekt unnatürlich verstärkt – das Klima heizt sich auf. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass es einen derart rapiden Anstieg der CO2-Konzentration zumindest in den letzten 66 Mio. Jahren nicht gegeben hat. Wir führen also ein beispielloses Experiment mit unserem Klima durch. 

Seit Beginn der Industrialisierung hat sich der Anteil an CO2 um rund 45 Prozent erhöht und ist auf mittlerweile 405 ppm (Zahl aus dem Jahr 2017) angestiegen. Die Grenze von 450 ppm sollten wir auf keinen Fall überschreiten. Diese Zahl beschreibt die Menge von Treibhausgasen in der Atmosphäre. “ppm” steht für “parts per million”. Der Weltklimarat der UN (IPCC) geht davon aus, dass bei 450 ppm CO2eq (CO2 Äquivalente) die kritische Grenze von zwei Grad Celsius Erhitzung erreicht, möglicherweise sogar überschritten wird.

Klimawandel: Um 1 Grad hat sich der Planet bisher bereits erhitztKlimawandel: Das Ziel des Paris Abkommens ist, die globale Erhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzenKlimawandel: Wenn wir so weiter machen wie bisher, wird sich unser Planet um mindestens 3 Grad erhitzen

Zuletzt gab es eine ähnlich hohe CO2-Konzentration wie heute im Zeitalter des Pliozän vor 2-3 Millionen Jahren. Damals war die Temperatur um etwa 2-3 Grad höher, Grönland war eisfrei, das westantarktische Eisschild, ebenso wie Teile der Ostantarktis abgeschmolzen und der Meeresspiegel lag um 10 bis 20 Meter höher als jetzt. Im Jahr 2018 erreichten die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energie mit rund 37 Mrd. Tonnen einen neuen Rekord

Dieser Treibhauseffekt ist menschengemacht - andere natürliche Faktoren können den weltweiten Temperaturanstieg nicht erklären, wie diese interaktive Grafik verdeutlicht. Die Beweislast dafür ist nicht erst seit dem letzten Bericht des Weltklimarates erdrückend.

Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur

 

In Folge des Anstiegs der Konzentration von Treibhausgasen ist ein Anstieg der Durchschnittstemperatur weltweit beobachtbar. Gegenüber dem vorindustriellen Niveau ist die weltweite Durchschnittstemperatur mittlerweile um etwa 1 Grad gestiegen. Mit Stand 2019 waren die Jahre 2015, 2016, 2017 und 2018 die vier heißesten Jahre seit Beginn der Messgeschichte. Das deckt sich auch mit dem langfristigen Trend: Die weltweit heißesten 20 Jahre lagen alle innerhalb der letzten 22 Jahre.

Grafik: Anstieg der Durchschnittstemperatur seit 1880

Weltweiter Temperaturanstieg nach Jahren. Wir nähern uns der 1,5 Grad-Marke.

Der weltweite Anstieg der Temperatur ist sowohl zeitlich als auch räumlich ungleich verteilt. So wird 90 Prozent der Wärme, die durch den Treibhauseffekt zur Erdoberfläche zurückgestrahlt wird, in den Ozeanen aufgenommen. Auch die Arktis oder alpine Regionen heizen sich stärker auf, als im weltweiten Durchschnitt. In der Arktis ist bereits jetzt weiträumig ein Anstieg der durchschnittlichen Temperatur um zwei Grad zu beobachten, an manchen Stellen sogar von drei Grad. Ähnlich gestalten sich die Trends in Österreich: Als alpin geprägtes Land ist hierzulande ein Temperaturanstieg von zwei Grad zu verzeichnen.

Geschwindigkeit der Klimaveränderung

Ein Problem der menschlich verursachten Klimaveränderung ist die Geschwindigkeit mit der sich die Erde derzeit erhitzt: So erwärmte sich die Erde beim Übergang von der letzten Eiszeit in eine Zwischeneiszeit binnen ca. 10.000 Jahren etwa um 4 bis 5 °C. Bei der menschengemachten globalen Erwärmung wird jedoch erwartet, dass die Temperatur vom Ende des 20. bis Ende des 21. Jahrhunderts (also in nur 100 Jahren) um 4 bis 5 °C steigt - wenn wir nichts gegen die den Ausstoß von Treibhausgasen unternehmen. Die Erwärmungsgeschwindigkeit wäre also etwa 100-mal größer als bei historischen natürlichen Klimaveränderungen. Das deckt sich auch mit den bisherigen Beobachtungen der Weltwetterorganisation WMO. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Temperaturzunahme der letzten 70 Jahre 100 mal schneller läuft als die natürlich bedingte Temperaturzunahme am Ende der letzten Eiszeit. 

Grafik: Globale Erwärmung über die letzten 22.000 Jahre

Weitere Faktoren zum Klimawandel

Neben der Treibhausgaskonzentration tragen zusätzlich noch andere Faktoren zum Klimawandel bei, etwa die Strahlungsintensität der Sonne. Das Klima unterliegt also immer natürlichen Schwankungen. Jedoch ist die derzeitige Erderhitzung nicht ohne die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen zu erklären.

Folgen des Klimawandels

Ändern wir unser Verhalten nicht, wird sich das Klima in den nächsten 100 Jahren um bis zu 6,4 Grad aufheizen. Das klingt harmlos? Zum Vergleich: Während der letzten großen Eiszeit lag die Temperatur in Mitteleuropa nur etwa 5 Grad Celsius unter dem heutigen Mittel. Große Teile Europas, Nordamerikas und Asiens waren vergletschert. Die globale Erwärmung würde unsere Welt massiv verändern. Lesen Sie hier mehr über die globalen Auswirkungen des Klimawandels. Doch auch bei uns in Österreich macht sich bereits jetzt der Klimawandel bemerkbar und die Auswirkungen werden auch hier in den nächsten Jahren spürbarer werden.

1,5 Grad, 2 Grad oder mehr? Jedes Zehntel Grad mehr verschärft die Klimakrise

Ab einer Erhitzung um zwei Grad Celsius befürchten Experten katastrophale Folgen für unseren Planeten und seine Ökosysteme (von denen der Mensch ein Teil ist). Aber bereits mit einem Anstieg der Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad wären die Folgen für unseren Planeten gravierend und irreversibel.

Jedes Zehntel Grad Temperaturanstieg macht einen großen Unterschied für unseren Planeten und hat schwerwiegende Konsequenzen für die Umwelt. Wissenschaftliche Prognosemodelle sind so exakt wie noch nie und können inzwischen die Konsequenzen zwischen einer Erhitzung von 1,5 Grad oder 2,0 Grad für unseren Planeten so genau wie noch nie berechnen. Gelingt es uns den Temperaturanstieg noch einzugrenzen, würden wir viele Risiken verringern:  

Die Begrenzung der Erhitzung auf 1,5 °C bedeutet, dass hunderte Millionen Menschen nicht von Armut betroffen sein werden und Klimarisiken für diese Menschen verringert werden können.

  • Etwa zehn Millionen Menschen werden nicht vom Meeresspiegelanstieg betroffen sein und müssen ihren Wohnort nicht verlassen.
  • Die Anzahl der Menschen die zusätzlich von Wasserknappheit betroffen ist, ist bei einer Temperaturzunahme von 2 °C um 50 Prozent höher als bei einer Temperaturzunahme von 1,5 °C. 
  • Ein Teil der Korallenriffe kann noch gerettet werden. Die Zerstörung erreicht zwar auch bei einer Temperaturzunahme von 1,5 °C ein Ausmaß von 70 bis 90 %, ein um 2 °C heißerer Planet bedeutet aber die vollständige Zerstörung aller Korallenriffe.
  • Das Risiko eines Massensterbens bei vielen Tier- und Pflanzenarten kann verringert werden. Bei einer Temperaturzunahme von 1,5 °C droht ein Massensterben von mehr als 50 Prozent der Population bei sechs Prozent der Insektenarten, acht Prozent der Pflanzenarten und vier Prozent der Wirbeltierarten. Ist es aber um 2 °C heißer, dann droht ein derartiges Massensterben bei 18 Prozent der Insektenarten, 16 Prozent der Pflanzenarten und acht Prozent der Wirbeltierarten. 
  • Und bei einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad wäre die Arktis alle 100 Jahre komplett eisfrei, bei 2 Grad Celsius einmal in 10 Jahren.

In welche Klimazukunft gehen wir? Es macht einen Unterschied, ob sich das Klima um 1,5 oder 2 Grad erhitzt

Hinzu kommt zudem, dass die Treibhausgase ihre Wirksamkeit noch lange, nachdem sie freigesetzt wurden entfalten. Selbst wenn wir jetzt sofort aufhören würden, fossile Energieträger zu verbrennen, würden die Temperaturen eine Weile weiter ansteigen, bevor sich das Klima stabilisiert. Umso wichtiger ist es, jetzt die Bremse zu ziehen.

Mit den derzeitigen Klimaschutzplänen würden wir allerdings sowohl die 1,5 °C-Grenze als auch die 2 °C-Grenze überschreiten und auf einen globalen Temperaturanstieg von etwa 3,4 °C zusteuern. Die 1,5 °C-Grenze kann aber noch eingehalten werden, wenn wir unsere Emissionen an Treibhausgasen in den nächsten zehn Jahren um 50 Prozent reduzieren und bis 2050 auf Null zurückfahren. 

Kipppunkte im Klimasystem der Erde

Werden bestimmte Temperaturen überschritten, geraten zentrale Elemente unseres Welt-Klimasystems aus dem Gleichgewicht. Das sind die sogenannten Kipppunkte (engl. “tipping points”), da sie unumkehrbare Auswirkungen auf das Weltklima mit verheerenden Folgen hätten. Zu den Kipppunkten gehören unter anderem der Grönländische Eisschild, der Permafrostboden in Sibirien, der Amazonas Regenwald, oder der Indische Sommermonsun.

Klimawandel: Die wichtigsten Kippelemente des Weltklimas

Gefahr unkontrollierbarer Kettenreaktion

Klimaforscher warnen davor, dass eine unkontrollierbare Kettenreaktion ausgelöst werden kann, wenn die ersten Kippelemente fallen. Wie beim Dominoeffekt könnte dann ein umfallender Stein den nächsten umstoßen. Die Gefahr von irreversiblen und unkontrollierbaren Kettenreaktionen wird bereits bei einer globalen Temperaturzunahme von zwei Grad gesehen und dieses Risiko steigt dann mit weiterer Temperaturzunahme rapide an. Ist eine irreversible Kettenreaktion erst einmal ausgelöst, hilft es auch nicht, wenn dann massive Klimaschutzbemühungen einsetzen würden. Das Klimasystem gerät dann außer Kontrolle, die Erde würde sich in ein “Hothouse” (“Treibhaus”) verwandeln.  Mit den derzeitigen Klimaschutzplänen steuern wir auf eine Temperaturzunahme von deutlich über drei Grad zu, womit von einem ernsthaften Risiko einer unkontrollierbaren Kettenreaktion auszugehen ist. Aus der Klimakrise wird dann eine Klimakatastrophe.

Destabilisierung des Westantarktischen Eisschildes

Ein Kippelement wurde höchstwahrscheinlich bereits destabilisiert: Das westantarktische Eisschild. In Summe ist in diesem Eisschild so viel Wasser gespeichert, das bei einem Abschmelzen ein Meeresspiegelanstieg von etwa drei Meter eintreten wird. Seit den 1970er Jahren warnen Klimaforscher bereits, dass die Destabilisierung des Westantarktischen Eisschildes der erste große “Schadensfall” einer sich anbahnenden Klimakrise sein könnte. Zuletzt wurde von einem “historischen Wendepunkt” gesprochen als klar wurde, dass dieser Fall höchstwahrscheinlich schon eingetreten ist. Damit wurde wahrscheinlich bereits ein Meeresspiegelanstieg ausgelöst, der noch jahrhundertelang weitergehen wird.

Auftauen von Permafrost in Sibirien

Wenn Kipppunkte destabilisiert werden, können sie Rückkoppelungseffekte auslösen. Ein Beispiel für einen selbstverstärkenden Mechanismus ist auftauender Permafrost in Sibirien. Dort sind riesige Mengen Methan im Eis gebunden. Methan ist um ein Vielfaches klimawirksamer als CO2. Wird es gelöst, gelangt es in die Atmosphäre und heizt so das Klima weiter an. In der Folge taut auch der Permafrost schneller auf und gibt noch mehr Methan frei.

Das Abschmelzen des Grönländischen Inlandeises

Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie die restliche Welt und damit schmelzen auch die Eismassen der Gletscher in Grönland. Seit 2002 haben die Gletscher 3.600 Milliarden Tonnen an Masse verloren. Dabei geht es auch um dynamische Prozesse, die angestoßen werden, denn der Grönländische Eisschild liegt auf einer riesigen Landmasse auf. Dringt Schmelzwasser von der Oberfläche durch Risse und Spalten an die Unterseite des Eises, bildet sich eine rutschige Schicht, die Eismassen in Bewegung bringt. Einmal angestoßen, kann so eine Eigendynamik entstehen, die nicht mehr aufgehalten werden kann. Klimaforscher vermuten, dass der kritische Schwellenwert, ab dem die Eismassen in Grönland völlig abschmelzen, schon bei einer weltweiten Temperaturzunahme von zwei Grad erreicht sein könnte. Ein völliges Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes würde einen Anstieg des Meeresspiegels um sieben Meter bedeuten.

Der Rückgang des Arktischen Meereises

Durch die Erwärmung der Arktis (Nordpol) ist das Meereis in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Die minimale Ausdehnung wird im Sommer erreicht und ist mittlerweile um 28 Prozent kleiner als im langjährigen Durchschnitt (vgl. WMO (2019): Statement on the State of the Global Climate). Dieser Eisrückgang beschleunigt den Temperaturanstieg zusätzlich: Die freigelegte dunkle Wasseroberfläche absorbiert mehr Sonnenstrahlung, während die weiße Oberfläche des Eises, die Sonnenstrahlung reflektieren würde. Damit wird die Rückstrahlquote (Albedo) der Erde insgesamt verringert. Dies wiederum verstärkt die globale Erderhitzung und beschleunigt damit den Schmelzprozess. Vom Verlust des Arktischen Seeeises sind auch viele Tierarten, z.B. Robben und Eisbären, unmittelbar betroffen.

Verlangsamung des “Jet-Streams”

Ebenfalls in der Arktis befindet sich der sogenannte “Jet-Stream”. Dabei handelt es sich um eine Luftströmung in etwa 7.000 bis 12.000 Meter, die kalte Luftmassen der Arktis von gemäßigten Klimazonen trennt. Dieser Jetstream transportiert kalte Luft nach Osten. Diese Luftdynamik ist auch für die Entstehung von Hoch- und Tiefdruckgebieten verantwortlich. Die Klimaforschung liefert bereits Hinweise, dass sich dieser Luftstrom verlangsamt. Das kann dann zu lang anhaltenden Großwetterlagen führen. Lang anhaltende Hitzewellen können so die Folge sein, aber auch der anhaltende Dauer-Schneefall in den ersten Monaten 2019 wird mit einer Verlangsamung des Jetstreams in Verbindung gebracht. Derzeit wird noch weiter geforscht, welche Auswirkungen eine Destabilisierung des Jetstreams haben würde und wo genau mögliche Kipppunkte liegen.

Abschwächung des Golfstroms

Ein anderes wichtiges Element, gerade für unser Klima in Europa, ist der Golfstrom (Atlantische thermohaline Zirkulation). Gewaltige Energiemengen werden aus der Karibik nach Europa verfrachtet, was vor allem in Nordeuropa zu einem milden Klima führt. Der Antrieb dieses Stroms ist herab sinkendes Salzwasser vor Grönland. Durch dieses Absinken wird eine Sogwirkung erzeugt. Salzwasser ist schwerer als Süßwasser. Die massiven Süßwassereinträge durch das Abschmelzen der Eismassen um Grönland können diesen Motor also beeinträchtigen. Die Klimaforschung liefert mittlerweile Hinweise darauf, dass sich der Golfstrom bereits abschwächt und weit weniger stabil sein könnte als bisher angenommen. “Kippt” der Golfstrom würde das im Nordatlantikraum zu einer deutlichen Abkühlung führen.

Versteppung des Amazonas Regenwald

Wichtige Ökosysteme können gleichzeitig tragende Säulen des Weltklimas sein. Der Amazonas Regenwald ist das wohl anschaulichste Beispiel. Etwa ein Viertel des weltweiten Kohlenstoff-Austausches zwischen Atmosphäre und Biosphäre findet hier statt. Wird dieser Austausch gestört, hätte dies gravierende Folgen für das Weltklima. Durch veränderte Niederschlagsmuster und Brandrodung könnte der Regenwald im Amazonas in Zukunft sogar versteppen. Damit würde eine wichtige Kohlenstoffsenke und ein unschätzbarer Verlust der Artenvielfalt einhergehen. Die im Wald gebundenen, gewaltigen Mengen an Kohlenstoff, würden dann als CO2 frei werden und das Klima noch weiter aufheizen.  

Pariser Klimaziele und Kipppunkte

Mit steigender Temperatur steigt das Risiko, dass Kippelemente destabilisiert werden. Selbst wenn es uns gelingt die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten, kann bei einigen Kippelemente die kritische Schwelle bereits erreicht werden (siehe Grafik unten). Schon bei einer Temperaturzunahme von weniger als zwei Grad könnten die Eismassen um Grönland abschmelzen. Korallenriffe werden schon bei einer Temperaturzunahme von zwei Grad weltweit komplett zerstört. Eine Begrenzung der globalen Erhitzung auf deutlich unter zwei Grad und wenn möglich auf 1,5 Grad, kann jedoch in vielen Bereichen wesentliche Risiken vermindern.

Grafik: Kippelemente des globalen Klimasystems

So können wir den Klimawandel stoppen

Wir müssen aufhören, CO2 in die Atmosphäre zu blasen - wir müssen also mit der Verbrennung fossiler Rohstoffe wie Erdöl, Kohle und Erdgas aufhören. Der Klimawandel und die Erderhitzung ist noch zu stoppen, aber wir müssen jetzt etwas dagegen tun, denn je länger wir warten, desto einschneidender werden die erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen für uns alle sein. Wir sind die letzte Generation, die überhaupt noch die Möglichkeit hat, die Klimakrise unseres Planeten zu stoppen.

2015 hat sich die internationale Staatengemeinschaft endlich auf ein verbindliches internationales Klimaschutzabkommen verständigt: das Abkommen von Paris. In ihm verpflichten sich die Staaten die Erhitzung der Welt auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und dafür entsprechende Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Die Umsetzung des Klimaschutzabkommens von Paris ist die letzte Chance, die Folgen des Klimawandels noch einigermaßen einzudämmen. Die Umsetzung kann aber nur gelingen, wenn alle ihren fairen Beitrag auch tatsächlich leisten. Für Österreich heißt das, dass wir den Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energie beschließen und den Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energie konsequent umsetzen müssen. Wie das gelingen kann, hat GLOBAL 2000 für Österreich und die EU ausgearbeitet.

  • Klimapolitik auf EU- und internationaler Ebene: Bis 2030 soll die EU ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 60 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.
  • Ein wirksames Klimaschutzgesetz für Österreich, das den Umbau auf 100 Prozent erneuerbare Energie bis spätestens 2050 als Ziel setzt.
  • Der Umstieg auf erneuerbare Energien durch langfristig stabile Förderbedingungen im Ökostromgesetz.
  • Keine neuen fossilen Heizanlagen mehr.
  • Ein intelligenter Umgang mit Energie durch Anhebung der thermischen Sanierungsrate und eine Zweckbindung der Wohnbauförderung sowie einer Ausweitung des Bundessanierungsschecks.
  • Der Ausstieg aus der Kohleverstromung spätestens bis 2020.
  • Ein Investitionspaket in sanfte Formen der Mobilität soll geschaffen werden.
  • Steuermittel sollen zukünftig nicht mehr für klimaschädigende Investitionen ausgegeben werden dürfen. Wir brauchen stattdessen eine soziale und ökologisch nachhaltige Ausrichtung der Budgetpolitik.

Gelingen kann das auch mit einer Klimaschutzmilliarde pro Jahr. Verfehlt Österreich seine Klimaziele, drohen Strafzahlungen von bis zu 8,7 Mrd. Euro. Nur für den Gegenwert dieser potenziellen Strafzahlungen, können wir jährlich eine Milliarde Euro in unsere Zukunft investieren. Daher soll ab sofort eine Klimaschutzmilliarde pro Jahr zusätzlich bereitgestellt werden. Damit können wir in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und erneuerbarer Energien investieren oder Haushalten bei der Umrüstung alter Ölkessel und der Gebäudesanierung unterstützen. 

Grafik: 1 Klimaschutzmilliarde pro Jahr

Das können Sie tun

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, kann jeder/jede Einzelne von uns etwas tun. Warten Sie nicht länger – werden Sie aktiv!

Verkehr

  • Vermeiden Sie es zu fliegen, fliegen ist die klimaschädlichste Form sich fortzubewegen. Gerade kurze und mittlere Distanzen lassen sich bequem mit dem Zug erreichen, längere Wege können oft auch mit dem Nachtzug erreicht werden.
  • Steigen Sie auf öffentliche Verkehrsmittel um oder benutzen Sie öfter ein Fahrrad.
  • Auch das Bilden von Fahrgemeinschaften hilft dem Klima.

Energie und Strom

  • Wechseln Sie zu einem zertifizierten Ökostromanbieter, der Strom aus erneuerbaren Energien produziert und nicht aus der Verbrennung fossiler Rohstoffe
  • Drehen Sie die Heizung in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus um ein bis zwei Grad hinunter.
  • Achten Sie bei Neuanschaffungen darauf, dass die Geräte keine Energiefresser sind. Schalten Sie Geräte ab, die Sie gerade nicht benutzen (Achtung: im Stand-by Modus verbrauchen sie auch Strom).
  • Waschen Sie mit niedriger Temperatur und voller Maschine und trocknen Sie die Wäsche an der Luft, anstatt einen Trockner zu verwenden.

Ernährung

  • Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum: Auf Fleisch zu verzichten ist der größte Beitrag zum Klimaschutz, den Sie als Einzelperson leisten können
  • Versuchen Sie biologische Lebensmittel aus Ihrer Region zu kaufen (am besten auch saisonal).