Umweltfreundliche Heizung - wie Gas und Öl ersetzen?

Sie fragen sich welches umweltfreundliche Heizsystem für Ihr Eigenheim am geeignetsten ist? Dann lesen Sie hier nach.

In unseren Gebäuden wollen wir ein angenehmes Raumklima, das sicherstellt, dass es im Winter warm ist und im Sommer nicht überhitzt. Gebäudedämmung und Heizsystem sind dabei ausschlaggebend. Es gilt zuallererst den zu hohen Energieverbrauch zu senken und sparsam mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen. Jede Energiemenge, die wir einsparen, entlastet die Umwelt. Sinnvoll ist eine Gebäudedämmung vor dem Tausch des Heizsystems, damit das Heizsystem nicht überdimensioniert ist.

Der Tausch des Heizsystems gibt Sicherheit. Gerade fossile Energieträger sind massiven Preisschwankungen unterworfen. Erneuerbare Energieträger sind hingegen weit preisstabiler und auch im Betrieb kostengünstig.

Gas- und Ölheizungen haben ausgedient

Gas- und Ölheizungen sind Auslaufmodelle, die wir aus Klimaschutzgründen nicht länger verwenden sollen. Österreich will bis 2040 klimaneutral werden, spätestens bis dann müssen alle Gas- und Ölheizungen auf klimafreundliche Technologien umgestellt werden. Da Heizungen eine Nutzungsdauer von 20, 30 Jahren und manchmal sogar mehr haben, sollten also keine neuen Gas- und Ölheizungen mehr eingebaut werden. Gas- und Ölheizungen die heute eingebaut werden müssen vor dem Ende der Lebensdauer getauscht werden.

Wenn Sie eine Ölheizung haben, planen Sie jetzt den Umstieg auf ein klimafreundliches Heizsystem. Warten Sie nicht, bis die Heizung defekt ist und eine rasche Reparatur einen Umstieg auf andere Energieträger erschwert, weil bauliche Veränderungen notwendig sind. Ölheizungen sind derzeit die klimaschädlichsten Heizsysteme, die noch in großem Stil auf dem Markt sind.

Gas verursacht hohe CO2-Emissionen und ist somit ein Energieträger der zur Klimakrise beiträgt. Wird eine Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzt, bleiben 75 bis 80 % der CO2-Emisisonen bestehen. Dazu kommt, dass der derzeit hohe Verbrauch an Gas für die Wärmeerzeugung auch in Zukunft nicht durch „grünes Gas“ (Biogas, grüner Wasserstoff) ersetzt werden kann, weil die Potenziale nur knapp bemessen sind. Deshalb sollten im Neubau keine Gasheizungen mehr eingebaut werden und bei Bestandsgebäuden gilt es Gasheizungen durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen. Prinzipiell stehen viele Alternativen zur Verfügung:

Umweltfreundliche Heizsysteme

Pelletsheizung

Pelletsheizungen sind eine kostengünstige Form der Nutzung erneuerbarer Energien. Sie werden erzeugt, in dem Reststoffe aus der Sägeindustrie zu Presslingen verarbeitet werden. Die Heizung sollte durch eine Solaranlage für Warmwasserherstellung und Heizungsunterstützung ergänzt werden. Auf diese Weise kann an sonnigen Tagen auch im Winter das Gebäude warm gehalten und natürliche Ressourcen geschont werden. Moderne Neubauten im Passiv- oder Plusenergiestandard benötigen allerdings meist eine geringe Dimensionierung der Heizungen. Die gängigen verfügbaren Modelle von Pelletsheizungen sind meist zu groß dimensioniert. Moderne Anlagen weisen sehr geringe Feinstaubwerte auf und sind daher auch in Hinblick auf Luftreinhaltung zu empfehlen.

Wärmepumpe

Wärmepumpen entziehen der Umgebung (Grundwasser, Erdreich, Luft) Wärme und bringen sie mit Hilfe von elektrischer Energie auf ein höheres Temperaturniveau. Je höher das Temperaturniveau in der Umgebung, desto effizienter können Wärmepumpen arbeiten. Prinzipiell gilt, dass in der Heizperiode Grundwasser höhere Temperaturen als Erdreich hat und die Außenluft wiederum die geringste Temperatur aufweist. „Luftwärmepumpen“ sollten deshalb nur in hocheffizienten Gebäuden in Betracht gezogen werden. Besonders dann, wenn es richtig kalt wird, ist die Umgebungsluft eine nicht geeignete Energiequelle und die Wärmepumpe arbeitet nicht effizient.

Wärmepumpen sind besonders dann gut einsetzbar, wenn Gebäude über ein Niedertemperatur-Heizsystem wie Fußboden- oder Wandheizung verfügen. Ideal ist eine Vorlauftemperatur von etwa 35 °C. Herkömmliche Heizkörper werden mit höheren Temperaturen betrieben. Muss eine Wärmepumpe eine höhere Wärmeleistung erbringen, verringert sich wiederum die Effizienz. Das ist problematisch, da Wärmepumpen gerade im Winter Strom benötigen, wenn unser Strommix zu einem höheren Anteil aus Kohle und Gas besteht oder über Stromimporte abgedeckt wird. Deshalb ist ein effizienter Betrieb besonders wichtig. Bei einem effizienten Betrieb sollte eine Jahresarbeitszahl von 4 erreicht werden. Das bedeutet, dass mit einer Kilowattstunde Elektrizität vier Kilowattstunden Wärme produziert werden. Es ist jedoch auch möglich im Altbestand durch zielgerichtete Sanierungsschritte die benötigte Vorlauftemperatur zu verringern und einen effizienten Einsatz von Wärmepumpen zu ermöglichen.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Wärmepumpe ein umweltfreundliches Kältemittel verwendet. Teilflourierte Kohlenwasserstoffe (HFKW) verursachen klimaschädliche Emissionen. Es gibt jedoch auch natürliche Kältemittel wie Propan und CO2.

Besonders sinnvoll ist eine ergänzende Photovoltaik-Anlage, die den Strom für den Betrieb liefert. Weiters ist eine Solaranlage für Warmwasserherstellung und Heizungsunterstützung empfehlenswert. Jedenfalls sollte das Warmwasser durch eine Solaranlage erzeugt werden und nicht durch die Wärmepumpe, da bei der Warmwasserbereitung hohe Temperaturen notwendig sind und die Wärmepumpe somit nicht im effizienten Bereich arbeitet.

Solarwärme

Thermische Solaranlagen können sowohl Warmwasser im Sommer als auch zur Heizungsunterstützung im Winter dienen. Für die Warmwasserversorgung reichen üblicherweise 5 bis 6 m² Solarkollektoren in Verbindung mit einem Warmwasserspeicher. Auf diese Weise kann etwa 70 Prozent des Warmwasserbedarfs abgedeckt werden.

Für die Heizungsunterstützung sollte eine Anlage für ein Einfamilienhaus etwa 15 bis 20 m² aufweisen. An einem sonnigen Wintertag kann ein Niedrigenergiehaus auf diese Weise schon komfortabel warm gehalten werden. Je nach Gebäudeeffizienz kann eine Solaranlage zwischen 25 und 40 Prozent des Heizenergiebedarfs eines Jahres decken.

Stückholzheizungen

Stückholzheizungen gehören zu den günstigsten Formen der Nutzung erneuerbarer Energien. Allerdings muss das Holz manuell gelagert und nachgelegt werden. Einmal entzündet, kann der Brennvorgang nicht mehr gestoppt werden. Das kann dazu führen, dass die Heizung auch dann noch läuft, wenn die Raumtemperatur schon das gewünschte Niveau erreicht hat. Deshalb ist ein Pufferspeicher ratsam. So kann auch die Zeitspanne zwischen dem Nachfüllen vergrößert werden. Empfehlenswert ist die Kombination mit einer Solaranlage. Diese kann die solaren Erträge in den Pufferspeicher „einlagern“. Mit der Heizanlage muss dann nur noch der Restbedarf gedeckt werden.

Moderne Stückholzheizungen sorgen mit optimiertem Verbrennungsprozess dafür, dass Feinstaubemissionen nur noch in sehr geringem Ausmaß anfallen.
Generell sollte bei der Nutzung von Holz eine Verarbeitung zu langlebigen Gebrauchsgütern gegenüber der direkten Verbrennung bevorzugt werden. Das schont Wälder und speichert das im Holz gebundene CO2 dauerhaft. Stückholzheizungen sollten daher nur dort zum Einsatz kommen, wo andere klimafreundliche Alternativen nicht einsetzbar sind.

Fernwärme

Fernwärme ist eine Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz und ermöglicht komfortables Heizen ohne regelmäßige Wartung durch die Nutzer:innen. Wenn eine Fernwärmeleitung in der Nähe liegt, ist ein Anschluss generell zu empfehlen, auch wenn Fernwärme derzeit in Österreich nur etwa zur Hälfte aus erneuerbaren Quellen kommt. Fernwärmesysteme können Schritt für Schritt auf klimafreundliche Alternativen umgestellt werden. Das ist nicht möglich, wenn man erneut eine Gas- oder eine Ölheizung einbaut. So kann man Fernwärmesysteme mit Großwärmepumpen, Sonnenenergie, Geothermie oder Biomasse betreiben und damit den fossilen Energieanteil reduzieren.

Umweltfreundliche Heizsysteme in Mehrfamilienhäuser & Mietwohnungen

Prinzipiell können in Mehrfamilienhäusern, in denen meist auch Mieter:innen leben, die gleichen Optionen gewählt werden, wie in Einfamilienhäusern. Zu beachten ist, dass Mehrfamilienhäuser meist in dichter besiedelten Gebieten stehen und Mieter:innen nicht die Möglichkeit haben ihr Heizsystem selbst zu bestimmen. Es braucht daher eine Koordinierung durch Eigentümer:innen, Energieversorger, Städte und Gemeinden. Hierfür muss es gesetzliche Bestimmungen geben, die eine Umrüstung sicherstellen. Für die Stadt Wien wurde bereits ein Konzept ausgearbeitet, das vorsieht, dass in den nächsten Jahren Gasheizungen großteils durch Fernwärme und Wärmepumpen ersetzt werden.

Die Etablierung bzw. der Ausbau eines Fernwärme- bzw. Nahwärmesystems ist eine gute Möglichkeit im dicht besiedelten Gebiet alte Gas- und Ölheizungen zu ersetzen. Ein Fernwärmeanschluss wird zentral im Gebäude verlegt und in die Wohnungen führt lediglich eine Warmwasserleitung. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass Wartungen und Reparaturen von dezentral in der Wohnung befindlichen Heizgeräten entfallen. Die Fernwärme selbst kann durch einen Mix aus verschiedenen umweltfreundlichen Energiequellen gespeist werden. Hierzu zählen Sonnenenergie, Geothermie, Umgebungswärme, die durch Wärmepumpen nutzbar gemacht wird, oder Biomasse.

Eine andere Möglichkeit ist, Gasthermen durch eine zentrale Heizung auszutauschen, die direkt im Gebäude installiert wird. Im städtischen Gebiet ist zu erwarten, dass vorzugsweise Wärmepumpen zur Anwendung kommen. Dabei kann zum Beispiel im Innenhof der Gebäude eine Tiefenbohrung durchgeführt werden. Die Temperatur im Erdreich ist ab einer gewissen Tiefe das ganze Jahr über bei 10-12 °C konstant. Die Wärmepumpe bringt diese Temperatur dann auf ein komfortables Niveau zum Heizen der Gebäude. Um den Energieverbrauch zu reduzieren ist eine thermische Sanierung der Gebäude sinnvoll. Mit einer Wärmequelle können auch mehrere Gebäude versorgt werden, wenn die Dimensionierung stimmt und der Energieverbrauch durch Wärmedämmung und Fenstertausch verringert wird. Es ist deshalb zu erwarten, dass in Städten eine Vielzahl an kleineren Wärmeversorgungsnetzen entstehen wird, die lokale Wärmequellen mit Wärmepumpen und Endverbraucher:innen vernetzen. Sonnenenergie vom Dach kann dann einen Teil der notwendigen Energie gleich vor Ort zur Verfügung stellen. In der Geblergasse im 17. Wiener Gemeindebezirk wurde solch ein Pilot-Projekt bereits realisiert. Es gibt mittlerweile aber auch viele andere Vorhaben, die in die gleiche Richtung gehen.

In welchem Gebäude wohnen Sie?

Abhängig davon in welchem Gebäude Sie wohnen, können Sie das dafür optimale Heizsystem auswählen. Der Energieausweis für Gebäude gibt eine erste Orientierung. Besonders wenn Sie in einem alten, unsanierten Gebäude leben, macht es Sinn zuerst die Gebäudehülle zu dämmen, Fenster zu modernisieren und Dachgeschoß und Kellerdecke zu dämmen. Auf diese Weise ist es möglich das Heizsystem optimal an den Wärmebedarf anzupassen. Tauscht man das Heizsystem zuerst aus und setzt danach energiesparende Maßnahmen, besteht die Gefahr, dass das Heizsystem überdimensioniert ist und nicht effizient läuft. Lassen Sie sich in jedem Fall von einer/m fachkundigen Energieberater:in beraten.

Gebäudeeffizienz

Damit heizen sie klimafreundlich

Gebäudeeffizienzklasse A+ und A++ (Passivhäuser, Plusenergiehäuser und sehr gut gedämmte Niedrigstenergiehäuser): In diesen Gebäuden geeignet sind:

  • Wärmepumpe
  • Fernwärme

Zu empfehlen ist ergänzend eine Solaranlage für Warmwasser oder zur Heizungsunterstützung. Nutzen Sie dazu auch Photovoltaik am Dach! So können Sie aus Ihrem Haus ein Plusenergiehaus machen. Bei Passivhäusen ist oft kein herkömmliches Heizystem mehr nötig, ein Pelletszusatzofen kann aber für niedrige Temperaturen Sinn machen.

Gebäudeeffizienzklasse A (Niedrigstenergiehäuser):
In diesen Gebäuden geeignet sind:

  • Pellets-Zentralheizung
  • Wärmepumpe
  • Fernwärme

Zu empfehlen ist ergänzend eine Solaranlage für Warmwasser oder zur Heizungsunterstützung. Auch eine Photovoltaik-Anlage zur Versorgung der Wärmepumpe ist von Vorteil.

Gebäudeeffizienzklasse B (Niedrigenergiehäuser):

  • Pellets-Zentralheizung. Dazu ergänzend eine Solaranlage für Warmwasser oder zur Heizungsunterstützung.
  • Eine Wärmepumpe mit Erdkollektor oder Tiefensonde kann noch bedingt empfohlen werden. Dazu ergänzend eine Solaranlage für Warmwasser oder zur Heizungsunterstützung.
  • Fernwärme

Gebäudeeffizienzklasse C

  • Pellets-Zentralheizung
  • Erdwärmepumpe und Grundwasser-Wärmepumpe können hier noch bedingt zum Einsatz kommen
  • Fernwärme

Zu beiden Heizungsarten empfehlen wir ergänzend eine Solaranlage für Warmwasser oder zur Heizungsunterstützung.

Gebäudeeffizienzklasse D-G (nicht gedämmte Gebäude mit hohem Energieverbrauch)
Setzen Sie umfangreiche Sanierungsmaßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs, bevor sie die Heizanlage erneuern. Sanieren Sie die Gebäudehülle erst nach einem Tausch des Heizkessels, ist das Heizsystem deutlich überdimensioniert und läuft nicht effizient. Ansonsten sind folgende Heizungen sinnvoll:

  • Pellets-Zentralheizung
  • Fernwärme

Zu empfehlen ist ergänzend eine Solaranlage für Warmwasser oder zur Heizungsunterstützung.

Wann soll die Heizanlage erneuert werden?

Heizkessel sollten ab einem Alter von 20 Jahren getauscht werden. Neue Heizkessel sind effizienter und weisen geringere Emissionen auf. Im Schnitt lassen sich allein durch diese Maßnahme bereits 10-30 Prozent der Heizkosten einsparen.

Wer bezahlt die Heizungserneuerung?

Die Umstellung muss für alle Haushalte leistbar sein! Deshalb soll es für alle eine Förderung geben, die auf umweltfreundliche Heizungen umsteigen, ihr Haus dämmen und ihre Fenster tauschen. Energiearme Haushalte und Haushalte in Not müssen besonders finanziell unterstützt werden.

Derzeit gibt es sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene Förderungen, die sich auch kombinieren lassen (Stand April 2022). Bis zu 7.500 EUR gibt es für den Tausch von Gas- und Ölheizungen. Bis zu 6.000 EUR für die thermische Sanierungen. Für die Jahre 2021 und 2022 stehen in Summe 750 Mio. Euro an Fördermitteln bereit. Damit auch in Zukunft Gelder parat gestellt werden, setzen wir uns für eine langfristige Absicherung ein. In Mietwohnungen ist die Heizungserneuerung durch Eigentümer:innen, Energieversorger, Städte und Gemeinden zu organisieren. Informationen zu den Bundes- und Landesförderung finden Sie hier.

Kein Geld für Heizungserneuerung, aber sie wollen trotzdem Energie sparen?

Große Einsparungen lassen sich bereits mit einem Heizungs-Check erzielen. Lassen Sie ihr Heizsystem von unabhängigen Energieberater:innen unter die Lupe nehmen. Regulierung, Dämmung der Rohrleitungen oder ein Pumpentausch können potenziell hohe Einsparungen bringen. Es gibt viele weitere Möglichkeiten einfach und kostengünstig Energie zu sparen, weitere Tipps finden Sie hier: https://www.global2000.at/energiespartipps