Die Klimawissenschaft ist sich einig: Damit der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur unter 2°C bleibt, müssen die industrialisierten Länder ihre Emissionen bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Das Reduktionsszenario, das das Stockholm Environment Institute (SEI) im Auftrag von GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe erstellt hat, macht klar, dass dieses Ziel in der EU ohne Zertifikatezukauf erreichbar und leistbar ist, die Lebensqualität erhöht und für mehr Gerechtigkeit sorgt.

Die Studie beschreibt eine Möglichkeit, die Emissionen der EU bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren – ohne gefährliche und ungeprüfte Lösungen. Benötigt wird hierfür eine massive Verbesserung der Energieeffizienz, ein beschleunigter Ausstieg aus fossilen Energien und eine deutliche Hinwendung zu Erneuerbaren Energien sowie Änderungen des Lebensstils. So müssten die mit dem Auto zurückgelegten Fahrten von heute 75 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2050 verringert werden.

Die Studie schätzt auch den finanziellen Aufwand des Szenarios ab. Die Reduktionskosten innerhalb der EU für die Jahre 2010 bis 2020 liegen bei rund zwei Prozent des BIP oder bei rund 2 Euro pro Person und Tag. Anders ausgedrückt: Diese Kosten entsprechen einem rund einjährigen Nullwachstum mit normalen Wachstumsraten danach. Ein geringer Beitrag im Vergleich zu den Kosten und dem Leid, den ein ungebremster Klimawandel mit sich bringt.

Außerdem wird deutlich gezeigt, dass eine deutliche Reduktion der heimischen Emissionen nicht ausreicht, um die Menschheit vor den verheerenden Folgen eines entfesselten Klimawandels zu schützen. Die EU und andere Industriestaaten tragen die Verantwortung und besitzen die Kapazitäten, den Entwicklungsländern bei deren Klimaschutzbemühungen finanziell und technologisch zu helfen.

Wirtschaftliche Kosten und technische Machbarkeit können von PolitikerInnen nicht mehr länger als Ausrede für Untätigkeit benutzt werden. Der politische Wille muss aber an das Ausmaß der Herausforderung, an die klimawissenschaftlichen Vorgaben und an die moralische Verantwortung der EU angepasst werden.

Die Studie sieht eine tief greifende Veränderung unseres Lebensstils und der Organisation unserer Gesellschaft voraus – in deren Mittelpunkt das Wohlbefinden und die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder steht. Es wird eine hocheffiziente, auf erneuerbaren Energien basierende Wirtschaft angestrebt. Ernährungsgewohnheiten, Mobilität, Wirtschaft, Wohnen und Städtebau werden sich sehr wahrscheinlich ändern. Weniger Flüge, weniger Fleischkonsum und ein ganz allgemein verringerter Güterkonsum sind alles Teile eines Wandels, mithilfe dessen die EU ihre CO2-Emissionen reduzieren und ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern kann. Ohne dass ihre BürgerInnen deswegen Kompromisse in Bezug auf das Glück akzeptieren müssen – das ohnehin besser mit Lebenszufriedenheit als mit dem BIP gemessen werden kann.