Strom-Filz & Strom-Kennzeichnung in Österreich

Österreichs Strommarkt wirkt auf den ersten Blick vielfältig und grün. Doch der Schein trügt: Hinter zahlreichen Anbietern verbirgt sich ein dichtes Netz aus Verflechtungen. Auch ausländische Energieriesen – darunter Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken – mischen mit. Gleichzeitig zeigen sich viele Anbieter kreativ, wenn es darum geht, ihre fossilen Strom-Anteile zu kaschieren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese Tricks erkennen und wirklich grünen Strom beziehen können.

Wie ÖSTERREICHS ENERGIEVERSORGER verflechtet sind UND SIE IHRE FOSSILEN ANTEILE VERSCHLEIERN

Viele Stromanbieter und Marken, die als unabhängig und „grün“ auftreten, sind in Wahrheit eng mit den etablierten Energiekonzernen verbunden, die auch fossile Energie in ihrem Portfolio haben. So sind etwa go green energy und Unsere Wasserkraft Teil der Energie Steiermark, HOFER Grünstrom ist eine Marke der Energie AG Oberösterreich, Ökoenergie Tirol gehört zur TIWAG und Naturkraft zur ENERGIEALLIANZ und damit zu EVN, Wien Energie und Burgenland Energie. Diese enge Verflechtung sorgt für Intransparenz und behindert echte Wahlfreiheit für Konsument:innen.

Grafik zum Strommarkt in Österreich (Stand September 2025). Gezeigt werden Eigentums- und Beteiligungsverhältnisse zwischen Energieversorgern und Strommarken als Flussdiagramm. Pfeile mit Prozentangaben stellen Besitzanteile dar. Große Energieversorger sind überwiegend im Eigentum von Bundesländern und Städten und teils gegenseitig beteiligt. Auch ausländische Konzerne sind beteiligt. Zudem ist ersichtlich, welche Strommarken zu welchen Energieversorgern gehören.
GLOBAL 2000

Enge - oft auf den ersten Blick nicht zu durchschauende - Verflechtungen auf dem Strommarkt behindern echte Wahlfreiheit der Konsument:innen.

Höhere Stromkosten

Die enge Verzahnung der Anbieter verzerrt den Wettbewerb auf dem Strommarkt. Sind viele Anbieter wirtschaftlich miteinander verbunden, gibt es kaum echte Konkurrenz. Preise können strategisch innerhalb der Konzernverbünde gesteuert, statt durch Marktkräfte bestimmt zu werden. Für Konsument:innen bedeutet das höhere Stromkosten, während die Anbieter ihre Margen sichern.

Ausländische Konzerne

Durch Beteiligungen an österreichischen Stromanbietern mischen auch ausländische Konzerne am heimischen Markt mit. So hält die deutsche RWE – ein Betreiber von Kohlekraftwerken – nennenswerte Anteile an der KELAG, dem Kärntner Landesenergieversorger, und kann damit Einfluss auf Entscheidungen nehmen, die eigentlich im Interesse der Bevölkerung liegen sollten. Mit der ungarischen MVM ist sogar ein Atomkraftwerksbetreiber am heimischen Markt aktiv.

Einfluss der öffentlichen Hand nutzen

In unserer Analyse wird aber auch der mögliche Einfluss der öffentlichen Hand deutlich. Als Mehrheitseigentümer:innen an Energiekonzernen verfügen Länder und Städte über enorme Gestaltungsmöglichkeiten. Sie könnten und sollen diesen Einfluss gezielt nutzen, um den Markt zugunsten von Konsument:innen und Klimaschutz zu steuern.

Die Tricks der Stromanbieter

2012 setzte sich GLOBAL 2000 erfolgreich dafür ein, dass in Österreich eine lückenlose Kennzeichnung der Stromherkunft gesetzlich verankert wurde – ein Meilenstein, an dem wir lange gearbeitet haben. Ab 2015 endete damit der Verkauf von „Strom unbekannter Herkunft“ oder „Graustrom“. Seitdem muss jeder Stromanbieter in Österreich genau angeben, aus welchen Technologien und aus welchen Herkunftsländern der gelieferte Strom stammt. Zudem verpflichteten sich die Energieversorger freiwillig, keinen Atomstrom zu importieren.

Strom wird "umetikettiert"

Energieversorger haben jedoch Möglichkeiten, die Ausweisung von fossilem oder atomarem Strom zu umgehen. Häufig wird selbst erzeugter oder eingekaufter fossiler Strom durch den Zukauf von Herkunftsnachweisen „umetikettiert“. Besonders beliebt sind Zertifikate aus norwegischer Wasserkraft, die Strom, der physisch aus fossilen Quellen stammt, in der Kennzeichnung als „grün“ erscheinen lassen. Ein genauer Blick in die Stromkennzeichnung lohnt sich daher!

Seit 2024 müssen Stromanbieter zusätzlich angeben, welcher Anteil der Herkunftsnachweise gemeinsam mit dem Strom gehandelt wurde. Im Umkehrschluss wird also nachvollziehbar, wie groß der Anteil an „umetikettiertem“ Strom ist. Beispielsweise weist die Salzburg AG zwar 100 % Grünstrom aus, gleichzeitig zeigt die Kennzeichnung, dass mehr als ein Drittel der Nachweise aus Norwegen stammt und ebenfalls ein Drittel getrennt von der Energie zugekauft wurde (siehe Grafik).

Die Grafik zeigt die Stromkennzeichnung der Salzburg AG für das Jahr 2024. Es ist ersichtlich, dass 100 % der Herkunftsnachweise aus erneuerbarer Energie stammen, aber nur rund 64 % aus Österreich. Die restlichen Nachweise stammen aus Norwegen. Außerdem ist ersichtlich, dass 64 % der Nachweise gemeinsam mit der elektrischen Energie erworben wurden.
GLOBAL 2000

Beispiel für eine "Umetikettierung" von Strom durch die Salzburg AG: 100 % der Herkunftsnachweise stammen aus erneuerbarer Energie, aber nur rund 64 % aus Österreich - die restlichen Nachweise kommen aus Norwegen.

Gleicher Konzern - mehrere Vertriebsgesellschaften

Ein weiterer Trick der Stromanbieter besteht darin, für unterschiedliche Kund:innengruppen eigene Vertriebsgesellschaften zu gründen. Diese dürfen jeweils eine separate Stromkennzeichnung ausweisen – auch wenn der Strom letztlich aus demselben Konzern stammt. So lagern etwa VERBUND oder Energie Steiermark die fossilen Strom-Anteile auf ihre Industriekund:innen aus, während Haushalte über getrennte Gesellschaften offiziell zu 100 % Grünstrom erhalten.

Wir empfehlen Stromanbieter, die ...

… nur Strom aus erneuerbaren Quellen anbieten und deren Nachweise zu 100 % aus Österreich stammen.

keine Tochterunternehmen von „konventionellen“ Anbietern sind und nicht mit fossilen Energieträgern handeln.

… durch den naturverträglichen Ausbau von erneuerbaren Anlagen einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Die Treiber der Stromzukunft finden Sie im aktuellen GLOBAL 2000 Stromanbieter-Check - ein Wechsel zu ihnen geht mittlerweile mit einem Klick.

Minimum € 5

Für die Energiewende