Schuhproduktion in Indonesien (c) Dietrich Weinbrenner

Zahlreiche Arbeitsrechts-verletzungen in China

Fast 65% aller Schuhe werden in China produziert. Chinesische ArbeiterInnen, die Schuhe unter anderem für Adidas, Clarks und ECCO herstellen, schildern in der Studie der Clean Clothes Kampagne „So wird ein Schuh draus“ zahlreiche Arbeitsrechtsverletzungen.

Gegen Streikende wird brutal vorgegangen

Wer sich in China öffentlich für die Einhaltung von Arbeitsrechten engagiert, riskiert viel. Streiks und Versammlungen von ArbeiterInnen, die für ihre Rechte eintreten, wird mit Gewalt begegnet. "Während des Streiks ließen Polizisten ihre Hunde auf uns los und befahlen den Tieren, uns zu beißen”, berichtete eine der befragten Arbeiterinnen.

Die Arbeitsrechtsaktivisten Zeng Freiyand und Meng Han sind seit Dezember 2015 in Haft. Die beiden Aktivisten berieten die ArbeiterInnen der Lide Shoe Fabrik nach einem Streik in den Verhandlungen mit ihren Arbeitgebern. Zeng Freiyand und Meng Han wird die „Störung der öffentlichen Ordnung” vorgeworfen, ein Tatbestand der in China zu lebenslanger Haft führen kann. Die Clean Clothes Kampagne startete eine Petition für die Freilassung der Arbeitsrechtsaktivisten und forderte von den Unternehmen, die in der Lide Shoe Fabrik ihre Schuhe fertigen ließen - darunter Calvin Klein und Ralph Lauren - sich für die Freilassung der AktivistInnen einzusetzen. Zeng Freiyard wurde mittlerweile zu drei Jahren Haft verurteilt. Meng Han, der eine lebenslange Haftstrafe fürchten musste, wurde nach 21 Monaten in Haft freigelassen.

Schädliche Auswirkungen auf Menschen und Umwelt

Die in der Schuhproduktion Chinas eingesetzten giftigen Stoffe gefährden nicht nur Arbeiterinnen und Arbeiter. Es gibt zahlreiche negativen Auswirkungen der globalen Schuhproduktion auf ArbeiterInnen, Umwelt und KonsumentInnen. Das Schwermetall Chrom VI, das bei der Ledergerbung entstehen kann, löst in bereits geringsten Mengen bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen aus. Der VKI (Verein für Konsumenteninformation) testete 14 Kinderschuhe auf Chrom VI: ein Kinderschuh von Clarks enthielt Chrom VI, wie die heute veröffentlichte Studie zeigt.

ArbeiterInnen berichten von niedrigen Löhnen, unfreiwilligen Überstunden und mangelndem Schutz vor Gesundheitsrisiken. Der 42jährige Arbeiter Hu arbeitete als Lackierer in der Yue Yuen Schuhfabrik. Er musste im Stehen arbeiten und war stets den giftigen Dämpfen ausgesetzt. An manchen Tagen lackierte Hu zusammen mit einem Kollegen 2.800 Schuhe. Einer seiner Kollegen ist mittlerweile an Leukämie erkrankt.

Hintergrundinformationen zur Schuhproduktion in China finden Sie im Bericht "So wird ein Schuh draus" unten im Downloadbereich.

Zwei Paar Schuhe? – Indonesische Lederschuhindustrie und Arbeitsrechte

Will man wissen, unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen unsere Lederschuhe hergestellt werden, lohnt sich auch ein Blick nach Indonesien. Das Land ist mit rund 1 Mrd. Paar Schuhen bzw. einem Weltmarktanteil von 4,4 % der viertgrößte Schuhproduzent nach China, Indien und Vietnam. Die Arbeitsbedingungen im indonesischen Schuh- und Ledersektor lassen jedoch ebenso zu wünschen übrig wie in China, und das trotz bemerkenswerter arbeitsrechtlicher Errungenschaften und weitreichender gesetzlicher Bestimmungen. In unserer Studie "Zwei Paar Schuhe" zeigt sich, dass extrem niedrige Löhne, fehlende Gewerkschaften bzw. eine massive Einschränkung der Versammlungsfreiheit, nicht gezahlte Sozialversicherungsbeiträge und Bestrafungen von ArbeiterInnen keine Seltenheit sind. Dabei sticht insbesondere die prekäre und rechtlose Situation der HeimarbeiterInnen ins Auge. Sie verfügen weder über Arbeitsverträge noch eine Sozialversicherung. Sie arbeiten zudem zu Löhnen, die nur einen Bruchteil des lokalen Mindestlohns ausmachen.

Aussagen der Unternehmen widersprechen unseren Befragungen

Die Studie basiert auf Befragungen, die vom Change Your Shoes-Partner TURC (Trade Union Rights Centre) in den Jahren 2015 und 2016 durchgeführt wurden. Interviewt wurden ArbeiterInnen aus Fabriken, die u. a. für die europäischen Markenunternehmen Ara, Deichmann und Ecco Lederschuhe herstellen. Die Aussagen der ArbeiterInnen widersprechen in vielen Fällen denen der Unternehmen, die auf die hohen arbeitsrechtlichen Standards ihrer Verhaltenskodizes und CSR-Initiativen verweisen.

Wie fordern daher, dass Unternehmen endlich ihre Hausaufgaben machen und Verantwortung übernehmen. Denn Verhaltenskodizes und CSR-Initiativen sind nur dann nachhaltig, wenn sich die Verantwortlichen ernsthaft und konsequent für die Einhaltung und Durchsetzung der grundlegenden Menschen- und Arbeitsrechte entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Lederschuhindustrie einsetzen.

Studie und Fact Sheet stehen unten als Download zur Verfügung.