Publikation, 20.11.2019

Müll in Österreichs Natur

Österreich hat ohne Zweifel ein gut funktionierendes Abfallentsorgungssystem. Trotzdem landet auch in Österreich Müll in der Natur, entweder durch illegale Abfallentsorgung oder durch sogenanntes Littering. Dieser Bericht befasst sich mit der Litteringsituation in Österreich.

Unter Littering versteht man das achtlose Wegwerfen und Liegenlassen von Abfällen (Verpackungen, Zeitungen, Zigarettenstummel usw.) an ihrem Entstehungsort in der Natur und im öffentlichen Raum, ohne die dafür vorgesehenen kostenlosen Entsorgungsmöglichkeiten wie öffentliche Abfalleimer zu nutzen. Typische Littering-Abfälle gehen Hand in Hand mit sehr kurzlebigen Konsumgütern und Take-Away-Produkten. Die Produkte werden meist unterwegs konsumiert und die übrig gebliebenen Verpackungen oder auch Zigarettenstummeln werden an Ort und Stelle weggeworfen. Dieses Littering hat nicht zu vernachlässigende Folgen für Natur, Mensch und Umwelt.

Report: Müll in der Natur downloaden

GLOBAL 2000 sammelt seit 2017 Daten zu Müll in der Natur über die DreckSpotz-App. Die DreckSpotz App ist eine Initiative von GLOBAL 2000. Ziel ist es, die Natur nachhaltig sauber zu machen und von Müll zu befreien. Es wird informiert und es werden Daten gemeinsam gesammelt, um langfristig Lösungen für das Littering-Problem zu finden. Auf Basis der gesammelten Daten wurden die Ergebnisse in den vorliegenden Berichten erstellt.

Müll sammeln

Auswertung der DreckSpotz App 2019

Im Beobachtungszeitraum wurden über die DreckSpotz-App über 83.000 Stück Littering-Abfälle dokumentiert. Dies entspricht rund 3.700 Kilogramm an weggeworfenen Abfällen im öffentlichen Raum oder in der Natur. Den größten Anteil nach Stück haben daran Zigarettenstummel, gefolgt von Plastik und sonstigen Littering-Abfällen, nach Masse sind es die Kategorie „Sonstiges“ mit rund 37 Prozent und gleich danach Kunststoffe und Metalle und nach Volumen stehen die Kunststoffe mit 53 Prozent an erster Stelle.

Grarfik: Auswertung der DreckSpotz App 2019

Grafik: Gefundene Müllarten nach Gewicht/Volumen/Stück

30 Prozent Verpackungsmüll

Der Anteil an gefundenen Verpackungen liegt nach Stück bei rund 30 Prozent und nach Volumen bei etwa 50 Prozent. Der Anteil an Verpackungen ist mit Sicherheit noch höher, da beispielsweise in der Kategorie „Sonstiges“ zum Teil ebenfalls Verpackungen beinhaltet sind, diese allerdings nicht zuordenbar sind.

Getränkeverpackungen spielen in der Regel eine wichtige Rolle in Bezug auf Müll in der Natur. Den größten Anteil nach Stück haben die Getränkedosen und nach Volumen die PET-Flaschen.

Zigarettenstummel besondere Umweltgefahr

Die häufigste Kategorie sind nach gelitterten Stück die weggeworfenen Zigarettenstummel, allerdings weisen diese sehr geringe Masse und sehr geringes Volumen auf. Von Zigarettenstummeln geht eine besondere Umweltgefahr aus, da die im Filter aufgefangenen Schadstoffe wie etwa Nikotin, Arsen, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder Schwermetalle in den Böden und in Gewässer gelangen können.

Wahrscheinlich sind Zigarettenstummel in der Erhebung unterrepräsentiert, da davon auszugehen ist, dass die BenutzerInnen der App bevorzugt größere Abfallgegenstände gespottet haben, weil diese größer und damit auffälliger sind. Genau genommen sind Zigarettenstummel auch aus Plastik, da sie zum größten Teil aus Celluloseacetat-Fasern bestehen, einem Kunststoff, der viele Jahre braucht, um zu zerfallen. Trotzdem werden sie sowohl in der App als auch in der Auswertung extra angeführt, da sie sowohl beim Litteringverhalten als auch bei den Umweltauswirkungen besonders problematisch sind.

Red Bull, Brau Union und Coca Cola

Grafik: Müll in der Natur nach Marken
Bei der Eingabe der gefunden Müllstücke kann auch die Marke des Produkts eingegeben werden. Trauriger Spitzenreiter ist hier die Marke Red Bull, die am häufigsten von den Usern genannt wurde, gefolgt von diversen Verpackungen der Brau Union und Coca Cola. Bei diesen drei Marken handelt es sich ausschließlich um Getränkeverpackungen.

Die Ergebnisse des vorliegenden Berichtes sind vergleichbar mit anderen Littering-Studien und bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen. Den gesamten Bericht finden Sie unten in Downloadbereich.

Sonderauswertung: Stadt, Land & Fluss

Die zweite Auflage des Littering-Berichts steht nun unter dem Motto: „Stadt, Land, Fluss“. Das Hauptaugenmerk liegt diesmal auf der Zusammensetzung der Abfälle in den festgelegten Gebieten und möglichen lokalen Auswirkungen auf Mensch,Tier und Umwelt.

Die meisten Stücke an gelitterten Abfällen wurden mit rund 45.000 Stück in der Stadt gesichtet, gefolgt von ländlichen Gebieten mit etwa 28.000 Stück und Flächen in der Nähe von Gewässern mit etwa 10.000 Stück. Stückmäßig werden Zigarettenstummel am häufigsten in der Stadt gesichtet, gefolgt von gewässernahen Flächen. Die in einem Liter Wasser enthaltenen Giftstoffe eines einzigen Zigarettenstummels können innerhalb von vier Tagen die Hälfte aller darin schwimmenden Fische töten.

In ländlichen Gebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen wurden sehr viele Kunststoffe erfasst, aber auch Metalle und Glas. Insbesondere auf Futterwiesen stellen Littering-Abfälle ein großes Problem dar, da sich an zerrissenen Dosen oder zerbrochenen Flaschen Nutztiere schwer verletzen oder daran sogar sterben können.

Grafik: Stadt, Land & Fluss Auswertung der DreckSpotz App 2019