Folgen von Gentechnik

Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen hat spürbare negative Folgen: einerseits auf die Umwelt und andererseits auf die Menschen, insbesondere auf die Bäuerinnen und Bauern in Südamerika.

 

Folgen für die Umwelt

Über 25 Jahre lang wird bereits die so genannte „grüne“ Gentechnik praktiziert und immer noch gibt es viel zu wenige unabhängige Studien über ihre Folgen. Die wenigen, die es gibt, zeigen jedoch auf, dass sie sich gleich mehrfach negativ auf die Umwelt auswirkt. Doch auch ohne Studien, die uns das bestätigen, sehen wir die Schäden ganz deutlich und vor allem dort, wo besonders viel oder fast ausschließlich gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden.

Zerstörung der Ackerböden

Sie haben sicher schon einmal Bilder von den riesigen Sojafeldern in den USA oder Argentinien gesehen: gewaltige braune Landstriche, auf denen überdimensionierte Flügeltraktoren großflächig Pestizide versprühen.

Traktor versprüht Pestizide über Sojafeld
(c) Fotokostic / shutterstock.com

Aber haben Sie auch schon Bilder von Böden nach jahrelangem Gentechnik-Anbau gesehen? Zerklüftete wüstenähnliche Landschaften, in denen kein Grashalm mehr wächst – tote Erde, so weit das Auge reicht.

Rissiger, ausgetrockneter Boden auf dem nichts mehr wächst
(c) Anton Prado PHOTO / shutterstock.com

Gentechnisch veränderte Pflanzen sind Hochleistungsmaschinen. Durch Düngemittel „geboostert“ schöpfen sie alles aus, was der Boden an Wasser und Nährstoffen hergibt und liefern eine Zeit lang recht hohe Erträge. Spielraum für ein natürliches Ökosystem gibt es aber keinen.

Nützlinge fallen Gift zum Opfer

Eine spezielle Art der Gen-Manipulation bewirkt, dass eine Pflanze selbst ein Gift produziert, das schädliche Insekten ‒ wie etwa den Maiszünsler ‒ vernichtet. Dieses Gift tötet jedoch nicht nur den Schädling, sondern auch nützliche Tiere und Bodenorganismen, wenn sie etwa vom „Tau“ der Pflanze trinken. Das von der Pflanze produzierte Gift verändert auch Kulturpflanzen auf benachbarten Feldern, wenn ihre Pollen von Bestäubern dorthin getragen werden..

Pestizideinsatz steigt

Herstellerfirmen werben damit, dass ihre Gentech-Pflanzen weniger Unkrautvernichtungsmittel brauchen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Nach einigen Jahren großflächigem Einsatz von Unkrautvernichtungsmittel ‒ allen voran Glyphosat ‒ entwickelt das auf den Sojafeldern bekämpfte Unkraut Resistenzen. Es wird sozusagen immun gegen das Unkrautvernichtungsmittel. Dem versucht man entgegenzuwirken, indem man einfach den Pestizideinsatz steigert. Besonders im Sojaanbau hat GV-Saatgut zu einer Steigerung des Pestizideinsatzes geführt. In den letzten 25 Jahren ist der Glyphosatverbrauch weltweit um fast das Fünfzehnfache angestiegen: von 15.000 Tonnen 1995 auf 747.000 Tonnen im Jahr 2014. Dieser Anstieg hängt unmittelbar mit dem stark ausgeweiteten Anbau von gentechnisch verändertem Soja in Lateinamerika zusammen.

Die Umweltfolgen setzen sich also aus den negativen Eigenschaften der gentechnisch veränderten Pflanzen selbst und dem hohen Einsatz von Unkrautvernichtungsmittel zusammen. Um die Umweltauswirkungen besser abschätzen zu können, fordern wir mehr unabhängige Studien zu allen Risikobereichen.

Soziale Folgen von Gentechnik

Gentechnisch veränderte Pflanzen sind auf die industrielle Landwirtschaft zugeschnitten. Die grüne Gentechnik fördert umweltzerstörende Monokulturen und ruiniert die kleinstrukturierte regionale Landwirtschaft, die es Bäuerinnen und Bauern ermöglicht, ihre Familien zu ernähren und sich durch den lokalen Marktverkauf ein Einkommen zu erwirtschaften. Im Globalen Süden werden häufig Bäuerinnen und Bauern von ihrem Land vertrieben, „überredet“, ihre Ackerflächen Großkonzernen zur Verfügung zu stellen, oder als Arbeiter:innen zu einem Hungerlohn auf den Gentechnikfeldern eingesetzt. Aus diesen Gründen flüchten viele Menschen aus den Hauptanbaugebieten von Gentechnik-Feldfrüchten in die Städte.

Landwirtschaft verliert Unabhängigkeit

Gentechnisch veränderte Pflanzen sind so genannte Hybride: Das Saatgut liefert nur für eine Periode die gewünschten Erträge, denn aus den neuen Samen wachsen keine Früchte mehr. Zudem ist es ohnehin verboten, das Saatgut der ersten Ernte erneut zu nutzen, denn Gentech-Pflanzen sind durch Patente und Lizenzverträge geschützt. Und wer patentierte gentechnisch veränderte Pflanzen ohne Genehmigung anbaut, macht sich strafbar. Selbst wenn ein herkömmliches Feld ungewollt und unbeabsichtigt von Gentech-Saatgut kontaminiert wird, kann die Herstellerfirma auf Patentverletzung klagen.

Bäuerinnen und Bauern müssen also das patentierte Saatgut jedes Jahr neu kaufen und geraten dadurch in eine totale Abhängigkeit von den Konzernen. Häufig verschulden sich die Menschen so hoch, dass sie sich in der Folge auch nicht mehr selbst versorgen können. In Indien begehen aus diesem Grund jährlich hunderte Baumwollerzeuger:innen Selbstmord.

Keine Lösung für den Welthunger

Die derzeit gehandelten gentechnisch veränderten Pflanzen sind also auf die industrialisierte Landwirtschaft in den reichen Ländern des Nordens zugeschnitten und nicht auf die regionalen Bedürfnisse und kleinbäuerlichen Strukturen der armen Länder des Südens.

Die Annahme, dass wir gentechnisch verändertes Saatgut brauchen, um mehr Erträge zu erzielen, um so den Welthunger beseitigen zu können, ist eine reine Illusion. Die Anbieter von gentechnisch verändertem Saatgut wollen ausschließlich Gewinne erwirtschaften. Der Hunger ‒ Ergebnis gesellschaftlicher und politischer Missstände ‒ wird durch die grüne Gentechnik sicherlich nicht beseitigt. Gentech-Soja dominiert mittlerweile die Soja-Produktion von Nordamerika und Argentinien und ist in Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien weit verbreitet.

Beispiel Argentinien

In Argentinien sind die Entwicklungen durch den Gentech-Sojaanbau besonders schlimm. Im Jahr 2015 wurde im ganzen Land ausschließlich gentechnisch verändertes Soja angebaut. Der gleichzeitige großflächige Einsatz von Herbiziden wie Glyphosat wirkt sich in manchen Regionen auf die Gesundheit der Menschen verheerend aus. Mit dem Beginn des Gentech-Sojaanbau häuften sich zunehmend Fehl- und Frühgeburten und schwere Missbildungen bei Neugeborenen sowie seltene Tumorarten bei Erwachsenen. Deshalb haben Sofia Gatica und Maria Godoy die Initiative "The Mothers of Ituzaingó" gegründet und setzen sich unter anderem dafür ein, den großflächigen Einsatz von Glyphosat auf den GV-Sojafeldern zu unterbinden. Einen Erfolg haben sie bereits errungen: Das großflächige Spritzen von Pestiziden durch Flugzeuge ist mittlerweile verboten.

Gatica und Godoy haben auf der internationalen Konferenz der Gentechnikfreien Regionen in Brüssel 2012 davon berichtet. Sofia Gatica, deren Tochter kurz nach der Geburt an einem damals nicht erklärbaren Nierenversagen starb, wurde für ihren Einsatz 2012 mit dem Goldman Environmental Prize ausgezeichnet.

Beispiel Paraguay

Paraguay ist von ähnlichen Problemen betroffen. Sehen Sie hier einen Bericht über die katastrophalen sozialen Folgen von Gentechnik im Sojaanbau in der Region.