Medizinische Hilfe

Was ExpertInnen vorausgesagt hatten, traf einige Jahre nach der Reaktorkatastrophe leider tatsächlich ein: Die Zahl der Kinder, die an Leukämie oder Schilddrüsenkrebs erkrankten, stieg sprunghaft an. Die Leukämiestation im Kinderkrankenhaus Nr. 16 war die einzige Anlaufstelle für diese krebskranken Kinder, und sie war in einem unvorstellbar schlechten Zustand.

Kein Geld, keine Krebstherapie

Die hygienischen Zustände waren so schlecht, dass die von der Chemotherapie geschwächten Kinder nicht nur an Krebs, sondern auch an vermeidbaren schweren Infektionen starben. Oft mussten Krebstherapien aus Geldmangel einfach abgebrochen werden. Es fehlte einfach an allem. Da auch das Narkosemittel immer wieder ausging, wurde den leukämiekranken Kindern ohne Betäubung unter unvorstellbaren Schmerzen Knochenmark entnommen! Die kleinen Mädchen und Buben hatten fast keine Chance, ihre schwere Krankheit zu überleben.

Christoph Otto konnte die Kinder und ihre Not nicht vergessen und nach seiner Rückkehr nach Österreich brachte er den Stein ins Rollen. GLOBAL 2000 hob 1995 das Hilfsprojekt Tschernobyl-Kinder aus der Taufe. Schon bald konnten wir mit dem kompletten Umbau und der Ausstattung der Krebsstation nach modernen medizinischen Standards beginnen. Die Ärztinnen und Ärzte aus Kharkov wurden zur Fortbildung ins St. Anna Kinderspital nach Wien eingeladen, um sie an den neuen, lebenswichtigen medizinischen Geräten zu schulen.

Tschernobyl-Kinder
Tschernobyl-Kinder
Tschernobyl-Kinder

Heilungsrate von 5 auf 75 Prozent gestiegen

Seit 1995 haben wir zwei Kinderkrebsstationen auf westlichen Standard gebracht und versorgen seither jedes Jahr rund 100 krebskranke Kinder mit lebensnotwendigen Medikamenten. Heute wissen wir: Das Projekt Tschernobyl-Kinder hat an der Kinderkrebsstation von Kharkov wahre Wunder gewirkt. Die Heilungsrate der Kinder ist von nur 5 auf 75 Prozent gestiegenDie Station von Kharkov ist heute die erfolgreichste unter den sieben ukrainischen Kinderkrebszentren.

Wir haben weiters drei Internate für chronisch kranke Kinder modernisiert und unterstützen jedes Jahr etwa 600 chronisch kranke Kinder mit Heilmitteln.

Eine Video-Reportage von Martin Aschauer zur Lage vor Ort (2014):

Die Ost-Ukraine – eine ungesunde Gegend zum Aufwachsen

Die Auswirkungen von Tschernobyl sind aber noch lange nicht ausgestanden, denn die Neuerkrankungen an Leukämie sind erneut um 100 Prozent gestiegen. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, wie lange die Folgen der atomaren Verstrahlung auf diese schreckliche Weise weiter wirken werden.

Aber nicht nur in Kharkov, in der gesamten Ost-Ukraine gibt es viel mehr kranke Kinder als anderswo. Die Zahl der Kinder, die an Leukämie und Schilddrüsenkrebs erkranken, ist immer noch am Steigen, aber auch andere Krankheiten treten dort gehäuft auf. Einerseits ist die Gegend noch immer durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gezeichnet. Über die Langzeitwirkung von Strahlenbelastung gibt es heute schon zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse. Andererseits ist die Umwelt durch Altlasten des jahrzehntelangen Bergbaus und der chemischen und Stahlindustrie in der Region massiv verschmutzt. Und in den letzten Jahren kam noch der Krieg als dritte belastende Komponente dazu. Zwar gibt es heute schon bessere Behandlungsmethoden als noch vor ein paar Jahren, aber die wirtschaftliche Situation hat sich durch den Krieg weiter massiv verschlechtert.

Tschernobylkind im Krankenhaus
Julia Drumel mit krankem "Tschernobyl-Kind"
Kind und Krankenschwester in Krankenhaus

Für die teuren Chemotherapien fehlt das Geld

Mit einer Chemotherapie sind die Heilungschancen bei Leukämie inzwischen recht gut, aber selbst bei günstigstem Verlauf ist die Belastung für die Kinder enorm. Acht bis neun Monate dauert das Martyrium und es ist nur der erste Schritt zur Heilung.

Vor dem Krieg hat der Staat zumindest die Kosten der Intensivchemotherapie übernommen. Jetzt ist das nicht mehr der Fall. Eine Intensivchemotherapie kostet in der Regel 1.250 Euro pro Monat. Da bei den meisten Kindern während der Chemotherapie zahlreiche Komplikationen dazukommen, brauchen sie zusätzliche Begleittherapien, die weitere 600 Euro pro Monat kosten. Wie sollen sich das Familien bei einem Durchschnittsverdienst von 100 Euro im Monat leisten können?

Und auch danach ist es noch nicht ausgestanden. Um wirklich gesund werden zu können, müssen Kinder noch eine Erhaltungstherapie bekommen, die in der Regel weitere 18 Monate dauert. In dieser Phase müssen die kleinen PatientInnen täglich lebensnotwendige Medikamente nehmen. Aber auch diese kosten wiederum mehr, als die Eltern im Monat verdienen. Ohne Erhaltungstherapie wäre das Martyrium der Chemotherapie aber umsonst gewesen, ein sinnloser Leidensweg.

GLOBAL 2000 fährt auch regelmäßig in die Ostukraine, um die Situation vor Ort zu prüfen und den Bedarf punktgenau zu erfassen. Neben der Unterstützung medizinischer Einrichtungen mit Medikamenten und medizinischen Geräten, unterstützt GLOBAL 2000 auch zahlreiche Kinder mit schweren Erkrankungen, die vor Ort nicht behandelt werden können. Zum Teil holen wir diese Buben und Mädchen für lebensrettende Operationen und Therapien nach Österreich und/oder beschaffen ihnen dringend benötigte Medikamente.

Für die Eltern dieser Kinder bedeutet das alles viele Monate Angst und Ungewissheit. Helfen Sie mit Ihrer Spende, um den kleinen PatientInnen, die so tapfer ihr Schicksal ertragen, eine Chance zu geben: eine Chance wieder gesund zu werden, eine Chance auf ein glücklicheres Leben, eine Chance auf Gesundheit. 

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