Beim Betrieb von Atomkraftwerken entstehen radioaktive Abfälle. Auch von ihnen geht radioaktive Strahlung aus, die für Pflanzen, Tiere und Menschen gefährlich ist. Einige der radioaktiven Abfälle strahlen für hunderttausende Jahre. Zum Beispiel hat das hochtoxische Spaltprodukt Plutonium eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren. Es muss für zehn Halbwertszeiten, also 240.000 Jahre, sicher von Wasser, Lebewesen und Menschen ferngehalten werden.

Zum Vergleich: Den modernen Menschen gibt es seit 100.000 Jahren. Die ältesten Höhlenmalereien entstanden vor ca. 30.000 Jahren, die Steinzeit war vor 10.000 Jahren, die Pyramiden vor 4.000 Jahren — das zeigt, von welch unvorstellbar langen Zeiträumen wir hier sprechen.

Viele Länder häufen seit Jahrzehnten hochradioaktiven Müll an, haben aber weder ein Endlager noch ausreichende Finanzmittel sichergestellt, um mit dieser Bürde für die kommenden Generationen umzugehen.

Atommüllendlager sind keine sichere Lösung

Atommüll ist jahrtausendelang gefährlich und soll deshalb in tiefste Tiefen versenkt werden. Einfach weg damit, bis man ihn nicht mehr sieht. Wer meint, dass das so einfach geht, irrt. Kein Land der Welt hat nach 60 Jahren Atomkraft eine Lösung für die hochradioaktiven Abfälle. Weltweit zeigen zahlreiche Rückschläge, dass es keine saubere Lösung für eine sichere Endlagerung von Atommüll gibt.

Hochradioaktiver Atommüll soll über Jahrtausende mittels technischer und geologischer Barrieren isoliert werden. Versagt allerdings der technische Schutz, so muss die geologische Barriere halten. Einige Länder bevorzugen hier Granit, andere Ton oder Salz. Es hat sich allerdings schon gezeigt, dass nicht beide Barrieren halten. Bei einem anderen Nachbarn von uns, nämlich Deutschland, ist dieser Fall bereits eingetreten. Bei dem Endlager Asse 2 entschied man sich für einen Salzstollen und es wurden 126.000 Fässer mit radioaktivem Müll unkontrolliert in die Tiefe gelassen. Doch dann trat Wasser in den Stollen eingedrungen. Dadurch können radioaktive Stoffe ausgeschwemmt werden. Dass die Fässer schnellstens geborgen werden müssen, sollte selbstverständlich sein, die große Frage ist nur, wie das bewerkstelligt werden soll und wo die Fässer dann weiter gelagert werden sollen.

Das Problem an der Grenze

Die tschechische Republik favorisiert eine Reihe von Endlagerstätten an der Grenze zu Österreich. Die Gefahren für uns alle sind gravierend. Während der jahrzehntelangen heiklen Einlagerungsphase des Atommülls kann es zu Bränden und Explosionen kommen. Durch die vorherrschende Westwetterlage sind das Mühl-, Wein- und Waldviertel und Wien am stärksten betroffen. Ebenso sind alpine Beben, die bis nach Südböhmen reichen können, sowie grenzüberschreitende Gewässer (March, Thaya, Donau) eine große Gefahr. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Politiker uns plötzlich vor vollendete Tatsachen stellen. Die Suche in unserem Nachbarland läuft auf Hochtouren, aber technische Kriterien für die Auswahl sind bis jetzt nicht definiert worden. Eine Unterlassung, die uns große Sorgen macht und auch von der tschechischen Atomaufsichtsbehörde scharf kritisiert wird. Innerhalb dieser unklaren Rahmenbedingungen werden aber Standorte favorisiert, die an der Grenze zu Österreich liegen!

Ein Paradebeispiel für katastrophale Atommüll-Endlagerung

Der Karatschai See dient als Lagerungsstätte für Atommüll der ehemaligen Plutoniumfabrik und heutigen Wiederaufbereitungsanlage Majak und gilt als einer der gefährlichsten Orte der Welt. Enthalten ist hier sowohl Strontium 90 als auch Cäsium 137 mit einer Halbwertzeit von etwa 30 Jahren. Beides sind Endprodukte der Plutoniumproduktion und hoch giftige Isotope, die sich aufgrund ihrer chemischen Struktur in Nahrung und Körper einnisten können. Mit ein Grund, nicht in dem See baden zu gehen oder sich dort überhaupt aufzuhalten, doch das ist nicht das einzige Problem. Das Risiko, dass die giftigen Stoffe in das Umland und das Grundwasser gelangen könnten, wurde dort in den 50er- und 60er-Jahren bereits Realität.

Seit Beginn der Plutoniumproduktion in Majak im Juni 1948 landeten die entstandenen Abfälle zunächst im nahe gelegenen Fluss Tetscha, dessen Wasser ca. 30.000 Menschen zur Versorgung diente. Dies verursachte die Kontamination von insgesamt 38 Dörfern entlang der Tetscha und vermehrt Fälle von Leukämie sowie Lungenkrebs, weshalb nach alternativen Lagerungsmöglichkeiten gesucht wurde.

Der Karatschaisee diente als Alternativlösung neben einer Art Zwischenlager bestehend aus Tanks, die aufgrund der Nachzerfallswärme von einer Kühlleitungen umschlossen werden mussten. Die Tanks hielten nicht, was sie versprachen. So ereignete sich im Jahr 1957 das, was heute als einer der schwersten Unfälle in der Geschichte gilt, der Kytschym Unfall. Einer der Tanks, in dem sich das Gemisch aus Strontium 90, Cäsium 137 und Plutonium 239 befand, explodierte und die radioaktiven Stoffe verteilten sich über eine Fläche von 20.000 km². Genaue Opferzahlen gibt es aufgrund des mangelnden Informationsflusses über das damals geheimgehaltene Bombenkombinat nicht. Fest steht jedoch, dass der Vorfall im Bezug auf die Radioaktivität vergleichbar mit Tschernobyl ist. Da der Vorfall im Verborgenen gehalten wurde, kam dieser erst im Jahr 1989 an die Öffentlichkeit.

Lesen Sie hier wie es weiterging, denn das ist noch nicht das Ende der Geschichte...

Fest steht, dass die Lagerung von Atomabfällen ein nicht einzuschätzendes Risiko für die Umwelt und ihre Bewohner darstellt. Die Geschichte der lang geheimgehaltenen Anlage Majak und ihrer Atommüllentsorgung ist ein Paradebeispiel für das, was alles bei der Atommülllagerung schief gehen kann und dafür, wie unberechenbar die Auswirkung dessen sein können, was doch so viele für nachhaltig und sicher halten.