Eine Hecke für jede Ecke...

Fehlt Ihnen im Garten noch eine schöne Hecke als Sicht- und Lärmschutz und als Schattenspender oder zur ökologischen Aufwertung ihrer Naturoase? Sträucher lassen sich oft sowohl im Frühjahr als auch im Herbst pflanzen. Hier erfahren Sie, warum heimische Sträucher und Hecken in keinem Garten fehlen sollten und auf was Sie achten müssen.

Hecken sind ein wichtiger Bestandteil eines Naturgartens. Wie bei anderen Pflanzen, gilt auch bei den Sträuchern für Ihre Hecke, dass heimische Arten für die hiesige Tierwelt wertvoller sind als fremdländische. Dass Thujen kein ökologisches Highlight sind, ist schon hinlänglich bekannt, aber auch der chinesische Wacholder, Scheinzypressen, Kirschlorbeer oder Forsythien sind für die heimische Insekten- und Vogelwelt so gut wie wertlos. Auch der bei einigen Faltern beliebte Sommerflieder vermittelt ein trügerisches Bild, denn zwar liefert er den ausgewachsenen Schmetterlingen Nektar, doch für die Schmetterlingsraupen sind sie keine geeigneten Pflanzen und tragen deshalb nichts zur Vermehrung der gefährdeten Schmetterlinge bei.

Schmetterlingsflieder
Thujenhecke

Heimische Wildfruchthecken dagegen werden das ganze Jahr über von den unterschiedlichsten Tieren besucht: Die Blüten werden von Bienen und anderen Bestäubern angeflogen, Raupen ernähren sich von den Blättern und können sich zum ausgewachsenen Schmetterling entwickeln, Vögel versorgen sich im Winter mit den süßen und vitaminreichen Früchten und das Falllaub und der Raum unter den Hecken dient Igeln als Unterschlupf und Winterquartier.

Falls sie unbedingt auch im Winter einen Sichtschutz benötigen, gibt es einige heimische Arten die zwar nicht immergrün sind, die aber sehr dicht wachsen und deren Blätter bis in den Winter hinein an den Ästen bleiben, wie z.B. Hainbuche, Feldahorn, Liguster, Gewöhnlicher Schneeball und Roter Hartriegel. Heimische, immergrüne Arten als alternative zur Thujenhecke sind die Eibe oder der Efeu.

Die Auswahl der Hecke macht einen großen Unterschied

Ein paar Zahlen zu den wertvollen, heimischen Sträuchern: Von Arbeiten des Insektenforschers Helmut Zwölfer ist bekannt, dass Salweiden - besser bekannt als Palmkätzchen - von mehr als 200 Insektenarten angeflogen werden, darunter allein mehr als 30 Wildbienenarten. Auf Grund ihrer sehr zeitigen Blüte im Frühling sind sie besonders wertvoll. Auf Weißdorn wurden mehr als 160 Insektenarten beobachtet, auf Schlehen über 130, auf Liguster immerhin noch mehr als 20 und an den fremdländischen und außerdem meist sterilen Forsythien nur eine einzige.

Aber nicht nur die Insekten erfreuen sich an den heimischen Hecken, so versorgt die Haselnuss mehr als 30 Säugetierarten mit Nahrung und die Hagebutte 28. Über 50 Vogelarten fliegen auf die Eberesche - deshalb auch als Vogelbeere bekannt - oder den Schwarzen Holunder. Beim Holunder ist ganz interessant, dass die Blüten bei Insekten eher nicht gefragt sind, aber dafür abgebrochen Zweige mitunter von Wildbienen besiedelt werden. Noch lieber als im Holunder siedeln sich Bienen, wie z.B. die Stängel-Mauerbiene und verschiedene Maskenbienenarten, in abgebrochenen oder abgeschnittenen Brombeerranken an, die gegen den Himmel zeigen (man kann selbst auch ganz einfach alte Brombeerranken mit ca. 1m Länge abschneiden und senkrecht in die Erde stecken).

Wildbiene auf Palmkätzchen
Wildbiene auf Holunderstängel

Heimische Sträucher haben aber noch mehr Vorteile als den ökologischen Nutzen, denn sie sind meist anspruchslos und brauchen wenig Pflege, sind oft gesund und robust gegen Schädlinge und zudem günstig zu bekommen.

Wann sollten Sie die Sträucher pflanzen?

Für viele Sträucher ist der Herbst die beste Zeit um gepflanzt zu werden, denn dann können sie während der kalten Jahreszeiten in aller Ruhe ihr Wurzelsystem entwickeln, bevor sie bei wärmeren Temperaturen wieder in das oberirdische Wachstum investieren. Sträucher können aber durchaus auch im Frühling gepflanzt werden. Es kommt darauf an, wie die Pflanzen aufgezogen wurden und in welcher Form sie gekauft wurden.

Containerpflanzen, die im Topf kultiviert wurden und ein gutes Wurzelwerk ausbilden konnten, können das ganze Jahr über gepflanzt werden, obwohl der Sommer nie eine gute Zeit ist, da Hitze und Trockenheit den jungen Pflanzen sehr zusetzen. Auch Ballenware kann immer gepflanzt werden, wenn nicht gerade die Hauptwachstumsphase der Pflanzen ist, d.h. nicht im späten Frühling oder Sommer, sondern ca. von September bis Mai. Frostempfindliche wurzelnackte Sträucher können auch im Frühjahr gepflanzt werden, dann haben sie genug Zeit, um sich auf den nächsten Winter vorzubereiten.

Alle anderen wurzelnackten Pflanzen sollten eher im Herbst gepflanzt werden, oder wenn im Frühjahr, dann noch vor dem Austrieb der Blätter. Immergrüne Sträucher wie die Eibe, sollten in der Regel ausschließlich im Herbst gepflanzt werden. Eine heimische immergrüne Pflanze, die sich gut in eine Hecke integrieren lässt und die auch im Frühjahr gepflanzt werden kann, ist der Efeu. Ab einem gewissen Alter blüht der Efeu im Herbst sehr zahlreich und bietet Blütenbesucherinnen, wie der Efeu-Seidenbiene, in einer Zeit Nahrung, in der sonst nichts mehr viel blüht. Außerdem sind die Früchte bei Amseln, Drosseln und anderen Vögeln beliebt.

Auf was muss man bei der Pflanzung und der Pflege achten?

Den richtigen Standort wählen

Besondere Erde ist für die heimischen Sträucher in der Regel nicht nötig. Lassen sie beim Setzen ungefähr 1-1,5m Abstand zwischen den einzelnen Sträuchern, damit sich diese Entfalten können. Dies ist aber nur ein Richtwert, denn es muss kein bestimmter Pflanzabstand eingehalten werden, diesen gibt es in der Natur auch nicht. Große Sträucher neben kleinen Sträuchern sind natürlich erlaubt und sorgen für mehr Struktur. Oder legen sie eine zweireihige Hecke an, diese ist blickdichter, aber den einzelnen Gehölze kann trotzdem genug Platz gegönnt werden. Auch einen lückige Hecke ist kein Grund zur Verzweiflung. Ganz im Gegenteil, denn ist die Hecke zu dicht, blockiert sie den Austausch von Leben. Schmetterlinge z.B. fliegen an dichten Hecken eher entlang als darüber hinweg, was bedeutet mit z.B. einer dichten Thujenhecke sperren sie die Schmetterlinge regelrecht aus ihrem Garten aus.

Vor dem aussetzen

Am oberen Teil der Pflanzen werden die jungen Triebe um ca. ein Drittel ihrer Länge gekürzt und beschädigte Pflanzenteile entfernt. Bei wurzelnackten Pflanzen schneiden sie besonders dicke Wurzeln etwas zurück um die Bildung von neuen Feinwurzeln zu fördern. Bei getopften Pflanzen sollten sie die Wurzeln mit einer Kralle aufrauen und dabei ruhig die Wurzeln etwas zerreissen, damit sie besser anwachsen. → Wann

Für alle Heckenpflanzungen ist eine ausreichende Bewässerung ganz wichtig um den Anwachserfolg sicherzustellen. Eine bewährte Methode ist, dass die Wurzelballen vor dem Setzen so lange in Wasser zu tauchen, bis keine Bläschen mehr aufsteigen. Generell muss im gesamten ersten Jahr der Strauch gut bewässert werden.

Pflege

Eine spezielle Pflege ist bei heimischen Sträuchern nicht nötig, sie können natürlich dürre Äste rausscheiden, aber ein stärkerer Rückschnitt ist nur dann sinnvoll, wenn die Größe zum Problem wird. Den Schnitt erledigen sie am besten im späten Winter oder zeitigen Frühjahr, wenn die Pflanzen noch in Winterruhe sind aber die Vögel schon Zeit hatten die Früchte zu sammeln. Beim Schneiden sollte von den geradlinig eckigen oder kugeligen Formen abgesehen werden. Um diese Formen zu bekommen werden die äußeren, jungen Triebe abgeschnitten und der Strauch kommt nicht zur Blüte und bildet somit auch keine Früchte. Viele Falter legen z.B. am liebsten die Eier an die Triebspitzen, bei den jungen, frischen Blättern.

Die bessere Methode ist deshalb, die ältesten Äste direkt in Bodennähe wegzuschneiden, und die frischen Triebe zu lassen, was auch einer Überalterung des Zentrums vorbeugt. Auch ein völliges auf Stock setzen ist bei vielen Sträuchern möglich, das bedeutet das alle Äste in ca. 50cm über dem Boden abgeschnitten werden und die Pflanzen völlig neu austreiben müssen. Das auf Stock setzen ist z.B. bei Pfaffenhütchen, Haselnuss, Weiden, Eiben, Mahonie oder Hainbuche möglich. Wichtig ist, dass man von März bis September auf radikale Rückschnitte verzichtet, weil dies brütende Vögel und andere Tiere gefährdet.

Die Vielfalts-Hecke

Eine naturnahe Hecke sollte generell aus mehreren Straucharten bestehen, denn dann bildet sich automatisch eine Vielfalt an Strukturen, Lebensräumen und Nahrungsangebot. Aber egal ob ihre Hecke nun aus Schlehe, Weide, Liguster, Hagebutte, Pfaffenhütchen, Sanddorn, Weißdorn, Dirndlstrauch, Traubenkirsche, Vogelbeere, Haselnuss, Apfel-, Birn- und Kricherlbäumen oder anderen Sträuchern besteht, sie könne ihre Hecke aufwerten indem Sie weitere Elemente kombinieren. Zum Beispiel können kleine Pflanzen wie Brombeeren, Himbeeren, Johannisbeere oder Stachelbeeren wunderbar in die Hecke integriert werden und auf ein paar Metern vor der Hecke können einerseits Pflanzen des Waldsaums gesetzt werden, wie z.B. Lungenkraut, Bingelkraut, Diptam, Taubnesseln und Waldreben, und andererseits Zwiebelpflanzen wie Winterlinge, Krokuse, Lerchensporn oder Bärlauch. Die Zwiebelpflanzen blühen bereits bevor die Sträucher ihre Laubblätter ausbilden und sorgen für schöne Farbtupfer im zeitigen Frühjahr und Nahrung für die ersten Blütenbesucher.

Das Laub unter der Hecke muss auf jeden Fall liegen bleiben, denn es bietet vielen Lebewesen Unterschlupf und Nahrung. Weitere Strukturen, wie Reisighaufen, Totholz, Komposthaufen, Sandhügel oder Steinhaufen machen eine Hecke zum absoluten Hotspot für die Vielfalt.

Laub- und Reisighaufen unter Sträuchern
Smaragdeidechse