Publikation, 15.05.2019

Studie: Regionale Effekte der Wärmewende

Klimafreundlich Heizen und Sanieren ist nicht nur für die Umwelt gut, sondern schafft auch tausende Arbeitsplätze. In unserer Studie haben wir die Auswirkungen die eine Umsetzung ambitionierter Wärmewendezielen in Niederösterreich, Salzburg und Tirol haben würde untersucht.

Österreich hat sich im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens dazu verpflichtet, den Ausstieg aus fossiler Energie voranzubringen. Im Rahmen der EU-Klimaziele bis 2030 gibt es zudem die unionsrechtliche Verpflichtung, die Treibhausgasemissionen im Nicht-Emissionshandelsbereich um 36 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 zu reduzieren. Dem Gebäudebereich kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Mit einem Anteil von 27 Prozent am energetischen Endverbrauch in Österreich ist Raumwärme einer der wesentlichen Bereiche des Energiesystems. Bei einer umfassenden thermischen Sanierung des derzeitigen Gebäudebestandes ist mehr als eine Halbierung des derzeitigen Energieverbrauchs machbar. Die drei Bundesländer Niederösterreich, Salzburg und Tirol verbrauchen für Raumwärme relativ viel Energie pro Nutzfläche (zwischen 180 und 190 kWh/m2) und haben relativ hohe Anteile von Öl- und Gasheizungen. Im Jahr 2016 beträgt dieser Anteil 46 Prozent in Niederösterreich, 30 Prozent in Salzburg und 41 Prozent in Tirol. Österreichweit zeigen sich in diesem Bereich sowohl Erfolge als auch Handlungsbedarf:

  • Gegenüber 1990 konnte im Gebäudebereich eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 35 Prozent erreicht werden. Das zeigt, dass eine Vielzahl an Maßnahmen, die unter anderem von den Bundesländern ergriffen werden, wie Gebäudestandards, Förderungen und bewusstseinsbildende Maßnahmen, von Erfolg gekrönt sind.
  • Für die Erreichung der 2030-Ziele und das Einschwenken Österreichs auf einen Paris-kompatiblen Weg braucht es jetzt einen weiteren, konsequenten Schritt raus aus fossiler Energie im Gebäudebereich. Folgende Parameter sind dabei zu beachten:

- Die jährliche Sanierungsrate ist stark eingebrochen und liegt bei umfassenden Sanierungen derzeit nur noch bei 0,4 Prozent und nicht bei den notwendigen drei Prozent des Gebäudebestands. Damit sind wir weit weg von der in der #Mission2030 anvisierten Sanierungsrate von zwei Prozent im Zeitraum 2020 bis 2030.

- Die Umstellung fossiler Heizsysteme hat sich in den letzten Jahren deutlich eingebremst. So sind die Neuinstallationen von Pellets-Kesseln, die sehr oft veraltete Ölkessel ersetzen, gegenüber dem Höchststand von 2012 um 67,9 Prozent gesunken. Etwa 613.000 Ölheizungen sind in Österreich in Wohngebäuden immer noch in Betrieb, ein Großteil davon ist veraltet und sollte dringend ersetzt werden.

- Bei Erdgasheizungen ist in einzelnen Bundesländern noch ein Ausbautrend ersichtlich. Rund 909.000 mit Erdgas beheizten Gebäude gibt es in Österreich.

- Rund zehn Milliarden Euro werden pro Jahr für fossile Energieimporte ausgegeben. Diese Gelder fließen aus Österreich ab und zirkulieren nicht in der regionalen Wirtschaft.

- Derzeit sind rund 70.000 Personen in Österreich im Bereich erneuerbarer Energien, dem Bau von Niedrigstenergiehäusern oder der energetischen Gebäudesanierung beschäftigt. Bei ambitionierter Klimapolitik könnte sich diese Zahl in den kommenden Jahren deutlich erhöhen, wie auch die folgenden Ergebnisse klar belegen.

Die Maßnahmen

In der Studie wurde modelliert, welche regionalwirtschaftlichen Effekte ambitionierte Klimaschutzpolitik im Wärmebereich für die Bundesländer Niederösterreich, Salzburg und Tirol auftreten. Dabei wurden folgende Annahmen getroffen:

  • Halbierung des Bestands an Ölheizungen bis 2030, was einem gemäßigten Pfad für den langfristigen, vollständigen Ausstieg aus Ölheizungen entspricht.
  • Reduktion von Gasheizungen um ein Drittel bis 2030, was einem moderaten langfristigen Ausstieg aus Gasheizungen ermöglicht.
  • Eine Anhebung der Sanierungsrate auf zwei Prozent, ausgehend von öffentlich verfügbaren Werten für die umfassende Sanierung.
  • Die jeweils bestehenden fossilen Heizsysteme werden durch einen Mix aus biogenen Heizsystemen, Umgebungswärme und Fernwärme ersetzt.

Ergebnisse Auswirkungen der Wärmewende

In Summe wird in den drei Bundesländern ein Investitionsvolumen von 1,7 Mrd. Euro ausgelöst und eine Wertschöpfung von 470 Mio. Euro geschaffen.

Der Beschäftigungseffekt (netto) ist in allen Bundesländern deutlich positiv. Unterschiede ergeben sich vor allem durch die derzeit unterschiedliche Sanierungsrate in den Bundesländern. Die der Studie zugrundeliegenden Daten zeigen eine niedrigere Sanierungsrate in Niederösterreich und Salzburg als in Tirol. Der Unterschied zum Ziel einer zweiprozentigen Sanierungsrate ist dort also höher und dementsprechend auch der Beschäftigungseffekt, der durch eine Anhebung der Sanierungsrate erzielt wird.

In der sektoralen Analyse zeigt sich, dass die Wärmewende vor allem für die Bauwirtschaft ein Jobmotor ist. Durch die Reduktion des Energieverbrauchs und den Ausstieg aus fossiler Energie verlieren Sektoren wie die Energieversorgung oder die Mineralölverarbeitung Umsätze. Diese Verluste werden aber neben der Bauwirtschaft durch Zugewinne in Sektoren wie der Holz- und Holzverarbeitung, Maschinen, Glaswaren und Keramik und der Metallerzeugung deutlich überkompensiert.

In Folge der Modernisierung der Heizsysteme und thermischer Sanierung sinkt der Energieverbrauch in allen drei Bundesländern deutlich und es kann in Summe eine CO2-Reduktion ovn rund 1,3 Mio. Tonnen erzielt werden.

Auswirkungen in Niederösterreich

In Niederösterreich werden Investitionen von 870 Mio. Euro ausgelöst und eine Wertschöpfung von 230 Mio. EUR geschaffen. Es entstehen 4.593 neue Arbeitsplätze durch die Wärmewende. Der Energieverbrauch sinkt um 20,3 Prozent und 720.000 Tonnen CO2 können eingespart werden.

Grafik: Auswirkungen der Wärmewende in Niederösterreich

Auswirkungen in Salzburg

In Salzburg werden zusätzliche Investitionen von 580 Mio. Euro ausgelöst und eine Wertschöpfung von 140 Mio. Euro geschaffen. Es entstehen 2.156 neue Arbeitsplätze. Der Energieverbrauch sinkt um 21,1 Prozent und 189.000 Tonnen CO2 können eingespart werden.

Grafik: Auswirkungen der Wärmewende in Salzburg

Auswirkungen in Tirol

In Tirol wird ein Investitionsvolumen von 250 Mio. Euro ausgelöst und eine Wertschöpfung von 100 Mio. Euro geschaffen. Es entstehen 1.787 neue Arbeitsplätze durch die Wärmewende. Der Energieverbrauch sinkt um 22,6 Prozent durch die gesetzten Maßnahmen und 339.000 Tonnen CO2 können eingespart werden.

Grafik: Auswirkungen der Wärmewende in Tirol