Mikroplastik: die unsichtbare Gefahr

Mikroplastik sind kleinste Plastikteilchen, die z. B. in Peelings oder in Verpackungen verwendet werden oder beim Reifenabrieb entstehen. Auch synthetische Kleidung kann beim Waschen solche Partikel freisetzen. Über Luft, Abwasser und die Nahrungskette verbreiten sie sich in unserem Alltag, reichern sich in Flüssen, Meeren bis hin zum menschlichen Körper an. Das kann langfristig Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben und wird auch im Zusammenhang mit möglicher Beeinflussung der Fruchtbarkeit erforscht.

Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Diese sind in zunehmendem Ausmaß in der Umwelt nachweisbar. Da Plastik in der Umwelt sehr langsam zerfällt, ist davon auszugehen, dass es sich dort weiter anreichert.

Mikroplastik auf Finger

GLOBAL 2000 / Evelyn Knoll

Man unterscheidet zwischen primärem (also absichtlich für die Anwendung hergestelltem) und sekundärem Mikroplastik:

  • Das primäre Mikroplastik wird eigens produziert und unzähligen Haushaltsartikeln zugesetzt. Beispielsweise taucht es als Schleifmittel in Peelings und Zahncremen oder als Füllstoff und Bindemittel in Kosmetika auf. Darüber hinaus findet man es in Reinigungsmittel wie Waschmitteln und Duschgels und in Wandfarben. Primäres Mikroplastik wird in Form von Pellets industriell hergestellt. Dabei können unterschiedliche Plastikarten wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyethylenterephthalat (PET), Polyvinylchlorid (PVC), Polyamid (Nylon) und Ethylenvinylacetat (EVA) zum Einsatz kommen.
  • Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Zersetzungsprozess, beim Zerfall größerer Kunststoffteile durch die Einwirkung von Sonne, Wind und Wellen. Dabei werden mikroskopisch feine Partikel freigesetzt und gelangen in unser Ökosystem. Diese Partikel sind kaum abbaubar und können von Tieren und letztlich auch vom Menschen aufgenommen werden.

Müllvermeidung und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft spielen deshalb eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Mikroplastik. Indem wir Abfall reduzieren, Mehrwegprodukte nutzen und Plastik bewusst vermeiden, verringern wir die Menge an Kunststoff, die in die Umwelt gelangen kann. Weniger Müll bedeutet auch weniger Mikroplastik – und damit mehr Schutz von Natur, Wasser und unserer Gesundheit.

Wie kommt Mikroplastik in die Umwelt?

Life ChemBee

Pexels/ shvets production

Primäres Mikroplastik gelangt ins Abwasser. Es kommt aus:

  • Haushaltsprodukten wie Waschmittel (siehe auch Waschmittel-Test),
  • Kosmetika, 
  • Reinigungsmittel
  • sowie Mikrofasern, die beim Waschen von erdölbasierten Fasern wie Polyester freigesetzt werden.

Laut Angaben der österreichischen Kläranlagen-Betreiber können Kläranlagen etwa 95 % des Mikroplastiks aus dem Wasser filtern. Das Mikroplastik reichert sich dann im Klärschlamm an. Allerdings werden Klärschlämme in Österreich zum Teil kompostiert oder zur Düngung direkt auf landwirtschaftliche Felder ausgebracht. Das mit großem Aufwand von der Kläranlage aus dem Abwasser entfernte Mikroplastik, landet so erst wieder auf den heimischen Böden. 

Direkt in die Umwelt gelangt sekundäres Mikroplastik beispielsweise durch den Abrieb von Autoreifen oder durch Farben an Wänden und auf Straßen.

Insgesamt gelangen in der EU laut Berechnungen der EU-Kommission jedes Jahr schätzungsweise 700.000 bis 1,8 Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt.

Mikroplastik zieht Gifte an und schädigt Meeresbewohner

Kunststoff wirkt aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte. Diese befinden sich im Wasser und reichern sich auf der Kunststoffoberfläche an. Hier lassen sich hundertmal höhere Konzentrationen als im Umgebungsmeerwasser messen. Die Kunststoffe werden dann samt Schadstoffen von den Meeresorganismen aufgenommen: Mikroplastik wurde in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen, die es passiv oder mit ihrer Nahrung aufnehmen. Im Magen-Darm-Trakt können diese Schadstoffe wieder freigesetzt werden und Einfluss auf den Organismus nehmen.

Die Auswirkungen der Mikroplastikaufnahme sind vielseitig. Studien verweisen auf Gewebeveränderungen bzw. Entzündungsreaktionen und toxikologische Auswirkungen, bis hin zu inneren Verletzungen und Todesfällen.

 

Microplastics eaten by Zooplankton (c) Matthew Cole / Plymouth Marine Laboratory

Matthew Cole / Plymouth Marine Laboratory - aus Cole et.al. (2016): Marine microplastic debris: a trageted plan for unterstanding and quantifying interactions with marine life. In: Frontiers in Ecology and the Environment. 14 (6): 317-324

Mikroplastik wird auch von Kleinstlebewesen, wie Zooplankton, aufgenommen. Plankton ist eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische. Diese werden wiederum von größeren Raubfischen gefressen. Der nicht abgebaute Kunststoff und die Schadstoffe können sich im Gewebe ansammeln und so Teil der Nahrungskette werden. Über die Auswirkungen auf den Menschen ist bisher nur wenig bekannt.

Sicher ist hingegen: Je kleiner die Plastikpartikel sind, desto größer das Risiko der Aufnahme und die Anzahl der Tiere, die es konsumiert. Ist Mikroplastik erst in den Flüssen und dem Meer, kann es nicht wieder entnommen werden. Der Zustand der Meeresumwelt ist besorgniserregend und die Auswirkungen sind kaum abzuschätzen. Daher muss der vermeidbare Eintrag von Mikroplastik gestoppt werden.

Warum wird Mikroplastik in der Kosmetik eingesetzt?

Mikroplastik wird in unterschiedlichen Größen und Formmassen eingesetzt – unter anderem als Pulver oder Lösung. Kunststoffe dienen als Peelingpartikel, Bindemittel, Filmbildner und Füllmittel in Duschgels, Shampoos, Cremen und dekorativer Kosmetik.

Häufige Kunststoffe in Kosmetika und ihre Abkürzungen:

  • Polyethylen PE
  • Polypropylen PP
  • Polyethylenterephthalat PET
  • Nylon-12 Nylon-12
  • Nylon-6 Nylon-6
  • Polyurethan PUR
  • Acrylates Copolymer AC
  • Acrylates Crosspolymer ACS
  • Polyacrylat PA
  • Polymethylmethacrylat PMMA
  • Polystyren PS

Wie gelangt Mikroplastik in den menschlichen Körper und wie gefährlich ist das?

Mikroplastik gelangt vor allem über die Luft und über Lebensmittel in den menschlichen Körper – also durch Einatmen oder über den Magen-Darm-Trakt. Forschende konnten Kunststoffpartikel bereits in verschiedenen Bereichen des Körpers nachweisen, etwa im Blut, in der Plazenta und sogar im Gehirn. Gleichzeitig ist noch nicht vollständig geklärt, wie stark Menschen tatsächlich belastet sind und welche langfristigen Folgen damit verbunden sein könnten.

Problematisch ist Mikroplastik unter anderem, weil Kunststoffe häufig chemische Zusatzstoffe enthalten, etwa Weichmacher oder Flammschutzmittel, die freigesetzt werden können. Zudem können sich Umweltgifte oder Mikroorganismen an den Partikeln anlagern. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Mikroplastik im Körper unter bestimmten Bedingungen Immunreaktionen und Entzündungsprozesse auslösen kann. Die möglichen gesundheitlichen Folgen einer dauerhaften Belastung werden derzeit intensiv erforscht.

Die wichtigsten Fragen & Antworten zu Mikroplastik

Mikroplastik sind feste, unlösliche Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Diese synthetischen Polymere kommen zunehmend in der Umwelt vor, weil Plastik sehr langsam zerfällt und sich daher über lange Zeit in Böden, Flüssen und Meeren anreichert.

Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Primäres Mikroplastik wird gezielt hergestellt und beispielsweise Kosmetika, Reinigungsmitteln oder anderen Produkten zugesetzt. Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Kunststoffteile durch Sonne, Wind oder Wellen in immer kleinere Partikel zerfallen.

Mikroplastik gelangt unter anderem über Kosmetikprodukte, Reinigungsmittel und Mikrofasern aus Polyester-Kleidung in das Abwasser. Die größten Quellen sind der Abrieb von Autoreifen sowie abgesplitterte Farben wie Straßenmarkierungen.

Kunststoffpartikel können Schadstoffe aus dem Wasser anziehen und an ihrer Oberfläche anreichern. Werden diese Partikel von Meeresorganismen wie Fischen, Muscheln oder Zooplankton aufgenommen, können Schadstoffe im Körper freigesetzt werden und gesundheitliche Schäden verursachen. Mikroplastik kann sich außerdem entlang der Nahrungskette anreichern.

In Kosmetika und Körperpflegeprodukten wird Mikroplastik unter anderem als Peelingpartikel, Bindemittel, Filmbildner oder Füllstoff eingesetzt. Es kommt beispielsweise in Duschgels, Shampoos, Cremen oder dekorativer Kosmetik vor. In den nächsten Jahren wird dieses zugesetzte Mikroplastik in der EU schrittweise eingeschränkt und verboten.

Ja. Mikroplastik kann über die Luft und über Lebensmittel in den menschlichen Körper gelangen – etwa durch Einatmen oder über den Magen-Darm-Trakt. Forschende haben Kunststoffpartikel bereits im Blut, in der Plazenta und sogar im Gehirn nachgewiesen. Mikroplastik kann chemische Zusatzstoffe enthalten und Schadstoffe oder Mikroorganismen an sich binden. Studien zeigen, dass unter bestimmten Bedingungen Immun- und Entzündungsreaktionen auftreten können. Welche langfristigen gesundheitlichen Folgen eine dauerhafte Belastung hat, wird derzeit noch erforscht. Hinweise deuten auf eine Verringerung der Fertilitätsrate unter anderem durch Mikroplastik.