Gen-Lachs

Gen-Lachs - das erste gentechnisch veränderte Tier

Nach jahrelangen Versuchen konnte die US-Firma AquaBounty Technologies trotz zahlreicher kritischer Stimmen aus der Wissenschaft Mitte November 2015 ihren gentechnisch veränderte Lachs auf den Markt bringen.

Die US-amerikanische Behörde für Arznei- und Lebensmittel FDA gab ihre Zustimmung zur Zulassung für den ersten gentechnisch veränderte Speisefisch. Der Gen-Lachs ist auch das erste gentechnisch veränderte Tier überhaupt, das eine Zulassung für die Vermarktung erhalten hat. Er zeichnet sich durch doppelt so schnelles Wachstum gegenüber „normalen“ Lachsen aus und liefert daher mehr „Fleisch“.

35 weitere gentechnisch veränderte Fische warten neben anderen Tieren wie Kühen in der Pipeline auf ihre Zulassung.

Keine Kennzeichnung

Einer der größten Streitpunkte rund um den Gen-Lachs ist, dass er im Supermarktregal nicht gekennzeichnet werden muss. Das heißt, als KonsumentIn weiß ich nicht ob ich einen gentechnisch veränderten Fisch kaufe und esse, ich habe somit keine Wahlfreiheit. Doch abgesehen davon, dass KonsumentInnen in trüben Wassern fischen, wenn sie zu Lachs greifen, besteht tatsächlich auch Unklarheit darüber was der Verzehr auslösen kann.

Wie kam der Gen-Lachs durch die behördlichen Kontrollen?

Der GV-Lachs wurde von unabhängigen WissenschaftlerInnen in den USA als bedenklich eingeschätzt. Im Grunde müsste jedes neue oder neuartige Lebensmittel auf seine Unbedenklichkeit für den menschlichen Verzehr geprüft werden. In der EU ist das zumindest gängige Praxis. In den USA hat die Lebensmittelbehörde dem Unternehmen AquaBounty “vertraut“, das die Unbedenklichkeit seines Produktes belegt.

Friends of the Earth US, unsere Partnerorganisation in den USA, hat zu den Bedenken eine Zusammenstellung gemacht. Sie fanden heraus, dass es bei weitem keine ausreichenden Untersuchungen zur Bedenklichkeit für den Verzehr gab. Auch aus ökologischer Sicht ist der Lachs nicht unbedenklich. Er könnte sich mit wild lebenden Lachsen kreuzen und in deren Populationen erheblichen Schaden anrichten.

Großer Widerstand

In den USA haben sich rund um die Zulassung mehr als 60 Lebensmittel-Ketten mit 9.000 Läden gegen den Verkauf des gentechnisch veränderten Lachses ausgesprochen. 1,8 Millionen US-BürgerInnen haben damals eine Petition gegen die Zulassung unterzeichnet. Und laut einer Umfrage der New York Times lehnen 75 Prozent der US-BürgerInnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab.

Warum kümmert uns ein US-amerikanischer Fisch in Europa?

Ganz einfach. In CETA, dem Handelsabkommen mit Kanada ist festgehalten, dass es Erleichterungen für die Zulassung gentechnisch (biotechnologisch) veränderter Produkte auch in der EU geben soll. Der Gen-Lachs wurde inzwischen auch in Kanada zugelassen. Sollte TTIP neu verhandelt werden, ist zu erwarten, dass auch hier ein entsprechender Passus verankert sein wird, der einen erleichterten Zugang für gentechnisch veränderte Produkte aus den USA ermöglichen soll.