Igeln ein Zuhause geben

Igel helfen unsere Gärten von Schädlingen zu befreien. Die stacheligen Gesellen fressen vor besonders gerne Insekten und sind damit Bioindikatoren für ein intaktes Ökosystem.

 

Junger Igel im Garten

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Die stacheligen Säugetiere ernähren sich gerne von Insekten, Larven und Beeren. Hin und wieder stehen aber auch Eier, Aas und kleine Säugetiere wie Mäuse auf ihrem Speiseplan. Sie taugen also im eigenen Garten bestens dazu, Schädlinge in Schach zu halten. Durch die intensive Landwirtschaft und den Anbau von Monokulturen hat auch der Igel mit dem Verlust von Lebensraum zu kämpfen.

Es zieht ihn deswegen immer öfter in die Gärten bewohnter Gebiete. Doch auch hier wird es immer schwieriger für die kleinen Tiere. Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, eine zu starke Rasenpflege – vor allem Mähroboter – und die Beseitigung der wilden Ecken im Garten, entziehen ihm die Lebensgrundlage und die Nahrungsquellen. Wenn Igel mangels Insekten auf Würmer und Schnecken ausweichen müssen, laufen sie Gefahr von Lungenwürmern und anderen Parasiten befallen zu werden, die Würmer und Schnecken als Zwischenwirte nutzen. Auch der Straßenverkehr birgt ein hohes Gefahrenpotential für das nützliche Tier. In Österreich sind Igel auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten als gefährdet eingestuft.

Deshalb ist es umso wichtiger dem kleinen Tierchen eine Ruheoase im eigenen Garten zu bieten. Wie Sie das schaffen, erfahren Sie weiter unten im Artikel.

Das Leben des Igels

Bevorzugt leben die, besonders ab der Dämmerung aktiven, Tiere in dichtem Gehölz, Gebüsch und hohem Gras in der freien Natur oder an Waldrändern. Hier finden sie genügend Rückzugsorte, Verstecke und Jagdreviere. Aber auch ein naturnaher Garten ist ein guter Lebensraum für die kleinen Säuger. Igel bleiben meist in ihrer gewohnten Umgebung, vorausgesetzt es stehen genügend Ressourcen zur Verfügung.

Weltweit gibt es ca. 26 verschiedene Igelarten. Bei uns in Mitteleuropa heimisch und am weitesten verbreitet ist der Braunbrustigel. Igel werden durchschnittlich vier Jahre alt, ihre Fellfarbe reicht von braun bis grau, sie haben Knopfaugen und kleine Ohren. Igel orientieren sich meist am Geruch oder an Gehörtem, ihr Sehvermögen ist hingegen nicht besonders stark ausgeprägt. Ihre Hinterbeinchen sind länger als die vorderen und ihr Hauptmerkmal sind die Stacheln auf dem Rücken.

Igel kommen bereits mit kleinen weißen Stacheln auf die Welt. Ein ausgewachsenes Tier hat bis zu 16.000 dieser spitzen Exemplare auf seinem Körper, die ihn bei Gefahr vor Angreifern schützen. Rollt sich der Igel zusammen, zieht sich die Haut unter den Rückenmuskelgruppen zusammen. Diese wird dann wie ein Sack über den Körper gestülpt, gleichzeitig werden die Stachel aufgestellt. So ist er bestens gegen Feinde gewappnet. Igel sind Einzelgänger und bis auf die Paarungszeit von April bis August, schlagen sie sich allein durchs Leben. Kommen die Babyigel zu Welt, so ist der Wurf von meist 4 - 7 Jungen anfangs noch blind. Der Nachwuchs wird etwa 20 Tage gesäugt. Nach eineinhalb Monaten sind die Jungen dann bereit, ihre eigenen Wege zu gehen.

Igel zusammengerollt

Christian S. Hartl/Unsplash

Winterschlaf

Von Oktober bis April halten Igel ihren Winterschlaf. Hier ziehen sie sich meist in einen Hohlraum, unter Holz- oder Laubhaufen zurück und richten sich ein gemütliches Nest für die kalte Jahreszeit ein. Dieses Nest ist stabil und mit Gräsern und Laub gegen die Kälte isoliert. Während der kalten Monate überleben die Igel durch den Verzehr des zuvor angelegten Fettvorrats. Gerade junge Igel sind im Herbst auch tagsüber unterwegs um sich ordentliche Reserven anzufuttern. Junge Igel brauchen noch Körperwärme, sie bleiben daher im ersten Winter oft bei ihren Geschwistern. Erwachsene Igel hingegen verschlafen die kalte Jahreszeit allein in ihrem Nest und verringern ihre Körpertemperatur und Atemfrequenz auf das Überlebensminimum.

Das Beste für den Igel

Um den eigenen Garten in eine Wohlfühloase für Igel zu verwandeln kann man einiges tun.

  • Beispielsweise sollte man auf Absperrungen aus Maschendraht verzichten und kleine Schlupflöcher in den Zäunen offen lassen, um den Durchgang zu erleichtern.
  • Der Verzicht auf Pestizide, Kunstdünger und exotische Pflanzen hilft, die Hauptnahrungsquelle des Igels – die Insekten – in ihrer Population aufrecht zu erhalten und dem Igel so ausreichend Futter zu bieten.
  • Dichtes Gebüsch, Laubhaufen, Totholz und hohes Gras machen Insekten wie Bienen und Schmetterlingen, Würmern und Igeln gleichermaßen Freude und tragen zu einem intakten Ökosystem bei.
  • Ein Unterschlupf für die Ruhezeit, ein Winterquartier und Nistplätze sind für den Igel überlebenswichtig.
  • Auch eine Wasserstelle wird gerne von ihnen genutzt, um ihren Durst zu stillen. Hierfür eignen sich Gefäße, die wie Vogelbäder sehr flach und maximal 10 cm tief sind. Hat man einen Schwimmteich oder einen Pool, ist es hilfreich eine kleine Rampe zu bauen, damit sich Tiere, die ins Wasser gefallen sind, wieder ins Trockene retten können.
  • Auch beim Mähen sollte man besonders vorsichtig sein. Das hohe Gras sollte vor dem Einsatz der Sense auf Nester kontrolliert, Rasenroboter vermieden und wilde Ecken stehen gelassen werden.
  • Offene Kellerschächte oder Löcher sind nicht nur für Igel gefährlich, am besten ist es sie abzudecken.

Hilfe für den Igel

Hat man das Glück einen Igel im eigenen Garten anzutreffen, sollte man ihm wohlige Rückzugsorte schaffen und ihn in Ruhe dahinleben lassen. Hat der Igel auffallend wenig Gewicht, kann man ihn mit speziellem Igelfutter aber auch mit Katzenfutter versorgen. Das schmeckt, hilft ihn aufzupeppeln und er hat so bessere Chancen den Winter zu überleben.

Findet man ein junges Igelbaby, das aus dem Nest entwischt ist, sollte man das kleine Tierchen aufwärmen. Am besten wickelt man es dazu in ein Handtuch oder stellt eine lauwarme Wärmeflasche bereit und wendet sich an die Wildtierhilfe. Eine Wärmelampe ist für diesen Zweck nicht das Richtige, da hier Austrocknungsgefahr besteht. Füttern sollte man den Findling nur nach Rücksprache mit ExpertInnen. Igel sind laktoseintolerant, sie sollten deswegen nicht mit Milch gefüttert werden, da sie schädliche Auswirkungen haben kann. Um den Wasserhaushalt des Kleinen wieder aufzufrischen kann lauwarmes Wasser, wenn vorhanden auch mit Traubenzucker versehen, in einer flachen Schale angeboten werden.

Als Erstunterkunft kann man eine Kartonschachtel mit Zeitungspapier auslegen oder einen Kleintierkäfig verwenden. Hat der Igel offene Wunden sollten diese zur Erstversorgung mit Käsepappeltee gespült oder mit Wattestäbchen abgetupft werden. Weitere Hilfe kann eine Tierärztin, ein Tierartz oder die Wildtierhilfe bieten.

Igelhäuschen

Auch mit einem speziellen Igelhäuschen kann man eine gemütliche Unterkunft bzw. ein Winterquartier für die stacheligen Tiere einrichten. Dieses Häuschen gibt es fertig im Baumarkt zu kaufen, man kann es allerdings auch sehr leicht selbst herstellen.

 

Igelhaus für den Winter

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Dafür verwendet man am besten eine alte Obstkiste oder eine Box aus unbehandeltem Holz in die man ein etwa 10 x 10 cm großes Loch für den Eingangsbereich ausschneidet. Das Häuschen kann man mit Heu oder Laub gut ausstopfen, damit es der Igel wohlig warm durch die kalte Jahreszeit schafft.

Hier finden Sie eine genaue Anleitungexternal link, opens in a new tab