Parfum, Bild: Blue Celt / flickr.com

GLOBAL 2000 ließ rund 50 marktübliche Parfums und Rasierwasser vom Prüflabor Chemcon daraufhin untersuchen, ob zur steuerschonenden Vergällung* von Alkohol das hormonell wirksame Diethylphthalat (DEP) eingesetzt wurde.
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Betroffen: Davidoff, David Beckham, Faubourg, Gammon oder Cuore d'Oro

Große Mengen der hormonell wirksamen Chemikalie fanden sich in den hochpreisigen Luxusparfums “Davidoff” (7.200 mg DEP/Liter), "David Beckham" (2.720 mg DEP/Liter) und “Faubourg” (465 mg DEP/Liter) sowie in dem preisgünstigeren Aftershave/Eau de Toilette "Gammon" (5100 mg DEP/Liter) des Nivea Herstellers Beiersdorf und in dem vom Diskonter Hofer vertriebenen Parfum “Cuore d' Óro” (4.800 mg DEP/Liter). Alle anderen untersuchten Parfums sowie alle stichprobenartig mit untersuchten Körperpflegeprodukte enthielten keine nachweisbaren Mengen bzw. nur Spuren des Weichmachers (zwischen 0,1 mg/Liter und 8 mg/Liter).

Das Ergebnis ist zwiespältig. So erfreulich einerseits die Abwesenheit von DEP in der überwiegenden Zahl der untersuchten Parfums und Rasierwasser sowie in den stichprobenartig untersuchten Hautcremes, Duschgels, Zahnpasten etc. ist, so unerfreulich sind die überaus hohen Belastungen, die wir in den oben genannten Produkten vorfanden.

DEP wird über die Haut aufgenommen

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass der Weichmacher in Parfums über die Haut aufgenommen wird und in relevanten Mengen in den menschlichen Körper gelangt. Kosmetika, insbesondere Parfums, gelten als Hauptursache für die in zahlreichen Studien gefundenen DEP-Belastungen von Menschen, die entsprechende Kosmetikprodukte verwenden. Das Fatale daran ist, dass DEP zu jenen hormonell wirksamen Chemikalien zählt, die im Verdacht stehen, sensible Entwicklungsprozesse beim heranreifenden Organismus irreversibel zu beeinträchtigen. Dadurch könnten bereits im Mutterleib Krankheiten, die im späteren Erwachsenenleben auftreten, gleichsam vorprogrammiert werden.

Gefahr: Krebs, ADHS, verfrühte Pubertät, Fruchtbarkeitsstörungen und Diabetes

Ein von der Weltgesundheitsorganisation WHO publizierter Bericht zeigt mögliche Gesundheitsgefahren durch hormonell wirksame Chemikalien auf. In dem Bericht werden HWC als mögliche Ursache für den massiven Anstieg von Brustkrebs, Hodenkrebs und anderen hormon-assoziierten Entwicklungsstörungen und Erkrankungen wie ADHS, verfrühte Pubertät, Fruchtbarkeitsstörungen und Diabetes in den Industrieländern diskutiert.

Russisches Roulette: 10 Prozent der Parfums beinhalten DEP

Zwar ist es erfreulich, dass in Europa mittlerweile neun von zehn Parfums DEP-frei sind. Dass aber die KonsumentInnen, insbesondere schwangere Frauen sowie Mädchen in der Pubertät, bei der Wahl ihres Parfums ungewollt und unwissentlich Russisches Roulette spielen, ist nicht akzeptabel. Der Verzicht auf DEP ist eigentlich völlig problemlos. Alles, was die Kosmetikhersteller tun müssen, ist, den Alkohol, den sie zur Produktion verwenden, nicht mehr mit DEP zu vergällen. Die paar Cent Alkoholsteuer, die für die Kosmetikindustrie dadurch anfallen, stehen in keinem Verhältnis zu den möglichen gesundheitlichen Folgen für die KundInnen.

Handel reagiert

Manche haben damit schon begonnen, hormonell wirksame Chemikalien aus ihren Produkten auszulisten. So verzichtet die Drogerieketten dm bei ihrem Eigenmarkensortiment bereits zur Gänze auf mit DEP vergälltem Alkohol und hat im Eigenmarkensortiment deutlich weniger Artikel mit hormonell wirksamen Parabenen und Co als vergleichbare Markenartikel von Nivea und Lóreal. Noch einen Schritt weiter geht die Drogeriekette BIPA, die mit ihrer Eigenmarke bis Jahresende zur Gänze aus hormonell wirksamen Inhaltsstoffen aussteigen wird.

Wie können Sie sich schützen?

KonsumentInnen können sich schützen, indem sie die auf allen Kosmetikprodukten verpflichtend ausgewiesene Liste der Inhaltsstoffe genau unter die Lupe nehmen und hormonell belastete Kosmetika meiden. GLOBAL 2000 hat dazu eine Liste  zusammengestellt, mit der Sie Produkte überprüfen können:

*Vergällung: das Verfahren, in dem der Alkohol, der in Parfums verwendet wird, als Lebensmittel ungenießbar gemacht wird.

Weitere Infos zu hormonell Wirksamen Chemikalien: global2000.at/kosmetikcheck

Bild: CC-BY-NC-ND 2.0 Le parfum von Blue Celt / flickr.com