In ganz Europa gelten 19 Prozent aller Tagfalterarten als gefährdet oder nahe gefährdet, ein Drittel des Artenbestandes hat innerhalb eines Jahrzehntes Rückgänge erlitten. In Untersuchungen von 19 Ländern zwischen 1990 und 2011 wurde für acht von 17 Arten ein signifikanter Rückgang der Populationen verzeichnet und lediglich bei einer Art ein Anstieg.

Und in Österreich?

Österreich ist ein im europäischen Maßstab besonders vielfältiges Land mit etwa 4.070 Schmetterlingsarten, davon 208 Tagfalterarten. Die Diversität übertrifft selbst große Länder wie Deutschland. Die Artenvielfalt basiert auf einer großen Biotopvielfalt. Der Schutz dieser Lebensräume ist somit Grundvoraussetzung für die Bewahrung der Faltervielfalt. Schmetterlinge sind laut aktuellen Roten Listen bundesweit gefährdet. Mehr als die Hälfte aller Tagfalter sowie etwa 40 Prozent von 800 ausgewählten Nachtfalterarten gelten als mehr oder weniger gefährdet, zwei bzw. vier Prozent dieser Gruppen sind bereits ausgestorben.

Warum ist der Rückgang ein Problem?

  • Der Rückgang der Schmetterlingspopulationen ist nicht nur deshalb schade, weil die bunten Falter schön anzusehen sind, sie sind auch wichtige Aspekte im Erhalt der Biodiversität.
  • Schmetterlinge dienen uns als Bioindikatoren, das heißt, sie zeigen uns die Qualität von und Änderungen in Lebensräumen an, da viele Arten eine ausgesprochen anspruchsvolle Lebensweise haben. Durch die vielen unterschiedlichen Schmetterlingsarten lassen sich somit Änderungen in der Natur rasch und präzise nachweisen.
  • Schmetterlinge sind aber auch, ähnlich unseren Bienen, ein wichtiger Aspekt in der Bestäubung von unterschiedlichen Pflanzenarten. Viele Blütenpflanzen sind auf eine Bestäubung durch Falter angewiesen.
  • Außerdem stellen Schmetterlinge die Nahrungsgrundlage für Fledermäuse und zahlreiche insektenfressende Singvögel dar, die sich sowohl von den Faltern als auch von den Raupen ernähren.
  • Zu guter Letzt spielen Schmetterlinge eine wichtige Rolle im ökologischen Kreislauf. Grüne Pflanzen und Früchte, lebendes und Totholz, Flechten und Pilze, Tierhäute und Felle, es gibt kaum eine organische Substanz, die nicht von Schmetterlingsraupen gefressen und verdaut werden kann. Der ökologische Kreislauf wird so enorm beschleunigt und die Pflanzen können somit in relativ kurzer Zeit wieder die nötigen Mineralstoffe aus dem Boden aufnehmen.

Was sind die Ursachen?

Die Gefährdungsursachen sind vielfältig und weitgehend durch den Menschen verursacht. Sie reichen von Verbauung und Technisierung über Intensivierungen oder die Aufgabe traditioneller Nutzung bis hin zur Klimaerwärmung. Tagfalter sind vor allem durch eine zunehmend intensive Grünlandbewirtschaftung bedroht, die auch bei ehemals häufigen Arten zu deutlichen Populationseinbußen führt. Der massive Einsatz von unspezifisch wirksamen Insektiziden und Pflanzenschutz-Mitteln hat ebenfalls großes Gefährdungspotenzial für Schmetterlinge. Durch Verdriftung sind auch Bereiche abseits der intensiv genutzten Agrikulturflächen und selbst Schutzgebiete bedroht.

Was ist die Lösung?

Einschränkungen des Pestizideinsatzes im Bereich rund um naturnahe Ökosysteme oder extensiv bewirtschafteten Agrarökosystemen sowie generell ein möglichst minimierter, sorgsamer Umgang mit Pestiziden bzw. der Verzicht auf chemisch-synthetische Wirkstoffe sind ein Gebot der Stunde.

Weitere Informationen zum Thema Schmetterlinge finden Sie in den Schmetterlingsreports I & II von GLOBAL 2000 und der Stiftung Blühendes Österreich.