Der rasante Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) treibt den Strom- und Wasserverbrauch weltweit in die Höhe. Welche Folgen hat der Boom für Umwelt, Klima und die Energiewende? Am Beispiel Österreichs und internationaler Entwicklungen zeigt sich, warum der wachsende Bedarf an Rechenleistung zunehmend zur Herausforderung wird.

Weltweit gibt es bereits knapp 12.000 Rechenzentren in 179 Ländernexternal link, opens in a new tab – rund 4.500 davon in den USA. In Österreich sind es aktuell 52. Mit dem Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) wächst ihre Zahl rasant. Da KI-Anwendungen deutlich mehr Rechenleistung benötigen als herkömmliche Software, steigen nicht nur die Anzahl der Rechenzentren, sondern auch deren Größe und ihr Bedarf an Energie und anderen Ressourcen.

12.000

Rechenzentren

Weltweit

52

Rechenzentren

in Österreich

Was sind Hyperscale-Rechenzentren?

Besonders große Anlagen werden als Hyperscale-Rechenzentren bezeichnet. Sie können die Fläche von mehreren Dutzend Fußballfeldern einnehmen und benötigen enorme Mengen an Strom und Wasser – vergleichbar mit dem Verbrauch ganzer Städte. Zwischen 2018 und 2025 hat sich ihre Anzahl weltweit verdreifacht. Bis 2028 wird mit einer weiteren Verdopplung gerechnet.

Große US-Techkonzerne stehen hinter den meisten Rechenzentren

Mehr als die Hälfte aller Hyperscale-Rechenzentren werden von nur drei Unternehmen betrieben: Amazon, Microsoft und Google. Weitere bedeutende Betreiber sind Meta, Alibaba, Tencent, Oracle, Apple und ByteDance. Auch Entwickler von KI-Anwendungen wie OpenAI, Anthropic und xAI greifen auf die Infrastruktur dieser Betreiber zurück.

Wo steht das größte Rechenzentrum der Welt?

Das derzeit weltweit größte Rechenzentrum entsteht im US-Bundesstaat Louisiana. Das von Meta errichtete Projekt „Hyperion“external link, opens in a new tab soll eine Fläche von rund 11 km² umfassen – etwa so groß wie der Wiener Bezirk Hernals oder der Ossiacher See. Die Stromversorgung soll über drei neu errichtete Gaskraftwerke erfolgen. Der jährliche Stromverbrauch dürfte nahezu dem gesamten Stromverbrauch der Millionenstadt Los Angeles entsprechen.

Zwei Reihen von Server-Racks in einem großen, modernen Rechenzentrum mit reflektierendem Boden und sichtbarer Deckenstruktur
envato/akportfolio24

Server-Racks in einem großen Rechenzentrum

Österreich im Rechenzentrum-Fieber

Das Land Niederösterreich berichtet von rund 100 Projektanfragen für neue Rechenzentren, die zusammen einen zusätzlichen Leistungsbedarf von etwa 3.400 MW hätten. Bei voller Auslastung entspräche dies einem jährlichen Stromverbrauch, der etwa doppelt so hoch wäre wie der derzeitige Stromverbrauch Niederösterreichs.

Grundsätzlich befürworten sowohl das Land Oberösterreich als auch das Land Niederösterreichexternal link, opens in a new tab den Ausbau von Rechenzentren. Beide Bundesländer betonen deren positive Wirkung auf den Wirtschaftsstandort. Der Standort in Kronstorf soll jedoch gerade einmal 100 neue Arbeitsplätze bringen.

Grafik mit vielen kleinen roten Windrad-Symbolen und einer kleinen Gruppe blauer Windrad-Symbole daneben mit Text 'Es bräuchte 1.430 Windräder um den Energieverbrauch zu decken' und 'In OÖ stehen derzeit 31'

GLOBAL 2000

Das Rechenzentrum in Kronstorf

Im oberösterreichischen Kronstorf erfolgte im April 2026 der Spatenstich für ein Google-Rechenzentrum auf einem rund 50 Hektar großen Areal. Die derzeit geplante verbaute Fläche beträgt rund 42.000 m², was etwa der Größe von sechs Fußballfeldern entspricht.

Wie hoch wird der Stromverbrauch im Rechenzentrum Kronstorf?

Laut dem Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) hat Google einen Netzanschluss mit einer Leistung von 800 MWexternal link, opens in a new tab beantragt. Vorerst wurden 400 MW zugesagt. Bei voller Auslastung entspräche dies einem jährlichen Stromverbrauch von rund 3,5 TWhexternal link, opens in a new tab – etwa so viel, wie rund 900.000 Haushalte pro Jahr verbrauchen. Zum Vergleich: In Oberösterreich gibt es knapp 676.000 Haushalte.

Grafik mit mehreren roten Umrissen des Gebiets von Kronstorf und Text zu Googles täglichem Wasserverbrauch in Kronstorf

GLOBAL 2000

Umweltauswirkungen des Rechenzentrums in Kronstorf noch ungewiss

Das Wasser zur Kühlung des Rechenzentrums soll künftig der Enns entnommen werden. Welche ökologischen Auswirkungen dies auf den Fluss und sein Ökosystem haben wird, ist bislang ungewiss. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist derzeit nicht vorgesehen. Die entstehende Abwärme will Google zwar kostenlos zur Verfügungexternal link, opens in a new tab stellen, allerdings ist fraglich, ob sich dafür tatsächlich ein geeigneter Abnehmer finden wird.

Rechenzentren gefährden die Energiewende

Eine 2025 veröffentlichte Studie des deutschen Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace prognostiziert, dass sich der weltweite Strombedarf von Rechenzentrenexternal link, opens in a new tab zwischen 2023 und 2030 verdreifachen wird. Der Stromverbrauch von KI-Rechenzentren soll im selben Zeitraum sogar auf das Elffache steigen.

Der damit verbundene zusätzliche Energiebedarf erschwert den Kampf gegen die Klimakrise – unabhängig davon, ob die Rechenzentren mit fossilem oder erneuerbarem Strom betrieben werden. Einerseits könnte die steigende Nachfrage den Weiterbetrieb oder Neubau fossiler Kraftwerke begünstigenexternal link, opens in a new tab. Andererseits können Rechenzentren selbst bei einer Versorgung mit erneuerbarem Strom große Mengen an Ökostrom binden, die dann für die Dekarbonisierung anderer Bereicheexternal link, opens in a new tab wie Verkehr, Industrie oder Gebäude fehlen.

Beispiel: Rechenzentren in Irland

In Irland, wo Rechenzentren bereits für etwa 20 % des Stromverbrauchs verantwortlich sind, werden neue Anlagen teilweise direkt an das Gasnetz angeschlossenexternal link, opens in a new tab. Dadurch dienen sie als Rechtfertigung für den weiteren Ausbau fossiler Infrastruktur. Gleichzeitig kann der Ausbau erneuerbarer Energien kaum mit dem steigenden Strombedarf der Rechenzentrenexternal link, opens in a new tab Schritt halten: Zwischen 2015 und 2023 wurde der gesamte Zuwachs der irischen Windstromerzeugung durch die zusätzliche Stromnachfrage der Rechenzentren sogar übertroffen. Der Ausbau der Windenergie trug damit weniger dazu bei, fossile Energieträger zu ersetzen, sondern wurde zunehmend benötigt, um den zusätzlichen Strombedarf der Rechenzentren zu decken.

Hannah Keller, Klima-Sprecherin bei GLOBAL 2000, bei einer Demo, sie hät ein Banner in den Händen, dahinter sind Fahnen, daneben angedeutet weitere Menschen

"Rechenzentren erhitzen die lokale Umgebung und verbrauchen gigantische Mengen an Wasser und Strom. Das befeuert die Wasserknappheit und verzögert den Ausstieg aus Öl und Gas. Denn die erforderlichen Strommengen sind aktuell schlicht nicht aus erneuerbaren Quellen verfügbar. Der KI-Boom belastet Klima und Umwelt massiv. Die Regierung muss den rasanten, konzerngetriebenen Ausbau der Rechenzentren stoppen."

Hannah Keller, GLOBAL 2000 Klima und Energiesprecherin

Was sind lokale Auswirkungen von Rechenzentren?

Erfahrungen aus Ländern mit einer längeren Rechenzentrumsgeschichte – etwa den USA oder Irland – zeigen, dass der Ausbau großer Rechenzentren vielfältige Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung und Umwelt haben kann.

Zu den Herausforderungen zählen:

  1. Steigender Energiebedarf: Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Strom. Dadurch werden die lokalen Stromnetze belastet und die Strompreise können steigenexternal link, opens in a new tab.

  2. Hoher Wasserverbrauch: Rechenzentren benötigen große Mengen Wasser zur Kühlung. Besonders in trockenen Regionen kann das die lokalen Wasserressourcen zusätzlich belasten.

  3. Luftverschmutzung: Gasturbinen und Notstrom-Dieselgeneratoren verursachen gesundheitsschädliche Luftschadstoffe.

  4. Lärmbelastung: Kühlanlagen, Lüftungssysteme und Generatoren erzeugen dauerhaften Lärm, der die Lebensqualität der Anwohner:innen beeinträchtigen kann.

  5. Hitzeinseln durch Abwärme: Die Abwärme von Rechenzentren kann die Umgebung zusätzlich erwärmen und zur Entstehung lokaler Hitzeinselnexternal link, opens in a new tab beitragen.

  6. Flächenkonkurrenz: Große Rechenzentren benötigen erhebliche Flächen und konkurrieren mit Landwirtschaft, Naturflächen oder Wohnbauprojekten.

  7. Belastung einkommensschwächerer Gemeinden: Rechenzentren entstehen oft in wirtschaftlich schwächeren Regionen, die bereits stärker unter Umwelt- und Infrastruktuproblemen leiden.

  8. Wirtschaftliche Vor- und Nachteile: Zwar entstehen Jobs und Steuereinnahmen, aber langfristig profitieren Gemeinden oft weniger als erwartet, insbesondere wegen hoher Infrastrukturkosten und Steuervergünstigungen für Betreiber.

  9. Chemikalienbelastung: Bei der Kühlung oft eingesetzte F-Gase bauen sich bei Austritten in der Atmosphäre zu TFA ab, einer Ewigkeitschemikalie.

Österreich darf nicht an Tech-Konzerne verkauft werden

Wir fordern:

  • Eine sofortige Wartefrist: Ab sofort dürfen keine neuen Rechenzentren genehmigt werden bis sämtliche rechtliche und politische Fragen geklärt sind.

  • Eine Umweltverträglichkeits-Prüfung erforderlich machen: Die Anlagen müssen Auflagen zu den Umweltrisiken erfüllen, dafür muss das UVP-Recht sowohl auf EU-Ebene als auch im österreichischen UVP-Gesetz angepasst werden. Im ersten Entwurf der UVP-Novelle sind Rechenzentren nun enthalten, jetzt geht es darum, sinnvolle Schwellenwerte und die Beteiligungsrechte von NGOs und Bürger:innen zu sichern!

  • Eine Strategie für Österreich muss entwickelt werden: Unter Einbeziehung der Bevölkerung muss eine nationale Strategie zu Rechenzentren entwickelt werden - statt Österreichs Natur und wertvolle Ressourcen planlos an US-Tech-Konzernen zu verkaufen.

Unterstützen Sie unsere Forderungen und unterschreiben Sie jetzt unsere Petition: