Klimaschutz in Kärnten

Klimaschutz hat in der Bevölkerung Österreichs einen hohen Stellenwert, der mit zunehmenden Wissen um die Gefahr der Klimakrise weiter ansteigen wird. Dementsprechend hat sich die Politik ambitionierte Ziele gesetzt. Viele der Kompetenzen dafür liegen großteils oder teilweise auf der Bundesländer-Ebene. Wie ambitioniert und fortschrittlich Kärnten im Bereich Klimaschutz agiert, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Wir haben uns für den Klimareport sowohl die gesteckten Klimaziele, als auch den Status Quo der einzelnen Bundesländer angesehen. Folgende Analysen bezieht sich auf das Bundesland Kärnten. Den gesamten Klimareport mit allen Bundesländern und einen Vergleich mit Österreich könne Sie im GLOBAL 2000 Klimareport nachlesen.

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Klimaziele von Kärnten

Langfristige Ziele

Kärnten ist das einzige Bundesland, das keine langfristigen Klimaziele verbindlich verankert hat. In einem Entwurf der Klimastrategie Kärntens aus dem Jahr 2018 wurde zwar ein Zielerreichungsszenario definiert, das eine Reduktion der Treibhausgasemissionen Kärntens (ohne EH) bis 2030 um 33,2 % und bis 2050 um 77,4 % im Vergleich zu 2015 vorsah. Diese Strategie ist allerdings ein Entwurf geblieben und wurde nicht beschlossen. Ohnehin wären die Ziele zu schwach und nicht vereinbar mit den aktuellen Zielen der Bundesregierung für Österreich.

Mittelfristige Ziele

Kärnten bekennt sich in einem Landtagsbeschluss zu den EU-Mindestzielen einer Reduktion bis 2030 von 36 % gegenüber 2005, legt jedoch keine spezifischen Ziele für Kärnten fest. Ambitionierte Ziele wurden jedoch bereits zuvor im Energiemasterplan 2025 (eMap) und im Mobilitätsmasterplan 2035 (MoMaK) definiert:

  • Unabhängigkeit von fossilen und atomaren Energieträgern im Bereich Wärme und Strom bis 2025 und im Verkehrsbereich bis 2035.
  • Erhöhung der jährlichen Sanierungsrate bis 2025 auf 3 % und Austausch von Ölheizungen durch Heizkessel auf Basis erneuerbarer Energieträger.
  • Reduktion des motorisierten Individualverkehrs am Modal Split auf 40 % und Erhöhung des Fuß- und Radverkehrs auf 40 % bzw. jenen des öffentlichen Verkehrs auf 20 %. Verdoppelung des öffentlichen bzw. des Radverkehrs bis 2035 als Etappenziel.

Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Kärnten

In Kärnten sind die Treibhausgasemissionen seit 2010 um 4,1 % auf 3,97 Mio. t CO2-e im Jahr 2017 gesunken. Damit ist Kärnten das Bundesland, das die Emissionen in diesem Zeitraum am stärksten reduzieren konnte. Während die Emissionen im Gebäudesektor relativ stark um 23,9 % auf 0,45 Mio. t reduziert werden konnten, sind die Verkehrsemissionen um 5,0 % auf 1,71 Mio. t angestiegen. Nur Vorarlberg und Salzburg konnten im Gebäudesektor stärker reduzieren und nur in Wien sind die Emissionen im Verkehrssektor weniger stark angestiegen. Wie die Gesamtemissionen sind auch die Pro-Kopf- Emissionen seit 2010 um 4,1 % gesunken. Sie sind mit 7,1 t allerdings vergleichsweise immer noch sehr hoch und nur Oberösterreich toppt hier Kärnten. Davon werden durchschnittlich 3,1 t im Verkehrssektor und 0,8 t im Gebäudesektor emittiert. Bei Zweiterem weist das Land gemeinsam mit Wien und der Steiermark den geringsten Wert auf.

Treibhausgasemissionen in Kärnten

Entwicklung des Energieverbrauchs & Anteil erneuerbarer Energien

Im Gegensatz zu den Treibhausgasemissionen ist der Energieverbrauch (inkl. Verluste und Verbrauch des Energiesektors) in Kärnten seit 2010 um 4,4 % auf 91,6 PJ im Jahr 2018 angestiegen (+3,9 PJ) und damit stärker als in allen anderen Bundesländern. Dabei ist der Verbrauch erneuerbarer Energien um 6,7 PJ angestiegen (+15,5 %), während der Verbrauch fossiler Energien gleichzeitig um 2,9 PJ gesunken ist (-6,4 %).

Energieverbrauch in Kärnten

Der Anteil an erneuerbarer Energien konnte um 5,3 %-Pkt. und damit einzig im Burgenland noch stärker gesteigert werden und liegt nun mit 54,7 % bei mehr als der Hälfte. Damit liegt das Land im Bundesländervergleich an der Spitze.

Erneuerbare Energie in Kärnten

Ökostrom-Anteil

Die Stromproduktion erfolgte in Kärnten im Jahr 2018 zu 99,2 % aus erneuerbarer Energie. Der mit Abstand größte Anteil wird aus Wasserkraft gewonnen (84,5 %). Kärnten ist außerdem das Bundesland mit dem höchsten Bioenergie-Anteil an der Stromproduktion (12,9 %). Auf die Photovoltaik und die Geothermie fallen gemeinsam 1,8 %. Pro EinwohnerIn und Jahr werden 201,2 kWh PV-Strom produziert. Der Ökostrom-Anteil an der Stromproduktion ist damit nur in Vorarlberg höher. Da Kärnten im Gegensatz zu Vorarlberg mehr Strom produziert, als es verbraucht, konnten 2018 3,0 % (netto) des produzierten Stroms exportiert werden. Der Anteil der inländischen Ökostromproduktion am Stromverbrauch (Bruttoinlandsverbrauch) liegt demnach bei 102,2 %.

Stromproduktion in Kärnten

Wärmewende

Die Fernwärmeerzeugung erfolgte in Kärnten im Jahr 2018 zu 86,9 % aus erneuerbarer Energie und wird praktisch zur Gänze aus Bioenergie gewonnen. Der Anteil der Fernwärmeerzeugung aus erneuerbaren Quellen ist nur im Burgenland und in Vorarlberg noch höher. Der Anteil aus KWK-Anlagen liegt mit 52,8 % unter dem Österreichschnitt. Im Gegensatz zum Burgenland und zu Vorarlberg macht die Fernwärme in Kärnten jedoch einen deutlich höheren Anteil der Gebäudewärme aus, denn 26,8 % der Hauptwohnsitze sind an das Fernwärmenetz angeschlossen.

Heizungsarten in Kärnten

Der Anteil der Wohnsitze mit einem Einzel- oder Zentralheizsystem, das mit fossilen Rohstoffen betrieben wird, ist mit 28,2 % nur in der Steiermark noch etwas niedriger, wobei 24,9 % mit Heizöl, 0,3 % mit Erdgas und 0,3 % mit Kohle heizen. 28,7 % der Wohnsitze heizen mit Biomasse. Nur das Burgenland hat hier einen höheren Wert. Weitere 9,9 % sind mit einer Wärmepumpe ausgestattet oder nutzen ein solares Heizsystem. Die übrigen 6,4 % heizen überwiegend mit elektrischem Strom.

Sanierungsrate in Kärnten

Die thermisch-energetische Sanierungsrate lag in Kärnten im Jahr 2018 bei 1,4 % und damit unter dem durchschnittlichen Wert der letzten 10 Jahre (1,7 %). Damit liegt Kärnten im Österreichschnitt und weit unter der für die Wärmewende erforderlichen Rate von 3 %.

Mobilität

In Kärnten werden 76 % der Wege mit dem motorisierten Individualverkehr, 6 % mit dem öffentlichen Verkehr, 4 % mit dem Fahrrad und 13 % zu Fuß zurückgelegt. Damit weist das Land den höchsten MIV-Anteil und in den anderen Kategorien jeweils den niedrigsten Wert auf.

Mobilität in Kärnten

Der Motorisierungsgrad von 647,8 PKW/1.000 EW ist nur im Burgenland und in Niederösterreich höher und seit 2010 mit einem Anstieg von 11,7 % stärker als in allen anderen Bundesländern angestiegen. 40,9 % der privaten PKW sind Zweit- bzw. Drittwagen. Der E-Auto-Anteil liegt bei 0,4 %. Hier bildet man gemeinsam mit dem Burgenland das Schlusslicht. Für den öffentlichen Verkehr gibt es in Kärnten eine landesweit gültige Jahreskarte, dies allerdings 2.420 € kostet und damit vergleichsweise teuer ist. Mit dem Fahrrad fahren KärntnerInnen durchschnittlich 0,42 km pro Tag. Das ist deutlich unter dem Bundesschnitt. Nur im Burgenland wird weniger Fahrrad gefahren.

Dementsprechend hoch ist die Verbauung durch Verkehrsflächen. Die gesamte Verkehrsfläche Kärntens hat seit 2010 um 8,8 % zugenommen und beträgt 210 km2. Das ergibt 374 m2 Verkehrsfläche pro EinwohnerIn. Nur im Burgenland und in Niederösterreich ist dieser Wert höher.

Anteil der Bio-Landwirtschaft

Der Bio-Anteil bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen liegt in Kärnten mit 24,9 % unter dem Österreichschnitt und ist in 3 Jahren um 4,4 %-Pkt. gestiegen. Bei den landwirtschaftlichen Betrieben liegt der Anteil bei 18,1 % und hat damit im gleichen Zeitraum um 3,2 %-Pkt. zugenommen. Hier hat nur Vorarlberg einen niedrigeren Anteil.

Biologische Landwirtschaft in Kärnten

Unser Kommentar

Es ist ein Manko, dass Kärnten kein verbindliches langfristiges Klimaziel verfolgt. Hier bedarf es einer dringenden Korrektur. Als klares Klimaziel soll die Klimaneutralität 2040 festgelegt werden. Bei den kurz- und mittelfristigen Zielen hat sich Kärnten in der Energiestrategie jedoch sehr ambitionierte Ziele gesetzt und will im Wärme- und Strombereich bis 2025 und im Mobilitätsbereich bis 2035 unabhängig von fossilen Energien sein. Allerdings können diese Ziele ohne zusätzliche Maßnahmen nicht erreicht werden. Es ist daher erforderlich zusätzliche, wirksame Maßnahmen auf den Weg zu bringen, mit denen diese Ziele auch nachweislich erreicht werden können. Gerade im Mobilitätsbereich bewegt sich Kärnten in die völlig entgegengesetzte Richtung und ist, was den Anteil des öffentlichen Verkehrs angeht, Schlusslicht in Österreich. Kärnten setzt stärker auf das Auto, als alle anderen Bundesländer. Es fehlt unter anderem an einem attraktiven landesweiten Jahresticket für den öffentlichen Verkehr, das zum Umstieg animiert. Zudem fehlt eine Strategie, wie eine starke Umschichtung auf den Umweltverbund gelingen kann. Im Verkehrsbereich ist darüber hinaus eine Zusammenarbeit auf bundes- und europapolitischer Ebene notwendig, um insbesondere den Güterverkehr stärker auf die Schiene zu verlagern.

Positiv hervorzuheben ist, dass Kärnten seine Treibhausgasemissionen seit 2010 stärker als jedes andere Bundesland reduzieren konnte. Mit ein Grund dafür ist der hohe Anteil erneuerbarer Energien, sowohl im Wärmebereich als auch im Strombereich. Hier liegt Kärnten im Spitzenfeld. Problematisch ist allerdings, dass der Energieverbrauch überdurchschnittlich stark gewachsen ist. Kein Bundesland hat einen so hohen Anstieg beim Energieverbrauch. Hier braucht es beispielsweise deutlich mehr Initiative bei der thermischen Sanierung, die nur auf sehr niedrigem Niveau stattfindet.

Quellen zu den obigen Infografiken und Zahlen im Text finden Sie im gesamten "GLOBAL 2000 Klimareport - Die Bundesländer in Vergleich".

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Klimaprojekte & -initiativen in Kärnten

Betriebliche Mobilität Mahle

Das Mobilitätsmanagement der Firma Mahle – mit rd. 3.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Region um St. Michael ob Bleiburg – wurde vom VCÖ im Jahr 2019 als österreichweites Leuchtturmprojekt mit dem Mobilitäts-Gesamtpreis ausgezeichnet. Im Rahmen einer Betriebsvergrößerung hat man sich dazu entschieden, die MitarbeiterInnen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad zu motivieren. In Kooperation mit dem Verkehrsverbund Kärnten wurde das S-Bahn-Angebot am Bahnhof St. Michael ob Bleiburg verbessert und eine Elektrobus-Linie zum Betriebsstandort eingerichtet. Auch die Radverbindungen wurden verbessert.

enerGetica – Photovoltaik aus Österreichs

Die 1995 gegründete enerGetica Industries GmbH ist Hersteller von intelligenten Highend-Photovoltaiklösungen. Im September 2019 startete die Produktion in der neuen Fabrik in Liebenfels, welche selbst mit einer 2,7 MW PV-Anlage ausgestattet ist.

energie:autark

Kötschach-Mauthen und AAE Naturenergie GmbH Mit dem Ziel der Energieautarkie, wurde bereits 2008 der Verein „energie:autark Kötschach-Mauthen“ gegründet. Zumindest im Stromsektor wurde das Ziel mit einer hohen Dichte an erneuerbaren Kraftwerken bereits erreicht. Mit 21 Kleinwasserkraftwerken, 3 Bergstauseen, Kärntens einziger Windturbine (eine der höchstgelegenen Europas auf 1.400m), einer Biogasanlage, etlichen Solar- bzw. Photovoltaikanlagen sowie 3 Fernwärmenetzen gilt Kötschach-Mauthen als Vorzeigegemeinde im Bereich der erneuerbaren Energien. Über die im Ort ansässige AAE Naturenergie GmbH werden inzwischen 11.000-12.000 Stromkunden in ganz Österreich mit Ökostrom aus Kötschach-Mauthen bzw. Windstrom aus Weinviertler Partnerbetrieben beliefert.

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