Publikation, 17.09.2020

Talking Trash: Verwirren, verzögern, verhindern

Im neuen Bericht der Changing Markets Foundation werden die Strategien der Plastikindustrie gegen gesetzlich verpflichtende Regulierungen aufgezeigt. Auf den ersten Blick scheint es, als würden sich die Firmen aktiv für Lösungen einsetzen, doch hinter den Kulissen unternehmen sie alles Mögliche um ihre Profite zu sichern und weiterhin Plastikverpackung zu verwenden.

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Die deutsche Zusammenfassung können Sie hier runterladen.

Talking Trash (c) Changing Markets Foundation

Plastikkrise zerstört Ökosysteme & schädigt Gesundheit

Bilder von verschmutzten Gewässern, Müllbergen an Stränden und Tiere mit verschluckten Plastik im Körper sind die offensichtlichen Folgen der globalen Plastikkrise. Die Produktion von Kunststoffen greift aber nicht nur am Ende ihrer Gebrauchszeit in unser Ökosystem ein. Sie verursachen von Beginn an massive Probleme in der Umwelt. Das startet bei der Gewinnung von Erdöl für die Herstellung von Primärplastik und endet bei der Entsorgung. Durch die Zumischung von chemischen Zusatzstoffen in der Produktion und die Anreicherung von Mikroplastik in der Nahrungskette, wird auch unsere Gesundheit geschädigt. Trotz der schockierenden Bildern in den Medien und des steigenden Bewusstseins in der Gesellschaft nimmt die Kunststoffproduktion stark zu und soll sich bis 2030 verdoppeln. Auch in Österreich werden es laut Umweltbundesamt eine Million Tonnen Plastikabfall sein.

Freiwillige Initiativen – aber keine Gesetze

Durch den Druck der VerbraucherInnen haben sich die verantwortlichen Unternehmen in der Plastikbranche zu freiwilligen Initiativen zusammengeschlossen. „Talking Trash“ zeigt, dass sie mit selbstgesetzten Reduktionszielen, Versprechen zum Aufbau von Mehrwegsystemen und der Einsatz von Recyklaten auf die Forderung nach Lösungen von den VerbraucherInnen reagieren. Die Versprechen reichen in der Branche von nicht vorhanden bis hin zu sehr eindrucksvollen Zielen. Diese eigenen Ziele sind allerdings nicht dafür gesetzt um sie auch einzuhalten. Die Unternehmen erfüllen sowohl ihre persönlichen als auch die in Zusammenschlüssen mit anderen Unternehmen gesetzten Zielsetzungen nicht. Sie können meist keine transparente Umsetzung ihrer Vorhaben garantieren und fordern keine proaktiven Maßnahmen gegen die Plastikkrise.

Taktikspiel der Industrie

Neben den leeren Versprechen zu freiwilligen Initiativen verzögert die Plastikbranche durch Scheinlösungen und gezielte Lobbyarbeit politische Prozesse. Sie versuchen für sie ungünstige Gesetze zu unterbinden und die aktuelle gesetzliche Lage länger zu ihrem Gunsten aufrechtzuerhalten. Gesetzliche Rahmenbedingungen wir eine verpflichtende Sammlung, Wiederverwendung oder effektives Recycling, seien aufgrund ihrer zahlreichen freiwilligen Aktionen nicht nötig. Oft werden auch Zahlen und Daten falsch dargestellt oder nicht veröffentlicht, um das Ausmaß des Problems zu vertuschen und Zeit zu gewinnen. Auch in Österreich gibt es Bremser zum Thema Pfandsystem. Warum Unternehmenszusammenschlüsse ein mögliches Pfandsystem verhindern wollen, lesen Sie in unserem Report: Die Plastikverschmutzungs-Lobby

Zeit zu Handeln

Die freiwilligen Maßnahmen der Unternehmen stehen im keinem Verhältnis zum tatsächlichen Ausmaß der Plastikkrise. Die scheinheiligen Initiativen sind keine Lösung für das Problem. Daher ist es allerhöchste Zeit für verbindliche rechtliche Vorgaben wie eine Herstellerabgabe, Mehrwegquoten und ein Einwegpfandsystem, um den stetig wachsenden Müllbergen entgegenzuwirken.

Hier können Sie die österreichische Bundesregierung auffordern ein Pfandsystem sowie Mehrwegquoten einzuführen:

Jetzt Pfand drauf