Neuigkeit, 25.05.2022

AKW Krsko: Ungeklärte Sicherheitsfragen nach öffentlicher Anhörung

Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (kurz UVP) fand am 19.5. die öffentliche Anhörung des Betreiberkonzern des AKW Krško statt. Die Betreiber des Risiko-Reaktors stellten sich den kritischen Fragen aus der Bevölkerung und legten Pläne für die Betriebsverlängerung vor. Dabei handelte es sich jedoch um veraltete Daten zur Reaktor-Sicherheit. Da sich das 40 Jahre alte AKW in einer hochaktiven Erdbeben-Zone befindet, fordern wir, dass das Erdbeben-Risiko neu bewertet wird.

Das slowenische AKW Krško wurde 1981 zum ersten Mal hochgefahren und ist mittlerweile schon so marode, dass er nach aktuellen Forschungsergebnissen einem Starkbeben nicht mehr standhalten kann.

Ursprünglich sollte das AKW Krško im Jahr 2023 nach 40 Jahren Laufzeit abgedreht werden. Doch die slowenische Nuklearbehörde stimmte, trotz massiver Sicherheitslücken, einer Betriebsverlängerung um 20 Jahre zu. Bevor jedoch über eine Betriebsverlängerung auf bis zu 60 Jahre entschieden werden kann, muss im Rahmen der von uns erkämpften Umweltverträglichkeitsprüfung (kurz UVP) eine unabhängige Prüfung des Reaktors durchgeführt werden.

Ungeklärte Sicherheitsfragen nach öffentlicher Anhörung

Bei der öffentlichen Anhörung im Rahmen der UVP am 19.5. in Graz legten die Krško-Betreiber bis zu 18 Jahre alte Daten zum technischen Zustand des Reaktors und zur Erdbebenwahrscheinlichkeit am Standort Krsko vor. Dabei behaupteten sie, dass das Erdbeben-Risiko beherrschbar sei. Doch wie soll der Uralt-Meiler mit alten Bauteilen und Systemen einem Starkbeben standhalten? Die bei der Planung des AKWs berücksichtigten maximalen Erdbebenwerte waren mehreren Studien zufolge zu niedrig – bei einem starken Erdbeben am Standort drohen schwere Schäden bis hin zur Kernschmelze im Reaktor.

Die Frage, wie viele Feuerwehr-Einsatzkräfte im Falle eines schweren Erdbebens überhaupt verfügbar wären und wie die Zufahrt mit mobilen Pumpen über zerstörte Straßen und mit zerstörten Wasserleitungen erfolgen soll, blieb bei der Anhörung ebenso ungeklärt.

Ball jetzt bei der Bundesregierung

Ein Atomkraftwerk in einem Erdbeben-Gebiet zu betreiben ist unverantwortlich. Deswegen fordern wir eine aktualisierte Datengrundlage zur Sicherheit des Reaktors, bevor über eine Laufzeitverlängerung entschieden werden kann. Die Fachstellungnahme des Umweltbundesamts weist ebenso auf die unzureichenden Unterlagen hin. „In Bezug auf Erdbeben können die UVP-Unterlagen nicht nachweisen, dass sich aus der Verlängerung des Anlagenbetriebs keine zusätzlichen Gefährdungen und Risiken ergeben.“, so die österreichischen Experten und Expertinnen der Geologie und Reaktorsicherheit.

Nach unserer erfolgreichen Petition „Stopp AKW Krško! Erdbebenreaktor abschalten!“ mit knapp über 61.000 Unterschriften und der Fachstellungnahme des Umweltbundesamts liegt der Ball nun bei der Österreichischen Bundesregierung. Bundeskanzler Nehammer und die Umweltministerin Gewessler müssen sich jetzt bei ihren slowenischen Kolleginnen und Kollegen dafür einsetzen, dass der stark erdbeben-gefährdete Reaktor abgeschaltet wird. Nur so kann ein Super-GAU direkt vor unserer Haustür noch rechtzeitig verhindert werden.

Falls bis zum 31.12.2023 sämtliche formale Schritte der UVP nicht abgeschlossen, oder die im Zuge der UVP verordneten Sicherheits-Upgrades nicht durchgeführt worden sind, muss der Reaktor abgeschaltet werden. Solche Fälle hat es schon öfter gegeben: Beispielsweise hat in der Schweiz die Betreibergesellschaft des AKW Mühleberg den alten Reaktoren lieber verschrottet, als hunderte Millionen mit ungewissem Erfolg in Reparaturarbeiten zu versenken.

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Sie möchten wissen, ob die Betriebsverlängerung um weitere 20 Jahre genehmigt, oder der Erdbeben-Reaktor in Krško für immer abgeschaltet wird? Dann abonnieren Sie sich noch heute unseren GLOBAL 2000 Newsletter: