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Brauchen wir Atomkraftwerke für die Energiewende?
Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, wird oft die Frage gestellt: Brauchen wir Atomkraftwerke, um die Stromversorgung zu sichern? Besonders Befürworter der Kernenergie argumentieren, dass Atomkraftwerke aufgrund ihrer kontinuierlichen Stromproduktion unverzichtbar für die sogenannte Grundlast seien. Moderne Energiesysteme zeigen: Eine sichere und klimafreundliche Energieversorgung ist auch ohne neue Atomkraftwerke möglich.
Was bedeutet Grundlast überhaupt?
Der Begriff „Grundlast“ beschreibt den konstanten Strombedarf, der rund um die Uhr vorhanden ist. Grundlastkraftwerke produzieren deshalb dauerhaft Strom und laufen meist ohne größere Unterbrechungen.

Typische Grundlastkraftwerke sind:
- Atomkraftwerke
- Braunkohlekraftwerke
Diese Anlagen sind teuer im Bau und wirtschaftlich nur sinnvoll, wenn sie nahezu permanent betrieben werden.
Davon zu unterscheiden sind sogenannte Residuallastkraftwerke. Sie springen flexibel ein, wenn Wind- oder Solarenergie kurzfristig nicht ausreichen. Moderne Gaskraftwerke gehören dazu – zukünftig können diese auch mit grünem Wasserstoff betrieben werden.
Warum erneuerbare Energien Schwankungen ausgleichen können
Kritiker der Energiewende verweisen häufig auf sogenannte „Dunkelflauten“ – Phasen, in denen weder ausreichend Sonne scheint noch Wind weht. Tatsächlich ergänzen sich Wind- und Solarenergie jedoch deutlich besser, als oft angenommen wird.
Solarstrom liefert vor allem tagsüber und im Sommer hohe Erträge, während Windenergie besonders im Winter und nachts häufig stärker verfügbar ist. Durch diese gegenläufigen Muster entsteht bereits ein natürlicher Ausgleich.
Analysen zeigen zudem, dass es in Deutschland durchschnittlich nur wenige Tage pro Jahr gibt, an denen sowohl Wind- als auch Solarenergie gleichzeitig sehr geringe Beiträge zur Stromversorgung leisten.

Können erneuerbare Energien die Versorgungssicherheit gewährleisten?
Mehrere wissenschaftliche Studien kommen zu einem klaren Ergebnis: Ein Energiesystem aus erneuerbaren Energien, Speichern und flexiblen Kraftwerken kann eine sichere Stromversorgung gewährleisten – auch ohne neue Atomkraftwerke.
Wichtige Bausteine dafür sind:
-
Ausbau von Wind- und Solarenergie
Je breiter erneuerbare Energien ausgebaut werden, desto stabiler wird das Gesamtsystem.
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Batteriespeicher
Kurzfristige Schwankungen können durch moderne Batteriespeicher ausgeglichen werden.
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Wasserstoffspeicher
Überschüssiger Strom kann langfristig als Wasserstoff gespeichert und später wieder verstromt werden.
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Flexible Reservekraftwerke
Moderne Gaskraftwerke oder wasserstofffähige Kraftwerke können bei Bedarf kurzfristig Strom liefern.
Welche Rolle spielt Atomkraft künftig?
Studien der deutschen Akademieinitiative „Energiesysteme der Zukunft“ sowie weiterer Forschungseinrichtungen zeigen: Atomkraftwerke sind für die Energiewende nicht notwendig.
Zwar könnten Kernkraftwerke technisch in ein zukünftiges Energiesystem integriert werden, sie bringen jedoch erhebliche Nachteile mit sich:
- sehr hohe Baukosten
- lange Planungs- und Bauzeiten
- wirtschaftliche Risiken
- ungelöste Endlagerfrage
- Sicherheitsrisiken
Selbst unter optimistischen Annahmen verändern neue Atomkraftwerke die Gesamtkosten der Energiewende kaum positiv.

Keine Strafgebühren mehr für Haushalte, die sauberen Strom erzeugen.
Deutschland und Österreich im Vergleich
Während Deutschland historisch stark auf Kohle- und Atomkraft gesetzt hat, spielt in Österreich traditionell die Wasserkraft eine wichtige Rolle. Wasserkraft kann teilweise grundlastfähig betrieben werden und unterstützt dadurch die Integration erneuerbarer Energien.
Dennoch zeigt sich in beiden Ländern derselbe Trend: Die Zukunft der Energieversorgung liegt vor allem im intelligenten Zusammenspiel aus erneuerbaren Energien, Speichern und flexiblen Reservekraftwerken.
Fazit: Die Energiewende funktioniert auch ohne neue Atomkraftwerke
Eine klimaneutrale und zuverlässige Stromversorgung ist ohne den Ausbau neuer Atomkraftwerke möglich. Moderne Energiesysteme setzen zunehmend auf einen Mix aus Windkraft, Solarenergie, Energiespeichern und flexiblen Kraftwerken.
Dadurch können Versorgungssicherheit gewährleistet und gleichzeitig hohe Kosten, Sicherheitsrisiken und langfristige Probleme der Atomkraft vermieden werden.






