Ausgeflattert III Coverbild

Die alpinen Regionen und die Berglandschaft Österreichs werden oft mit natürlicher Idylle und traditioneller Landwirtschaft identifiziert. Mit dem vorliegenden Report „Ausgeflattert III“ sehen die renommiertesten Schmetterlingsexperten Österreichs genauer hin und richten ihre besondere Aufmerksamkeit auf die westlichen Bundesländer Österreichs und ebenjene Berg- und Alpinlandschaften. Nicht nur im Osten Österreichs, der in den ersten Teilen des „Ausgeflattert“-Reports behandelt wurde, sondern auch in den fünf Bundesländern Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg ist der Zustand unserer flatternden Schmetterlingspracht ernüchternd und zum Teil alarmierend. Die Situation der heimischen Schmetterlinge hat sich in den letzten zwei Jahren aber leider kaum wesentlich verbessert. 

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Der Report zeigt auf, dass die aktuelle Diskussion und das mediale Brennpunktthema „Insektensterben“ konkret auch die heimischen Schmetterlinge betrifft. Dabei gehören Schmetterlinge gemeinsam mit Bienen und Hummeln zu den wichtigsten Bestäubern. Zahlreiche Pflanzen sind auf die flatternden Wesen angewiesen. Ohne Bestäuber stirbt nicht nur die österreichische Wiesenlandschaft, auch heimische Obst- und Gemüsesorten wie Kürbis, Apfel und Marille würde es kaum noch geben.

Oben hui, unten pfui

Vorarlberg und Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Kärnten, fünf Bundesländer mit vielen Ähnlichkeiten in der naturräumlichen Ausstattung, vor allem mit Anteilen an den Alpen. Kurzreports deuten auf einen dramatischen Schwund der Artenvielfalt hin, vor allem in den Talgebieten. Es gibt jedoch auch Hoffnungen: regionale Studien belegen eine historisch und teils (noch) aktuell hohe Artenvielfalt, die von etwas mehr als 2300 Schmetterlingsarten in Salzburg bis zu über 2900 Arten in Kärnten reicht. Dazwischen liegen Vorarlberg mit mehr als 2400, Oberösterreich mit 2800 und Tirol mit fast 2700 Arten.

Der dramatische Rückgang vieler Arten wird nur ansatzweise in regionalen Roten Listen dokumentiert, die darüber hinaus überarbeitungsbedürftig sind. Als Konsequenz daraus lassen sich Zahlen, Daten und Fakten vielfach nur punktuell ermitteln. Beispiele wie die gut dokumentierte Entwicklung der Artenbestände in Innsbruck zeigen jedoch den drastischen Schwund der Artenvielfalt der Talgebiete. Die Ausweisung von Schutzgebieten kommt, gerade in den von anthropogenem Nutzungsdruck besonders betroffenen Regionen, vielfach bereits zu spät.

Komplexe Ursachen für das Verschwinden der Schmetterlinge

Die Hauptursachen für das Verschwinden der Schmetterlinge sind wie bereits in früheren Reports beschrieben auch in den hier bearbeiteten Bundesländern weitgehend ident. Wo es die Topographie der Landschaft zulässt besteht meistens starker Nutzungsdruck. Dieser umfasst eine zunehmend intensive, industrielle Landwirtschaft mit massiver Düngung sowie Insektizid- und Pestizideinsatz, Monokulturen in der Forstwirtschaft, und nicht zuletzt die Verbauung sowie teils vollständige Versiegelung wertvoller Flächen. Diese Beanspruchungen gehen oft mit dem Ausbau der Infrastruktur einher, der sich beispielsweise durch eine zunehmende Lichtverschmutzung oder Verkehrsbelastung manifestiert. Der stetig steigende Flächenbedarf einer stark wachsenden Bevölkerung sowie ein regional ausgeprägter, intensiver Tourismus sind gerade in Hinblick auf den stark eingeschränkten Dauersiedlungsraum vor allem in den westlichsten Bundesländern eine fatale Kombination. Als weiteres Gefährdungsszenario zeichnet sich in allen Bundesländern die Klimaerwärmung ab, die gerade in den höchsten Gebirgslagen ein nicht zu unterschätzendes Risikopotential umfasst.

Aktiver Lebensraumschutz beschränkt sich weitgehend auf Schutzgebiete. Selbst hier fehlt es jedoch oft an einschlägigen Pflegeplänen und Artenschutzmaßnahmen werden fast immer für die wenigen EU-Schutzgüter ausgearbeitet.

Alle fünf Bundesländer sind in der glücklichen Situation, dass auch außerhalb der Schutzgebiete großflächige naturnahe bis teils sogar ursprüngliche Lebensräume vorhanden sind. Exponierten Lagen und damit verbundene stark eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten haben dazu geführt, dass hier einzigartige Biotope von europäischer Bedeutung erhalten geblieben sind! Die Bewahrung der ausgedehnten alpinen Lebensräume ist daher eine prioritäre Aufgabe und eine internationale Verantwortlichkeit.

In allen Bundesländern existieren erhebliche Forschungsdefizite, die effektive Schutzmaßnahmen erschweren. Vor allem die Erstellung Roter Listen sind ein dringliches Anliegen an die Wissenschaft. Citizen Science getragene Projekte wie die Schmetterlings-App oder das erste Tagfaltermonitoring Österreichs in Tirol können einen wichtigen Beitrag zur Generierung von dringend nötigen aktuellen Verbreitungsdaten liefern.

Hier finden Sie die ersten beiden Teile der Ausgeflattert-Serie: