Publikation, 24.11.2022

Stromanbieter-Check

Unser Stromanbieter-Vergleich gibt Hilfe bei der Suche nach sauberem Grünstrom. Welche Stromanbieter leisten den wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Umweltschutz? Und welche sind nicht „verfilzt“ mit Atomkraft- oder Kohlekraftwerks-Betreibern?

Stromanbieter-Check 2022Der Stromkennzeichnungsbericht der E-Control listet 126 Anbieter, die in Österreich „100 Prozent Grünstrom“ anbieten. Einer ist billiger als der andere, mit kreativer Werbung und phantasievollen Namen bemühen sie sich um neue Kunden und Kundinnen. Aber: Was steckt dahinter? Leistet man mit seinem Geld für den Strombezug von diesen Anbietern einen Beitrag zur notwendigen Energiewende? Oder landet das Geld auf der Bank eines Atomkraftwerks-Betreibers? Wie vertrauensvoll sind die Versprechungen der Stromhändler, die man oft noch nicht einmal anrufen kann? Manche von ihnen haben keine österreichische Niederlassung. Wie grün sind Stromanbieter die kein einziges Windrad, Sonnen- oder Kleinwasserkraftwerk betreiben?

Der Stromanbieter-Check 2022 entstand in Kooperation mit dem WWF. Er zeigt, welche Stromanbieter Klimaschutz und Naturschutz ernst nehmen. Außerdem zeigt unser Check wer das beste Angebot für klimabewusste Stromkund:innen liefert. Hierfür  wurden alle Anbieter auf dem österreichischen Strom-Markt verglichen.

Jetzt Stromanbieter-Check downloaden

Wir haben nachgefragt: 

  • Welchen Strom verkaufen die Anbieter und woher kommt dieser? 
  • Wie steht es um die Naturverträglichkeit der erneuerbaren Kraftwerke des Anbieters? 
  • Beteiligt sich der Anbieter am Betrieb von Kohle- oder Gaskraftwerken? 
  • Wird auch fossiles Gas und Öl verkauft? 
  • Welche Strategie hat der Anbieter, um rasch die Verwendung und den Verkauf von fossilem Gas zu beenden und sich im Sinne des Pariser Klimaabkommens aufzustellen? 
  • Wie viel wird in Erneuerbare Energien investiert? 

Welche Probleme kamen beim Stromanbieter-Check auf?

In unserer umfassenden Analyse haben wir Stromanbieter unter die Lupe genommen und kontaktiert, mit denen 73 % des österreichischen Endverbrauchs an Strom abgedeckt werden. Dabei haben wir zwei besondere Probleme aufgedeckt:

1. Briefkasten-Firmen

Viele der von uns angeschriebenen Anbieter haben überhaupt nicht geantwortet. Wir haben nochmals geschrieben und angerufen. Doch das war nicht immer möglich: Eine Briefkasten-Adresse im 1. Bezirk, der Firmensitz in Slowenien oder Bayern, ein Anrufbeantworter oder Call Center. Nach vielen Anfragen die Aussage: „Wir haben kein Interesse mit Ihnen zu sprechen“. Wie es wohl den Kund:innen geht, die von diesem Anbieter mit „100 % Grünstrom“ eine Auskunft über die Stromherkunft bekommen wollen?

Im Check 2022 haben wir daher allen Anbietern eine Vorbewertung zugeschickt, die auf den öffentlich verfügbaren Daten beruhte. Kriterien, die „von außen“ nicht bewertet werden konnten, wurden vorsichtshalber und aus Gründen der Fairness den anderen Stromanbietern gegenüber negativ beurteilt. Die Stromanbieter konnten sich durch eigene Angaben entsprechend in der Punktewertung verbessern. Weitere Datengrundlagen waren der „Stromkennzeichnungsbericht 2021“ der E-Control, die Geschäftsberichte der Unternehmen und weitere öffentlich zugängliche Quellen.

2) Verbandelt – Verfilzt mit Atom- und Kohle-Strom

Viele der in Österreich aktiven Stromanbieter sind über Finanzbeteiligungen miteinander eng verwoben. Einerseits sind die Gesellschaften und Unternehmensgruppen historisch gewachsen, andererseits werden einzelne Geschäftsbereiche bewusst ausgelagert. Dadurch möchten sie sich als reine Grünstromanbieter am Markt  positionieren. Einige deutsche Atomkraftkonzerne haben dies genutzt, um sich in bestehende österreichische Energieversorger einzukaufen. Manche betreiben direkt einen eigenen ‚grünen‘ Ableger in Österreich. Auch ein schweizerischer, ein slowenischer, ein finnischer und ein französischer Atomkraftkonzern sind direkt oder indirekt auf dem österreichischen Markt vertreten. Teilweise sogar als „Grünstrom“-Anbieter. Die Profite fließen immer noch in die Mutterkonzerne zurück. Das heißt: Atomstrom-Finanzierung mit dem Geld der Grünstromkundinnen und -kunden. Hier finden Sie mehr zum Strom-Filz in Österreich.

Unser Stromanbieter-Vergleich

Der Stromanbieter-Check zeigt, dass auf dem Weg zu einer naturverträglichen Energiewende noch große Herausforderungen vor uns liegen. Noch immer stammen über 19 % der Stromerzeugung in Österreich aus fossilen Energieträgern. Darüber hinaus ist die große Mehrheit der so genannten Grünstromanbieter nicht so sauber, wie sie gerne vorgeben. Es gibt einen Unterschied zwischen echtem Engagement für die Umwelt und werbetauglicher Inszenierung. Privathaushalte haben ein Recht darauf zu erfahren, wo ihr Strom wirklich herkommt.

Stromanbieter-Check 2022

4 der 145 bewerteten Stromanbieter erreichen die Top-Bewertung „Treiber der Stromzukunft“. Auf gutem Kurs für die Erfüllung der Pariser Klimaschutzziele sind nur ein Prozent des heimischen Strommarkts.

Differenziertes Bild der österreichischen Stromanbieter

Einige der Stromanbieter sind ganz vorne in ihren Bestrebungen die Energiewende voranzutreiben. Sie produzieren 100 % Grünstrom mit österreichischen Nachweisen und verzichten  vollständig auf fossile Energien wie Erdgas und Kohle. Darunter sind Familienbetriebe, private Gesellschaften und Stadtwerke, die die Herausforderungen der Klimakrise erkannt haben. Sie richten sich klar auf eine naturverträgliche und klimagerechte Energiewende aus. Einige sind auf gutem Weg zum Ausstieg aus fossilen Energien. Im Sinne einer „Future Fitness“ leiten sie die Umstellung großer Gemeinden und Städte auf Erneuerbare Energien. Allerdings haben einige Stromanbieter beim Kohle- und Gasausstieg noch viel zu tun. Oder sie sind immer noch verbandelt mit AKW-Betreibern. 

Ist es momentan möglich den Energieversorger zu wechsel?

Wer jetzt ein Zeichen für die Energiewende setzen will, kann zu einem Versorger wechseln, der jetzt schon auf dem richtigen Weg ist. Aufgrund der Verwerfungen am Strommarkt nehmen viele Anbieter aktuell keine neuen Kund:innen auf. Die Branche befindet sich in einem starken Wandel. Informationen über aktuell verfügbare Stromanbieter finden sich im Tarif-Kalkulator der E-Control oder auf der privaten Wechsel-Plattform Durchblicker

„Grünstrom“ ist nicht gleich Grünstrom

Durch den zähen Kampf von GLOBAL 2000 und anderen Mitstreiter:innen muss Strom in Österreich ein „Mascherl“ tragen, also Strom mit Nachweis gekennzeichnet werden. Der Begriff „Grünstrom“ stammt aus dieser gesetzlich geregelten Stromkennzeichnung. Dabei kann es sich tatsächlich um Strom aus erneuerbaren Quellen („Ökostrom“) handeln. Es kann aber auch Strom aus anderen Quellen sein, für den ein Stromnachweis aus erneuerbaren Energiequellen eingesetzt wird. Dennoch können Strom und Nachweise getrennt voneinander gehandelt werden. 

Diese Art von Umetikettierung macht es möglich, Kohlestrom einzukaufen und diesen beispielsweise mit einem Wasserkraft-Nachweis als Grünstrom zu deklarieren. „Kreative“ Unternehmen gründen einfach ein Tochterunternehmen in Österreich. Dieses kauft wiederum Strom von der Börse mit Nachweis dazu und betreibt nie direkt ein (erneuerbares) Kraftwerk: Der Grünstrom-Vertrag freut also den Herrn Generaldirektor und dessen Aktionäre. Er leistet aber keinen zusätzlichen Beitrag zur Energiewende, wie bei den vielen kleinen und großen engagierten Anbietern. Aus Kundensicht ist eine Rückverfolgung kaum möglich. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, die Menge an gekoppelt gehandeltem Strom und Nachweisen auszuweisen.

Stromanbieter-Check 2022

GLOBAL 2000 fordert eine naturverträgliche Energiewende

GLOBAL 2000 und der WWF geben Kundinnen und Kunden mit dem Stromanbieter-Check eine fundierte Orientierungshilfe zur Hand. Zugleich wird die Bundesregierung aufgefordert, ein effektives Anreizsystem für eine naturverträgliche Energiewende zu schaffen. Die ausführliche Analyse aller Stromanbieter finden Sie im Bericht "Stromanbieter Check 2022“ unten im Downloadbereich.

Weitere Infos zu Österreichs Stromanbietern finden Sie in unserem Strom-Filz