Bier

Glyphosat ist das weltweit meist eingesetzte Pestizid und dessen Rückstände lassen sich leider in etlichen Lebensmitteln nachweisen. Im Februar 2016 fand in Deutschland eine Untersuchung Rückstände des Unkrautvernichters in den beliebtesten deutschen Bieren. Wir untersuchten daraufhin neun beliebte österreichische Biermarken: In rund der Hälfte der österreichischen Biere wurden Spuren von Glyphosat gefunden, wenngleich die Belastungen um ein Vielfaches niedriger waren als bei den deutschen Bieren. 2017 haben wir jetzt diesen Test wiederholt - und wurden erneut fündig.

Der Glyphosat-Biertest 2017

Um festzustellen, ob sich etwas im Vergleich zum Vorjahr geändert hat, haben wir den Test wiederholt. Getestet wurden die gleichen Biermarken wie vor einem Jahr: Ottakringer Helles, Puntigamer (das bierige Bier 5,1%), Wieselburger Gold, Zipfer Märzen, Stiegl Goldbräu, Mohren Pfiff, Hirter Privat Pils, Gösser Märzen und Zwettler Original. Den ausführlichen Test finden Sie am Ende der Artikel als PDF zum Herunterladen.

4 von 9 getesteten Bieren enthalten Glyphosat

Wie schon im letzten Jahr wurden in vier der neun getesteten Biere geringe Belastungen mit Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze gefunden. Die Werte lagen zwischen 4 und 7 Mikrogramm pro Liter [µg/l]. Am höchsten belastet waren 2017 die Biermarken "Ottakringer" und "Mohren". Eine höhere Belastung als im letzten Jahr haben wir bei den Biermarken "Wieselburger" und "Zipfer" festgestellt. Eine geringere Belastung als im letzten Jahr weist "Stiegl" auf. Für Bier als verarbeitetes Produkt gibt es keinen eigenen Grenzwert, der vorsorgliche Grenzwert für Trinkwasser liegt allerdings bei 0,1 μg/l und damit deutlich unterhalb der Nachweisgrenze des von uns beauftragten Labors.

Biermarke

Biersorte 2017 Ergebnis 2017
(μg/l)
Ottakringer

Helles Bier

7
Puntigamer Das bierige Bier (5,1%) < 2
Wieselburger Gold 4
Zipfer Märzen 4
Stiegl Goldbräu < 2
Mohren Pfiff 7
Hirter Privat Pils < 2
Gösser Märzen < 2
Zwettler Original < 2

 

Wie gefährlich ist Glyphosat?

Glyphosat wird von der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC als wahrscheinlich krebserregend bei Menschen und als DNA-schädigend (genotoxisch) eingestuft. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und die europäischen Behörden EFSA und ECHA halten Glyphosat dagegen für „wahrscheinlich nicht krebserregend“. Die Einschätzung des BfR und der europäischen Behörden wird wegen Mängeln in der Arbeitsweise von zahlreichen WissenschaftlerInnen und zivilgesellschaftlichen Organisationen wie GLOBAL 2000 allerdings heftig kritisiert.

In Verruf geraten ist die Bewertung von Glyphosat außerdem durch interne E-Mails von Monsanto, die durch ein Gerichtsverfahren in den USA öffentlich wurden. Diese sogenannten „Monsanto Papers“ legen nahe, dass das Unternehmen wissenschaftliche Studien manipuliert hat, um so auf die behördliche Einstufung des Stoffs Einfluss zu nehmen.

Neben den gesundheitlichen Auswirkungen steht Glyphosat auch wegen seiner negativen Folgen für die Umwelt in der Kritik. Weitgehend unumstritten ist, dass Glyphosat giftig für Wasserorganismen ist und einen negativen Einfluss auf die Artenvielfalt hat. Durch den hohen Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft gehen Insekten und Vögeln Nahrungsquellen und Lebensräume verloren. Das Mittel ist mitverantwortlich für das große Insekten- und Vogelsterben der letzten Jahrzehnte.

Wie sind die gefundenen Werte einzuordnen?

In absoluten Zahlen sind die gefundenen Rückstandsmengen im Bier klein. Doch bei krebserregenden und DNA-schädigenden Stoffen gibt es keine Untergrenze, unter der sie sicher sind. Daher können auch „sehr niedrige Dosierungen eines krebserzeugenden Stoffes ihre schädigende Wirkung entfalten – wobei die Wahrscheinlichkeit der Wirkung natürlich mit der Höhe der Dosierung zunimmt“, wie das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR, auf seiner Website richtigerweise feststellt.

Aussagen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), man müsse 1.000 Liter Bier pro Tag trinken , um eine potentiell schädliche Menge Glyphosat aufzunehmen, sind grob verharmlosend. Das gilt auch für die Behauptung des BfR-Präsidenten, Glyphosat sei nicht gefährlicher als Kochsalz – eine Behauptung, die dem Glyphosat-Hersteller Monsanto in den USA gerichtlich verboten wurde.

Glyphosat im Bier macht darüber hinaus nur einen kleinen Teil der Belastung der KonsumentInnen mit Rückständen des Unkrautvernichters aus. Der Wirkstoff wurde auch in Getreideprodukten wie Brot, Hülsenfrüchten, Wein und vielen anderen Lebensmitteln sowie Gesundheitsprodukten aus Baumwolle wie Verbandsmaterial und Tampons gefunden. GLOBAL 2000 fand bei einer Untersuchung von Teeproben Rückstände von Glyphosat. Infolgedessen gibt es eine dauerhafte Belastung der KonsumentInnen mit dem gesundheitsschädlichen Mittel. So wurde es bei einer großangelegten Untersuchung im Urin von über 99% von 2.000 freiwilligen Testpersonen aus Deutschland gefunden. Nur ein Verbot des Mittels schützt effektiv vor diesen Rückständen.

Noch in diesem Jahr entscheidet die EU über die Wiederzulassung von Glyphosat. Österreich muss in Brüssel gegen diese Zulassung stimmen, um die BürgerInnen vor dieser Belastung zu schützen.

Übrigens: Ein wichtiger Grund, weshalb Österreich, anders als die meisten europäischen Länder, das Totspritzen von Getreide mit Glyphosat verboten hat, ist die von uns im Frühjahr 2013 durchgeführte Untersuchung, die Glyphosat-Rückstände im Harn zahlreicher ÖsterreicherInnen nachgewiesen hat. Diese Körperbelastungen ließen sich nur über die Aufnahme durch Lebensmittel erklären.