Gentechnik

Gentechnik wird in der Landwirtschaft seit 25 Jahren eingesetzt. Die Folgen für die Umwelt werden immer drastischer: höherer Einsatz von Herbiziden, kaputte Böden und gesundheitsschädigende Auswirkungen auf Tiere. Multinationale Agrarkonzerne fördern mit Gentechnik weiter Monokulturen, vertreiben Kleinbauern und -bäuerinnen und monopolisieren immer stärker unser Nahrungsmittelangebot. Und nach all den Jahren wurde noch immer nicht ausreichend erforscht, was es für uns Menschen bedeutet, wenn wir gentechnisch veränderte Lebensmittel essen.

Warum ist Gentechnik in der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion problematisch?

Bei der herkömmlichen Gentechnik (Trans-Gentechnik) werden artfremde, nicht pflanzliche Gene in die DNA der Pflanzenzelle eingebaut, damit die Pflanze neue Merkmale bekommt. Zwei Eigenschaften sind für die Landwirtschaft besonders relevant:

  • Die neue Pflanze erzeugt ein Gift, das Insekten abtötet.
    Das Problem dabei ist aber, dass nicht nur die Feinde der Pflanze getötet werden. Es sterben auch Insekten, die für das Ökosystem der Agrarlandschaft wichtig sind, beispielsweise als Bestäuber oder als Nahrung für Vögel.
     
  • Die neue Pflanze ist resistent gegenüber Herbiziden. Das bedeutet, Landwirtinnen und Landwirte können großflächig Unkrautvernichtungsmittel sprühen und die Kulturpflanze bleibt unbehelligt.
    Problematische Auswirkungen zeigen sich gerade in den USA, denn die Unkräuter passen sich an und werden zu sogenannten "Super Weeds", die trotz Herbizideinsatz stehen bleiben. In Folge müssen immer mehr Herbizide eingesetzt werden. Besonders relevant für die Gentechnik sind Glyphosat- und Glufosinat-Resistenzen. Die Verwendung gentechnisch manipulierter Pflanzen führt also nicht zu einer Reduktion des Herbizideinsatzes, wie es von der Agro-Gentechnik angepriesen wurde. Gentechnik auf dem Acker steigert nicht die Erträge und führt langfristig auch nicht zu einer Reduktion des Spritzmitteleinsatzes. Vor allem im Sojaanbau scheint die gentechnische Veränderung im Saatgut sogar zu einer deutlichen Steigerung des Pestizideinsatzes geführt zu haben.

Abgesehen davon gibt es eine Reihe negativer Folgen von Gentechnik. Beispielsweise werden durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen die Böden ausgelaugt, Bodenorganismen geschädigt, Kleinbauern und -bäuerinnen von ihrem Land vertrieben und Saatgut immer mehr monopolisiert. Alte, traditionelle und dem jeweiligen Klima angepasste Sorten gehen verloren, weil sie nicht mehr angebaut werden. Oder weil sie durch die Bestäubung mit genetisch veränderte Pollen selbst so verändert werden, dass man sie nicht mehr nutzen kann.  Die Produktion gentechnisch manipulierter Pflanzen führt unmittelbar zu einer Patentierung des Saatguts und damit zu einer verstärkten Abhängigkeit der Landwirtschaft von multinationalen Konzernen.

Gentechnik wird vor allem als Futtermittel eingesetzt. Die wichtigsten Pflanzen sind hier Soja, Mais und Raps. Andere Pflanzen werden für den menschlichen Verzehr angebaut, wie Obst und Gemüse. Was der direkte Verzehr von Gentechnik-Pflanzen für uns Menschen bedeutet, ist nach wie vor kaum erforscht. Im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln werden in erster Linie zwei Gesundheitsrisiken diskutiert: das Entstehen neuer Allergien und weiterer Antibiotikaresistenzen.

Neue Gentechnik - Neue Herausforderungen

Mit Neuer Gentechnik sind eine ganze Reihe von Methoden gemeint, die allesamt dazu dienen, das Genom einer Pflanze zu verändern, um ihre Eigenschaften zu modifizieren. Hierzu muss artfremdes DNA nicht mehr eingeschleust werden. In den letzten Jahren ist darüber eine Debatte entbrannt, ob diese Methoden bzw. die Lebensmittel, die daraus entstehen, als Gentechnik bzw. als gentechnisch veränderte Organismen bezeichnet werden sollen. Dazu hat der EuGH am 25. Juli 2018 ein klares Urteil gefällt und entschieden, dass im Sinne des Vorsorgeprinzips in Zukunft auch die Verfahren der sogenannten Neuen Gentechnik über das EU-Gentechnikgesetz geregelt werden müssen.

Was ist die Lösung?

Die klare Alternative lautet: ökologischer Anbau. Jedoch ist auch eine nachhaltig betriebene, konventionelle Landwirtschaft mit Fruchtfolgen noch besser als Gentechnik. In der EU werden gentechnisch veränderte Pflanzen nur wenig angebaut – hauptanbauland ist hier Spanien. Seit über 20 Jahren ist nur eine Gentechnik-Pflanze zugelassen, da Gentechnik weder bei Bäuerinnen und Bauern noch bei Konsumentinnen und Konsumenten beliebt ist. In der EU gibt es zudem relativ hohe Auflagen für die Zulassung zum Anbau. Darüber hinaus haben sich in Europa viele Regionen ganz unabhängig von den EU-Zulassungen gegen den Anbau von Gentechnik ausgesprochen, um ihre regionale Landwirtschaft zu schützen.

Gentechnik muss in der EU gekennzeichnet werden. Das ist ein wesentlicher Schutz für Konsumentinnen und Konsumenten und ermöglicht im Gegensatz zu den Behauptungen der Gentechnikindustrie die tatsächliche Entscheidungsmöglichkeit am Point-of-Sale. Gentechnisch veränderte Lebensmittel finden sich kaum in den Supermarktregalen der Mitgliedsländer. Tiere bekommen aber in der EU vor allem GV-Soja als Futtermittel und das muss in der EU nicht am Endprodukt angegeben werden.

In Österreich haben wir uns vor 25 Jahren im Gentechnik-Volksbegehren klar gegen Gentechnik ausgesprochen. Gentechnik wird hierzulande bis heute nicht angebaut.

Was kann ich tun?

ARGE GentechnikfreiAchten Sie beim Einkauf auf Bio-Lebensmittel – Sie können sich sicher sein, dass keine Gentechnik drinnen ist. Es gibt aber gerade in Österreich auch immer mehr „konventionelle“ tierische Lebensmittel, die ohne Gentechnik auskommen. Sie erkennen diese am weiß-grünen Label der ARGE Gentechnikfrei: „Ohne Gentechnik hergestellt“. Heimische Eier, Milch und Milchprodukte kommen ebenso ohne Gentechnik-Einsatz aus und seit ein paar Jahren werden aber auch immer mehr Fleisch-Produkte ohne Gentechnik hergestellt. Geflügel ist hier ganz vorne dabei. Bei Schwein und Rind bleiben wir dran.