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In Österreich befanden sich im Jahr 2011 rund 2,2 Millionen Gebäude, die insgesamt knapp 4,4 Millionen Wohneinheiten bereitstellten. In Wohngebäuden wurde für die Bereitstellung der Raumwärme 237.827 Terajoule (TJ) Energie benötigt. Durch die Erzeugung von Raumwärme werden knapp 10 Millionen Tonnen CO2eq emittiert, das sind 13 % der jährlichen Treibhausgasemissionen Österreichs. Jedes Jahr werden rund 40.000 neue Wohneinheiten in neuen Wohngebäuden in Österreich gebaut. Der Heizwärmebedarf im Neubau beträgt dabei im Durchschnitt 24,8 kWh/m² Nutzfläche. Neu errichtete Wohnungen benötigen zur Erzeugung von Raumwärme 458 TJ Energie, wofür rund 19.300 Tonnen CO2eq emittiert werden.

Als Passivhaus wird ein besonders energieeffizienter und umweltfreundlicher Gebäudestandard bezeichnet, der laut der üblichen Definition nicht mehr als 10 kWh pro m² und Jahr Energie benötigt. In vielen Fällen kann dabei auf die Installation eines eigenen Heizsystems verzichtet werden, denn für die geringe Energie, die benötigt wird, reicht die Erwärmung der Zuluft über die Lüftungsanlage. Weltweit wurden bisher rund 66.000 Passivhäuser errichtet, wovon 30 % in Österreich stehen. Um die Klimaziele von Paris zu erfüllen, muss sich der Passivhausstandard durchsetzen.

 

Was wäre wenn...

...wir ab sofort nur mehr Wohneinheiten im Passivhaus-Standard bauen würden?

Ein reiner Neubau in Passivhausstandard würde bedeuten, dass der Heizwärmebedarf von derzeit 24,8 kWh auf 8 kWh/m² sinken würde. Der jährliche Energiebedarf für das Heizen aller neuen Wohneinheiten würde in Folge um 68 % sinken und den Treibhausgasausstoß von jährlich 19.300 Tonnen auf 6.200 Tonnen CO2eq senken.

Bis 2030 könnten durch diese Maßnahme rund 4.000 TJ, bis 2050 mehr als doppelt so viel Energie eingespart werden. 

Statt 225.000 Tonnen CO2eq bis 2030, bzw. 440.000 Tonnen CO2eq bis 2050 könnten wir

  • durch einen reinen Bau in Passivhaus-Bauweise rund 150.000 Tonnen CO2 bis 2030 bzw. 300.000 Tonnen CO2eq bis 2050 einsparen.
  • Das entspricht den CO2-Emissionen von derzeit 17.000 bzw. 33.000 ÖsterreicherInnen pro Jahr, oder
  • 19.300 bzw. 37.800 Erdumrundungen mit dem Auto

In diesen Berechnungen ist allerdings die Lebensdauer der Wohneinheiten nicht berücksichtigt. Wird von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 50 Jahren ausgegangen, so summiert sich die Einsparung von Energie bei bis 2050 errichteten Wohneinheiten auf 437.000 TJ bzw.

  • 15 Millionen Tonnen CO2eq durch reinen Bau in Passivhaus-Bauweise
  • Das entspricht den CO2-Emissionen von derzeit 1,7 Millionen Österreicherinnen und Österreichern pro Jahr, oder
  • 1,9 Millionen Erdumrundungen mit dem Auto

Was wäre wenn...

...unsere Sanierungsrate auf 3 % erhöhen würden?

Lag die Sanierungsrate im Jahr 2010 in Österreich für umfassende thermische Sanierungen zumindest noch bei 1 % aller Gebäude, sank diese zuletzt auf magere 0,5 %. Die umfassende thermische Sanierung des österreichischen Gebäudestandes würde bei dem derzeitigen Tempo somit 200 Jahre benötigen – ein unhaltbarer Zustand wenn es gilt, die Treibhausgasemissionen Österreichs zu senken und globale Reduktionsziele zu erfüllen. Nach einer erfolgten thermischen Sanierung erreicht ein dadurch erneuertes Gebäude einen Heizwärmebedarf von im Durchschnitt 45,1 kWh/m²a. In Österreich werden pro Jahr rund 302.000 TJ Endenergie für Raumheizung eingesetzt. Bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 90 m² pro EW ergibt sich dadurch ein Endenergieeinsatz von derzeit 210 kWh/m²a über alle derzeitig genutzten Gebäude.

Eine Sanierungsrate von 0,5 % würde somit bis 2030 nur 7 % der Gebäude umfassend thermisch sanieren und damit kumuliert 20.750 TJ Energie, oder 875.000 Tonnen CO2eq im Vergleich zur Nicht-Sanierung einsparen. Eine Erhöhung auf 3 % bei gleichbleibender Sanierungsqualität würde jedoch bis 2030 42 % des Gebäudebestandes umfassend thermisch sanieren und kumuliert:

  • 5,9 Millionen Tonnen CO2eq einsparen
  • das entspräche der Hälfte des der derzeitigen durch Gebäude verursachten Treibhausgasemissionen pro Jahr

Infografik: Was wäre, wenn wir anders bauen würden?

Was kann die Politik für nachhaltiges Wohnen tun?

  • Neu errichtete Gebäude sollten ab sofort (Fast-)Null-Emissionen aufweisen
  • Mit entsprechenden Regelungen sollte sichergestellt werden, dass im Neubau keine neuen Öl- und Gasheizungen mehr eingebaut werden. Dazu braucht es Förderprogramme zum Umstieg von bestehenden Ölheizungen auf Heizsysteme mit erneuerbaren Energieträgern
  • Erhöhung der thermischen Sanierungsrate durch Aufstockung der finanziellen Mittel (Zielwert der Sanierungsrate 3 %)
  • Einführen einer Zweckbindung der Wohnbauförderung zur Sicherstellung der Finanzierung

Detailliertere Zahlen sowie Quellenangaben finden Sie in der Studie, siehe Downloadbereich unten.