04.08.2021

Greenwashing bei Plastik

Mit der EU-Einwegplastikrichtlinie und dem schlechten Image von Plastik kommen Plastikprodukte und -packungen immer stärker in Bedrängnis. Die Erdöl- und Erdgasindustrie sieht jedoch einen wichtigen Absatzmarkt für ihre fossilen Rohstoffe und daher wird auch weiterhin stark am Plastik-Image gefeilt. Eine neue Studie zeigt auf, dass die Hälfte der „grünen“ Behauptungen auf Plastikprodukten und -packungen irreführend sind!

Aus Mangel an klaren Gesetzen zu grünen Claims haben Unternehmen bei Formulierungen freie Hand. Das Problem hierbei ist, dass die grünen Behauptungen KonsumentInnen oft in die Irre führen. Ein Spaziergang zum Supermarkt genügt, um eine Bandbreite von grünen Behauptungen auf Plastikprodukten und -packungen zu finden. Der Grund dafür ist, dass Umweltschutz immer mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt und demnach tendenziell eher zu Produkten gegriffen wird, die die Umwelt schonen – Greenwashing zahlt sich wirtschaftlich also aus.

Die meisten grünen Behauptungen beziehen sich auf die folgenden Eigenschaften:

  • wiederverwendbar
  • recycelbar
  • mit recyceltem Material
  • biologisch abbaubar
  • kompostierbar
  • biobasiertes Material

Mehr als die Hälfte der „grünen“ Behauptungen sind irreführend

Environmental Coalition on Standards (ECOS) haben in ihrer Studie zu Greenwashing „Too good to be true?"external link, opens in a new tab 82 unterschiedliche Plastikprodukte und -packungen untersucht – darunter auch solche, die am häufigsten an Europas Stränden zu finden sind: Plastikflaschen, -säcke, -geschirr und -besteck. Mehr als die Hälfte der grünen Behauptungen auf den Plastikprodukten und -packungen sind für die Bewältigung des stetig wachsenden Plastikmülls irrelevant oder werden durch schwache bzw. keine Beweise gestützt.

Grüne Behauptungen

Environmental Coalition on Standards

Abb.: Liste der grünen Claims, die auf 82 untersuchten Plastikprodukten und -packungen gefunden wurden. (Quelle: Studie zu Greenwashing "Too good to be true" der NGO ECOSexternal link, opens in a new tab)

Die wichtigsten Studienergebnisse auf einen Blick:

  • 75 % der Claims haben die Unternehmen selbst erfunden und nicht durch unabhängige ExpertInnen überprüfen lassen.
  • 49 % der Claims waren für KonsumentInnen potenziell unklar, da sie keine ausreichenden Informationen enthielten.
  • 46 % der Claims waren für die Bekämpfung der Plastikverschmutzung irrelevant.

Einige der schlimmsten Beispiele, die durch die Untersuchung gefunden wurden:

„Wiederverwendbares“ Geschirr:
Billige Plastikgläser, -becher, und -teller, die eigentlich nur einmal verwendet werden, sind in Supermärkten als "wiederverwendbar" deklariert. Grund dafür: EU-weit gibt es keine keine klaren Standards, was als „wiederverwendbar“ bezeichnet werden kann. Deshalb braucht es dringend klare Definitionen dafür, was Plastikprodukte und -packungen „wiederverwendbar“ macht.

Nachfüllsysteme mit Einwegverpackung:
Bei nachfüllbaren Behältern werden die Nachfüllungen in Einweg-Plastikbeuteln verkauft (z.B. Flüssigseife). „Nachfüllen“ erweckt den Eindruck, dass Müll eingespart wird. Doch mit solchen Ansätzen werden zwei Einweg-Verpackungsprodukte erzeugt statt einem wirklichen Abfüllsystem ohne Wegwerf-Verpackung. Dann lieber doch auf die altbewährte feste Seife zurückgreifen.

Biologisch abbaubare Flaschen:
Es ist besser die Flaschen zu recyclen, anstatt sich auf die biologische Abbaubarkeit zu konzentrieren. Biologische Abbaubarkeit ist nämlich nur unter optimalen Bedingungen (richtige Temperatur und Feuchtigkeit) gegeben – auf Kompostanlagen brauchen biologisch abbaubare Plastikprodukte und -packungen allerdings länger zum Verrotten als der gängige Biomüll. Daher ist die Werbung für biologisch abbaubare Flaschen irreführend und könnte sogar die Vermüllung der Natur verstärken.

Ein gutes Beispiel für Greenwashing sind die neuen recycelbaren Papierflaschen von Procter & Gambleexternal link, opens in a new tab. Diese Papierflaschen eignen sich nicht zum Recyceln, da sich auf der Innenseite eine Kunststoffbeschichtung befindet. Die Kunststoffbeschichtung hält die Flasche dicht und schützt den Inhalt. Die Schichten sind eng miteinander verklebt, und können deshalb beim Recyceln nur sehr schwer voneinander getrennt werden.

Biologisch abbaubare Kleidung:
Kleidungsartikel, von denen behauptet wird, dass sie biologisch abbaubar sind, tragen durch ihre synthetischen Fasern zur Mikroplastikbelastung bei. Die biologische Abbaubarkeit im Meer oder Gewässern ist nicht gewährleistet. Um aus dem gängigen Konsum-Modell auszusteigen, kann auf Second Hand zurückgegriffen werden. Unter diesem Link zeigen wir Ihnen die besten Shops für Second Hand in Wien.

Das große Problem bei Greenwashing

Falsche Behauptungen können dazu führen, dass das Vertrauen der KonsumentInnen in tatsächlich nachhaltigere Produkte geschwächt wird. So untergräbt das Greenwashing mancher Unternehmen die Bemühungen derer, denen Umweltschutz wirklich am Herzen liegt.

Unsere Empfehlungen an politische EntscheidungsträgerInnen

Die EU-EntscheidungsträgerInnen müssen umgehend handeln, um die ansteigende Flut an falschen Behauptungen zu beenden und die Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen. Es sollte KonsumentInnen ermöglicht werden, Entscheidungen auf Basis von validen Informationen zu treffen, um Plastikverschmutzung und Ressourcenverschwendung tatsächlich zu verhindern. Um Greenwashing zu beenden, empfehlen wir folgende vier Maßnahmen:

  • Lose und dehnbare Definitionen in Gesetzen und Normen eliminieren
  • Klare Regeln in der Gesetzgebung festlegen
  • Sanktionen gegen Greenwashing
  • Nachhaltige Produkte zur Norm machen

Statt noch mehr Lebensmittel in Plastik zu verpacken und falsche Behauptungen zu deren Umweltverträglichkeit zu geben, sollte entweder kein Müll in den Umlauf gebracht oder in Mehrwegsysteme sowie Abfüllsysteme investiert werden. Das schont unsere Ressourcen und schützt unsere Umwelt. Hier finden Sie Tipps zur Plastikvermeidung im eigenen Zuhause oder unterwegs.

Mehr Informationen zu Greenwashing finden Sie unter: