30.03.2022

Schoko-Osterhasen Check 2022

Wir haben Schoko-Osterhasen unter die Lupe genommen. Wie öko und wie fair sind sie produziert? Und was bedeuten die Gütesiegel auf den Osterhasen tatsächlich?

Wie schon in den Jahren davor haben GLOBAL 2000 und Südwindexternal link, opens in a new tab auch dieses Jahr wieder Schoko-Osterhasen unter die Lupe genommen. Der Osterhasen-Check hilft KonsumentInnen bei der Auswahl für das Osterfest: Ein Ampelsystem informiert über die ökologische und soziale Qualität von 36 Schoko-Osterhasen aus österreichischen Supermärkten. Ausgewählte Stichproben gingen zudem zum Pestizid-Check ins Labor. Der Check zeigt weniger Testsieger als im Vorjahr, viel Aufholbedarf bei den Branchengrößen und Hinweise auf den Einsatz gefährlicher Pestizide im Kakaoanbau.

 

Schoko-Osterhasen aus dem Osterhasen Check 2022

Südwind

Vier Testsieger punkten mit Transparenz und strengen Kriterien

Waren es im vergangenen Jahr noch sechs, konnten wir diesmal nur vier Schoko-Osterhasen sowohl für soziale wie auch ökologische Kriterien mit der doppelt-grünen Bestbewertung auszeichnen. Darüber hinaus leuchten gleich 18 weitere Schokohasen in zumindest einer Kategorie „grün“. Das Sieger-Quartett „EZA Schokohase“ aus den Weltläden, der „Natur*pur Bio-Osterhase“ von Spar, der „Favorina Confiserie Sitzhase“ von Lidl und der „Monarc Bio-Confiserie Osterhase“ von Hofer wurde schon im letzten Test doppelt grün gekennzeichnet. Alle vier tragen sowohl das EU-Bio-Siegel als auch ein Fairtrade-Gütesiegel.

Mit 11 von 36 wird fast jeder dritte Hase in beiden Kategorien mit Rot bewertet, da bei diesen Produkten unabhängige Zertifizierung fehlen. Auffällig ist, dass unter den durchgefallenen Produkten mehrere sehr große Marken zu finden sind, wie etwa Milka, Lindt, Merci, Ferrero Rocher oder KitKat. Auch Heilemann, Klett und Hauswirth verfügen über keine unabhängige Zertifizierung.

Die Testsieger 2022:

  • „EZA Schokohase“ aus demWeltladen
  • „Monarc Bio-Confiserie Osterhase“ von Hofer
  • „Natur*pur Bio-Osterhase“ von Spar
  • „Favorina Confiserie Sitzhase“ von Lidl

Manche Probleme bleiben bestehen

Ganzen elf der untersuchten Hasen fehlt jegliche unabhängige Zertifizierung.  Die doppelt-rote Ampel trifft viele Branchengrößen und Wiederholungstäter. Dabei ist der Kakaoanbau seit Jahrzehnten als Risikobranche in Bezug auf Ausbeutung und Kinderarbeit bekannt. Dass vor allem die Branchengrößen lieber auf eigene Nachhaltigkeits-Programme setzen, kann zwar potenziell positive Aspekte bringen, die konkrete Wirkung lässt sich aber schwer beurteilen und kaum vergleichen. In vielen Fällen werden die konkreten Richtlinien hinter den firmeneigenen Programmen nicht veröffentlicht. Konsumt:innen haben somit keine Möglichkeit, sich ein aussagekräftiges Bild zu machen. 

Die negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen der Kakaoproduktion sind auf den geringen Preis zurückzuführen den Bäuerinnen und Bauern für ihre Ware bekommen. Dabei spiegeln die unterschiedlichen Preise am Supermarktregal nicht unbedingt höhere oder niedrigere Kosten beim Rohstoffeinkauf wider. Hier spielen viele andere Faktoren eine Rolle – wie etwa die Vermarktungsstrategie. Im Einkauf selbst machen oft wenige Cent mehr pro Kilo Rohstoff den Unterschied, ob eine Bauernfamilie ihre Kinder in die Schule schicken kann oder nicht.

Kakao hat das Potential, vielen Millionen Menschen im Globalen Süden den Lebensunterhalt zu sichern. Als eine der wenigen global gehandelten Rohstoffe wird er noch immer überwiegend von Kleinbauern und -bäuerinnen angebaut – doch diese stehen immer wieder unter enormem Preisdruck. Ein Ausweg daraus sind Fairtrade- und Bio-Zertifizierungen. Wer der Gesellschaft, der Umwelt und den Bäuerinnen und Bauern, die am unteren Ende der Wertschöpfungskette stehen, etwas Gutes tun möchte, ist mit Bio und Fairtrade am Besten bedient. Abgesehen davon ist Bio-Schokolade, die ohne Pestizid-Einsatz hergestellt wurde, auch garantiert bekömmlicher für ihre Lieben.

Weitere Informationen zu fairen und ökologischen Rahmenbedingungen zum Beispiel in der Handelspolitik finden sich in der gemeinsamen Kampagne von Südwind, GLOBAL 2000 und vielen anderen www.anders-handeln.atexternal link, opens in a new tab

Pestizide trotz Label

Von den sechs im Labor ausgewerteten Stichproben, weisen nur zwei Schokohasen minimale Rückstände von Pestiziden auf. Zwar sind die nachgewiesenen Mengen in allen Fällen so gering, dass für die Endverbraucher:innen sehr wahrscheinlich keine Gefahr ausgeht, da es sich jedoch um stark verarbeitetes Produkt handelt, steht fest, dass beim Kakaoanbau weiterhin große Mengen an hochgefährlichen Pestizide verwendet werden.

Dazu GLOBAL 2000-Experte Martin Wildenberg: „Die Pestizide, die wir in den Schokohasen nachgewiesen haben, sind richtige Hämmer. Dass wir in einem so hochverarbeiteten Produkt wie Schokolade überhaupt noch Pestizidrückstände finden, weist auf einen massiven Einsatz in den Plantagen hin. Für die Umwelt aber auch für die Bäuerinnen und Bauern und Arbeiter:innen auf den Plantagen ist das sehr bedenklich. Die Pestizide die wir nachgewiesen haben wirken hormonell und sind damit vor allem auch für junge Menschen gefährlich. Das ist besonders tragisch, wenn man bedenkt, wie  viele Kinder immer noch in den Kakao-Plantagen arbeiten müssen.“

Kritik muss sich indes das Gütesiegel der „Rainforest Alliance“ gefallen lassen. Das Pestizid-Schlusslicht mit gleich vier nachgewiesen schädlichen Substanzen trägt ein Hase mit RA-Siegel und zeigt, dass nicht jedes Gütesiegel Vorbildfunktion einnimmt. So sind bei der „Rainforest Alliance“ der Einsatz der meisten Pestizide und synthetischen Düngemitteln nicht verboten. Vorgeschrieben ist nur ein „Integriertes Pestizid Management“. Dass wir auch eines im Standard eigentlich verbotenes Pestizid nachweisen konnten, weist aber auch auf lückenhafte Kontrollmechanismen hin. Darüber hinaus verpflichten sich Produkte mit diesem Gütesiegel in vielen für die Umwelt relevanten Bereichen nur zur Einhaltung gesetzlicher, lokaler Mindeststandards. Fazit mit einem Bio-Siegel kann sich RA in puncto Umweltschutz nicht messen. Auch bei den sozialen Standards bleibt RA leider weit hinter Siegeln wie Fairtrade oder EZA zurück.

Bewertungskriterien

GLOBAL 2000 und Südwind haben 36 Schokolade-Osterhasen hinsichtlich ihrer sozialen und ökologischen Qualität bewertet, basierend auf den unabhängigen Gütesiegeln FAIRTRADE, UTZ und dem EU-Bio-Siegel. Unternehmenseigene Nachhaltigkeitsinitiativen der Schokolade-Anbieter wurden in diesem Test nicht berücksichtigt, da sie am Produkt für die KonsumentInnen nicht nachvollziehbar sind.

Rückblick Osterhasen-Check 2021

Hier Osterhasen-Check 2021 downloaden

Rückblick Osterhasen-Check 2020

Fünf Testsieger – Trend geht in Richtung Nachhaltigkeit

Im breiten Mittelfeld ist erfreulicherweise ein leichter Positiv-Trend erkennbar. Mehr als die Hälfte aller zum Zeitpunkt des Tests erhältlichen Schoko-Osterhasen setzen Schritte in Richtung Nachhaltigkeit“. Im Detail bedeutet das, dass etwas mehr als ein Viertel des gesamten getesteten Angebots über das Bio-Siegel und fünf über das Fairtrade-Siegel verfügen. Auch fast ein Drittel der Schoko-Osterhasen trägt das Fairtrade Cocoa-Siegel, welches festlegt, dass der Kakaoanteil des Produktes unter fairen Bedingungen produziert wurde. Zehn getestete Produkte wurden im Check mit rot bewertet da sie keine unabhängige Zertifizierung aufweisen. Aus Sicht der Kunden können bei diesen Hasen daher Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung nicht ausgeschlossen werden.

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Osterhasen-Check 2020 - die Testsieger

GLOBAL 2000 / Evelyn Knoll

  • Schönenberger – Felldhase hell vegan (denn‘s)
  • Favorina – Bio Organic Hase (Lidl)
  • Natur pur – Bio-Osterhase (Spar)
  • Natur aktiv – Bio Confiserie Osterhase (Hofer)
  • EZA – Bio Vollmilchschokolade Sitzhase (Weltläde)

Rückblick Osterhasen-Check 2019

Nach unseren Osterhasen-Checks in den Vorjahren ist das Angebot an sozial und ökologisch zertifizierten Schokolade-Osterhasen in Supermärkten stark gewachsen. Zum ersten Mal zählen wir 2019 ganze sechs Test-Sieger und knapp zwei Drittel der Osterhasen konnten wir mit grün in zumindest einem Bereich bewerten. Die Test-Sieger sind sowohl Fairtrade- als auch Bio-zertifiziert. Von den testweise eingekauften Schoko-Hasen wurden heuer weniger als ein Drittel, nämlich neun Schoko-Osterhasen, aufgrund fehlender Zertifizierung mit “rot” bewertet, 2016 waren es noch über die Hälfte. Zwei Produkte wurden mit “orange” bewertet, da die vorliegende Zertifizierung nur Mindeststandards festlegt.

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Die Testsieger 2019:

 

Osterhasen-Check 2019 - die Testsieger

Südwind

  • “EZA Osterhase aus biologischer Milchschokolade“ erhältlich in den Weltläden
  • “Favorina Bio-Confiserie-Osterhase“ von Lidl
  • “Natur aktiv Bio Confiserie Osterhase“ von Hofer
  • “Natur pur Bio-Osterhase” von Spar
  • “Natürlich für uns-Osterhase” erhältlich bei M-Preis und Unimarkt
  • “Schönenberger Veganer Schoko-Osterhase” erhältlich bei Denn`s

Rückblick Osterhasen-Check 2018

Von den 22 testweise eingekauften Hasen hatten sieben gar kein Siegel, zwei waren UTZ-zertifiziert, fünf wurden mit Fairtrade-zertifiziertem Kakao hergestellt. Sieben sind Bio und die fünf Test-Sieger tragen sowohl das Fairtrade- als auch das Bio-Label. Die Test-Sieger sind: der Natur Pur Bio Osterhase von Spar, der Osterhase aus biologischer Milchschokolade von EZA Fairer Handel, der Natur Aktiv Bio Confiserie Osterhase bei Hofer, der Favorina Bio-Confiserie-Osterhase von Lidl und der Bio Organic Bio Vollmilchschokolade von Riegelein.

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Jetzt Report zum Osterhasen-Check downloaden

 

Testsieger Osterhasen-Check 2018

GLOBAL 2000/Südwind

Der Anteil der Fairtrade und Bio gelabelten Hasen ist in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen. Nur noch knapp die Hälfte aller Hasen haben gar kein Siegel oder nur das UTZ Siegel.

Die Ergebnisse des aktuellen Osterhasen-Checks sowie die Statements einiger negativ bewerteter Unternehmen finden Sie unten im Downloadbereich.