Publikation, 28.10.2021

Banken-Check 2021

Wie grün sind Banken tatsächlich? Wie haben Banken auf ihre Nachhaltigkeitsleistung untersucht.

Aus der Finanzbranche sind vielversprechende Bekenntnisse zum Klimaschutz zu hören und auch immer mehr grüne Finanzprodukte werden beworben. GLOBAL 2000 hat sich das genauer angesehen und Banken auf deren tatsächliche Nachhaltigkeit umfangreich untersucht. 

Für uns Konsument:innen wird es zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Oft wissen wir überhaupt nicht, was mit unserem Geld auf der „eigenen“ Bank passiert. Unsere Einlagen, egal ob auf Student:innen-, Spar- oder Girokonten, schlafen nicht. Das heißt, wir alle nehmen täglich Finanz-Dienstleistungen in Anspruch, ob bewusst oder unbewusst. Nur die Wenigsten wissen wie Banken diese Einlagen tatsächlich nutzen.

Nun haben Banken den Nachhaltigkeitstrend auch für sich entdeckt und kommunizieren, dass sie bei ihren Konten, Krediten, Transaktionen, Investitionen und Veranlagungen immer öfter ethische, soziale und ökologische Kriterien befolgen. Am Finanzmarkt gibt es mittlerweile vielseitige grünen Initiativen und Bekenntnissen zum Klimaschutz sowie Angebot an Finanzprodukten - eines grüner als das andere, mit kreativer Werbung und starker Botschaften. Aber: Was steckt dahinter? Wie ist es um meine Bank bestellt? Lege ich mein Geld tatsächlich für Erneuerbare Energie-Projekte an, die einen Beitrag zur notwendigen Energiewende leisten oder landet das Geld auf der Bank, die auch einen Atomkraftwerks- oder Kohlekraftwerks-Betreiber finanziert? Kann man den Versprechungen dieser Finanzdienstleister:innen trauen? 

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Um zu erkennen, welchen Einfluss unsere Finanzen auf die Umwelt haben, haben wir untersucht, ob Banken den Klimaschutz ernst nehmen und tatsächlich zur sozial-ökologischen Transformation beitragen. Der GLOBAL 2000 Banken-Check soll eine Orientierung für umweltbewusste Konsument:innen schaffen, die sich für die Nachhaltigkeitsleistung ihrer Bank interessieren und nicht wollen, dass mit ihrem Geld umweltschädliche Unternehmungen gefördert werden. Nicht die Bewertung einzelner Produkte, sondern das Bankgeschäft an sich stand im Mittelpunkt dieser Recherche. Dazu wurden 11 Banken mit jeweils 100 Detailfragen konfrontiert.

Ergebnisse des Banken-Checks

Die Ergebnisse der Analyse sind ernüchternd: Keine der teilnehmenden Banken agiert ernsthaft im Sinne einer sozial-ökologischen Transformation, wie es zur notwendigen Bekämpfung der Klimakrise und zum guten Leben für alle notwendig wäre. Außerdem konnte die Integration von Nachhaltigkeit in alle Geschäftsprozesse so schnell, wie es bereits angekündigt wird, nicht erfolgen. Unsere Erkenntnisse, die wir daraus abgeleitet haben, waren folgende: 

Geschäfte mit fossilen Energie

Nur eine der befragten Banken schließt Finanzierungen von fossilen Energien aus, die Umweltbank Raiffeisenbank Gunskirchen. Zwar werben alle teilnehmenden Banken mit Nachhaltigkeit, doch großteils finanzieren sie trotzdem umweltschädliche Bereiche wie die fossile Energiebranche. Und das ist nicht der einzige problematische Bereich, in dem Banken weiter Geschäfte machen und gleichzeitig am boomenden Markt für grüne Finanzprodukte verdienen. Kooperationsgeschäfte in der Waffenindustrie, der Gentechnik oder dem Glücksspiel sind weiterhin gewinnbringend.

Irreführung durch sogenannte „Best-in-class“-Rankings 

Derzeit verwendete Ratings klassifizieren mitunter etwa Ölunternehmen als „nachhaltig“. Dies fußt meist auf dem Best-in-Class-Ansatz: es gäbe demnach noch schlimmere Branchenvertreter:innen. Für Konsument:innen ist diese Art der Einstufung aber irreführend.

Grüne Produkte als Feigenblätter der Banken

Durch das derzeitige Produktangebot, wie grüne Konten oder grüne Anleihen (Green Bonds), bleibt das Kerngeschäft der Banken unberührt. Nachhaltigkeitsdaten werden von den Banken gerne in den Vordergrund gerückt, während ihr weniger imageträchtiges Kerngeschäft im Hintergrund weiterläuft.

Einige positive Erkenntnisse

Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt im Finanzbereich zunehmend an Bedeutung. Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Nachfrage zur Berücksichtigung sozial und ökologischer Kriterien in der Veranlagung.

Option Alternativbanken:

Finanzprodukt-Konsument:innen, die wünschen, dass Ihre Bank den sozialen und/oder ökologischen Sektor unterstützt, können etwa bei Alternativbanken ohne viel Recherche fündig werden. Als Alternativbanken werden jene bezeichnet, die sich von herkömmlichen Banken in ihrer Grundausrichtung unterscheiden wollen. Demnach richten sie ihr Kerngeschäft auf ethische, ökologische und/oder soziale Grundsätze aus. 

Nachfrage nach sozial fairen & ökologischen Geldanlagen:

Nicht nur aufgrund neuer gesetzlicher Verpflichtungen, sondern auch aus Wettbewerbsgründen sind Finanzunternehmen gezwungen, zu reagieren und sozial-ökologische Aspekte zu berücksichtigen. Konsument:innen werden zu ihren Wünschen im Bereich Nachhaltigkeit befragt und der Finanzmarkt versucht, entsprechende Geldanlagen anzubieten. Einige Studien belegen jedenfalls das gestiegene Interesse von Anleger:innen in Bezug auf sozial faire und/oder ökologische Geldanlagen.

Unser Fazit

Insgesamt besteht noch kein Gesamtangebot zur Bekämpfung der Klimakrise. Mit Ausweitung des Anteils in erneuerbarer Energie kam es zu Bewegungen im österreichischen Finanzsektor. Handlungsbedarf besteht noch beim Abzug von Geldern aus Fossilen Energien, Gentechnik oder Berücksichtigung sozialer Aspekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Mein Geld mit Wirkung

Für viele ist es wohl der erste Schritt auf dem Weg zum umweltbewussten Umgang mit Geld. Das wird auch Bankangestellten nicht anders ergehen. Daher haben wir eine Checkliste als Wegweiser erstellt, die zur Orientierung genutzt werden kann. 

Die Checkliste für dein nächstes Bankberatungsgespräch:

Die folgenden 5 Fragen sollen Orientierung über soziale und ökologische Kriterien von der eigenen Hausbankgeben, wenn man sich für ein umweltfreundliches Girokonto oder eine Geldanlage interessiert.

Worauf muss ich als umweltbewusste:r Bankkunde bzw -kundin achten? 

  1. Schließen Sie als Bank jegliche Kooperationen (Unternehmen oder Branchen) in umweltschädlichen Bereichen aus? 
  2. Hat Ihre Bank einen Plan für den Ausstieg aus Fossilen Energien in Umsetzung? Sind sowohl der Plan als auch die konkreten Maßnahmen für mich einsehbar?
  3. Was bewirkt mein „grünes“ Produkt (z.B. Konto) in der Realwirtschaft? Welche Unternehmen stecken dahinter?
  4. Gelten für alle Ihre Kooperationspartner:innen strenge ökologische und soziale Vorschriften?
  5. Werden Ihre Vorschriften und Kriterien unabhängig geprüft?

Trotz regulatorischer Vorgaben haben grüne Angebote am Finanzmarkt vor allem aus wirtschaftlichen Gründen enorm zugenommen. Ein glaubhafter grüner Auftritt endet dort, wo irreführende und verzerrende Angebote und Dienstleistungen beginnen. Eine vielversprechende Nachhaltigkeitsagenda kann rasch beworben werden. Aber der ernst gemeinte Entscheid bleibt in vielen Punkten ein Lippenbekenntnis, anstatt auch rasch und gesamthaft Umsetzungsmaßnahmen zu setzen. Das Tückische ist, dass (umweltbewusste) Bankkund:innen nicht anhand pauschal getroffener öffentlicher Aussagen der Kundenberater:innen oder an den veröffentlichten Nachhaltigkeitsberichten erkennen können, in welcher Qualität und Tiefe die Berücksichtigung und Integration von Kriterien erfolgt. Insbesondere dann nicht, wenn das konventionelle Geschäft zu offenbar nachhaltigen Lösungen parallel geführt wird. 

GLOBAL 2000 fordert daher:
  • Offene Kommunikation: Investor:innen, von Pensionskassen bis zu Privatanleger:innen, müssen wissen, welche Unternehmen, Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister:innen ihr Geld beispielsweise in erneuerbare Lösungen stecken und welche in fossile Energien. Aber auch um herauszufinden, ob Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell der Banken tatsächlich integriert ist. 
  • Einen gleichzeitigen Ausstieg aus umweltschädlichen Investitionen wie aus fossilen Energieträgern als auch Investments in den Klimaschutz, wie in Bildung und Infrastruktur: Solange die ersichtliche Beweislage fehlt, kann die Anleger:in nicht davon ausgehen, dass Nachhaltigkeitsrisiken systematisch und vollständig in allen Produkten und Dienstleistungen gleichermaßen berücksichtigt und in den Investment- und Finanzierungsprozessen umgesetzt werden. Ausschlusskriterien alleine werden dafür nicht reichen. 
  • Änderung im Kerngeschäft: Auch ein „Grünes Konto“ ändert leider auch nicht das gesamthafte Geschäftsmodell einer Bank (insbesondere bei gleichzeitiger Investitionen + Finanzierungen in die Bereiche der Fossilen Energien etc.). Ein Marketing Add-on reicht nicht aus: Ganz oder gar nicht. Dringender Handlungsbedarf besteht noch beim Abzug von Geldern aus Fossilen Energien, Waffen und Gentechnik oder der Berücksichtigung sozialer Aspekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Mit der vorhandenen Recherche möchten wir zeigen, wodurch sich ein qualitativ guter Beitrag für eine sozial-ökologische Transformation auszeichnet und wie sich die derzeitige Nachhaltigkeitsleistung von Banken in Österreich im Herbst 2021 zeigt.