Publikation, 09.01.2019

Agrar-Atlas: Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft

In dieser Publikation finden Sie Daten und Fakten zur Landwirtschaft und Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU.

Europa hat kulinarisch und landschaftlich viel zu bieten. Die Landschaften sind häufig ein Spiegelbild landwirtschaftlicher Nutzung. In Österreich verdanken wir ihr schöne Almen, Obst- und Weingärten im steirischen Hügelland und weit reichendes Grünland neben Salzburger Seen. Keine Frage: Wir alle wären ärmer ohne die Landwirtinnen und Landwirte, denn kein Sektor ist so stark mit der Kultivierung unserer Lebensräume verbunden wie die Landwirtschaft.

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Gemeinsame Agrarpolitik der EU

Aber die Landwirtschaft verändert sich, immer schneller und in ganz Europa. In vielen EU-Ländern geben Landwirte ihre Betriebe auf. Die verbleibenden Höfe und Felder werden größer, jeder Fleck wird möglichst intensiv genutzt. Auch wenn die österreichische Landwirtschaft mit ihrem hohen Bioanteil und der vergleichsweise kleinstrukturierten Bewirtschaftungsweise eine Sonderstellung in Europa hat, bleibt auch sie von europäischen Entwicklungen nicht verschont. Die Veränderungen in der Landwirtschaft betreffen ganz direkt landwirtschaftliche Betriebe, aber auch uns alle – weil sie so eng mit unserer Ernährung, dem Klima, der Natur und den lebendigen ländlichen Räumen verbunden sind. Der Wandel in der Landwirtschaft kann und sollte daher aktiv gestaltet werden. Ein wichtiger Hebel dafür, ist die Gemeinsame Agrarpolitik (kurz GAP) der EU. Sie ist einer der ältesten europäischen Politikbereiche und mit knapp 40 Prozent des EU-Haushalts - rund 60 Mrd. Euro jährlich - finanziell noch immer am besten ausgestattet.

LandwirtInnen geht es im System nicht gut

Was viele nicht wissen ist, dass die EU-Agrarpolitik Einfluss auf Dinge hat, die vielen von uns wichtig sind: gesunde Lebensmittel, der Schutz von Umwelt, Klima, Vögeln und Insekten und der Erhalt von kleinen und mittleren Betrieben. Unser Agrar-Atlas zeigt, wie eng die EU-Landwirtschaft mit unserem Leben verbunden ist. Er zeigt auch, dass kaum etwas von dem Geld der GAP den Zielen zugute kommt, die sich Europäerinnen und Europäer von der Landwirtschaft wünschen. Der Austausch zwischen Bäuerinnen und Bauern und „der Gesellschaft“ ist vielfältig: Erwartungen an regionalen Konsum und Anerkennung, beidseitiger Wunsch nach Fairness, und im besten Fall Respekt. Unsere LandwirtInnen sind eingebettet in ein Agrarsystem, das Jahr für Jahr mit Milliarden Euro falsche Anreize setzt und am Ende weder ökologische noch soziale oder wirtschaftliche Nachhaltigkeit gewährleisten kann. Auch das zeigt der Atlas: dass es vielen Landwirtinnen und Landwirten in diesem System selbst nicht gut geht.

Treten wir für eine starke soziale und ökologische Agrarpolitik ein. Landwirtinnen und Landwirte brauchen das Geld, um ihre Betriebe fit für die Zukunft zu machen. Wir alle brauchen eine zukunftsgerichtete Agrarpolitik für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Die nötige Agrarwende ist nicht umsonst – in vielerlei Hinsicht.

    Fakten zur Agrarpolitik in der EU

    • Durch die EU-Agrarpolitik fließen jährlich fast 60 Milliarden Euro in die europäische Landwirtschaft. Die Zustimmung der EU-BürgerInnen dazu steigt, wenn sich dies positiv auf Klima und Umwelt auswirkt.
    • Die Landwirtschaft ist eng verwoben mit dem Schutz von Insekten und Vögeln, sauberem Wasser und gesunden Lebensmitteln. Das Geld der EU fließt kaum in diese Bereiche. Tierwohl ist den Eu-BürgerInnen sehr wichtig. Dennoch werden die Gelder der EU-Agrarpolitik kaum genutzt, um die Tierhaltung in diesem Sinne zu verbessern.
    • Die EU-Agrarpolitik besteht aus zwei Säulen. Mit der ersten werden vor allen pauschale Flächenprämien gezahlt, mit der zweiten die ländliche Entwicklung, Ökolandbau und Umweltmaßnahmen unterstützt. 70 Prozent der EU-Gelder werden pro Hektar ohne weitreichende Auflagen ausgegeben. Wer viel Land bewirtschaftet, bekommt viel Geld.
    • Auch der Erhalt des ländlichen Raumes wird auf dem Agrarbudget gefördert. Österreich stellt dafür EU-weit den höchsten Anteil an den Gesamtmitteln zur Verfügung.
    • In der EU haben zwischen 2003 und 2013 ein Drittel aller Bauernhöfe aufgegeben. Ihre Flächen übernahmen andere. Heute bewirtschaften 3,1 Prozent aller Betriebe mehr als die Hälfte des Agrarlandes. Auch in Österreich geht die Anzahl der Betriebe immer noch zurück. Das vielmals empfohlene "Wachsen statt weichen" ist kein Garant für ein wirtschaftliches Auskommen.

    Grafik: Höfe werden immer größer

    • Die EU-Agrarpolitik hilft beim Kampf gegen die politische Erosion der Europäischen Union. Sie ist besonders in ländlichen Regionen wichtig, in denen die Unzufriedenheit mit der EU groß ist.
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