Publikation, 26.04.2021

Neue Gentechnik: Produkte und Profiteure

Viele leere Versprechen und Konzerne, die davon profitieren - das bringt die Neue Gentechnik.

Die Antwort der Agrarindustrie auf die Klimakrise in der Landwirtschaft sind technische Innovationen, damit will sie das bestehende Agrarmodell wohl nur kosmetisch etwas «grüner» machen. Das lässt sich nicht nur aus der aktuellen Produktentwicklung ableiten, sondern auch aus der Tatsache, dass Verfahren wie CRISPR/Cas eine regelrechte Patentierungswelle ausgelöst haben.

Neue Gentechnik - Laborant hält Tomaten in der Hand

Lesen Sie in unserer aktuellen Studie zu den Produkten und Profiteuren der Neuen Gentechnik, was sich hinter den Versprechungen der Biotech-Unternehmen verbirgt.

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Leere Versprechen und zweifelhafte Lifestyle-Produkte

Kommerziell angebaut werden weltweit erst zwei Pflanzen, die mittels Neuer Gentechnik entwickelt wurden: herbizidresistenter Raps und eine Sojasorte, deren Öl weniger der als gesundheitsschädlich geltenden Transfettsäuren enthält – beide von US-Agrarkonzernen. Stärkehaltiger «Wachsmais», ebenfalls aus den USA, soll demnächst auf den Markt kommen. In Japan wurde im Januar 2021 eine erste ‚CRISPR-Tomate‘ zugelassen. In den Tomaten wurde ein Inhaltsstoff verstärkt, der blutdrucksenkend wirken soll. Ein derartiger Eingriff ins Erbgut kann aber auch zu ungewollten gesundheitlichen Auswirkungen führen. 

Mit CRISPR/Cas gelang es 2018 eine Gruppe von Gluten-Eiweißstoffen gentechnisch zu manipulieren und «Gluten-freien» Weizen herzustellen. Das Ausschalten von 35 (von 45) Genen stellt eine tiefgreifende Veränderung des Weizenerbgutes dar. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt in einer aktuellen Stellungnahme zum Schluss, dass solche Pflanzen einer eingehenden Risikoprüfung unterzogen werden müssten, da derartig komplexe Veränderungen über das hinausgehen, was bisher mit Züchtung oder ‚alter‘ Gentechnik möglich war. 

Eine der ersten mittels CRISPR/Cas veränderten Pflanzen war ein beim Anschnitt nicht-bräunender Champignon, der länger frisch aussieht. Weder der «gluten-freie» Weizen noch der nicht-bräunende Pilz werden bislang kommerziell vermarktet. 

Eigenschaften wie Trockenheitstoleranz werden durch eine Vielzahl an Vorgängen in den Pflanzen und ihren Zellen reguliert und sind mitunter noch gar nicht vollständig verstanden. Eine Analyse der derzeitigen marktorientierten Anwendungen von CRISPR/Cas, in denen z.B. hitzetolerante Pflanzen erzeugt werden sollen, zeigt:  Mit «klimaangepassten» Pflanzen ist vorläufig nicht zu rechnen.

Mit Eigenschaften wie einer veränderten Fettsäure oder einem erhöhten Ballaststoffgehalt versuchen die Unternehmen eine zahlungskräftige Kundschaft in den reichen Industrienationen anzusprechen, die bereit sind, für (vermeintlich) gesündere Produkte mehr Geld auszugeben. Die noch immer weit verbreitete Herbizidresistenz festigt das bestehende, Input-intensive Agrarmodell. Das Versprechen «weniger Pestizide dank neuer Gentechnik» lässt sich damit kaum erreichen. 

Wer profitiert? Nicht die Landwirtschaft, sondern – mal wieder – das Agrobusiness 

Davon profitieren vor allem jene Großunternehmen, deren Geschäftsmodell auf der Nutzung geistiger Eigentumsrechte aufgebaut ist. CRISPR/Cas – ist kein «demokratisches» Verfahren für den Mittelstand, sondern Big Business für die Großen. Jedes Unternehmen, ob klein oder groß, das die Technologie nutzen will, muss zuerst mit dem bzw. den PatentinhaberInnen verhandeln und Lizenzen zahlen – das kommt für kleinere Züchter kaum in Frage. Konzerne wie Bayer (Monsanto) und Corteva (DowDuPont) haben mit den ErfinderInnen teilweise exklusive Lizenzverträge abzuschließen. 

Für die Bäuerinnen und Bauern haben Patente steigende Saatgutpreise, eine beschränkte Auswahl und neue Abhängigkeiten zur Folge. 

ExpertInnen fordern, dass die Pflanzenzüchtung  «gemeinwohlorientiert» zu organisieren sei, um die «Anpassungsfähigkeit» der Landwirtschaft angesichts der Klimakrise zu stärken. Es gibt zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Pflanzenzüchtung, die durch Selektion am Feld robuste, geschmackvolle Sorten für den konventionellen, gentechnikfreien und biologischen Anbau hervorbringt. Innovative Sortenentwicklung braucht keine Gentechnik.