Distelfalter, Tagpfauenauge, Zitronenfalter und die vielen anderen bunten Schmetterlinge erfreuen sich größter Beliebtheit und werden schnell erkannt. Doch wenn es um den Nachwuchs der Falter geht, also um die Schmetterlingsraupen, dann sieht das oft ganz anders aus. Viele wissen nicht, welche Raupe sich zu welchem Schmetterling entwickelt und welchen ökologischen Beitrag diese leisten. Anlässlich des österreichischen Raupentags am 18. Juni, der von GLOBAL 2000 und der Wiener Umweltanwaltschaft ins Leben gerufen wurde, möchten wir Ihnen einige heimische Schmetterlingsraupen genauer vorstellen.

Vom Zersetzer zum Bestäuber

Raupen gelten in der Landwirtschaft sowie im Hausgarten oft als gemeine Schädlinge und werden deshalb mit tonnenweise Gift in Form von Pestiziden bekämpft. Dabei beschränken sich die Schädlinge auf vergleichsweise wenige Arten und die meisten Raupen verursachen keine ernst zu nehmenden Schäden. Ganz im Gegenteil, viele Raupen leisten wertvolle Beiträge für die Instandhaltung unserer Ökosysteme und sind deshalb bedeutungsvolle Nützlinge.

So wichtig viele Falter als Bestäuber sind, so wichtig sind Raupen als Zersetzer und somit als Antreiber ökologischer Kreisläufe. Grüne Pflanzenteile, Früchte, Holz, Pilze, ja sogar Tierhäute werden von Schmetterlingsraupen gefressen, verdaut und dann als natürlicher Dünger wieder ausgeschieden.

Schmetterlinge durchlaufen für ihre Entwicklung eine vollständige Metamorphose, vom Ei zur Raupe, zur Puppe und schlussendlich zum Falter. Wenn die Rahmenbedingungen für nur einen dieser Entwicklungsschritte nicht gegeben sind (auch die Überwinterungsmöglichkeiten spielen z.B. eine Rolle), so können sich die Schmetterlinge nicht mehr vermehren und verschwinden aus einer Fläche, einem Gebiet oder einer ganzen Region. Dem Raupenstadium kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da es das Fressstadium der Schmetterlinge ist und bis zu mehreren Jahren dauern kann. Es gibt sogar erwachsene Falter, die gar keine Mundwerkzeuge haben, weil sie nur so kurz leben, dass sie gar keine Nahrung aufnehmen müssen. Dazu zählt etwa das Kleine Nachtpfauenauge. Die wesentliche Aufgabe des Falters in diesem Entwicklungszyklus ist die Vermehrung.

Schmetterlingsraupen erkennen und Lebensräume schützen

Tagpfauenauge (Inachis io)

Raupe: bis 42 mm. Schwarz mit Dornen und vielen kleinen weißen Punkten. Die Raupen sind von Mai bis September aktiv. Raupen-Futterpflanze: Nur die Große Brennnessel Lebensraum: Waldrand, Siedlungen und Gärten Häufigkeit: Häufig Falter: Kann fast das ganz Jahr über beobachtet werden. Flügel sind oberseits bräunlich-rot mit je einem auffallenden Augenflecken auf jedem Flügel. Die Flügelunterseiten sind gräulich bis schwarz mit feinen Strukturlinien. Wissenswertes: Überwintert als Falter in geschützten Quartieren wie etwa in Höhlen oder Keller. Er ist ab März, manchmal bereits ab Februar wieder unterwegs und deshalb stark darauf angewiesen, dass schon im zeitigen Frühjahr Blüten im Garten zu finden sind.

Segelfalter (Iphiclides podalirius)

Raupe: Sind von Juni bis September unterwegs und werden bis zu 40 mm lang. Typisch ist die plumpe Tropfenform der Raupe. Sie ist vorn deutlich höher als hinten und hat kleine rosa bis rote Punkte. Raupen-Futterpflanze: Schlehe, Zwetschge, Weißdorn Lebensraum: warmes, offenes Gelände mit Trockenrasen und Gebüschen. Häufigkeit: stark rückläufig Falter: auffallender Falter mit hellgelber Grundfärbung, schwarzen Längsstreifen und langen Zipfeln an den Hinterflügeln. Hinterflügel mit blauen, sichelförmigen Färbungen. Fliegt von März bis August. Spannweite 50-70 mm. Wissenswertes: Falter führen Balzflüge durch, die als „Hilltopping“ bekannt sind. Dabei versuchen sie den höchsten Bereich eines Hügels für sich zu beanspruchen, da sich dort dann die Weibchen einfinden („Rendezvousplatz“).

Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri)

Raupe: Leuchtend grün mit seitlich weiß und (dunkel-)lila Streifen sowie einem auffallenden Horn am Hinterende. Bis 100 mm lang. Raupe ist von Juli bis September unterwegs. Raupen-Futterpflanze: V.a. Liguster, auch Flieder und Esche Lebensraum: Siedlungen mit Ligusterhecken, Wald- und Wegränder Häufigkeit: Eher selten geworden Falter: Bräunlich-rosa gefärbt. 90-120 mm Spannweite. V.a. Hinterflügel rosa mit je drei schwarzen Streifen. Fliegt von Mai bis August. Wissenswertes: Raupe nimmt charakteristische Drohhaltung ein, bei der sie den Vorderkörper s-förmig aufstellt. Der wissenschaftliche Name „Sphinx“ weist auf die Haltung hin.

Wolfsmilchschwärmer (Hyles euphorbiae)

Raupe: Junge Raupen gelb-grün mit schwarzen Flecken und weißen Punkten. Später vor allem schwarz, mit vielen größeren und kleineren weißen Punkten, rotem Streifen am Rücken sowie rotem Dorn am Hinterende und rotem Kopf. Bis 80 mm lang. Von Juni bis September aktiv.
Raupen-Futterpflanze: Zypressen-Wolfsmilch 
Lebensraum: warme, trockene Gebiete wie Trockenrasen, Schottergruben oder sonnige Böschungen. 
Häufigkeit: gebietsweise noch relativ häufig, generell aber stark rückläufig
Falter: Vorderflügel v.a. gelb-bräunlich, Hinterflügel rot-schwarz und braun. 55-75 mm Spannweite. Fliegt von Mai bis August.
Wissenswertes: Raupe ist in Mitteleuropa auf Vorkommen der Zypressen-Wolfsmilch angewiesen. Die auffallende Färbung warnt Fressfeinde vor ihren Giftstoffen, die sie mit der Nahrungspflanze aufnimmt.

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Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia)

Raupe: Junge Raupen schwarz, später grün, mit schwarzen Flecken oder Ringen und gelben Punkten, mit Borsten. Bis 60 mm lang. Die Raupen findet man von Mai bis August. Raupen-Futterpflanze: Schlehen, Weiden, Brombeere, Himbeere, Besenheide, Wiesensalbei, u.a. Lebensraum: Offenes Gelände mit Büschen und Sträuchern.  Häufigkeit: Gebietsweise häufig Falter: 60-80 mm Spannweite, mit deutlichen Augenflecken auf den Flügeln. Weibchen grau, Hinterflügel beim Männchen gelb-orange und rötlich. Der Falter ist von Mitte März bis Mai unterwegs. Wissenswertes: Falter haben keine Mundwerkzeuge und leben nur wenige Tage

Brauner Bär (Arctia caja)

Raupe: Lang behaart, unten rostbraun und oben schwarz. Junge Raupen durchgängig mit hellbraunen Haaren. Bis 60 mm lang. Raupen können mit Ausnahme des Hochsommers das ganze Jahr über gefunden werden. Junge Raupen überwintern. Raupen-Futterpflanze: Salweide, Himbeere, Brennnessel, Echtes Mädesüß Lebensraum: halbschattige, etwas Feuchte Plätze wie Waldlichtungen, Moorränder, Gärten und Parks Häufigkeit: gebietsweise noch häufig, aber auch rückläufig. Falter: Vorderflügel fleckig weiß-braun und Hinterflügel rot mit schwarzen Punkten. Fliegen von Mitte Juni bis Anfang September und erreichen eine Spannweite von 45 bis 65 mm. Wissenswertes: Die Falter sind trotz ihrer hübschen Färbung ausschließlich nachtaktiv und werden häufig von künstlichen Lichtquellen angelockt.

Großer Gabelschwanz (Cerura vinula)

Raupe: bis 80 mm lang. Auffallend hellgrün, mit schwarz-braunem Streifen am Rücken und weißen Punkten auf den Seiten. Außerdem charakteristischer roter Kragen mit zwei Augenflecken um den Kopf und die namensgebende Schwanzgabel am Hinterende. Raupe ist von Mai bis August aktiv. Raupen-Futterpflanze: Zitterpappel, Salweide Lebensraum: Feuchte Plätze mit den Futterpflanzen wie z.B. Gewässerufer oder Wegränder Häufigkeit: Gebietsweise häufig. Falter: Unscheinbarer, weiß-grauer Schmetterling mit Zeichnung aus schwarzen Linien. Pelzig behaart. 60-70 mm Spannweite. Fliegt von April bis Juli. Wissenswertes: Erschrickt man die Raupe vom Großen Gabelschwanz, zieht sie ihren Kopf ein, streckt dem Angreifer den roten Ring mit den Scheinaugen entgegen, um bedrohlicher zu wirken. Zusätzlich kann sie ätzende Ameisensäure verspritzen.

Pyramideneule (Amphipyra pyramidea)

Raupe: Sind von April bis Juni zu finden. Bis 40 mm lang. Bläulich-grün, kleinen weißen Punkten und weiß-gelber Seitenlinien. Namensgebend ist der pyramidenförmige Höcker am Hinterleib.
Raupen-Futterpflanze: Salweide, Haselnuss, Himbeere, u.a.
Lebensraum: Wälder, Gärten, Parks
Häufigkeit: häufig
Falter: unscheinbarer, grau-brauner Falter. Spannweite 40-50 mm. Fliegt von Juli bis September.
Wissenswertes: Legt seine Eier unter die Rinde der Raupen-Futterpflanzen ab, wo die Eier überwintern.

Raupenplakat downloaden

Viele weitere Schmetterlingsraupen, wie etwa von Distelfalter, Zitronenfalter, Kohlweißling, Bläuling, Aurorafalter, Kleiner Fuchs, Admiral, Schwalbenschwanz oder Totenkopfschwärmer, finden Sie auf unserem Raupenplakat.

5 Tipps um Schmetterlingsraupen zu fördern

  1. Pflanzen Sie im Garten wertvolle heimische Sträucher wie Schlehe, Salweide, Haselnuss oder Weißdorn, denn viele Schmetterlinge fliegen auf sie.
  2. Tolerieren sie natürlich wachsende Beikräuter wie etwa Brennnesseln, Disteln oder Klee-Arten, und geben sie ein Fleckerl im Garten der Natur zurück, indem Sie dort auf Rasenmähen verzichten. Schmetterlinge brauchen ungestörte Plätze, um ihre gesamte Entwicklung durchmachen zu können. 
  3. Verzichten Sie auf Kunstdünger, denn diese wirken sich für Schmetterlinge ungünstig auf die Artenzusammensetzung der Vegetation aus und sie verändern außerdem die Chemie der Pflanzen, was sie für Schmetterlinge weniger wertvoll macht. Es kann sogar passieren, dass die Tiere ihre Nahrungspflanzen nicht mehr erkennen, weil der Dünger ihren Duft verändert.
  4. Verzichten Sie auf Pestizide, denn chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind sowohl eine akute als auch eine langfristige Gefahr für Schmetterlinge und andere Lebewesen. Behandeln Sie keinesfalls blühende Pflanzen!
  5. Reduzieren Sie die Außenbeleuchtung zum Schutz von nachtaktiven Tieren.

Raupen als Nahrung für Vögel und andere Tiere

Raupen selbst und auch alle anderen Entwicklungsstadien des Schmetterlings stehen auf dem Speiseplan vieler tierischer Räuber und sind somit auch ein wesentliches Glied in den Nahrungsketten unserer Ökosysteme. Ein Schmetterlingsweibchen legt hunderte bis tausende Eier. Von den daraus schlüpfenden Raupen entwickelt sich nur ein kleiner Bruchteil zu Faltern. Die allermeisten werden gefressen. Besonders die Aufzucht vieler Jungvögel ist ohne Raupen unmöglich. Der Rückgang der Vögel steht also auch im Kontext des Rückgangs der Raupen und Schmetterlinge. Aber auch viele Reptilien, Igel, Kleinsäuger und Amphibien ernähren sich zum Teil von Raupen.

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