Das Handelsabkommen TTIP könnte massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Lebensmittelproduktion in der EU haben. Unternehmensverbände auf beiden Seiten des Atlantiks drängen auf mehr Marktzugang, aber die Produktion von europäischen und US-amerikanischen Lebensmitteln folgt unterschiedlichen Standards für Lebensmittelsicherheit, Tierschutz und Umweltschutz.

Billig Rindfleisch aus den USA

Werden Zölle abgeschafft, wird es zu einer Steigerung der Importe von US-Rindfleisch kommen. Unsere traditionellen Landwirtschaftsbetriebe, die hochwertiges Rindfleisch erzeugen, sind durch billiges US-Fleisch besonders gefährdet. Aktuell werden Importe aus den USA durch das EU-Verbot der Hormonbehandlung und Einfuhrkontingente für hormonfreies Rindfleisch beschränkt. Zwar wird die EU das Hormonverbot beibehalten, allerdings ist eine Quotenerhöhung von hormonfreiem Fleischimport zu erwarten. Experten gehen davon aus, dass dies zu einem 40- bis 50-prozentigen Rückgang der Einnahmen von europäischen Viehzüchtern führen könnte.

Unsere Milchbauern ziehen den Kürzeren

Die EU-Kommission will durch TTIP einen besseren Zugang zu US-Milchmärkten erlangen. Es wird ein deutliches Anwachsen der Handelsströme für Milcherzeugnisse prognostiziert. Trotz des zunehmenden Handels könnten europäische MilcherzeugerInnen einen Preisrückgang erleben, und für einige Mitgliedsstaaten, insbesondere Österreich, wird ein Verlust der Wertschöpfung in der gesamten Milchbranche vorhergesagt.

Rückgang der Getreideproduktion

Der Handel von Ackerkulturen fällt zwischen der EU und den USA momentan relativ gering aus, da die USA kein wichtiges Zielland für EU-Exporte von Getreide oder Ölsaaten sind. Der einzig relevante US-Export in die EU betrifft Sojabohnen und Sojamehl. Die EU-Kommission hat zwar erklärt, dass TTIP keinen Einfluss auf EU-Gesetzte oder Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Kulturpflanzen haben wird, die USA haben die Bedeutung der EU-Gentechnik-Regulierungen in der Landwirtschaft für TTIP aber bereits unterstrichen. Modelle prognostizieren, dass sich die Aufhebung der Zölle negativ auf die EU-Getreideproduktion auswirken wird. In einigen Mitgliedsstaaten werden Rückgänge von bis zu sechs Prozent erwartet.

Hühnchen und Co.

Bisher gibt es zwischen den USA und der EU nur sehr wenig Handel mit Geflügelprodukten und Eiern, aber die USA will den EU-Markt für sich öffnen. Wir sind besorgt, da in den USA Tierschutznormen weniger streng sind und überwiegend auf Freiwilligkeit basieren, während unsere ProduzentInnen strenge Gesetzesvorschriften erfüllen müssen. Nichtsdestotrotz wurden Tierschutzfragen aus dem Abkommen ausgeklammert. Auch bei Sicherheits- und Hygienestandards gibt es große Unterschiede. Aufgrund dieser Unterschiede sind die Geflügelfleischimporte aus den USA bisher eingeschränkt, da die EU keine Behandlung mit Desinfektionsmitteln erlaubt. Es besteht jedoch die Sorge, dass die EU-Kommission den Weg für die Zulassung von Chemikalienbehandlungen freimacht und so billigere US-Importe ermöglicht.

So eine Schweinerei

Die Schweinefleischproduktion in der EU ist, verglichen mit der US-Industrie, doppelt so groß und unterliegt strengen Tierschutznormen. Momentan gibt es nur sehr wenige Importe aus den USA, da die EU die Vermarktung von Fleisch, das Rückstände von wachstumsfördernden Substanzen aufweist, aus Sorge um die Sicherheit für KonsumentInnen, nicht erlaubt: 60 bis 80 Prozent aller Schweine in den USA werden mit diesem Hormon behandelt. Die EU hat in der Vergangenheit ihre Schweinefleisch-Industrie stark geschützt, daher ist es wahrscheinlicher, dass sie den USA ein großes Kontingent für hormonfreies Schweinefleisch anbieten wird.

Lesen Sie noch mehr zu den Auswirkungen von TTIP auf die Landwirtschaft in der EU und in Österreich im "Farming Report" unten im Downloadbereich.