GLOBAL 2000: Wie ist Ihre Familie dazu gekommen einen Naturkostladen zu betreiben?

Brunnader: Wir waren sehr unzufrieden mit der Qualität von den angebotenen Lebensmitteln, vom Gemüse bis zum Käse. Wir haben uns schon vor 30 Jahren den biologischen Lebensmitteln und der ökologischen Landwirtschaft verschrieben. Unseren Laden gibt es auch schon seit dieser Zeit.

GLOBAL 2000: Welche Produkte können bei Ihnen gekauft werden?

Brunnader: Wir haben mit reinen Bauernprodukten begonnen, das heißt Obst, Gemüse und Getreide. Danach haben wir Tofu, Gluten, Weizen und pflanzliches Eiweiß selbst hergestellt. Mit diesen Produkten haben wir begonnen und mit der Zeit ist immer mehr ins Angebot dazu gekommen. Auch backen und kochen wir für den Verkauf schon seit langem selbst, Bioapfelstrudel oder Dinkelpizzaecken zum Beispiel.

GLOBAL 2000:  War es früher schwieriger einen Bionaturkostladen zu führen?

Brunnader: Es gab halt damals nichts in dieser Richtung. Wir sind, um die Bio-Produkte zu bekommen, noch selber zum Bauern in die Steiermark oder ins Burgenland gefahren. Mitten in der Nacht, oder am Abend davor, fingen wir an zu arbeiten, damit wir um neun Uhr den Laden mit frischer Bioware aufsperren konnten. Das war alles ziemlich mühsam in diesen Jahren. Aber ich habe es immer gerne gemacht, das möchte ich betonen! Jetzt sieht die Situation natürlich ganz anders aus, es gibt jetzt einfach alles. Wir haben genug Lieferanten, die uns beliefern. Früher haben wir nur das angeboten, was wir auch selbst produziert beziehungsweise selbst bei den Bauern eingekauft haben. Heute ist das Warensortiment sehr umfangreich.

GLOBAL 2000: Werden in Ihrem Laden nur österreichische Produkte verkauft?

Brunnader: Nein, das würde auch gar nicht mehr gehen. Außerdem gibt es Produkte, die es in Österreich nicht gibt, die wir aber natürlich anbieten wollen. Diese sind alle zertifiziert als Bioware und auch fairtrade. Nach dreißig Jahren im Geschäft kenne ich meine Lieferanten alle persönlich und weiß, bei welchen ich einkaufen kann und die Qualität wirklich passt. Generell kann man sich, meiner Erfahrung nach, auf die Zertifikate durchaus verlassen. Schwarze Schafe wird es sicherlich vereinzelt auch geben. Aber so etwas findet man in der Regel sehr schnell heraus. 

GLOBAL 2000: Kann man sagen, dass die biologische Lebensweise und ökologische Nachhaltigkeit Ihre Lebensphilosophie ist?

Brunnader: Ja, mit Sicherheit. Das war ja der Grund warum ich mit dem Ganzen angefangen habe. Vor dreißig Jahren galt man ja noch allgemein als Spinner wenn man von Bioprodukten und Nachhaltigkeit gesprochen, geschweige denn einen Naturkostladen betrieben hat. Als ich in meiner Heimatgemeinde in diesen Jahren das Thema Umweltschutz thematisiert habe, haben alle nur seltsam geschaut. Meine Kinder haben von uns auch biologische Pausenpakete in den Kindergarten mitbekommen, was durchaus für seltsame Blicke und Unverständnis gesorgt hat. Heute ist das oft selbstverständlich! Ich habe alle Höhen und Tiefen mit dem Laden durchgemacht, aber nie aufgegeben. Ich war immer davon überzeugt, dass ein solcher Naturkostladen funktionieren kann – andere haben meine Einstellung belächelt. Ich habe Recht behalten. Oft habe ich gehört, "warum tust dir denn so was an, bist narrisch?" Das was jetzt für viele – Gott sei Dank, hat ja eh lange genug gedauert – selbstverständlich ist, lebe ich schon fast mein ganzes Leben lang. Nämlich auf die Natur zu achten und sich auch aktiv für  sie einzusetzen. In meinem Fall halt mit den biologischen Waren, die ich anbiete.

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GLOBAL 2000: Wie sehen Sie den Trend hin zu Bio?

Brunnader: Wir haben früher Bio ganz anders verstanden, als es heute allgemein der Fall ist. Für uns war und ist das nie ein Trend, uns geht es um eine gesunde Ernährung, um die körperliche Gesundheit an sich. Nur weil ich Bioprodukte kaufe, heißt das noch lange nicht, dass ich mich auch gesund ernähre. Es geht ja um die richtige Zubereitung, um die Weiterverarbeitung der Lebensmittel im Haushalt. Die Aspekte Nachhaltigkeit, Natur- und Umweltschutz spielen natürlich zusätzlich eine sehr große Rolle.  

GLOBAL 2000: Sehen Sie die Biomarken der großen Supermarktketten als Konkurrenz an?

Brunnader: Nein. Nie. Ich habe die Zeit erlebt, als die großen Ketten die Naturkostläden noch angegriffen haben, mit dem Statement, dass Bio doch eh nur Blödsinn und unnötig sei. Solche Meinungen waren damals noch Standard. Zirka 15 Jahre später sah ich dann die ersten LKW`s der Supermarkt-Ketten, die auf ihren Planen für die eigenen Bioprodukte geworben haben. Man darf auch nicht vergessen, dass solche Supermärkte vielleicht 300 Bioprodukte, aber 8000 Nichtbioprodukte im Sortiment führen. Das finde ich schon irgendwie problematisch.

GLOBAL 2000: Leben Sie vor allem von der Stammkundschaft?

Brunnader: Zu 80 Prozent haben wir Stammkundschaft. Aber auch immer mehr Laufkundschaft. Die Tendenz ist erfreulicherweise steigend. Wir versuchen ja auch ganz bewusst unsere Kunden aufzuklären, sie über unser Angebot zu informieren. Teilweise kommt schon die dritte Generation zu uns einkaufen. Da kenne ich die Uroma, die Oma und halt das Enkerl (lacht). Unsere KundInnen schätzen unser Know How, verlassen sich auf uns und wissen, wie wichtig uns das Ganze wirklich ist. Wir verkaufen nicht nur Bio, sondern wir leben das auch! Das ist uns wichtig. Es gab bei uns beispielsweise auch nie Plastiksackerln im Geschäft. Warum auch? Es gibt ja genug Alternativen, wie Mais-, Stärke- oder Papiereinkaufssackerln.

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GLOBAL 2000: Sie eröffnen jetzt bald einen „Organic and Natural“ (OAN) Gastrostand. Könnten Sie unseren LeserInnen ein paar Informationen dazu geben?

Brunnader: Es wird ein neuer Marktstand am Kutschkermarkt mit ganz modernem Design, wo wir zusätzliche auch eine kleine Küche haben werden. Wir wollen biologische und frische Speisen, auf schonende Art, zum Beispiel durch einen Dampfgarer, zubereiten und servieren. Natürlich strikt vegetarisch. Unsere ganze Familie ernährt sich seit jeher vegetarisch, das ist uns auch sehr wichtig und gehört zu unserer Lebensqualität, Lebenseinstellung und Philosophie einfach dazu. 

GLOBAL 2000: Glauben Sie, das der Kutschkermarkt ein ähnliches Lifestyle-Potenzial hat, wie es zum Beispiel der Brunnenmarkt oder der Karmelitermarkt, jetzt schon haben?

Brunnader: Das glaube ich schon. Der Markt wurde umgebaut und modernisiert. Er hat Potenzial, als Nahversorger sowieso, davon bin ich überzeugt!                                                                                                                                                                                       

Links:

http://www.brunnader.at/

(Von Andreas Mittelmeier)