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Derzeit laufen in Finnland vier ältere Reaktoren an zwei Standorten im Süden des Landes und lieferten 2016 33,71 Prozent der Stromproduktion. In Finnland ist der weltweit erste Bau eines neuen "EPR"-Druckwasserreaktors mit extrem hoher Leistung beschlossen, dessen Sicherheitskonzept von Atomexperten stark kritisiert wird. Dies ist auch der erste Neubau eines AKW innerhalb der EU seit den 1980er Jahren.

Atompolitische Debatte

Das ursprüngliche Atomprogramm wurde vor dem Hintergrund erheblicher öffentlicher Proteste 1993 zunächst gestoppt. 2002 beschloss das Parlament jedoch den Neubau des fünften Reaktors, woraufhin die finnischen Grünen die Regierung verließen. Das finnische EPR-Projekt ist die größte private Industrieinvestition in der Geschichte des Landes. Die Wirtschaftlichkeit des Projektes ist äußerst fragwürdig, aber der Konzern Framatome-ANP brauchte nach mehr als einem Jahrzehnt der EPR-Entwicklung dringend eine Bauentscheidung. Nur durch Abnahmegarantien für den im Reaktor erzeugten Strom zu vergleichsweise hohen Preisen seitens der Teilhaber war die Finanzierung überhaupt möglich. Zusätzlich wurde das Projekt immer größer dimensioniert um Wirtschaftlichkeit zu erreichen, und ein kühner Bauplan wurde erstellt. Inzwischen zeichnet sich ab, dass das Vorzeigeprojekt zum wirtschaftlichen Desaster wird, denn der Bau verzögert sich immer weiter: statt wie geplant 2009 soll das Projekt nun frühestens 2016 fertig gestellt werden, die Baukosten stiegen von projektierten € 3,2 Milliarden auf derzeit geschätzte € 8,5 Milliarden. 

Eine Ursache der Verzögerung: um die Kosten zu drücken heuerte man 1.500 Zulieferer aus 28 Ländern an. Häufig wurden Firmen beauftragt, die keinerlei Erfahrung mit so einem Großprojekt hatten, dafür aber billig waren. Die finnische Strahlenschutzbehörde STUK weigerte sich immer wieder, den Pfusch am Bau hinzunehmen. In bislang über 1.500 Fällen gab es Abweichungen von den Sicherheitsbestimmungen. Die rviele Jahre andauernde Verspätung bei der Fertigstellung wird Privathaushalten und Industrie erhebliche Zusatzkosten bringen. Schätzungen gehen von mehr als € 3 Milliarden aus, für die teurer Importstrom zugekauft werden muss. Finnland besetzt weltweit Platz 5 im Wettrennen um den höchsten Pro-Kopf-Stromverbrauch. Eine Verbrauchsminderung etwa auf die Größenordnung in Deutschland würde es ermöglichen drei EPRs oder die doppelte derzeit in Finnland installierte Atomkapazität einzusparen. Der Ausbau der Atomkraft wird mit fragwürdigen klimapolitischen Argumenten begründet. Hintergrund der finnischen Atomkraftnutzung dürften aber Pläne zum verstärkten Stromexport und die Industrieförderung sein.

Der Anteil der Atomenergie am Gesamtstrom beträgt 33,71 Prozent

Standort Loviisa

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Druckwasserreaktor WWER-440/V213 488 MW 02/1977
Block 2 Druckwasserreaktor WWER-440/V213 488 MW 11/1980

Alle Blöcke: Hochrisikoreaktor, älter als 30 Jahre

Störfälle (Auswahl):

  • 1993: Block 2: eine halbmeterdicke Speisewasserleitung bricht.

Standort TVO (Olkiluoto)

Blocknr Typ Nettoleistung Inbetriebnahme
Block 1 Siedewasserreaktor 860 MW 09/1978
Block 2 Siedewasserreaktor 860 MW 02/1980
Block 3 Europäischer Druckwasserreaktor 1600 MW geplant 2012

Block 1 & 2: Hochrisikoreaktoren, älter als 30 Jahre

 

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