Was ist Plastik?

Synthetische Kunststoffe werden aus Erdöl, Kohle und Erdgas gewonnen. Am häufigsten ist der Ausgangsstoff Rohbenzin, das in einem thermischen Spaltprozess in Ethylen, Propylen, Butylen und andere Kohlenwasserstoffverbindungen auseinander gebrochen und umgebaut wird. Anschließend werden diese durch chemische Reaktionen zu großen Molekülen, also zu einem Kunststoff zusammengefügt. In weiterer Folge werden dem Kunststoff Zusatzstoffe, sogenannte „Additive“, wie zum Beispiel Weichmacher, Farb- und Flammschutzmittel beigefügt, um gewünschte Eigenschaften des Materials zu erreichen.

In Europa werden 40 Prozent des Kunststoffs für die Herstellung von Verpackungen eingesetzt (20 Prozent werden im Bauwesen und 9 Prozent in der Automobilindustrie verwendet).

Kunststoffarten

Die Kunststoffproduktion ist von 15 Millionen Tonnen in den sechziger Jahren auf 322 Millionen Tonnen im Jahr 2015 gestiegen. Es wird damit gerechnet, dass die Produktion weiter rapide steigt und sich bis 2050 verdreifacht. Dann würde sie ungefähr 20 Prozent des weltweiten jährlichen Ölverbrauchs ausmachen.

Wir sind von Kunststoffen umgeben und haben täglich diverse Gegenstände aus unterschiedlichen Kunststoffen in der Hand. Aus welchem Kunststoff bestehen die meisten und gebräuchlichsten Plastikprodukte? Mit welchen Chemikalien kommt man dadurch in Berührung? Sind einige Kunststoffe „besser“ als andere? Welche sollte man überhaupt meiden? Woran erkennt man die verschiedenen Kunststoffe?

Auf vielen Plastikprodukten ist ein Code eingeprägt, der Aufschluss darüber gibt, um welche Sorte Kunststoff es sich handelt und ob das Produkt recycelt werden kann. Viele Plastikgegenstände, darunter Verpackungen für Lebensmittel, enthalten allerdings gar keinen Hinweis. GLOBAL 2000 hat eine Liste zusammengestellt, die hilft, die Plastikprodukte zu unterscheiden: Plastikinformation

Zwei im Alltag besonders häufig verwendete Kunststoffprodukte sind PET-Flaschen und Plastiksackerl:

  • PET-Flaschen

Die Mehrwegquote bei Getränkeflaschen ist in Österreich in den letzten Jahren rapide gefallen. Lag diese in den 1990er Jahren noch bei ca. 70 Prozent, ist sie aufgrund fehlender politischer Maßnahmen nun auf rund 30 Prozent gesunken. Dabei stellen Mehrweggetränkeflaschen einen großen Vorteil für die Umwelt dar, denn eine Mehrwegflasche ersetzt die Produktion von 20 bis 40 Einwegflaschen. Hauptsächlich Bier und Wasser sind noch in Mehrwegflaschen im Handel erhältlich.

Dreiviertel der in Österreich im Umlauf befindlichen PET- Flaschen werden getrennt gesammelt und recycelt. 25.000 Tonnen PET-Flaschen werden jährlich recycliert und wieder zu neuen Plastikflaschen oder anderen Produkten verarbeitet.

Doch was passiert mit den restlichen Kunststoffflaschen? Ein großer Teil landet im Restmüll und wird in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Viele Plastikflaschen landen aber auch in unserer Natur und richten dort großen Schaden an.

  • Sackerl und anderer Plastikmüll

Laut EU-Kommission werden in Österreich pro Jahr und Kopf 51 Plastiksackerl verbraucht. Die wahre Zahl dürfte jedoch wesentlich höher und bei mehr als 100 Stück liegen, also ca. eine Milliarde Plastiksackerl jährlich in ganz Österreich. Dabei wird jedoch nur eines von zehn Sackerl öfter als einmal benutzt. Der Rest landet im Müll oder in der Natur.

Bis zu einer Billiarde Plastiksackerl werden jährlich hergestellt, das sind über eine Million pro Minute. Jedes davon wird nur durchschnittlich 12 Minuten benutzt, bevor es weggeworden wird. Dabei gäbe es viele Alternativen zu den herkömmlichen Plastiksackerln.

In Österreich gibt es seit Mai 2016 eine freiwillige Vereinbarung zur Reduktion von Tragetaschen, die die Halbierung des Kunststoff-Tragetaschenverbrauchs bis 2019 zum Ziel hat. Damit soll der Verbrauch laut Ministerium auf 25 Kunststoff-Tragetaschen pro Person und Jahr vermindert werden. Kritisch zu bewerten ist die Freiwilligkeit, die zur Folge hat, dass einige Unternehmen bis jetzt keinerlei Maßnahmen setzen. 2018 veröffentlichte Umweltministerin Köstinger erste Ergebnisse. Es sei eine Reduktion um 20 % zu verzeichnen.

Wie gelangt Plastik in Österreich in die Natur?

Hauptübeltäter ist hier leider der Mensch. Achtlos in der Natur liegen gelassener oder weggeworfener Müll macht einen großen Teil des Problems aus. Aber auch Wetterereignisse wie Wind, Stürme oder Hochwasser tragen Plastik in die Natur.

Durch Wind kann der in der Natur oder im Mistkübel entsorgte Müll auch ins Meer geweht werden. Besonders stark betroffen sind davon Plastiksackerl aufgrund ihres leichten Gewichtes. Österreich ist zwar ein Binnenland, doch über die Donau kann auch unser Müll ins Meer gespült werden. So gelangen jährlich rund 40 Tonnen Plastik in die Donau, die ins Meer befördert werden.

Während ein Plastiksackerl zwischen 10 und 20 Jahre benötigt, bis es zerfallen ist, dauert dies bei einer PET-Flasche rund 450 Jahre. Dadurch hat sich mittlerweile eine Gesamtsumme von rund 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren gebildet. Sollte diese Entwicklung weiter so voranschreiten, wird es im Jahr 2050 mehr Kunststoff als Fische im Meer geben.

Aber auch viele Kosmetika, vor allem Peelings, enthalten Kunststoffpartikel, die über Abwässer ins Meer gelangen, genauso wie Kleidung aus Polyester oder anderen Kunstfasern. Geschätzt wird, dass abhängig von der Textilart bis zu 3.000 Fasern pro Waschgang freigesetzt werden. Studien haben auch gezeigt, dass Fasern nicht vollständig in Kläranlagen entfernt werden können und häufig in gereinigtem Abwasser zu finden sind.

Warum ist das ein Problem?

Auswirkungen auf unsere Gesundheit

Das größte Problem für unsere Gesundheit stellen dem Kunststoff beigemischte Additive dar. Diese sind nicht fest gebunden und können mit der Zeit in die Umwelt bzw. den menschlichen Körper gelangen. Besonders problematisch sind dabei Zusatzstoffe, die hormonell wirksame Substanzen beinhalten, wie Weichmacher (Phtalate), Bisphenole (BPA, BPS etc) und bromierte Flammschutzmittel. Diese Substanzen können unser Hormonsystem beeinflussen und Stoffwechselvorgänge im menschlichen Körper steuern. Dies kann zu Missbildungen der Geschlechtsorgane bei Kindern sowie zu Unfruchtbarkeit oder zu einem höheren Krebsrisiko im Alter führen.

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Besonders problematisch ist dabei der Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid), der bis zu 70 % aus Weichmachern besteht. Alltagsprodukte aus PVC sind beispielsweise Bodenbeläge, Rohre und Schuhsohlen. Weitere Produkte, die Phtalate enthalten sind Farben, Lacke (auch Nagellack), Textilien und Kosmetika. Zunächst war man vom Kunststoff PVC begeistert. Er war günstig herstellbar, schwer entflammbar, bewies gute Haltbarkeit bei mechanischer Beanspruchung und ist beständig gegen viele Chemikalien. Doch nach längerem Kontakt mit diesem Kunststoff zeigten sich unterschiedliche Krankheitssymptome an Haut, Lunge, Leber und Gelenken.
Produkte aus den Kunststoffen PE (Polyethylen) oder PP (Polyproplyen) enthalten im Gegensatz dazu üblicherweise keine Phtalate als Weichmacher.

Auswirkungen auf Natur und Lebewesen

Vogel mit Plastik im BauchDie oben erwähnten Additive können aber auch in die Natur gelangen und dort Schaden anrichten. Außerdem stellt Plastikmüll für viele Tiere eine Gefahr dar. Tiere fressen unseren Müll als vermeintliches Futter inklusive aller giftigen Inhaltsstoffe oder verfangen sich in Plastikmüll. Durch das Verfangen in Plastikmüll verenden jährlich bis zu 100.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel.

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Vor allem die Aufnahme über die Nahrung wirkt sich so auch wieder auf uns Menschen aus. Während des Zerfallsprozesses von Kunststoff in kleinere Teile werden diese von Fischen und Muscheln aufgenommen und gelangen somit auf unsere Teller. Ein anderes Beispiel ist die Honigbiene, die in der Umwelt befindliches Mikroplastik aufsammelt. Bei einem Test in der Schweiz wurden dabei in allen 20 untersuchten Honigprodukten Plastikrückstände gefunden.

Plastik im Meer

In den Weltmeeren gibt es mittlerweile riesige Plastikinseln und Müllstrudel. Es gibt fünf große Meereswirbeln, die alle riesige Mengen an Plastikmüll mit sich führen. Der größte ist der im Pazifik. Wissenschaftler und Umweltschützer weisen schon lange auf diesen besonders großen Plastikteppich im Pazifik („Great Pacific Garbage Patch“) hin. Eine 2018 in der Fachzeitschrift „Nature“ erschienene Studie belegt, dass der Große Pazifische Müllstrudel wesentlich größer ist als bisher angenommen und deutlich mehr Plastik enthält als gedacht. Das Ergebnis belegt, dass mindestens 79.000 Tonnen Plastik in einem Gebiet von 1,6 Millionen Quadratkilometern treiben. Das entspricht 19 mal der Fläche Österreichs oder 3 mal der Fläche Frankreichs. In den Weltmeeren sammeln sich jährlich bis zu 12,7 Millionen Tonnen neuer Plastikmüll.

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Über die Anzahl von Plastik im Meer gibt es laufend neue Abschätzungen und Veröffentlichungen. Egal welche Zahlen auch im Detail stimmen, sie sind erschreckend und haben enorme Folgen für das gesamte Ökosystem. In vielen Regionen sind schon bis zu 60-mal mehr Plastikteile als Planktonpartikel feststellbar. Für einen Großteil der Meerestiere ist Plankton ein wichtiger Nahrungsbestandteil. Sie können es jedoch nicht vom Plastik unterscheiden und fühlen sich mit einem Bauch voller Plastik satt, so dass sie nichts mehr essen und jämmerlich im Meer verhungern. Immer wieder stranden Wale, deren Mägen voller Plastikmüll sind. 2013 verendete ein Pottwal an der spanischen Küste, er hatte rund 17 Kilogramm Plastikmüll im Magen. Im Jahr 2016 starben insgesamt 30 Pottwale an der Nordeseeküste, auch sie hatten jede Menge Plastik im Magen, auch wenn das in diesem Fall nicht der Grund für die Strandung war. Der Schutz des Meeresökosystems muss an Land beginnen.

Was kann jede/r Einzelne dagegen tun?

  • Vermeiden Sie Plastik beim Einkauf und kaufen Sie langlebige Produkte
  • Mehrwegglasflaschen statt PET-Flaschen
  • Gehen Sie mit Stoffsackerl einkaufen anstatt Plastiksackerl zu kaufen
  • Verwenden Sie Kosmetika/Peelings ohne Mikroplastik
  • Richtige Entsorgung von Kunststoff (gelbe Tonne/Sack), sonst Restmüll
  • Heben Sie Plastik, das in der Natur gelandet ist, auf und spotten Sie den Müll mit unserer NaturPutzer-App

Was kann die Politik tun?

  • Schaffen von Rahmenbedingungen, damit weniger Einwegplastik erzeugt wird
  • Forcierung von Mehrwegprodukten und verpflichtende, klare Kennzeichnung von Einweg- und Mehrwegprodukten
  • Gesetzlich geschützte Mindestmehrwegquote
  • Einführung steuerlicher Begünstigungen für Mehrwegverpackungen, basierend auf dem sogenannten „Ökobonusmodell“
  • Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und Reinigungsprodukten