Plastik kann praktisch und sinnvoll sein. Oft ist sein Einsatz allerdings kurzsichtig, in manchen Fällen fast schon absurd und in anderen schlicht überflüssig. Innerhalb von nur 70 Jahren wurden gigantische Mengen an Plastik erzeugt, sodass man es überall auf unserem Planeten findet. Das wird für Mensch und Tier zum massiven Problem.

Was ist Plastik?

Synthetische Kunststoffe werden aus Erdöl, Kohle und Erdgas gewonnen. Am häufigsten ist der Ausgangsstoff Rohbenzin, das in einem thermischen Spaltprozess in Ethylen, Propylen, Butylen und andere Kohlenwasserstoffverbindungen auseinander gebrochen und umgebaut wird. Anschließend werden diese durch chemische Reaktionen zu großen Molekülen, also zu einem Kunststoff zusammengefügt. In weiterer Folge werden dem Kunststoff Zusatzstoffe, sogenannte „Additive“, wie zum Beispiel Weichmacher, Farb- und Flammschutzmittel beigefügt, um gewünschte Eigenschaften des Materials zu erreichen.

Wozu wird Plastik verwendet?

Weltweit hat sich die Kunststoffproduktion seit den 1960er-Jahren von damals 15 auf 322 Millionen Tonnen im Jahr 2015 verzwanzigfacht, Tendenz steigend. Es wird damit gerechnet, dass die Produktion weiter rapide steigt und sich bis 2050 verdreifacht. Dann würde sie ungefähr 20 % des weltweiten jährlichen Ölverbrauchs ausmachen.

In Europa entfallen 40 Prozent des Plastiks auf die Verpackungsindustrie, 20 Prozent aufs Baugewerbe, neun Prozent auf die Automobil- und sechs Prozent auf die Elektronikindustrie.

Plastik ist aber nicht gleich Plastik, es gibt unterschiedliche Kunststoffarten mit verschiedenen Eigenschaften. Um welche Art es sich handelt kann anhand eines Codes abgelesen werden, der sich auf vielen Produkten findet. Hier finden Sie alle Infos zu den gängigsten Plastikarten.

Zwei im Alltag besonders häufig verwendete Kunststoffprodukte sind PET-Flaschen und Plastiksackerl.

Mehr dazu
  • PET-Flaschen
    Die Mehrwegquote bei Getränkeflaschen ist in Österreich in den letzten Jahren rapide gefallen. Lag diese in den 1990er Jahren noch bei ca. 70 %, ist sie aufgrund fehlender politischer Maßnahmen auf rund ein Drittel gesunken. Dabei stellen Mehrweggetränkeflaschen einen großen Vorteil für die Umwelt dar, denn eine Mehrwegflasche ersetzt die Produktion von 20 bis 40 Einwegflaschen. Hauptsächlich Bier und Wasser sind noch in Mehrwegflaschen im Handel erhältlich. Seit 2010 liegt der Einweganteil bereits bei über 70%. Jährlich werden in Österreich Getränke in etwa 4.000.000.000 Stück Dosen, Einwegplastikflaschen und anderen Einwegverpackungen verkauft und bilden einen riesigen Müllberg.
    Dreiviertel der in Österreich im Umlauf befindlichen PET- Flaschen werden getrennt gesammelt und recycelt. 25.000 Tonnen PET-Flaschen werden jährlich recycliert und wieder zu neuen Plastikflaschen oder anderen Produkten verarbeitet. Doch was passiert mit den restlichen Kunststoffflaschen? Ein großer Teil landet im Restmüll und wird in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Viele Plastikflaschen landen aber auch in unserer Natur und richten dort großen Schaden an.
  • Sackerln und anderer Plastikmüll
    Laut EU-Kommission werden in Österreich pro Jahr und Kopf 51 Plastiksackerl verbraucht. Die wahre Zahl dürfte jedoch wesentlich höher und bei mehr als 100 Stück liegen, also ca. eine Milliarde Plastiksackerl jährlich in ganz Österreich. Dabei wird jedoch nur eines von zehn Sackerln öfter als einmal benutzt. Der Rest landet im Müll oder in der Natur. Bis zu einer Billiarde Plastiksackerln werden jährlich hergestellt, das sind über eine Million pro Minute. Jedes davon wird durchschnittlich nur 12-25 Minuten benutzt, bevor es weggeworden wird. Dabei gäbe es viele Alternativen zu den herkömmlichen Plastiksackerln.
    In Österreich gibt es seit Mai 2016 eine freiwillige Vereinbarung zur Reduktion von Tragetaschen, die die Halbierung des Plastik-Tragetaschenverbrauchs bis 2019 zum Ziel hat. Damit soll der Verbrauch laut Ministerium auf 25 Kunststoff-Tragetaschen pro Person und Jahr vermindert werden. Kritisch zu bewerten ist die Freiwilligkeit, die zur Folge hat, dass einige Unternehmen bis jetzt keinerlei Maßnahmen setzen. Laut dem Bericht des Ministeriums 2018 kam es durch die Einsparungen bzw. entgeltliche Abgabe von Sackerln bei den Unternehmen, die bei der Aktion mitmachen, zu einer 20-prozentigen Reduktion von Plastik-Tragetaschen seit dem Vergleichsjahr 2014. Gleichzeitig hat sich aber der Verbrauch von Papiersackerln mehr als verdoppelt. Insgesamt wurden im Jahr 2017 alleine in den 13 Unternehmensketten, die bei „Pfiat di Sackerl“-Aktion teilnehmen, noch über 436 Millionen Plastiksackerln verwendet. Die von GLOBAL 20000 mitgetragene freiwillige Vereinbarung war ein erster positiver Schritt hin zu weniger Plastiksackerln. Doch eine flächendeckende Lösung für den gesamten Handel muss angestrebt und möglichst bald umgesetzt werden.


Plastikverbrauch

8.300 Mio. Tonnen Plastik wurden seit den 1950er-Jahren erzeugt, das entspricht dem Gewicht von über einer Milliarde Elefanten. In Österreich lag der Bedarf an Kunststoffen 2015 bei 1,03 Tonnen, etwa ein Drittel davon wurde für Verpackungen verwendet. Keine unbeträchtliche Menge, bedenkt man, wie leicht Plastikverpackungen sind und wie kurz sie verwendet werden.

Satte 100 Kilogramm Plastik pro Kopf und pro Jahr verbrauchen WesteuropäerInnen und US-AmerikanerInnen durchschnittlich, in Asien sind es „nur“ 20 Kilogramm, Tendenz rasant steigend.

Nicht ganz ein Drittel (28 %) des jährlich in Österreich anfallenden Plastikmülls (ca. 0,92 Mio.Tonnen) wird wiederverwertet, der Rest wird einfach verbrannt.

Das ewige Leben von Plastik

Plastik ist extrem langlebig, es für kurzlebige Verpackungen einzusetzen, kann problematisch sein – besonders dann, wenn das Plastik in die Natur gelangt. Im Laufe der Jahre zerfällt es in immer kleinere Teile – zuerst in Mikro- und schließlich in Nanoplastik. Derzeit geht man sogar davon aus, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Plastik vollständig zu zersetzen. Zudem enthält Plastik viele Schadstoffe, die sich lösen können.

Wenn Plastik in die Umwelt gelangt …

Manche Plastikverschmutzungen sind unübersehbar, man denke etwa an die fünf riesigen Plastikstrudel, die in unseren Weltmeeren treiben. Das Plastik folgt den Meeresströmungen und bildet gigantische Plastikinseln. Ein anderes zunehmend erkanntes Problem ist Mikroplastik in der Natur. Mikroplastik wird nicht nur in den Ozeanen nachgewiesen, sondern mittlerweile auch schon in den entlegensten Gebieten wie etwa in der Arktis oder in Schweizer Bergregionen. Hier gibt‘s mehr zum Thema Plastik in der Umwelt und Natur und Mikroplastik [verlinkungen]

Da Plastikverschmutzung ein weltweites Problem ist, das nur im großen Kontext gelöst werden kann, ist GLOBAL 2000 dem internationalem Bündnis #breakfreefromplastic beigetreten. Zusammen mit über 1.000 anderen Organisationen und Gruppen setzen wir uns für eine von Plastikverschmutzung freie Welt ein. Um dieses Ziel zu erreichen, muss auch weniger Plastik produziert werden – so wird beispielsweise die Erhöhung der Recyclingrate alleine nicht reichen. Was wir brauchen, sind systemische Veränderungen und ganzheitliche Maßnahmen über die gesamte Wertschöpfungskette. Deren Motto sollte sein: „Prävention ist besser als Heilung.“ Anregungen dazu, was jede/r einzelne von uns tun kann, finden Sie hier: Tipps zur Plastikvermeidung

Lesen Sie hier die Forderungen von GLOBAL 2000

 

Weniger Plastik: Je mehr Plastik verwendet wird, desto mehr davon gelangt auch in die Umwelt. Das gilt vor allem für kurzlebige Plastikprodukte – die besonders oft als Littering in der Natur landen. Daher muss die Verwendung von Wegwerfplastik sowie Plastikverpackungen drastisch reduziert werden. Die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetika und Haushaltsprodukten wie Reinigungsmitteln muss verboten werden.

  • Anderes Plastik: Schon beim Design und der Herstellung von Plastik muss berücksichtigt werden, dass es langlebig, wiederverwendbar, recyclebar und frei von Schadstoffen ist. Weiters soll es recyceltes Plastik enthalten.
  • Besserer Umgang: Hohe Sammelquoten und hohe Recyclingquoten müssen von allen Marktteilnehmern gewährleistet sein. Plastik in der Natur muss der Vergangenheit angehören.

Was kann die Politik tun?

  • Eine starke Umsetzung der EU-Plastikstrategie inklusive einer „Einwegplastikstrategie“ mit Verboten von beispielsweise Plastikeinweggeschirr, Wattestäbchen, Plastikstrohhalmen sowie eine verpflichtende Sammelquote von 90 Prozent für Plastikflaschen
  • Schaffen von Rahmenbedingungen, damit weniger Wegwerfplastik sowie Plastikverpackungen erzeugt werden
  • Forcierung von Mehrwegprodukten und verpflichtende, klare Kennzeichnung von Einweg- und Mehrwegprodukten
  • Gesetzlich geschützte Mindestmehrwegquote
  • Einführung steuerlicher Begünstigungen für Mehrwegverpackungen, basierend auf dem sogenannten „Ökobonusmodell“
  • Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und Reinigungsprodukten