Gentechnik-Anbau

Mittlerweile wird Gentechnik weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt. Hauptanbaugebiete für gentechnisch veränderte Pflanzen sind dabei die USA, Brasilien, Argentinien, Kanada und Indien.

Gentechnik-Anbau findet auf allen Kontinenten statt. Unterschiedliche Pflanzen haben in den verschiedenen Regionen unterschiedliche Bedeutung. Nach wie vor sind gentechnisch veränderte Pflanzen als Futtermittel für die Fleischproduktion am wichtigsten. GV-Baumwolle wird immer bedeutender in der Textilindustrie. In vielen südostasiatischen und afrikanischen Ländern wird zudem der Anbau von Obst und Gemüse für die menschliche Ernährung von den Gentechnik-Konzernen massiv vorangetrieben. Die weltweit am meisten angebauten GV-Pflanzen sind Soja (48 % aller GV-Pflanzen) und Mais (32 %), gefolgt von Baumwolle (14 %) und Raps (5 %).

Im Anbau bildet die EU das Schlusslicht. Trotzdem fördert sie durch den hohen Import vor allem von GV-Futtermitteln den weltweiten Gentechnik-Anbau.

Grafik: Welche gentechnisch veränderten Pflanzen werden weltweit angebaut?

Anbau von Gentechnik weltweit

Mittlerweile wird Gentechnik weltweit in der Landwirtschaft eingesetzt. Hauptanbaugebiete für gentechnisch veränderte Pflanzen sind dabei Nord- und Südamerika, aber auch Indien und andere Länder Südost-Asiens. In 29 Ländern weltweit werden auf 190 Millien Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut.

Hier finden Sie eine Karte mit den Gentechnik-Anbaugebieten der Welt:

 

Nordamerika

Den Siegeszug hat die Gentechnik in den 1990er Jahren von den USA aus angetreten. Dort wurden die ersten großen Flächen von Gentechnik(GV)-Soja angebaut und als Futtermittel auch nach Europa exportiert. Derzeit sind rund 94 Prozent des gesamten Sojaanbaus gentechnisch verändert. Die wichtigsten Pflanzen sind neben Soja, Mais, Raps und Zuckerrüben. Davon sind zwischen 90 und 95 % gentechisch verändert. Neuerdings werden aber auch Obst und Gemüse für den nordamerikanischen Markt verändert - Apfel, Kartoffel, Kürbis, Papaya. 2015 wurden zwei GV-Apfelsorten für den Anbau und den Verkauf zugelassen. Ihr Merkmal: sie werden an den Anschnittstellen nicht braun. Auch kleinere Mengen von GV-Papaya und GV-Kürbis werden angebaut. Ähnlich, wenn auch noch nicht ganz so schlimm, sieht es in Kanada aus. Viele Zulassungen aus den USA werden in Kanada einfach übernommen. So finden sich dort auch weite Felder mit GV-Pflanzen.

Südamerika

Vor allem Argentinien und Brasilien werden seit langem genutzt, um den riesigen Bedarf an Futtermitteln für die Fleischproduktion in Industrieländern zu stillen. In Argentinien sind seit 2016 100 Prozent des Sojaanbaus gentechnisch verändert, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung und für die Umwelt. Auch kleinere Länder wie Paraguay sind bereits von der massiven Ausweitung des Gentechnik-Anbaus betroffen.

Andere Länder

Mittlerweile hat sich der Einsatz von Gentechnik weltweit verbreitet. In Indien haben vor allem die Baumwollproduzenten für internationales Aufsehen gesorgt. Baumwolle ist in Indien ein wichtiger Einnahmezweig für die ländliche Bevölkerung. In den vergangenen Jahren wurden Bauern und Bäuerinnen immer mehr dazu gedrängt, Gentechnik-Baumwolle anzubauen, mit dem Versprechen von mehr Erträgen. Doch der Erfolg hat nur kurz angehalten. Mittlerweile sind über 94 Prozent der indischen Baumwolle gentechnisch verändert. GV-Baumwolle wurde auch in Burkina Faso angebaut. Doch hier mehrte sich der Widerstand der Produzenten gegen das Gentechnik-Saatgut. Inzwischen hat das westafrikanische Land den Anbau wieder verboten. Die äthiopische Regierung hat den Anbau von gentechnisch veränderter Baumwolle und Mais erlaubt. In Kenia sollen Feldversuche mit Gentech-Kassava starten, gentechnisch veränderte Baumwolle wurde hier bereits zum ersten Mal ausgesät. Doch auch in diesen ostafrikanischen Ländern wehrt sich die Zivilgesellschaft gegen den Gentechnik-Kurs ihrer Regierungen.

Über die tatsächliche Anbausituation weltweit gibt es nur wenige Informationen. Offiziellen Zahlen werden meist nur von der industrienahen ISAAA (International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications) zur Verfügung gestellt.

Gentechnik als Nahrung für ärmere Regionen

Sind es in Amerika vor allem die Futtermittelpflanzen, so spielt in anderen Teilen der Erde die Umstellung auf Gentechnik-Nahrungspflanzen eine größere Rolle. Ob Bt Brinjal-Melanzani in Bangladesh oder Kartoffeln auf den Philippinen, die Gentechnik-Konzerne versuchen immer wieder, ihr GV-Gemüse in Umlauf zu bringen .

In der Datenbank der industrienahen ISAAA ist nachzulesen, dass es an die 32 kommerziell relevante Nutzpflanzen gibt, die gentechnisch verändert auf den Markt kommen. Von manchen gibt es zig gentechnisch veränderte Varianten. Weitere Pflanzen wie gentechnisch veränderte Ananas oder Bananen sind bereits in Entwicklung.

Die weltweit am meisten angebauten Gentechnik-Pflanzen sind Soja, Mais, Baumwolle, Raps und Zuckerrübe. Darüber hinaus wird mit gentechnisch veränderten Eukalyptusbäumen oder Pappeln zur Papiererzeugung experimentiert. Gentechnisch verändertes Obst und Gemüse wird den Menschen vor allem in ärmeren Ländern in Südost-Asien und Teilen Afrikas schmackhaft gemacht.

Mittlerweile gibt es gentechnisch veränderte Melanzani und Papayas, Tomaten, Kartoffeln, Melonen, Kürbis, aber auch Weizen und Reis. Als GV-Reis hat vor allem der so genannte „Golden Rice“ Berühmtheit erlangt. Lesen Sie mehr dazu unter „Golden Rice“ - Das goldene Korn, das die Armen nähren soll.

Gentechnik in der EU

EU Flagge Der Anbau von Gentechnik in der EU beschränkt sich momentan auf eine Maissorte, sechs weitere warten auf ihre Zulassung. Zwar hält sich in der EU der Anbau selbst noch in Grenzen, jedoch importieren wir bereits beträchtliche Mengen gentechnisch verändertes Soja zur Tierfütterung. Derzeit sind 78 verschiedene gentechnisch veränderte Pflanzen (hauptsächlich Mais, Soja und Baumwolle, mit meist mehreren unterschiedlichen Linien) für den Import in die EU zugelassen.

In den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wird insgesamt sehr wenig Gentechnik angebaut. Seit Gentechnik-Pflanzen zum ersten Mal für kommerzielle Zwecke angebaut wurden, ist in der EU nur eine einzige GV-Pflanze für den Anbau zugelassen: der GV-Mais MON 810 des bis dato bedeutendsten Gentechnik-Konzerns weltweit, Bayer (vormals Monsanto).

Spanien ist Spitzenreiter

Große Mengen werden nur in Spanien angebaut (etwa 98.152 ha, das macht knapp 30 % des gesamten Maisanbaus in Spanien aus). Kleinere Flächen gibt es noch in Portugal (4216 ha). In der EU sind nur 1,14 % der Mais-Gesamtanbaufläche igentechnisch verändert.

Jedoch importieren wir jährlich 35 Millionen Tonnen Soja, vor allem aus Nord- und Südamerika, das zu einem großen Tiel gentechnisch verändert ist.

Fragwürdige Zulassungsregelung

Seit dem Jahr 2015 gibt es in der EU eine neue nationale Regelung für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Das bedeutet, auch wenn in der EU eine Pflanze für den Anbau zugelassen ist, können Staaten oder Regionen ein Anbauverbot verhängen. Sie können dies in zwei Schritten:

  • Ansuchen bei Gentech-Konzern
    Solange eine Pflanze noch im Zulassungsprozess ist, können Mitgliedsstaaten an den Gentechnik-Konzern schreiben und darum ersuchen, dass der Zulassungsantrag umgeschrieben wird. Stimmt der Konzern zu, muss der Antrag so formuliert werden, dass er für die EU exklusive der jeweiligen Staaten oder Regionen gelten soll, die um eine Anbau-Ausnahme angesucht haben.
  • Ansuchen bei EU-Kommission
    Stimmt der Konzern nicht zu, hat der Mitgliedsstaat nach der Zulassung die Möglichkeit, bei der EU-Kommission darum anzusuchen ein Anbauverbot zu verhängen. Er muss dafür allerdings Begründungen vorlegen. Zum Beispiel kann hier angeführt werden, dass es für die heimische Landwirtschaft von Nachteil wäre, Gentechnik anzubauen, weil benachbarte Felder dadurch beeinträchtigt würden, weil Bio-Landwirtschaft gefördert werden soll oder weil durch den Anbau von Gentechnik sozio-ökonomische Nachteile entstehen. Akzeptiert die EU-Kommission die Begründungen, kann das nationale Anbauverbot wirksam werden.

Wir kritisieren vor allem den ersten Schritt, das Ansuchen an die Gentechnik-Konzerne. Denn zum ersten Mal werden in EU-Richtlinien die Profiteure erwähnt. Die Erstentscheidung liegt also in der Hand derer, die das größte Interesse daran haben, dass Gentechnik angebaut wird. Sie haben es damit in der Hand, Staaten unter Druck zu setzen und den Gentechnik-Anbau voranzutreiben. Wie sich diese Regelung in Zukunft auswirken wird, bleibt zu beobachten.

Österreich hat sich im Zuge dieser Neuregelung einmal mehr explizit gegen den Anbau ausgesprochen. Doch ist auch diese Position von der jeweils aktuellen Regierung abhängig. Derzeit wird die ablehnende Position auch auf EU-Ebene weiterhin vertreten.

Mehr Informationen zum Abstimmungsprozess finden Sie in Gentechnik in der EU: Zulassungsverfahren