Publikation, 19.10.2020

Müll in Österreichs Natur

Österreich hat ohne Zweifel ein gut funktionierendes Abfallentsorgungssystem. Trotzdem landet auch in Österreich Müll in der Natur, entweder durch illegale Abfallentsorgung oder durch sogenanntes Littering. Dieser Bericht befasst sich mit der Litteringsituation in Österreich.

Unter Littering versteht man das achtlose Wegwerfen und Liegenlassen von Abfällen (Verpackungen, Zeitungen, Zigarettenstummel usw.) an ihrem Entstehungsort in der Natur und im öffentlichen Raum, ohne die dafür vorgesehenen kostenlosen Entsorgungsmöglichkeiten wie öffentliche Abfalleimer zu nutzen. Typische Littering-Abfälle gehen Hand in Hand mit sehr kurzlebigen Konsumgütern und Take-Away-Produkten. Die Produkte werden meist unterwegs konsumiert und die übrig gebliebenen Verpackungen oder auch Zigarettenstummeln werden an Ort und Stelle weggeworfen. Dieses Littering hat nicht zu vernachlässigende Folgen für Natur, Mensch und Umwelt.

Report: Welche Marken verschmutzen unsere Umwelt?

GLOBAL 2000 sammelt seit 2017 Daten zu Müll in der Natur über die DreckSpotz-App. Die DreckSpotz App ist eine Initiative von GLOBAL 2000. Ziel ist es, die Natur nachhaltig sauber zu machen und von Müll zu befreien. Es wird informiert und es werden Daten gemeinsam gesammelt, um langfristig Lösungen für das Littering-Problem zu finden. Auf Basis der gesammelten Daten wurden die Ergebnisse in den vorliegenden Berichten erstellt.

Müll sammeln

Auswertung der DreckSpotz App 2020

Im Beobachtungszeitraum wurden über die DreckSpotz-App über 105.800 Stück Littering-Abfälle dokumentiert. Den größten Anteil nach Stück haben daran Zigarettenstummel, gefolgt von Plastik und sonstigen Littering-Abfällen.

Ungefähr ein Viertel der Abfälle sind der Kategorie Plastik zugeordnet und umfassen zum Beispiel Plastiksackerln, Plastikflaschen sowie Plastikverpackungen von Süßigkeiten. Des Weiteren finden sich Einweg-Besteck sowie Hundekot-Sackerl in dieser Kategorie.

Rund 13 % sind metallische Produkte, wie (Getränke-) dosen, Verschlüsse oder auch Folien, Draht oder Kabel. Die geringsten Anteile haben die Kategorien Papier und Glas und Keramik mit jeweils unter 10 %. Hier finden sich Produkte wie Zeitungen und Zeitschriften Werbungsmaterialien oder Getränkeverpackungen aus Glas.

Der Bereich „Sonstiges“ beinhaltet neben Textilien und Elektronikaltgeräten (EAG) eine große Menge an Abfällen, die nicht in die angegebenen Kategorien zuordenbar sind. Da diese Kategorie zum Teil ebenfalls Verpackungen beinhaltet, diese aber nicht zuordenbar sind, ist der Anteil an Verpackungen mit Sicherheit höher.

Bei Littering-Abfällen sind oft die Stückzahlen bzw. das Volumen aussagekräftiger als das Gewicht, da es um die Sichtbarkeit in der Natur bzw. im öffentlichen Raum geht. So sind zahlenmäßig die Zigarettenstummel die am häufigsten gelitterten Abfälle. Allerdings sind (Getränke-)Verpackungen aufgrund des Volumens im öffentlichen Raum deutlich sichtbarer.

Grafik: Müllarten in der Natur

Welche Marken verschmutzen unsere Natur?

Ein weiteres Ergebnis aus der Auswertung der Datensätze aus der DreckSpotz-App zeigt die Anzahl an gelitterten Produkten nach Marken. Die Analyse erfolgte ausschließlich für Getränkeverpackungen aus Kunststoff, Metall und Glas.

Des Weiteren wurden nur Marken ausgewählt, die über 20 Nennungen aufweisen. Marken, die weniger oder nur einzeln genannt wurden, sind unter „Sonstiges“ zusammengefasst. Konnte nicht eindeutig eine Marke zugeordnet werden, wurden die gesichteten Abfälle zu „unbestimmt“ eingegliedert. Insgesamt wurden 19.739 Getränkeverpackungen in die App eingetragen. Fast 60 % der gesichteten Getränkeverpackungen sind aus Metall. Darauf folgen Plastikflaschen mit 27 % und Glasflaschen mit 15 %.

Grafik: Welche Marken verschmutzen unsere Natur?

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Zigarettenstummel besondere Umweltgefahr

Die häufigste Kategorie sind nach gelitterten Stück die weggeworfenen Zigarettenstummel, allerdings weisen diese sehr geringe Masse und sehr geringes Volumen auf. Von Zigarettenstummeln geht eine besondere Umweltgefahr aus, da die im Filter aufgefangenen Schadstoffe wie etwa Nikotin, Arsen, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder Schwermetalle in den Böden und in Gewässer gelangen können.

Wahrscheinlich sind Zigarettenstummel in der Erhebung unterrepräsentiert, da davon auszugehen ist, dass die BenutzerInnen der App bevorzugt größere Abfallgegenstände gespottet haben, weil diese größer und damit auffälliger sind. Genau genommen sind Zigarettenstummel auch aus Plastik, da sie zum größten Teil aus Celluloseacetat-Fasern bestehen, einem Kunststoff, der viele Jahre braucht, um zu zerfallen. Trotzdem werden sie sowohl in der App als auch in der Auswertung extra angeführt, da sie sowohl beim Litteringverhalten als auch bei den Umweltauswirkungen besonders problematisch sind.

Sonderauswertung 2019:
Stadt, Land & Fluss

Die zweite Auflage des Littering-Berichts steht nun unter dem Motto: „Stadt, Land, Fluss“. Das Hauptaugenmerk liegt diesmal auf der Zusammensetzung der Abfälle in den festgelegten Gebieten und möglichen lokalen Auswirkungen auf Mensch,Tier und Umwelt.

Die meisten Stücke an gelitterten Abfällen wurden mit rund 45.000 Stück in der Stadt gesichtet, gefolgt von ländlichen Gebieten mit etwa 28.000 Stück und Flächen in der Nähe von Gewässern mit etwa 10.000 Stück. Stückmäßig werden Zigarettenstummel am häufigsten in der Stadt gesichtet, gefolgt von gewässernahen Flächen. Die in einem Liter Wasser enthaltenen Giftstoffe eines einzigen Zigarettenstummels können innerhalb von vier Tagen die Hälfte aller darin schwimmenden Fische töten.

In ländlichen Gebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen wurden sehr viele Kunststoffe erfasst, aber auch Metalle und Glas. Insbesondere auf Futterwiesen stellen Littering-Abfälle ein großes Problem dar, da sich an zerrissenen Dosen oder zerbrochenen Flaschen Nutztiere schwer verletzen oder daran sogar sterben können.

Grafik: Stadt, Land & Fluss Auswertung der DreckSpotz App 2019