Bienenpflanzen im Test 2026: Die Reaktion der Unternehmen

Die getesteten Unternehmen wurden von GLOBAL 2000 bereits eine Woche vor der Veröffentlichung über die Ergebnisse informiert und konnten dazu Stellung nehmen sowie Fragen beantworten.

Cover von Binenefreudnliche Pflanzen im Test - 2026

GLOBAL 2000

GLOBAL 2000 hat gemeinsam mit der Arbeiterkammer Oberösterreich 30 Pflanzen aus österreichischen Gartencentern, Baumärkten, Möbelhäusern, Lebensmittelmärkten und Gärtnereien von einem akkreditierten Labor auf mehr als 600 verschiedene Pestizide untersuchen lassen. Zum Report

Die Auswahl umfasste Pflanzen, die ausdrücklich als „bienenfreundlich“ oder „insektenfreundlich“ beworben wurden, vom Verkaufspersonal empfohlen wurden oder allgemein als attraktiv für Bienen gelten.

Getestet wurden Pflanzen von folgenden Händlern: BALDUR-Garten, BAUHAUS, bellaflora, Dehner, hagebau, HOFER, HORNBACH, IKEA, Lagerhaus, Lidl, OBI, Pflanzkompass, Praskac, Gärtnerei-Institut Hartheim (REWISA Netzwerk), STARKL.

Lesen Sie hier die Reaktionen der Unternehmen:

Starkl:

Die Pflanzen aus ihrem Bericht und lt. Beleg stammen von unserem langjährigen Produktionspartner der Firma Hameter aus Tulln Hameter Staudengärtnerei – Stauden Webshop für Profisexternal link, opens in a new tab.

Laut Auskunft des Inhabers Herrn Xandl Schmidhamer wurde bei Aubrieta (Blaukissen) im Dezember 2025 einmalig das in Österreich zugelassene Fungizid „Score“ mit dem Wirkstoff Difenoconazol eingesetzt. Dies erfolgte in der vorgeschriebenen Dosierung und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben, um die Pflanzen vor Pilzkrankheiten zu schützen.

Beim ebenfalls getesteten Alyssum (Steinkraut) wurden laut Produzent hingegen keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Die Jungpflanzen dafür stammen von der Firma Florensis aus den Niederlanden Florensis | If you want to grow | Florensisexternal link, opens in a new tab, einem der größten Jungpflanzenproduzenten Europas.

Da im Betrieb Hameter beim Steinkraut keine Behandlung durchgeführt wurde, gehen wir davon aus, dass mögliche Rückstände bereits aus der Jungpflanzenproduktion stammen.

In Österreich, Deutschland und der Schweiz sind Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Difenoconazol nicht nur im Zierpflanzenbau sondern auch in der Landwirtschaft zugelassen, und werden seit Jahren, unter anderem auch im Freilandanbau von Erdbeeren und Zuckerrüben, verwendet. Nach derzeitigem Wissensstand gilt das Mittel „Score“ bei sachgemäßer Anwendung nicht als bienengefährlich.

Auch gelten in Österreich derzeit für Zierpflanzen keine gesetzlichen Grenzwerte für Rückstände von Difenoconazol. In der Schweiz gelten lediglich Grenzwerte für Basilikum und Petersilie.

Zu Ihren Fragen möchten wir Folgendes sagen:

  1. Wie stellen Sie sicher, dass auf „bienenfreundlichen“ Pflanzen keine insektengiftigen Pestizide enthalten sind?

Wir arbeiten mit erfahrenen Produzenten zusammen, die die gesetzlichen Vorgaben einhalten und Pflanzenschutzmittel nur möglichst sparsam einsetzen. Der in den Proben gefundene Wirkstoff ist als nicht bienenfeindlich eingestuft.

  1. Wie stellen Sie sicher, dass keine in der EU verbotenen Pflanzenschutzmittel verwendet werden?

Wir produzieren einen großen Teil unserer Pflanzen selbst. Produzenten von Handelsware wählen wir sorgsam aus und achten dabei besonders darauf, mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, die die gesetzlichen Vorgaben kennen und sich daran halten. Ein sparsamer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie ein nachhaltiger und ressourcenschonender Umgang mit der Natur sind uns dabei wichtig.

  1. Führt Ihr Unternehmen regelmäßige Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel-Rückstände durch?

Bis jetzt haben wir regelmäßige Laboruntersuchungen nicht für notwendig erachtet. Unsere Qualitätssicherung basiert vor allem auf der langjährigen Zusammenarbeit mit unseren Produzenten, die wir persönlich kennen und denen wir vertrauen.

Die aktuellen Ergebnisse haben zwar gezeigt, dass alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten wurden. Trotzdem werden wir sie zum Anlass nehmen gemeinsam mit unseren Partnern weitere Verbesserungen zu prüfen.

Abschließend möchten wir betonen, dass uns als Gärtner, Produzenten und Familie ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit Pflanzen sehr wichtig ist.

Gleichzeitig stehen Gärtnereien heute vor großen Herausforderungen, ressourcenschonend gesunde Pflanzen zu produzieren. Deshalb ist uns ein sachlicher und fairer Austausch zu diesem Thema sehr wichtig!

 

Gärtnerei Institut Hartheim - REWISA Netzwerk:

Vielen Dank für ihre Untersuchung.

In unserer Gärtnerei arbeiten wir ausschließlich mit heimischen Pflanzen, die aus, regional gesammelten Saatgut gezogen werden.

Wir sind REWISA und Biozertifiziert und produzieren unsere Pflanzen auch in torffreien Substraten. Deshalb ist es selbstverständlich, dass in unserer Probe keine Rückstände gefunden wurden. 

 

Hornbach:

Im Folgenden unsere Stellungnahme zu Ihrer Anfrage: 

HORNBACH arbeitet seit rund einem Jahr mit Global2000 an einem Projekt zur Reduktion von Pestizidrückständen auf Zierpflanzen. Im Zuge des Projekts besteht ein enger Austausch mit Gärtnern, die HORNBACH beliefern, über strenge Grenzwerte für den Einsatz von Pestiziden. Dabei sehen wir uns mit zwei Herausforderungen konfrontiert. Erstens: HORNBACH bezieht Pflanzen von vielen verschiedenen Gärtnereien. Eine lückenlose Kontrolle ist für uns als Unternehmen allein nicht umsetzbar. Wir setzen uns diesbezüglich aktiv für eine Branchenlösung ein. Dies bezieht sich insbesondere auf den getesteten Lavendel. Zweitens: Manche Pflanzen, wie zum Beispiel Rhododendron, benötigen viele Jahre Kulturzeit, bis sie verkauft werden können. Teils ändern sich auch Zulassungen für zum Einsatz kommende Mittel. Dies könnte die Testwerte bei dieser Pflanze erklären. Wir nehmen die Ergebnisse der Tests von Global2000 selbstverständlich zum Anlass, um mit den entsprechenden Lieferanten über weitere Maßnahmen zu sprechen. 

 

Hagebau:

Vielen Dank für die Kontaktaufnahme und die Übermittlung der Ergebnisse. Die Pflanzen-Lieferanten der hagebau sind mindestens nach GLOBALG.A.P. bzw. sogar MPS zertifiziert. Die Gesellschafter der hagebau kaufen jedoch als Franchisenehmer eigenverantwortlich ein, daher können wir die Herkunft der gelieferten Pflanzen von zertifizierten Gärtnern nicht garantieren. 

 

bellaflora:

  1. Wie stellt ihr sicher, dass auf Pflanzen, die als „bienenfreundlich“, „insektenfreundlich“ oder auf ähnliche Weise gekennzeichnet sind, keine insektengiftigen Pestizide anhaften oder enthalten sind?

Wir haben bereits 2017 gemeinsam mit Global 2000 eine Richtlinie für den Einsatz von Pestiziden entwickelt, die jährlich aktualisiert wird und grundsätzlich für alle unsere Pflanzen gilt. Bei jenen Pflanzen, bei denen die Bestäuberfreundlichkeit beworben wird – sei es zum Beispiel durch ein Icon oder eine entsprechende Beschriftung – darf zusätzlich kein Wirkstoff angewendet werden, der für Bestäuber hoch giftig ist. Wir lassen Pflanzen stichprobenartig auf Pestizidrückstände untersuchen, um die Einhaltung der Richtlinie durch unsere Lieferanten sicherzustellen. Sollten Überschreitungen der Richtlinie festgestellt werden, gibt es entsprechende Sanktionen.

  1. Wie stellt ihr sicher, dass auf den von euch vertriebenen Pflanzen keine in der EU nicht zugelassenen Pestizide anhaften oder enthalten sind?

Durch die regelmäßige Stichproben-Tests der Pflanzen finden wir auch heraus, wenn in der EU nicht zugelassene Pestizide in der Produktion verwendet werden. Es kommt selten, aber doch vor, dass Wirkstoffe gefunden werden, die in der EU verboten sind. Die Herausforderung ist vor allem die Verwendung solcher Mittel in der Produktion von Jungpflanzen, die unsere Lieferanten aus Nicht-EU-Ländern importieren. Die Produzenten dieser Jungpflanzen sind meist große globale Agrarkonzerne, die nicht auf die Anforderungen einzelner Gärtnereien eingehen. Hier müsste die EU bzw. Österreich per rechtlich und per Kontrolle rigoroser vorgehen, um eine Umstellung in der Produktion zu bewirken.

  1. Führt euer Unternehmen regelmäßige Untersuchungen von Zierpflanzen auf Pestizidrückstände durch? Falls ja, ersuchen wir um eine kurze Beschreibung Ihres Qualitätssicherungssystems (z. B. Anzahl der jährlich untersuchten Proben, Art der Analysen, Untersuchungszeitpunkte etc.).

Wir führen jährlich Pestizidrückstandstests an etwa 50-100 verschiedenen Kulturen durch. Der Fokus liegt auf jenen Pflanzen, die für Bestäuber interessant sind, insbesondere wenn dies auch explizit beworben wird. Bio-Ware wird dabei meist ausgeklammert, da hier ohnehin strengere Vorschriften gelten. Die Tests können grundsätzlich das ganze Jahr durchgeführt werden, primär wird von März bis Oktober getestet. Die Untersuchungen werden von einem spezialisierten Labor durchgeführt, das die Pflanzen auf über 500 verschiedene Wirkstoffe testet. Wir entnehmen die Ware in unseren Niederlassungen – also so, wie sie auch der Kunde bzw. die Kundin nach Hause mitnehmen würde.

 

Hofer:

Alle Produzenten der Pflanzen, die bei HOFER verkauft werden, müssen nach dem GlobalGAP Standard zertifiziert sein. Dadurch wird sichergestellt, dass verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutzmitteln zur Erhaltung der Pflanzengesundheit bei der Aufzucht zur Anwendung kommt.

Die Hersteller sind laut unserer Einkaufspolitik vertraglich dazu verpflichtet, auf den Einsatz von als bienentoxisch definierte Wirkstoffe bei allen Pflanzen vollständig zu verzichten.

Wir werden daher dem Hinweis aus den übermittelten Ergebnissen nachgehen und mit dem Produzenten die Ursachen aufklären.

 

IKEA:

Vielen Dank für Ihr Interesse daran, wie wir bei IKEA die Sicherheit, Konformität und verantwortungsvolle Beschaffung unserer Pflanzen sicherstellen, sowie für die Übermittlung Ihrer Testergebnisse. Themen wie Nachhaltigkeit und Naturschutz sind für uns sehr wichtig, und wir arbeiten laufend daran, verantwortungsvolle Praktiken entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette sicherzustellen. 

Zu Ihren Fragen möchten wir Folgendes klarstellen: IKEA kennzeichnet oder bewirbt Pflanzen nicht als „bienenfreundlich“, „insektenfreundlich“ oder mit ähnlichen Aussagen. Daher machen wir in unserer Produktkommunikation keine spezifischen Angaben zur Eignung für Bestäuber. Beim Einsatz von Pestiziden halten wir uns strikt an die geltenden EU-Vorschriften, einschließlich der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen. Zusätzlich zu den gesetzlichen Anforderungen gelten bei IKEA interne Vorgaben (IOS-MAT-0067), die den Einsatz von Chemikalien in der Produktion zusätzlich regeln und einschränken. 

Darüber hinaus führen wir im Rahmen unserer Qualitätssicherung regelmäßige Untersuchungen von Zierpflanzen auf Pestizidrückstände durch. Unser Standardsortiment wird jährlich entsprechend IOS-MAT-0067 überprüft. Neue und saisonale Produkte werden vor der ersten Auslieferung getestet und – sofern sie weiterhin Teil des Sortiments bleiben – anschließend in die regelmäßigen Überprüfungen aufgenommen. 

Wir hoffen, dass diese Informationen unser fortlaufendes Engagement für Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Praktiken verdeutlichen.

 

Lidl:

Der Schutz der Umwelt und der Erhalt der Artenvielfalt – insbesondere von Bienen und anderen wichtigen Bestäubern – ist uns wichtig.

Grundsätzlich werden bei unseren Schnittblumen und Zierpflanzen regelmäßig Pestizidanalysen bei externen, akkreditierten Laboren durchgeführt. 

Für Blumen und Pflanzen gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte. Um dennoch höchste Standards zu garantieren, setzen wir auf strenge Lidl-Spezifikationswerte: Die Anzahl von Wirkstoffrückständen darf maximal sechs betragen. Zudem müssen die Anforderungen unserer strategischen Wirkstoffliste für Blumen und Pflanzen eingehalten werden. Diese Liste wurde risikobasiert erstellt, wird von uns fortlaufend aktualisiert und deckt gezielt die Themengebiete Anwender-, Umwelt- und Artenschutz ab. Um das zu kontrollieren, untersuchen wir jährlich rund 300 Proben risikoorientiert. 

Zur Kennzeichnung „bienen- und insektenfreundlich“ möchten wir festhalten, dass es hierfür bislang kein unabhängiges Zertifikat oder standardisiertes Prüfverfahren gibt. Ob eine Pflanze gut für Insekten ist, hängt rein biologisch von Faktoren wie der Blütenform, dem Nektar- und Pollenangebot, der Blütezeit und der Herkunft ab. Im Sinne maximaler Transparenz und Klarheit für unsere Kundinnen und Kunden haben wir uns daher dazu entschieden, zukünftig auf die Auslobung „bienen- & insektenfreundlich“ direkt auf unseren Etiketten zu verzichten.