Im Frühjahr 2018 haben wir mit dem GLOBAL 2000 Wohnbaucheck den Handlungsbedarf aller Bundesländer in Sachen Klimaschutz deutlich gemacht. Jetzt haben wir bei den zuständigen LandesrätInnen nachgefragt, was sie für den Klimaschutz tun werden. Welche Ziele werden verfolgt, wie soll der Ausstieg aus fossiler Energie gelingen und was ist als nächstes an Maßnahmen geplant?

Ziele und Maßnahmen der einzelnen Bundesländer

Wien

Das Ziel von Wien ist die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 40 % bis 2030. Um das zu erreichen, soll Fernwärme ausgebaut und dabei stärker auf erneuerbare Energien gesetzt werden, als bisher. Auch die Geothermie soll dabei intensiver genutzt werden. Der Ausstieg aus fossiler Energie wird durch ein Einbauverbot von neuen Ölheizungen und Gasthermen vorangetrieben. Mit dem neu eingeführten Instrument der Energieraumplanung will man erreichen, dass in den erfassten Stadtvierteln nur hocheffiziente, alternative Heizsysteme eingesetzt werden. Neue Budgetmittel für thermische Sanierung sind nicht vorgesehen, der Fokus liegt derzeit beim Neubau.

GLOBAL 2000 Bewertung

Dass Wien mit der neuen Bauordnung fossile Energie zurückdrängen möchte ist positiv. Allerdings sollte der Ausstieg im Neubau nicht nur Öl und Gasthermen umfassen, sondern alle fossilen Energieträger inkl. Gaszentralheizungen. Auch der Tausch von Öl auf Öl sollte nicht länger toleriert werden, da es in Wien noch 30.000 Ölheizungen gibt, die durch klimafreundliche Heizsysteme ersetzt werden müssen. Wichtig ist es aber nicht nur auf einen klimafreundlichen Neubau zu setzen, sondern eine neue Sanierungsoffensive vorzubereiten, damit auch im Gebäudebestand Treibhausgasemissionen wirksam reduziert werden können.

Niederösterreich

Niederösterreich plant die Einsparung von 3 Mio. Tonnen CO2 im Gebäudebereich und will dafür einen „adäquaten Beitrag“ leisten, der allerdings vorerst nicht näher definiert wird. Den Ausstieg aus fossilen Energien will man mit Förderanreizen erreichen, aber auch damit, dass Ölheizungen – vorerst im Neubau – verboten werden. Mehr Budget für thermische Sanierung ist bisher nicht vorgesehen.

GLOBAL 2000 Bewertung

Es ist positiv, dass Niederösterreich im Neubau zukünftig keine Ölheizungen mehr zulassen will. Den Ausstieg aus Öl und Gas im Neubau gilt es nun zu komplettieren und auch in der Sanierung den Tausch Öl auf Öl nicht länger zu tolerieren, sondern durch ein Erneuerbaren-Gebot in Richtung klimafreundliche Heizsysteme zu lenken.

Burgenland

Im Burgenland will man bis 2050 Energieautarkie erreichen und dafür nächstes Jahr eine neue Klimastrategie erarbeiten. Ab Ende 2019 soll die Verwendung fossiler Brennstoffe bei neuen Gebäuden verboten werden. Auch bei der energetischen Sanierungen will man fossile Heizsysteme nicht mehr fördern. Für die thermische Sanierung gibt es zudem mehr Geld: Für das Jahr 2019 ist eine Aufstockung der Fördermittel um 27 % eingeplant.

GLOBAL 2000 Bewertung

Im GLOBAL 2000-Wohnbaucheck wurde der Handlungsbedarf im Burgenland deutlich sichtbar. Nur 7 % der Wohnbaufördermittel wurden für thermische Sanierung aufgewendet, auch der relative Anteil an Gasheizungen steigt immer noch an. Insofern ist es zu begrüßen, dass der Ausstieg aus fossiler Energie im Neubau nun rechtlich umgesetzt wird und die Mittel für thermische Sanierung ausgeweitet werden. Die Klimastrategie, die nächstes Jahr ausgearbeitet wird, sollte dazu genutzt werden, den Ausstieg aus der Ölheizung im Bestand durch ein „Erneuerbaren-Gebot“ sicherzustellen. Nur so kann das langfristige Ziel der Energieautarkie auch tatsächlich erreicht werden.

Oberösterreich

Oberösterreich verfolgt das Ziel die Wärmeintensität um ein Prozent pro Jahr zu verbessern und nennt als Maßnahmen dafür vor allem die Umsetzung von bundesweiten politischen Vereinbarungen. Auf die Frage ob die Mittel für thermische Sanierung erhöht werden sollen wird eine „laufende Evaluierung“ bekanntgegeben.

GLOBAL 2000 Bewertung

In Oberösterreich sollten mehr eigenständige Initiativen für den Ausstieg aus fossiler Energie entwickelt werden, die über die Erfüllung bundesweiter Mindestanforderungen hinausgehen. Eine neue Offensive für thermische Sanierung und den Austausch veralteter Öl-Heizkessel auch durch ein Erneuerbaren-Gebot in der Bauordnung sind wichtige nächste Schritte.

Salzburg

Salzburg möchte bis 2040 Raumwärme vollständig aus erneuerbaren Energien oder Fernwärme bereitstellen. Der Ausstieg aus fossiler Energie soll mit einem „Ölkessel raus“-Bonus unterstützt werden. Man verweist auf einen Anstieg der Kesseltauschraten um 75 % gegenüber den Vorjahren. Im Neubau werden durch die jetzt geltenden Regeln fossile Energie nur noch in 2 % der errichteten Bruttogrundfläche eingesetzt. Die Mittel für thermische Sanierung werden jährlich an die Inflation angepasst, 2019 soll es gelingen die Förderzahlen zu erhöhen. Bei der Gebäudeeffizienz werden deutlich mehr Förderungen vergeben, wenn über das Mindestmaß hinaus Maßnahmen ergriffen werden.

GLOBAL 2000 Bewertung

Salzburg ist durchaus erfolgreich was das Zurückdrängen von fossiler Energie im Neubau betrifft. Die genannten überdurchschnittlichen starken Rückgänge an Ölheizungen zeigen sich auch im GLOBAL 2000-Wohnbaucheck mit -43 % in den letzten 10 Jahren. Durch ein Erneuerbaren-Gebot in der Bauordnung sollte dieser positive Trend unterstützt werden und auch die thermische Sanierung mit mehr Mitteln angekurbelt werden. Dann kann das Ziel bis 2040 Raumwärme aus erneuerbaren Energien bereitzustellen, erreicht werden.

Steiermark

In der Steiermark will man die Fördermittel für thermische Sanierungen zwar nicht ausweiten, aber aufrechterhalten. Neben dem bereits bestehenden Annuitätenzuschusses zu Krediten von 45 % soll es zukünftig auch einen direkt auszahlbaren Förderbeitrag von 30 % geben. Damit ist es möglich auch dann eine Förderung zu bekommen, wenn man nicht auf Kreditfinanzierung setzt.

GLOBAL 2000 Bewertung

In der Steiermark ist im GLOBAL 2000 Wohnbaucheck deutlicher Handlungsbedarf sichtbar geworden. Insofern sehen wir es als positiv an, dass nun mehr Flexibilität ins Fördersystem gebracht wird, aber es braucht auch eine Ausweitung der finanziellen Mittel. Dazu ist der relative Anstieg an Gasheizungen in der Steiermark mit den Klimazielen nicht kompatibel. Ein Ausstieg aus fossiler Energie im Neubau, ein erneuerbaren-Gebot in der Sanierung, das den Austausch von Öl auf Öl nicht weiter toleriert und eine thermische Sanierungsoffensive sind wichtige weitere Schritte.

Kärnten

Kärnten verweist auf die Wohnbauförderung die für die umfassende energetische Sanierung nur noch gewährt wird, wenn nach Abschluss der Sanierungsarbeiten keine fossilen Energieträger verwendet werden. Bezüglich Öl-Ausstieg starteten im Oktober Gespräche mit der Bundesregierung.

GLOBAL 2000 Bewertung

Kärnten hat im Klima- und Energiemasterplan (eMap 2025) ambitionierte Ziele festgelegt und will bis 2025 in der Wärme CO2-neutral werden. Im GLOBAL 2000-Wohnbaucheck konnte Kärnten vor allem durch den niedrigen Anteil an Gasheizungen Punkten. Es braucht jetzt noch deutlich stärkere Maßnahmen als bisher. Der Ausstieg aus der Ölheizung muss noch rechtlich fixiert werden und eine neue Sanierungsoffensive gestartet werden.

Vorarlberg

Vorarlberg plant bis 2050 soviel erneuerbare Energie herzustellen wie verbraucht wird. Ein neues Maßnahmenprogramm für die Jahre bis 2030 ist derzeit in Ausarbeitung. Um den Ausstieg aus fossiler Energie zu erreichen, wird als Hauptaufgabe die thermische Sanierung genannt, bei der auch das Heizsystem umgestellt werden soll. Gelingen soll das mit Anreizen. Die Förderung der thermischen Sanierung sieht man ausreichend dotiert.

GLOBAL 2000 Bewertung

Vorarlberg hat im GLOBAL 2000-Wohnbaucheck mit einem Rückgang an Ölheizungen im 10-Jahrestrend um 40 % ebenfalls überdurchschnittlich gute Werte erreicht. Allerdings sollte dieser Ausstieg mit einem Erneuerbaren-Gebot komplettiert werden und die Anstrengungen in der thermischen Sanierung verstärkt werden.

Tirol

Von Tirol ist trotz mehrmaliger Nachfrage keine Antwort eingegangen. Im GLOBAL 2000-Wohnbaucheck ist aber deutlicher Handlungsbedarf sichtbar geworden. Mit 31 % hat man den höchsten Anteil von Ölheizungen in ganz Österreich, weiters stieg der relative Anteil von Gasheizungen in den letzten 10 Jahren um rund 40 %. Diese hohe Rate an Ölheizungen und der Anstieg von Gasheizungen ist mit den Klimazielen nicht vereinbar. Hier müssen in Tirol wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden, die sicherstellen, dass klimafreundliche Heizsysteme eingesetzt werden.