Sojaanbau

Weltweit werden etwa 33 Prozent der Anbauflächen für Futtermittel verwendet. In der EU sind es sogar 60 Prozent des produzierten Getreides, das in die Mägen der Tiere wandert. Hier stehen 100 Kalorien beim direkten Verzehr der Pflanze 17-30 Kalorien beim Verzehr in Form von Fleisch gegenüber. Wäre es da nicht sinnvoll, mehr pflanzliche Nahrung zu sich zu nehmen, anstatt das fruchtbare Land für den Anbau von Futtermitteln zu vergeuden? Wir, die Bewohner von Industriestaaten, brauchen weltweit viel mehr Land, als uns bei gleicher Verteilung zustehen würde. Die Halbierung des Verbrauchs an Tierprodukten in der EU könnte einen beträchtlichen Teil dazu beisteuern, unseren „Land-Fußabruck“ zu verringern und rund 350.000 km2 Äcker und 90.000 km2 Weiden weniger zu nutzen. Das entspricht der Fläche Österreichs und Deutschlands zusammengenommen. Die riesigen Mengen an benötigten Futtermitteln erfordern eine intensive Landwirtschaft in Form von Monokulturen, unter Einsatz von chemischen Düngern und Pestiziden. Bei einem gemäßigten Verzehr von tierischen Produkten könnten die Böden weit schonender bewirtschaftet werden, indem Brachezeiten eingehalten werden und Fruchtwechsel erfolgt. Schon heute zeigen viele Böden erhebliche Qualitätsverluste.

In den tropischen und subtropischen Regionen Lateinamerikas, wo ein Großteil der Futtermittel für die Viehhaltung in Europa erzeugt wird, ist das Problem umso gravierender, da die Böden an sich schon nährstoffarm sind. Eine Ausweitung der vorhandenen Ackerflächen durch das Agribusiness, u.a. um die hohe Nachfrage nach Fleisch zu stillen, geht zu Lasten von Grasland und Wäldern und den Bewohnern dieser Lebensräume. Durch die Landnutzungsänderung wird CO2 freigesetzt und die Artenvielfalt geht verloren. Die exzessiv eingesetzten Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel zerstören nicht nur die Böden, sondern haben auch gravierende Auswirkungen auf die in der Nähe der Felder lebenden Menschen. In den Regionen, wo großflächig Soja angebaut wird, treten Atemwegserkrankungen, Fehlgeburten und Fehlbildungen gehäuft auf. Kleinbauern, Hirten und Indigene, die zuvor das Land genutzt haben, werden in unfruchtbare Gegenden verdrängt oder flüchten in die Städte. Jene, die sich zur Wehr setzen, müssen vielerorts mit Repressionen bis hin zu Todesdrohungen durch die sogenannten Sojabarone rechnen. So ist es für die Landbevölkerung fast unmöglich, ihren Boden zu behalten, selbst wenn sie – was in den seltensten Fällen zutrifft – die Rechte dafür haben. Die gestiegenen Preise für die Pacht von Land sind ein weiterer Grund dafür, dass viele Menschen in die Städte abwandern. Dort erwartet sie oftmals Hunger und Elend.